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Männer, ja selbst unnahbare Damen sich i» diesen Strudel »kürzen können Da» ist mir, vssen gesagt, ein Rätsel, und wirb mir'» wohl auch bleiben." Das waren so ungefähr die Gedankengänge, die der junge, seit Herbst verheiratete Rechtsanwalt Dr. Lahsen vor seinem jungen Weibchen entwickelte. Frau Berta hörte ihrem, den Karnevalssrenden so sehr abgeneigten, sonst herzensguten Ebe- gcniahl ausmcrtsanl zu. ohne im geringste» durch eine Miene ibre innere Erregung kund zu tun. Sie war noch blutjung, 21 Jahre kaum, und wie t-atte sie sich immer aus die Tanzkräuzchen, Balle und besonders auk die Maskenbälle gefreut. Rieht um alles in der Welt hätte sie die Erinnerungen hingegcben. die in der verborgene» Schatzkammer ihrer Seele als nnentiocndbares Eigentum schlummerten. Und nun sollten alle diese kostbaren Freudensrunden für Ninnuertviedersehen verschivunden sein? Na, so kurzerhand ivollte sie dock nicht den Grillen ihres strengen Ehe Herrn nachgeben. „Aber Eduard." tvagte sie einzutvenden, „du bist tvirklich zu hart in deinen! Urteil. Es ist einseitig, >oas du sagst. Gewi», die ernste Arbeit ist, um einen deiner Liebliugsausdrücke zu gebrauche!!, das erste, «und. wohl dem Menschen, der so ganz in seinem Berufe auf geht Er fühlt sich wohl in denn Gedairken, ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft zu sein, ein Rad in dem große» Welt- gclricbe und denkt nicht, daß die hrosaische Arbeit verklärt fern muß durch eine poetische Beigabe, und die heißt Vergnügen." „Tagesarbeit, abends Gäste, saure Wochen, srohe Feste," das >var schon der Wahlspruch des großen Goethe, der doch auch etwas wußte." Wenn aber Frau Berta vielleicht geglaubt hatte, ihrem so zärtlich geliebten Eduard durch derartig wohlgemeinte Vorstellungen imponieren zu können^ so sollte sie sich gründlich getäuscht sehen. „Stimmt alles nicht," platzte er geradezu heraus, „stimint absolut nicht. Habe ich etwas gegen das Vergnügen inl allgemeinen gesagt? .stein Wort habe ich gesagt. Nur die Narrcns- posseu zur Faschingszeit, die sind mir höchlich zuwider, und dir," fuhr er weiter fort, indem er einen so recht innigen Ton anzn- schlagen suchte, „hossentlich doch auch. Oder würdest du es über dich gewinnen können, einen sogenannten Maskenball zu besuchen?" „Denke gar nicht dran," ries Frau Berta mit der uirschuldigsten Miene von der Welt aus. „Außerdem konimt man doch auch in das Alter, wo inan „gesetzt" werden innß, besonders wenn man es vorher nicht tvar." Und damit huschte sie zur Tür hinaus, ihren Eduard mit einem recht verdutzten Gesicht zurücklassend. „Sollte sie wirklich fähig sein," so inurinelte er zwischen den Zähne». „Nun, ich tverde meine Augen ossen zu halten wissen. Mich, den gewiegten Juristen, hat noch niemand getäuscht Ich muß in diesem Fall unbedingt fest bleiben, schon um des Prinzips ivegen, es handelt sich hier um große Dinge, lieber Eduard, deine Autorität ginge sonst flöten. Also — aufgepaßt." Die jolgendcn Tage Verliesen indessen ohne jeden Zwischenfall. Frau Berta >oar beiten wie immer, aus die Fastnachtssreuden kam sie mit feinem Wort zurück. Die wenigen Stunden, die ihr Manu bei seiner angestrengte» Tätigkeit ihr widmen konnte, waren durch andere, offenbar auch toichtigere Dinge ausgefüllt. So war denn der Vorsatz des gestrengen Herr» Ehegemahls schon nach wenigen Tagen sehr abgeblaßt, umsomehr, als er auch durch Rechtsgeschäfte schwerwiegendster Art in das Unterbcwußtsein zurückgedrängt worden !var. Unterdessen ging die Welt ihren gewohnten Gang iveiter. Als besondere Zugnummer batte die Elserkommission für Samstag vor Fastnacht einen Galaball vorbereitet, der besonders großartig zu tverden