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Ter Angeredeie kämpfte mit einer leichten Verlegenheit; sein hübsches Gesicht war sehr rot geworden. Mißtrauisch und mit Eifersucht im Herzen beobachtete ihn Mols' ihm war cS schon immer so vorgekomnien, als ob der junge
Arzt Mary liebte ---und wie mochte sie sich wohl dazu;
stellen? — Tenn das konnte ihr unmöglich verborgen geblieben sein!
„Ja, Herr Hauptmann," sagte endlich Toktor Kornelius, „ja, ivenn Sie cs wissen wollen, Sie sprechen ja doch nicht darüber, ich habe Schwester Konsuelo lieb — mehr als ich sagen kann."
„Ach, und weiß sie darum?"
„Ja! Doch hat sie mir jene beglückende Hossnung, sie als mein Weib jm sehen, genommen. Ich habe sehr darunter gelitten. Muß man sie nicht lieb haben, wenn man sie sieht und kennt?"
„Sie ist schön, Doktor, selten schön — ich glaube es Ihnen und — fühle es Ihnen nach. Und womit hat sie denn Ihre Weigerung begründet? Ten» ich kann mir nicht denken, lieber Kornelius, daß ein Mädchen Sie ohne triftigen Grund zurückweist!"
„Man kann es kaum wiederholen! — Sie lväre nicht aut genug für mich — sie, die der Trost aller Kranken ist,
in deren Pflege sie auch ausgeht!--Ich glaube, Herr
Hauptmann, in ihrer Vergangenheit ist ettvas, woran sie krankt, vielleicht eine unglückliche Liebe — ich weiß es nicht! Etwas Schlechtes aber nicht, das kann nimmermehr sein — so etwas deutete sie aber an; man konnte es aus ihren Reden entnehmen! Vielleicht quält sie sich unnütz mit etwas. Bei Kollege Hamann ist sie lieb Kind, lvie eins Tochter des Hauses. Mir ist es jetzt schwer, sie zu sehen —i und doch kann ich ihren Anblick nicht entbehren!"
„Es tut mir leid um Sie, lieber Doktor," sagte Wolf herzlich, „ich hätte Ihnen Glück gewünscht! Vielleicht kann es doch noch sein, haben Sie Geduld!"
Traurig schüttelte Kornelius mit dem Kopf. „Nein, Herr Hauptmann, das ist ausgeschlossen! — Man muh eben entsagen lernen und tragen, was mau nicht ändern kann!" Und dann zwang er sich zu einem leichteren Ton —t „also in zwei Stunden bin ich wieder da und bringe Bescheid von Schwester Hanna; sehe ich Sie dann wieder, Herr.Hauptmann?"'
„Hoffentlich kann ich es möglich machen," cutgegncte Wolf und reichte seinem Begleiter zum Abschied die Hand, da ihre Wege jetzt sich trennten.
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Die zwei Stunden waren um; Wolf hatte keine Ruhe mehr gehabt und e§ möglich gemacht, daß er schon wieder JM Haus war. Toktor Kornelius loar noch nicht da. Mechanisch hatte Mary ihre Sachen zusammengepackt; sie durfte picht an den Abschied denken, wenn ihr das Herz nicht schwer werden sollte. „Was tust du?" fragte Hasso, der sie beobachtet hatte.
«Ich gehe jetzt fort, mein Kind, du bedarfst, meiner nicht mehr!"
„Nein, du sollst bei mir blcibeit —und er sing ai« zu lvcinen.
„Weine nicht, süßes Kind," beruhigte sie ihn, zärtlich sein Gesicht streichelnd. In diesem 'Augenblick traten die Eltern des Kindes ein.
„Warum Iveint Hasso? Was ist mit ihm?" fragte Ella.
„Die gute Tante soll nicht gehen; sic soll bei .Hasso bleiben," klagte der Knabe.
„Warum baben Sie ihm gesagt, daß Sic fort wollen? DaS ivar nicht nölig," sagte Ella etwas scharf, „er soll sich doch nicht ansregen!"
„Es würde ihn pipl mehr aufregen, ivenn er nachher ein fremdes Gesicht sieht und vergeblich dann nach mir rnst! Darum hielt ick, es für besser, daß er es lveiß und sich darein fügt," erwiderte Mary ruhig. Tann wandte sic sich wieder zu dem Kinde. „Nicht wahr, mein Liebling, du bist vernünftig und weinst nicht! Du mußt doch bald gesund werden; deine Ziegeiiböckckien warten schon lange auf dich! Denk mal, und Weihnachten ist auch bald; da darsst du doch nicht int Bett bleiben! Sielrst du, und ich bin auch krank — ich muß schlafen —"
„Das kannst du auch hier; du sollst da bleiben," be- harrte er hartnäckig.
