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ftle Annehmlichkeit, da« man ein Hau8 init einer großen Stube Mißwahlen konnte; dein Hauswirt legte es manck-erlci Pslichtei« auf, die oft schwer zu erfüllen waren, besonders wenn der schäumende Uebermut der Burschen nichr zu bändigen war und sich in ausgelassenen Streichen erging. Die Burschen finden sich um 9 Uhr (um 8 Uhr im Mitiill) in der Spinnstube ein. Ueberall bestand in früheren Jahren auch eine Männerspinnstube, die etiva um 5 Uhr begann und um 8 Uhr endete. Mit dem Erscheinen der mänulichkn Jugend kommt neues Leben in die Unterhaltung es wird gescherzt, geplaudert, der Gesang eines Liedes, das in unverblümten Worten die Schwächen der Männer geißelt, gibt Sloss zu abivehrenber, launiger Gegenrede. Harmlose Sticheleien, die an Tvrflegebenheiten anknilpsen, gehen hin und her; man verspottet die, denen der Faden reißt, und lobt wohl auch die. die ihren Rocken kunstgerecht aufgesteckt haben. Es gibt Pässe und harte Worte, wenn sich ein Bursche zunschen zwei Mädchen drängen will, denen er nicht recht ist. kleinere Zlvistigkeiten, die in jeder Rotte (Spinngesellschaft der Mädchen oder Burschen) nicht ausbleibcn, stören die allgemeine Eintracht nicht. In früherer Zeit, als die Männer auch noch ihre Spinnstube hatten, schlüpften oft einige Mädchen nach dem Beginn der Arbeit hinaus und warfen Erbsen an die Fensterscheiben des Hauses, wo sich die Burschen zu ihrem friedlichen Tun versammelt hatten. Gegenüber solchen ermunternden Scherzen ist der Schabernack der Burschen manchmal unflätig und roh. Unbemerkt legten sie Dornen vor die Türe und klopfte» dann mit einem Holzklotz, als ob irgend etwas Besonderes im Gange sei. Tann stürzten die Mädchen heraus, und manche fiel jn die Dornen, ihre ungestüme Neugier bitter büßend. Ter Freitag ist inr Knüll der sogenannte Rockelabend; er bringt besondere Belustigungen. Ein Bursche nimmt seinem Mädchen ein Stück voni Spinnrad weg; dann muß das Mädchen de» Burschen der Reihe nach einen Kuß geben, um den Gegenstand wieder cinzulösen. Wohl kommt es aber auch vor, daß sich das Mädchen nicht darauf einläßt und erst aus dem Nachhauseweg von ihrem Liebsten das Pfand zurückerhält. Auch ist es am Frestag üblich, daß ein Bursche allen Mädchen beit Rocken umdreht; dann gehen die Mädchen bei den Burschen uni und geben jedem anwesenden Burschen wieder einen Kuß. Tie Gesellschaft war an dicsenr Abend immer recht vollzählig. Das war her Wochen kchrans; denn am Samstag abend fiel die Spinnstube überall aus. Tie Bauern sind der altgermanischen Zeitrechnung nach Nächten treu geblieben und würden das laute Treiben der Spinnstube am Samstag abend als eine Entheiligung dcS Sonntags ansehen. (Nebenbei sei auf das englische sortnight hingewiesent. Am Samstag abend blieben die Mädchen zu Dause, und die Burschen gingen allein ihrem Zeitvertreib nach. Oft stellten sie Leitern an die Kämmern der Mädchen, und mein Echwarzenborncr Gewährsmann glaubt zu wissen, daß das bittende Klopfen am Fenster auch mmichmal Erhörung fand. Meist suchten aber die jungen Männer mit den Leitern, die sie bis zum Hellen Morgen stehen ließen, einen falschen Schein zu wecken und eine Spröde zu necken
Die Festlichkeiten der SpiOnstu den schließe» sich an die christlichen Feiettage an. Nach der Eröffnung im November wurde im Knüll am Freitag abend vor Weihnachten die „Lange Nacht" mit Gesang und Tanz festlich begangen. Tie Mädchen backten Krevpel und die Burschen sorgten für das Getränk (Schnaps und Bier). Dann folgte am 2. Christtag dep Scheideabend: denn am 3. Feiertag ist Scherztag, wo Mädchen und Knechte ihre Stelle wechseln. Ani Silvesterabend wird im Vogttsberg in allen Spinnstuben durchgetanzt. Im Knüll war es Sitte, daß die Burschen um Wecke würfelten. Je fünf Burschen beteiligten sich am Spiel und jeder setzte einen Pfennig. Ter Weck kostete 4 Pfennig, sodaß der Spinnherr, der die Brötchen besorgte, sich ein paar Mennige verdiente.
