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dem Tagesprogramm die Stuirden nicht diesem geselligen Berkehr gewidmet Ware», füllte man die Stunden der Einsamkeit aus mit der Lektüre mitgebrachter oder aus einer Bibliothek entliehener Bücher oder der Korrespondenz mit Bekannten, zuioeilen auch, jedoch nur bei längerem Ausenthalt, mit Abschreiben von Kolleg- besten fleißiger Kominilitonen oderNachteilen von Schwänzen" in den eigenen Heften. Reichlichen Unterlmltungsstoft gewährte daneben auch das demDiszippel" gegenüberliegende mtb nur durch den schmalenBrandplatz" von diesem getrennte frühere Gymnasium (das jetzige Kreisamtsgebäude', dessen Fenster im Sommer während der Unterrichlssinuden in der Regel ossen stan­den und sonüt einerseits den Pennälern den sreien Ausblick nach den vergitterten Karzerzellen aus dem Dachstock und andererseits deren Bewohnern die Beobachtung der Vorgänge in den Klassen­zimmern ermöglichten. Bei dem lebhaften Interesse, das die Gießener Pennäler, auch schon die jungen Herren Quintaner und Quartaner, allezeit den Personen und Schicksalen ihrer zu­künftigen Borbilder gewidmet hatten, war eo natürlich, das; ihnen auch die Namen und Persönlichkeit derjenigen, die da droben in .Hemdärmeln durch die engen Gittcrösfnungen nach ihnen heruntcrschanten und durch Zuwinken stumme Zeichen freund­licher Begrüßung mit ihnen wechselten, ganz genau bekannt wa­ren. Diese gegenseitigen Sympathiekundgebungen waren aber kei­neswegs im Sinne der Her.en Magister, die nicht selten die betrübende Wahrnehmung machen mußten, daß das Interesse der braven Schüler an den unregelmäßigen Verben der lateinischen oder griechischen Grammatik und an den anziehenden Schilde­rungen in Caesarsde bello Gallico" und XenophonsAnabasis" weit hinter dem Interesse für den armen Kerl hinter dem Gitter »urückblicken. Eine Aenderung dieses Verhältnisses trat erst ein, als einmal ein frecher Fuchs in übermütiger Laune den Quar­tanern während der Französischen Unterrichtsstunde mit lauter, vernehmlicher Stimme die frivolen Worte zugerusen hatte:Ihr Buben, laßt euch doch von dem Schulmeister nichts weismachen!" Die wegen dieser Ungebühr von dem Direktor erhobene Beschwerde hatte den Erlaß einer universitätsdehördlichcu Verfügung zur Folge, wonach den Karzerbewohnern jcglick>e Störung des Unter­richts in dem Gymnasium bei Meidung besonderer disziplinären Ahndung strengstens un ersagt wurde. Außerdem wurde der be­tressende Missetäter in eine nach der entgegengesetzten Seite, im sog. Turm, gelegene Zelle versetzt, in welcher ihm weniger Gelegenheit zu anregender Unterhaltung geboten war.