versprach, da voraussichtlich die feine Welt sich in ihrer übergroßen Mehrheit daran beteiligte. „Wie wäre es, wenn ich unter irgend einem Borwande diesen Ball besuchte »nd dem gestrengen Herrn RechtSannmlt ein Schnippchen schlüge." Der Gedanke verfolgte Frau Berta bei Tag »nd Nacht und ließ sie nicht mehr los. Die Stirn me ihres Gewisseirs, die sich anfangs sehr dagegen sträubte, und den tollen Einsall als zu geroagt erscheinen ließ, trat immer mehr zurück. Mit Wohlgefallen hatte die junge Frau, i» ihrer Mädchenkiste kramend, ein ehemaliges Maskenkostüm entdeckt, und bei der Anprobe ganz reizend gefunden. Wie würde sie als Orientaliu Furore machen! Ja, sie wollte einmal für einige Stunden allen Fesseln der Etikette entsagen, natürlich Aanz harmlos sich Vergnügen machen. Niemand konnte ihr das rm Grunde genommen verübeln, vor sich selber brauchte sie sich auch nicht zu schämen »nd ihr Mann — na, der würde ihr schon den kleinen Seitensprung verzeihen. > >
Der Abend kam heran. Eine Freundin, die sie ins Vertrauen gezogen, hatte ihr eine Einladungskarte znm Abendtcc geschickt, und gegen ö Ubr begab sie sich aus den Weg Das Paket, worin die jür de» Abend vorgesehenen Herrlichkeiten eingepackt lagen, ivar schon tags vorher durch einen dienstbaren Geist hinbesördert worden. Punkt 12 Uhr mitternachts sollte der Ehegemaht vor- sprechcn, um sein Weibchen rrntli Hause zu geleiten Mit ein- brechender Däuimeruug warf sich der Herr Doktor in seinen Ueberzieher, nahm Hut und Stock, um im Kreise seiner Freunde seinen gewohnten Dämnierschoppen einznuehmen. „Ich muß mich nur etwas beeilen," sprach er unterwegs halblaut vor sich hin, „denn immer möchte man auch nicht der letzte sein." „Ra, Freundchen," hatte vor einigen Tagen der Herr Sanitätsrat zu ihm gesagt, „mal wieder in Gnaden entlassen?" Er wollte den son>t liebensivürdigen alten .Herr» nicht beleidigen, sonst hätte
er ihm eiwaS anderes gesagt. Heute abend würde er sicher durch sein frühes Erscheinen auffallen. Doch tvas >var das? Schon saß er eine geiailageue halbe Stunde, und noch war niemand von seinen! Stammtisch erschienen. „Sie, Ober," fragte er den dienstbeflissenen Jünger Ganymeds, „>vas ist denn eigentlich heute loS? Warum läßt mau mich denn allein hier sitzen?" „Ja, der S>m Doktor scheinen nicht zu wissen, daß unsere Honoratioren heute abend alle auf dem Galaballe sind?" „Galaball? Wo denn?" „In der Festballe nalürlich, es soll hoch hergehen," vlandertc der Eifrige Iveiter. „Meine Zeche!" Mit diesen Worten reichte der Herr Doktor dem Kellner ein Geldstück, grifs nach Hut und Mantel und vericbwand schleunigst de» Blicken der Anwesende». „Wo gehe ich jetzt hin? Nack! Hause? Nein, dort ist'S öde und langweilig. Bis 12 Uhr habe ich noch 4 Stunden Zeit. Ein Domino wird noch zu bekvmuien sein." Eine Stunde später wandeln ein grünseidncr Domino und eine Orientalin, die „aus Köln zugereist ist", um sich bcu „Betrieb" einmal anzu« sehen, Arm in Arm unter den Masken dahin. „Aber jetzt ins Zeit," denkt die Orienialin, als die Uhr tl zeigte, „uni 12 will mein Mann mich abholeu. und auskleiden muß ich mich auch Koch." Im Flur nimmt sie die Larve ab und fächelt sich etwas Wind in das erhitzte Gesicht. Schon unll sie hinaus, wo der Wagen ihrer harrt. Da steht, den grünen Domino etwas lässig cingepackt, ihr lieber Mann lcibhastig vor ihr. Entsetze» und Schrecken malt sich in beiden Gesichtern. Er faßt sich am ersten und meint: „Bon hier aus haben wir näher nach Haus." Sic aber sagt: „Nein, Hilde wartet auf mich, wir müssen hin." Und so ivurde bei einer Tasse Kaffee verabredet, künftighin jedes Jahr den Maskenball zu besuchen, über den der Herr Doktor nun ganz anders denkt als früher. _ 1 2 3
vermischte».
