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sichen Ergüsse o»3 der Volksseele lasse ich zwei Liebeslieder, ein Hriegslied und ein politisches Lied folgen:

Tie Schöpfung.

Als der liebe Gott die Welt erschaffe«/

Schuf er Fische, Vogel und auch Affen;

Aber mitten iu die weite Welt Hai er auch den Adam hingcstellt.

Wie nun Adam ist allein geblieben.

Folglich keinen Handel hat getrieben.

Sagte Gott, bas ist ja auch nicht fein.

Es muh eine Gattin bei ihm sein.

Wie nun Adam schlief, ist Gott gekommen«

Hat ihm eine Rippe ausgenommen.

Nahm die Rippe mit sich fort nach Hauch Macht ihm eine schöne Eva draus.

Als nun Adam vott dem Schlaf erwachte.

Und die junge Eva ihn anlachte.

Sag, womit vertrieb er sich die Zeit?

Tavvtr schweigt des Sängers Höflichkeit.

Als nun Gott den Adam fragte,

Wie die schöne Eva ihm bchagte,

Sprach er: Nehni mir alle Rippen raus.

Mach mir lauter schöne Eva draus.

T r e Reise nach Frankreich, die fällt nlir so schwer. Tu einziges Mädchen, wir sehn uns nicht .mehr.

Sehn wir uns nicht tviedcr, so wünscht ich dir Glück;

Darum schaue, guter Jüngling, noch ostmals zurück.

Tes Sonntags, früh morgens, da kam der Rapport:

Macht Euch fertig, Musketiere, wir müssen jetzt fort.

Warum denn nicht morgen, warunl denn grade heut,

Tenn es ist ja heute Sonntag für uns schöne junge Leut,

Sie tvinkle mit den Acuglein, sie gab mir einen Kuh,

Nun Adjes, mein liebes Schätzlciu, die Reise geht los.

Krieg Slicd.

(Nach der Melodie: Prinz Eugen, der edle Ritter. . .)

Friedrich Karl sprach mid Bazäne,

Tu ich mir bei Metz ein Bene,

Ich kann warten, General!

Hast du airch gar viele Truppen,

Durch lah ich dich doch nicht schlappen.

Schließlich kriegen toir Euch all !

Und er klemmt ihn fest und fester.

Bis Bazäne klagt:Mein Bester!

Tas ist nicht nach mcineni Sinn.

Aus ist cs mit meinem Witze,

Nimm die Truppen und Geschütze,

Ich geh jetzt zu Muttern hin!"

Lachrcn Trochn und'der Favre:

An Paris zerbrecht ihr aber Euch den »opf gewih entzwei!"

Doch der Wilhelm ließ ganz heiter Transportieren das Schichzcug weiter,

Ries den Molrkc sich herbei.

Und sie warten, bis der Magen Ratt' und Mäuse könnt vertragen.

Und es jenen dämlich wird.

Ausfall wollten sic probieren,

Ta rat man sie bombadieren.

Bis Paris hat kapituliert.

Ein Ruf zum 3. März 187 1.

In Frost und Regennächten,

In Glut und Pnlverdanrp',

In hundert Blutgesechkcn,

Stand ich für Dich rnr Kampf.

Fiir Tich trag jch die Wunde!

Ich blutete für Dich.

Wohlan! Nun eine Stunde Auch in den Kampf für mich!

Fn heißen Kugelschauer«,

Fn wildcnr Schlachtgebraus,

Wir hielten wie die Mauear Auf unserm Posten aus.

Und »rocht cs Srrömc kosten Tes Bluts, wir wankten nicht Wohlair! Auf eure Posten Ruft heute euch die Pflicht.

s Wir schützten TeuischlandS Erd«,

Kein Feind hat sie verletzt.

Schützt uns daheim am Herde Tasür die Freiheit jetzt!

Und schlagt ihr nicht Franzosen,

Schlagt Funker nun im Streit,

Klopft ihr nicht rote Hofen,

Klopft schwarze Kulten heul!

Zum Kamps! Für 30 Wochen Nur einen Tag, ihr Herrn!

Was ihr uns sonst versprochen.

Wir schenkten es euch gern:

Bringt ihr statt Lorbecrrciser,

Statt eures Dankes Braus,

Statt lichterheller Häuser

Uns ein erleuchtet Haus. 11.3. 71.