Das letzte große Fest der Spinnstub« >var im Vogelsberg die Fastnacht, Fasert genannt. Sie wurde am Dienstag in den Spinnstuben gefeiert, und in einzelnen Orten wie in Stuperten- rod wurde den Rest der Woche hindurch an jedem Abend getanzt. Darüber berichtet Schulte in einem ausführlichen Aussatz über „Tie Spinnstube im Bogelsberge" in den Hessischen Blättern für Volkskunde. Bd II (1903), S. 127. Im Knüll dagegen ivurde seltsameriveise der Aschermittwoch mit großem Aufwand gefeiert. Jn Raboldshausen begnügte mau sich mit diesem einen Tage; in Schwarzenborn leitete der Aschermittwoch eine ganze Reibe von Jubeltagen «in. Meist schlugen sich bei dieser Gelegenheit mehrere Sviunstuben zusammen; bereit» vier Wochen vor Aschermittwoch bestimmten sich die Burschen ihr Tanzmädchen. Es war sür ein junges Mädchen peinlich, wenn cs zu»k Fest der Spinnstuben aur Aschermittwoch nicht ausgesordert ivurde. Tie Eltern des Mädchens schenken dem jungen Manne, der ihre Tochter zum Tanze führte, oft sechs Ellen Leinen zu einem neuen blauen Kittel. Tie Mädchen sorgten schon am Montag oder Tienstag dafür, daß bei den Leuten, die die Spinnstube hatten, die nötigen Speisen angesammelt wurden. Nach gcnicin- samcr Bereiniarnng lieferten sw in da» festliche Haus: Brot, Kuchen, Wurst, Schweineschmalz oder Lammfelt, Speck, Eier, Mrlch, Schmand und Kartoffel» Tie Kosten sür Kalbs und Schweinebraten wurden von Mädchen und Burschen zusammen bestritten. Tie Hausfrau backte außerdem Kuchen zost 20 Stück »nd inehr) und bereitete die Speisen zn. Tie Burschen sorgten
für Schnaps, einfaches-Wer-und Zigarre».- Bot das Haus, wo die Svinnstnbe gerade ihren Sitz.hatte/ nicht genug Raum, dann verlegte man die Aschermittwochfestlichkeiten in ein anderes Hans. Tie Spinnfrau mußte dann dort mithelfen. Die Anordnung im Hause ivar so getroffen, daß in der großen Stube getanzt »nd in dem Nebenzimmer gegessen ivurde. Schon niorgcns um 10 Uhr spielten am Aschermittwoch die Musikanten in den Gasthäusern aus. Rasch füllten sich die Säle mit tanzlustigen Paaren. Nach! einer kurzen Mittagspause nahm der Tanz seinen Fortgang bis in die Dunkelheit hinein. Gegen 6 Uhr gingen die Burschen mit den Mädchen in die Spinnsiube, wo das lecker bereitete Mahl ihrer harrte. Mle hatten sich schon lange im voraus aus die leiblichen Genüsse gefreut, die ihnen der Aschermittwoch bringen sollte. Nach dem Esse» pslegten die Mädchen ihren Burschen die Zigarren anzuzünden und anzurauchen. Gegen acht Uhr begann! der Tanz in der Spinnstube und setzte sich die ganze Nacht sott. Am Donnerstag und Freitag frühstückte man gemeinschaftlich, aß und trank und blieb vergnügt bei Gesang und Tanz bis zum Tagesgrauen immer beisammen. Geschlafen wurde von Mittwoch an nur wenig; wer es durchsetzen konnte, schlief gar nicht bi« zum Samstag abend. Am Samstag wurde von nachmittags >mr bis 10 Uhr abends getanzt. Tann war Feierabend. Während! der ganzen Zeit waren fünf bis sechs Musikanten in Schwarzenborn. Am Sonntag herrschte Ruhe, und erst nach Einbruch der Dunkelheit versammelte man sich wieder in der Spinnstube. Es lvurden die Reste verzehrt, soweit das nach dem rastlosen Tanzen und den starken Zumutungen an den Magen gelingen wollte. Wieder durste der Tanz nicht fehlen, aber diesmal ging es nur nach der Ziehharmonika, denn man hatte di» Musikanten am Samstag beurlaubt. Am folgenden Mittwoch, acht Tage nach Aschermittwoch, erschienen die Burschen uni sech» Uhr in der Spinnstube, während die Mädchen bei der Arbeit saßen. Bon den großen Vorräten, die man zusammengetragen hatte, waren immer noch Reste übrig geblieben, die aufgegeffeit werden mußten. Es wurde wieder nach der Ziehharmonibr getanzt und manchmal auch durchgetanzt. Das war der Ausklang der Aschermittwochsesllichkeiten in Schwarzenborn.