War nun unter dieser ablvcchslnngsrcichen Tätigkeit und Unterhaltung das Ende der Strafzeit hcrangckomnien, dann nahm der angehende Freiheitskandidat feierlichen ^Abschied von den ihm liebgewordcnen Räunien, die ihm so gastliche Aufnahme gewährt und ihm die Gelegenheit gegeben hatten, im stillen Kämmerlein über die Verwerflichkeit des Duells im allgemeinen und die Substitution unschuldiger Menschen sür sckmldige im besonderen ernsten Betrachtungen obzulicgen. Wenn dann endlich um die Stunde der Fledermäuse das Rollen des Handwägelchens, aut welchem der dienstbare Geist das Bettzeug und die sonstigen Effekten diskreterweise abbvlte, sein erwartungsvolles Ohr er­reichte, dann noch einenBlick nach dem Grabe" seiner Freiheit, ein Wort freundlichen Dankes an den Hüter seiner Sicherheit sür die menschenwürdige Behandlung uirdfrei, frei, frei ist der Bursch." Die da draußen aber, die den Märtyrer akade- misäter Freiheit und altruistischen Opfermuts so herzlich bcwill- kommtcn und zur Erholung von dem ansgestandenen Martyrium aus dem kürzesten Weg zur Kneipe geleiteten, mochte hierbei wohl eine stille Ahnung beschlichen haben, daß Über kurz oder lang des Schicksals Tücke auch sie ereilen könnteheute dir, morgen mir"! Mit loclchen Mitteln und bis zu welcher Stunde der dort seither schmerzlich Venuißte die Freuden des Wiedersehens ge­nossen hat, liegt außerhalb des Rahmens des ösfentlichen Inter­esses und damit auch dieser Zeilen. Uebrigens:Hony soit, qui mal y pense!"

Wenn du aber, lieber Leser, heute aus dem jetzigenLand- grai Philippsplotz" unserer freundlichen Muscnstadt einen alten Herrn mit spärlichem, von der Fülle der Jahre gebleichtem Haupt­haar stehen siehst, dessen Augen in stiller Betrachtung aus dem Dachstock des restaurierten Schloßgebäudes ruhen, dann mögest du wissen, daß der ehrwürdige Greis lteute ein eigenartiges Jubi­läum feiert, die fünfzigjährige Wiederkehr des Tages, an welchem er mit der bunten Mütze aus den, sorgenfreien .Haupt auch einnial seinen Einzug dort droben gehalten hat. Und wenn du sichst, tvie er sich dabei eine stille Träne aus dem feuchten Auge wischt, dann wirst du diesem Akt pietätvoller Erinnerung an die Freuden und Segnungen der glücklickten Burschenjahre und der entschlafenen akademischen Gerichtsbarkcnt auch deine An­erkennung nicht versagen. _ O. Jnvenis.

humoristischer.

* Immer nach Vorschrift. Die alte Dame in der Straßenbahn:Schön, aber nachdem ich nun sür meinen .Hund ein Billett gelöst habe, bat er jedenfalls doch anch einen Anspruch ans einen Sitzplatz?" Der Sckwffner:Selbstverständlich, aber

nur, wenn er die Vorschrift innehält und die Sitzkisjen nicht mit

den Füße» berührt."

* Der anstellige Bursche. Ein Ossizier sagt zu seinem Burschen :Geh zu Signor B. und sage, ich ließe mich nach dem Befinden der gnädigen Frau erkundigen, die gestern abend mit deur Tode rang. Sollte die Aermstc gestorben sein, so frage, wann das Leichenbegängnis sein wird." Der Soldat kehrt zurück und erklärt ganz stolz :Sie haben mir gesagt, es ginge der gnädigen Frau heute besser, und wann das Leicktenbegängnis wäre, könnten sie noch nicht sagen."

* Geistesverwandte. Die berühmte Mrs. Stanley: Ach, wie viel Neues habe ich heute abend nicht gelernt, wieviel wertvollen Nutzen trage ich nicht von diesen! Gespräch mit Ihnen, meine verehrte Miß Deartonie, davon! Irgendwie fühle ich Ihren Geist, Ihre Art zu sehen, Ihr Wissen dem meinen ver­wandt. Sind Sie auch Schriftstellerin?"Nein, ich lehre im Kindergarten."

* Ein s ch ö n c r L o h n. In einem römischen Blatt las man lürzlich folgende Anzeige:Gesucht wird eine tüchtige Wä­scherin, die Wäsche einer kleinen Familie zu wasche». Als Lohn würde Klavierunterricht erteilt."

* Schnelle Erfüllung. Der Redner, der seine Zu­hörer schon seit langen: ehrlich langweilt, mit Inbrunst:Ich spreche hier zum Wähle und zum Besten der Nachwelt!"> Stimme aus deni Hintergrund:Ja, und wenn Sie nicht bald fertig werden, wird sie da sein!"

vüchertisch.