VI

In den Gegenden, wo die alte Spinnstube iroch vor zehn bis zwanzig Jahren in Blüte stand, im Pogcisbcrg, im Knüll und jm Hohen Westerwald versammeln sich auch heute noch die Mädchen und Burschen zur Winterszeit, um die langen Abende gemeinsam zu verbringen. Aber das Spinnrad ist ver­schwunden, nur der Name Spinn st ube, den diese ge­selligen Bereinigungen weiterführen, erinnert an den ursprüng­lichen Zweck. .Handarbeiten wie Stricken und Häkeln habe» das Spinnen abgclöst. Ter Bedarf an gestrickten Sachen ist natürlich viel geringer als der an Leincnzeug und Tuch. Es bedarf nicht mehr des regen Fleißes, um die Arbeit zeitig zu Ende zu bringen. Tas war in der allen Spinnstube anders: ein Mädchen mußte in Schwarzenborn einen Strang (= 30 Gebinde, 1 Gebinde = 40 Faden, 1 Faden = Umfang des Haspels^) am Tage spinnen. In der Spinnstube setzte man nur die Arbeit fort, die die ganze Woche bis Samstag um 2 Uhr mit Eifer auch zu Hause betrieben wurde. Wenn das Mädchen am Abend »och etwa 10 12 Gebinde > Raboldshausen) ipinncn wollte, mußte es sich bei seiner Arbeit tummeln. Die Mutter sah streng darauf, daß das festgesetzte Maß eingehalien wurde: sonst mußte die Säumige früh aufstchen und das Fehlende nachholen. Dieser heilsame Zwang zur Arbeit fehlt heute oft: aus der Arbcitsstube ist eine Stube des heiteren Sviels und der lärmenden Freude geworden. TasSaure Wochen, frohe Feste" der alten Zeit hat für die heutige Spinnstube keine Geltung mehr. Neue Einflüsse gehen von den heimgekehrten Soldaten aus; sie bringen die Lieder mit, die sie in der Kaserne gehört oder auf Märschen ihren Kameraden abgclauscht haben <es find mcht immer die besten). Ter Liederschatz des Dorfes wird so zwar bereichert, aber sein heimatliches Gepräge leidet not. Mit dem Spinnen hängen verschiedene alte Bräuche zusammen, die auch dem Untergang geweiht sind. Beim Einzug brachte die Braut einen Wagen Flachs, ein Spinnrad, einen Schlvingstock und einen Haspel lWeife) mit. In manchen Orten im Knüll lvcrdcn die Spinngcräte heute noch mitgegeben, obgleich sie oft kaum mehr benutzl werden. Tie Mägde bekamen im Knüll und anderwärts ein Viertel Acker ( 6 Är) mit 2 3 Metzen Lein eingesät. Ter Flachs wurde gereift, ins Wasser gelegt und getrocknet: daun hatte das Mädchen Verfügung darüber. Jm Frühjahr bekam sic 8 bis 14 Tage Urlaub, um den Flachs fertig zu machen. Sie besorgte sich damit ihre Wäsche und später auch ihre Aussteuer. In den Städten schenkte die Herrschaft den Dienstmädchen fertiges Leinen, eine Sitte, die heute noch von sorgsamen Haussraucn, besonders bei älteren Dienstboten, an Weihnachten geübt wird. Man dürfte nicht fehlgehen, wenn man das Flachsfeld der Mägde aus dem Lande mit dem Schenken von Weißzeug an Weihnachten iu Zu­sammenhang bringt.

Immer nichr schwinde» die Besonderheiten des ländlichen Lebens. An die Stelle der alten Ueberlieferung, au der viele Landstriche lange mit stolzem Bewußtsein sestgehalten haben, treten städtische Gepslogenheiten, die mit dem ursprünglichen Wesen der Bewohner unvereinbar sind und den 'Stempel des Fremdartigen, a» der Stirne tragen. Ter Verlust des besonderen, persönlichen Lebens hat dann oft genug eine innere Leere und geistige Vev- arnnmg im Gefolge, die zu dumpfer Ergebung in das Geschick und zur Unzufriedenheit führen. Wo aber noch Reste landschaft­licher Eigentümlichkeiten erhalten sind, suche man sic nicht mit Gewalt auszurolte». Tie Spinnstube sollte unseren Burschen und Mädchen im Bogelsberg und überall, wo sic noch nicht ganz nnter- gegangcn ist, erhalten werden, wenn sie auch ib-ren eigentlichen Zweck verloren har. Sie ist die ehrwürdige Form, in der die länd­liche Jugend ihre Freuden sucht. Man hege und behüte das Heim der Spinnstube im Bauernhaus und dränge dic^jungc» Leute nicht in die Wirtschaften: man zerstöre nicht die Stätte, wo die ländliche Eigenart noch am schönsten gepflegt werden kann.

>) Tie Haspel in Schwarzenborn hatte einen Umfang von 2,49 Meter; von Zeit zu Zeit lvurdcn alle ins Rathaus gebracht und von dem Eichmeister aus Homberg gemessen. Solche Maß­nahmen zeuge» für den ausgedehnten, streng geregelten Betrieb und werden dadurch verständlich, daß in früheren Jahren viele Leute über den eigenen Bedarf Flachs zogen, zu Garn verarbeiteten und strangwcisc in den Handel brachten.