Die beiden letzten Tanzabende in der Spinnstube waren in der Hauptsache durch den Wunsch veranlaßt, die Ueberbleibsel der Speisen den Teilnehmern der Spinnstube nicht vorzuenthalteu. Man muß bedenken, daß sich die Spinnstube am Aschermittwoch meist in einem wohlhabenden Hause eingenistet hakte, und der Hausherr forderte die Spinnstube zum Kommen auf, bis alle Speisen aufgezehrt waren. In der Voraussicht, die geselligen, lustigen Abende zu vermehren, mag manches Mädchen auch etwas reichlicher als nötig zu de» Speisen beigesteuert haben. Hinzu kam die Wahrung des Ansehens: die begüterten Mädchen gaben wohl auch mehr als wozu die Verabredung sie verpflichtete; das glaubten sie dem Ruße ihrer Familie schuldig zu sein.
Dre Sitte, sich zur Aufzehrung der Speisereste einige Zeit nach dem Feste »och einmal zusanimemufinden, dürste ein recht hohes Alter haben. Sie gibt uns den Schlüssel zur Erklärung der Nachfeier, die iir einfachen Zeiten besonders aus dem Wunsche herausgewachsen ist, von den angesammelten Vorräten nichts umkommen zu lassen. Tie städtischen Verhältnisse haben den Ursprünge sichen Sinn der Nachfeier verdunkelt; und deshalb erscheint sie auch oft so unberechtigt und widersinnig. Auch auf dein Laude ist im Lause der Zeit mit dem Ueberhändnehmen städtischer Einflüsse die Nachfeier ihrer alten Bedeutung entkleidet worden; Gründe der Zweckmäßigkeit haben oft ein iveites Htnausschieben der Nachfeier verursacht. Nachdem die Gewohnheit der Nachfeier einmal aufgekommen Ivar, wurde sie auch auf Verhältnisse übertragen, wo sie ursprünglich nicht hingehörte. Aber dadurch, daß sie nur bei Tanzsestlichkeiten und Schmausereien üblich ist, verrät sie doch noch ihren alten Ursprung.
Ms Fastnacht war die Spinnarbeit meistens erledigt; in Obermoos hat das Spinnen heute schon um Weihnachten sein Ende erreicht, weil nachher die Arbeit am Webstuhl beginnt. Jn den Dörfern uni Medenkopi uird Wetter dauert die Spinnstube vom 2. Januar bis Fastnacht. Im Vogelsberg und Knüll finden sich die Mädchen und Burschen aber auch nachher nock) in der Spinnstube ein. die Spinnräder bleiben jetzt zu Hause, und nwn versucht seine Künst im Stricken und Häkeln. Tie wollenen Jacken der Burschen und Mädchen entstehen in dieser Zeit. Um Ostern beschließt die Svinnstnbe ihre Arbeit: im Knüll wird gewöhnlich! anr Sonntag vor Ostern, ini Vogclsberg am zweiten. Ostertag „das Licht versoffen". Tie Mädchen kochen Kasse« lind bringen Kuchen oder Wecke mit, die Burschen trinken Branntwein oder Mer.
(Schluß folgt.)
Gala-vall.
„'s ist ganz entsetzlich! Man möchte fast keine Zeitung mehr in die Hand nehmen. Nichts als Maskenbälle, Fremdcnsttznilgen, Herrensitzungeu, Tainenjitzunge» und,wie die anderen Sitzungen noch alle heiße», s wird doch endlich auch mal diese tolle Zeit vorüber gehn. Es ist wirklich kaum erklärlich, ivie ei» vernünfliger Mensch an diesen Narrenspossc» Gefallen finden oder gar dafür schwärmen kann. Gewiß, Jugend hat keine Tngeiw. Ta laßt man sich ja schon io manches gefallen, aber wie sonst ernste, geletzte