— Kim mt d i e Sonne ab? Die Frage, ob Umfang und Leuchtkraft unseres Tagesgestirns sich nicht im Lause der Jahrtausende verringern, hat die astronomische Wissenschaft schoir mehrfach bescliäftigt: mm versucht der Astronom in der Zeitschrift Radium nachzuweisen, daß dies in der Tat der Fall sei und daß unsere Kenntnis der Naturkräste uns zwingt, ein« stetig sort- schreitende Abnahme oder Verkleinerung des Sonnenballes anzu, nehmen. Jeder Körper, der Energien ansstrahlt, opfert dabei einen Teil seiner Masse und wir haben keinen Grund anzunehmen, daß die Natur für die Sonne ein Ausnahmegesetz stabiliert habe. Nach den Berechuimgeu Boslers soll die Sonne jährlich um ein 30 Millionstel der Erdgröße kleiner werden. Mit der Abnahme der Materie aber muß notgedrungen auch die Schwerkraft bezw. die Anziehungskraft des Soniiengesliriis abnehmcn, was zur Folg« hätte, daß die Dauer des astronomischen Jahres zunimmt. Bosler berechnet rinn, daß dies in der Tat der Fall ist, und zivar nimmt das astrononiische Jahr im Verlaufe von einer Million Jahre um — 6 Sekunden zu. Diese Hvpothese stützt sich aus eine logisch theoretische Beweisführung und kann einstweilen durch unmittelbare Beobachtung nicht itlstätigt werden, weil unsere heutigen Instrumente nicht ini entferntesten ausreichend, um so gering - sügige Veränderungen, die sich im Laufe von Millionen von Jahren vollziehen, zu registrieren Ein indirekter Beweis aber ließe sich durch die genaue Beobachtung nähcrliegender Gestirne von höchster Temperatur erbringen, denn hier köniren wir wahr- cheinlich bereits schon heute mit unseren Instrumenten die Um« angsveränderungen nachprüfen. Mit dieser Arbeit ist Bosler zur Zeit beschäftigt. _
Kreujrätfel.
___ In die Felder nebenstehender
Figur sind die Buchstaben «« na a. bbbb, e eeeit,
————---- ■ | . g g g g, b h, I i i i, k k k, 1 I,
nnrrrtrrrr, tt. n, I
derart einzutragen, daß di« ---------senkrechten und ivagerechten
___ Reihen gleichlautend folgende»
-ergebt»:
--- 1. (rin Getränk.
2. Etwa» Betrübende».
3. Symbol de» Frieden».
Anflösirng i» nächster Nummer.
Anflösnng des RösselsvrnngS in voriger Nnmmerr Die Well wird schöner mit jede»! Tag,
Man weih nicht, ivaS noch iverden mag,
Das Blühen ivikl nicht enden,
Es blüht da» iernste, tiefste Tal:
Run. armes Herz, vergiß der Quai!
Nim muß sich alle«», alles wenten. L. Uhlana.
Redaktion: Ik. R«»ratk. — *«tntto«»bn,<f und Verlag der Brnhl'schen Unioerfitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange. Gießen.