„Nein, das geht nicht, mein Herzblatt, ich habe ja mein Bett nicht hier! Morgen aber komme ich wieder, zu sebeiy, ob du auch artig gewesen bist. Versprich mir —"
„Kommst du auch bestimmt ivieder?"
„Ja, mein Liebling, ganz bestimmt! Und nun behüt dich Gott, süßes Kind!" sagte sie mit halbersticktcr Stimme; sie wollte stark sein, konnte aber nicht verhindern, daß große Tränen aus ihren Augen tropften. Sic beugte sich nieder, Hasso zu küssen; er schlang seine Aermcheu fest um ihren Hals. „Aber wenn du ausgeschlafeu hast, kommst du ganz bestinmit Ivieder — morgen schon, da hast bu| doch ausgeschlafeu! Dann wird Hasso auch wieder gesund/c
Schlveigcnd beobachteten Ella und Wols den Abschied der beiden; ihm war es unmöglich, ei» Wort zu sagen, so erregt war er. „Lächerliche Sentimentalität," murmelle Ella. Mary wollte das Herz brechen vor Weh; sic warf einertz letzten liebevollen Blick auf das Kind und eilte hinaus, ihre Tränen zu verbergen. Ella folgte ihr. „Kommen Sie,liebe Schwester, ich möchte uiich Ihnen doch erkenntlich zeigen; Sie haben so viele Mühe gehabt! — Bitte, setzen Sie sich; Toktor Kornelius ist ja noch nicht da," forderte sic Maryi auf, in ihrem Zimmer augekommen. Dann entnahm sie einem Schmuckkästchen ein kostbares goldenes Kreuz. „Hier Schwester, tragen Sie das zum Andenken; ich habe ein Kreuz gewählt — anderer Schmuck ist doch wohl bei Ihnen verpönt?"
„O, Frau von Wolfsburg," wehrte Mary, „ich tat ja nichts, als meine Pflicht — 1 "
„— — Ah, es ist gut, Schatz, daß du komnist," ri».f Ella ihrem Gatten zu, der eben ciutrat, „hilf mir, Fräulein — Schwester Konsuelo überreden, ein kleines Andenken von uns auzunehmen!"
„Waum auch nicht, Schwester"?" sagte er, „Eie würden uns dadurch erfreuen!"
„Das Kreuz ist ja viel zu kostbar für mich, Herr .Hauptmann! Wen» ich aber eine Bitte wagen darf, schenken Sie mir ein Bild von Hasso."
Innig sah er sie an. Er nahm aus einem Album, das auf einem Tischchen lag, ein Bild des Knaben. „Du gestattest doch, Gabriele?" fragte er, Mary die Photographie gebend, die dieselbe in Empfang nahm.
„Gewiß .gewiß, mein Schatz, wenn Fräulein Winters so viel Interesse für unser Kind hat!" lächelte sie, boshaft die Lippen verziehend und von einem zum ander» sehend. „Was schaut ihr mich so sprachlos an? Glauben Sie, Fräulein Winters, daß ich Sie, meine cidevant Putzmacherin, nicht wiedererkannt habe? 5>ch bewundere de» Mut, mit dem Sic in mein Haus gekommen sind! Vielleicht glaublen Sie, als barmherzige Schwester zerrissene frühere zarte Bande wieder anknüpfen zu können?" fragte sic hohnvoll, jedeK Wort scharf betonend.
„Ich kam hierher, ein todkrankes Kind zu pflegen," stieß Mary halb erstickt hervor, „o, das habe ich nicht verdient —" »nd bitterlich schluchzend schlug sie die Hände vor das Gesicht.
„Beruhigen Sie sich, Schwester Konsuelo, weinen Sie nicht," beschwichligte Wolf die Fassungslose, „Sie bedürfen keiner Rechtfertigung —"
„Das ist ja reizend, köstlich," ries Ella, in ei» schrilles Lachen ausbrcchend, „mein Mann und seine frühere Geliebte —"
„Augenblicklich schweigst du," herrschte sie Wols an, einen Blick tiefster Verachtung ans sie werfend, „Du bist ja nichtz bei Sinnen! - Schwester Konsuelo," wandte er sich an Mary, „ich kann nicht sagen, was Sie >nir in diesen Tagen gewesen sind ich danke Ihnen aus tiefstem Herzensgründe," er beugte sich nieder und führte ihre beiden Hände fast ehr- fnrchlsvoll an seine Lippen.
„Wenn Herr Toktor Kornelius kommt, sagen Sie ihm, bitte, daß ich schon gegangen, und grüßen Sie Hasso recht! schön von mir," sagte Mary mit zitternder Stimme. Sie hatte ihre Erregung über den ihr angetanen Schimpf nieder- gekämpfl; stillschweigend legte sic das Kreuz, das ihr Gabriele ansgcdränqt hatte, auf den Tisch vor dieselbe und verließ grußlos das Zimmer. Wolf eilte ihr nach.
(Fortsetzung tolgt )


