Ein Frühlingstraum.

Roman von Fr. Lehne.

Machdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Herr Doktor, ich weiß doch, loas ich mir zumuten kann, anl besten selbst/' sagte sie erregt. Dabei trafen sich ihre Augen mit denen Wolfs, die angstvoll aus sie gerichtet waren; sic nickte ihm beruhigend zn. Dem Arzt entging dieser Blicke- austausch nicht: er sah den zärtlichen Ausdruck ihres Ge­sichtes, Ivenn sic mit Wolf sprach und eine tiefe Traurigkeit bemächtigte sich seiner, sowie auch ein tiefer Groll. Das Mäd­chen war ihm so über alles teuer, daß er cs vor jedeni rauhen Luftzug behütet hätte, und nun sah er, das; zwischen ihr und dem Hcinptmann ein gar seltsames Einverständnis herrschte, das er sich gar nicht erklären konnte. Sollte sie ---

4öie Sie wollen," sagte er kühl,ich habe es nur gut

gemeint und sehe als Arzt auch scharfer!--Sie müssen

selbst sagen, Herr Hauptmann," ivandtc er sich an diesen, daß Schwester Konsuelo sehr angegriffen anssieht."

Ja, allerdings," sagte Wolf zögernd,aber Hasso würde sie sehr vermissen; er hat sie lieb und ist an ihre Gegenwart gewöhnt; jedoch kann ich nichts sagen; der Schivester Gesundheit ist zn kostbar, als das; sie unnütz ge­fährdet werden sollte. Da treten Privatwünsche zurück!"

Da öffnete sich die Tür, und Gabriele kam in einem eleganten Schlasrock herein, etwas bleich noch, aber sonst ganz wohl anssehend.

Guten Morgen, Herr Doktor," sagte sie,Sic wundern sich, mich schon anfznsehen ich ivollte Sie aber über-, raschen. Ich fühle mich fetzt wieder wohl, rind kann mich setzt wieder nietziem Kinde widmen!"

Das ist recht, gnädige Frau, lösen Sie Schwester Konsuelo ab, die der Ruhe und Erholung sehr bedarf," ent- gegnete der Arzt. Ella sah Marh prüfend an und be­stätigte dessen Meinung.Sie haben recht, Herr Doktor; Dnsso ist jetzt außer Gefahr!"

Das ist er noch nicht," ivandte Marh ein. Scharf musterte Ella die Schwester. Sie wollte entschieden noch -bleiben, das war klar sie wollte mit Wolf zusammen sein nein, dcw durfte nicht sein sie mußte fort. Ditz beiden hatten sich während ihrer llupäßlichkeit inehr als genug gesprochen; vielleicht tvarcn sie gar wieder einig miteinander, >oer tveiß, was vielleicht geschehen Ivar! Das alles ging blitzschnell durch ihre Gedanken.

Wenn aber Herr Doktor meint, das; Sie sich ruhen können?" sagte sie-aus keinen Fall dulde ich. liebste Schwester, daß Sie sich länger opfern. Ich fühle mich Ivohl genug, die Pflege meine« Kindes selbst wieder übernehmen zu können. Schonen Sie sich ein paar Tage; Sie sehen ja zn elend und angegriffen ans. Sollten Sic außer mir noch eine Pflegerin für nötig halten, Herr Doktor, dann sorgen Sie, bitte, dafür. Sie wissen ja besser Bescheid darin!" Das

alles kam so liebenswürdig und teilnehmend aus ihrem Munde, daß keiner widersprechen konnte. Sie sah, wie eZ schmerzlich in Marys Gesicht zuckle, >vie Wolf sich ans die Lippen biß und sie kostete ihren Triumph aus; die beiden sollten sich sogar in ihrer GegenwartLebewohl" sagen; st« sollten gestraft werden! Sicher hatte diese Person mit dem unschuldigen Kindergesicht ihren Gatten wieder in ihr» Netze gezogen und hatte durch ihre raffinierte Koketterie ihn vielleicht dazu gebracht, daß er Frau und Kind um sie vergesse» konnte.

Sie sehen, Schwester, daß Frau von Wolssburg der gleichen Ansicht ist, wie ich. Also in zwei Stunden hole ich Sie ab. Ich muß erst Rücksprache mit Schwester Hanna neh­men, die gestern von Oberlehrer Türk zurückgekommen ist," sagte Doktor Kornelius herzlich,ich habe ivtrklich Angst um Sie; Sie können sich ja kaum aufrecht erhalten! Sie hatten ja in deil letzten Wochen auch zu viel zn tun. DaU kann nicht so weiter gehen, wenn ich mir nicht selbst Vor­würfe mache» soll; da seien Sie diesmal vernünftig!"

In der Tat, Mary war deni Umsinten nahe. Es war aber mehr als die körperliche Schwäche der Gedanke, den geliebten Mann, das Kind verlassen zn müssen, bas Kind, das sie so lieb gewonnen! Jedoch zwang sie sich zum Lächeln. Es ist gut, Doktor, ich werde gehorsam sein und mich bereit halten."

Doktor Kornelius verabschiedete sich und ging mit Wolf fort, der zum Dienst mußte, es aber möglich machen ivollte, Marh vor ihrem Weggehen noch zn sehen. Unterwegs sagte er mit leisem Vorwurf in der Stimme'Hasso wird seine treue Pflegerin sehr entbehren; sie war so lieb zu ihm! Auch wir hatten die sanfte Schivester lieb gewonnen!"

Weil Sie es waren, .Herr Hanptmann, habe ich sie veranlaßt, Hasso zn pflegen. Wäre jemand anderes krank gewesen, hätte ich sic geschont und eine andere Schwester gewählt. Gerade Sic und Ihr Hasso sollten aber besonders beruhigt werden; sie ist eine wahre Perle nun, Sie haben sie ja in den Tagen kennen gelernt; da brauche ich nichts zu Konsuelos Lob zu sagen. Mir ist es eine wahre Be« ruhigung, wenn ich sie an einem Krankenbette weiß."

Ja, Dottor, ich habe die Sünvestcr schätzen gelernt, und darum hätte ich sie gern »och für.Hasso behalten!"

Und gern hätte ich Konsuelo noch bei Ihnen gelassen; aber sie war am Ende ihrer Kräfte; nur ihr Wille hält sie noch aufrecht. Das Auge des Arztes sieht schärfer. Ihre Konstitution ist nicht die stärkste; sie hat sich überarbeitet, da sie unermüdlich ist und eben, weil sie die beste Pfle­gerin ist, die wir haben, habe ich sie mit Dr. Hamannis' Bewilligung Ihnen zngewiesen. Wenn sie aber nun bei Ihnen znsammengebrochen wäre, was dann V"

Ich bin Ihnen für die Teilnahme, die Sie mir e» iveisen, dankbar, lieber Doktor!" sagte Wolf, und einen forschenden Blick ans seinen Begleiter werfend, sagte er: Sie scheinen sehr viel Interesse für die Schwester zu haben!"