Neuerscheinungen der Universal Biblio < thek. Richard Wagner, Tondramen. In 2 Leinen- bänden 3 Mk., in 2 Lederbänden mit Goldschnitt 4.50 Mk. Rr. 5641. Das Rheingold. Borabend zu dem Bühnen- scstspiel Der Ring des Nibelungen. Bon Richard Wagner. 76. Band der Opernbücher. Vollständ. Buch, herausgegeben und eingeleitet von G. R. K r n s e Nr. 5642. Die Walküre. Erster Tag aus dem Bühiiensestspiel Der Ring des Nibelungen. Von Richard Wagner. 77. Band der Opernbücher. Voll- ständ. Buch. Herausgegcben und eingeleitet von G. R. K r u s e. Nr. 5643. Siegfried. Zweiter Tag aus dein Bühnenfest- spiel Der Ring des Nibelungen. Von Richard Wagner. 78. Band der Opernbücher. Vollständ. Buch. Herausgegeben

und eingeleitet von G. R. Kruse. Nr. 5644. Götterdämme­rung. Dritter Tag ans dem Bühnenfestspiel Der Ring des Nibelungen Von Richard Wagner. 79. Band der Opern­bücher. Vollständ. Buch Herausgegeben und eingeleitet von G. R. Kruse. Nr. 5645. Rienzi, der letzte der Tri­bunen. Große tragische Oper in fünf Auszügen (nach Bulwers gleichnamigem Romair. Von Richard Wagner. 80. Band der Operiibücher. Vollständiges Buch. Hrausgegcben und ein- gcleitct von Georg Richard Kruse. Rr. 5646. 5647. Die F ra u P r o s e sso ri n. Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte. Bon BertholdAuerbach. Mit einer Einleitung von l>r. Eugen Wölbe. In Leinen 80 Pf. Nr. 5648. Das Jmpsgesetz für das Deutsche Reich vom 8. Apric 187 4. Mit Einleitung und Erläuterungen herausgegeben von Dr. Paul Michaelis. In Leinen 60 Pf. Inhalt: Vorwort. Ein­leitung. Jmpsgesetz. Beschlüsse des Bundesrats vom 28. Juni 1899, betreffend die Ausführung des Jmpsgcsetzes. Anhang, ent­haltend die vom Bundesiat vorgeschriebenen Formulare. Sach­register. Nr. 5649. Melchior K a t ä n g h y. Erzählung. Von Koloman Mikszäth. Autorisierte Ilebersetziing aus dem Ungarischen von Jo sefine Kaufm a n n. Nr. 5650. Berg­gen offen und andere Erzählungen. Bon Hein­rich bon Schultern. Mit dem Bildnis des Versassers und einer Einleitung von vr. Robert Reinhard. Inhalt: Einführimg. Berggenossen Mister Bolings Heimkehr. Der Wei­bernarr. Ei» Scelenkonslikt Der Schmetterling. Aus der Berg­heimat. sHkr immer! Atelierseelen. Feuer! Der Uebersetzer, Der närrische Graf. _

versteckrätsel.

Man Incbe ei» Sprichwort, dessen einzelne Silbe» in solgende» Wörtern versteckt sind, wie die Silbean" in .Wanderer". Bctscbnane» Finsternis Bleiburg Reibeisen Deidesheim Wonnemond Stärkekleister Wachposten. Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Künigspromenade in voriger Nummer:

Der Baum merkt nicht die Last,

Hält drauk der Vogel Rast;

Doch fliegt der Vogel ivcg.

So schivaiikt davon der Ast.

So suhlst du nicht die Lust,

Tie wonnt in deiner Brust:

Doch ivenn sie dir entstiegt.

So iüblst di, den Belast. Nückeik.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lauge, Gießen,