Ein Frühlingstraum.

Roman von Fr. Lehne.

Machdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Mein Märchen, so Hab ich dich endlich wieder!" Eine tiefe Bewegung bebt aus seiner Stimme. Sie schüttelt jedoch sanft aber entschieden das Haupt.

Rein, Wolf, nicht! Das ist vorbei; sprich mir nicht von der Vergangenheit!" Ohne dag sie es ivollte, kam das traulicheDu" von ihren Lippen.Geh jetzt, und sei ohne Sorge um dein Kind; ich will es hüten, als ob es mein eigen iväre!" Tränen zitterten in ihrer Stimme, und ihre ganze Gestalt bebte.

Willst du mir nicht wenigstens sagen, wo du warst, wie es dir in den Jahre» ergangen ist, die wir getrennt waren?" bat er.Wie Hab ich nach dir geforscht!"

Du siehst, Wolf, daß ich den Frieden gefunden habe. gönne ihn mir und frage nicht weiter!"

Frieden!" kam es bitter von seinen Lippenwenn ich oii-:' auch sagen könnte, wenn du wüßtest, wie friedlos es in mir aussieht, wie ich leide du hättest Mitleid mit mir! Du schicktest mich nicht fort und gönntest mir, wenigstens in deiner Nähe zu bleiben, dich zu sehen und deine Stinime zu , hören!"

Wols, wie kannst du jetzt daran denken! Ich bitte dich

geh! Lasse inich allein! Raube mir doch meine Ruhe, meine Besonnenheit nicht, die ich so nötig habe. Wäre uns doch dies Wiedersehen erspart geblieben! Ich war zufrieden geworden

ich hatte endlich überwunden, vergessen!"

Ist dir das so leicht geworden? Ich habe dich nie ver­gesse» können habe cs auch nie versucht! Du bist bitter geräcb: Marh Gabriele, doch ich will sie nicht ankla- gen, vielleicht trage ich ebenso viel Schuld meine Ehe ist über die Maßen unglücklich," sagte er dumpf.

Wolf," ermahnte sie,besinne dich, komm zu dir; du darin das nicht sagen du hast ja ein Kind, ein süßes, liebes Kind!"

Er sah sie einen Augenblick an wie konnte sie süß zureden! Mit einem tiefen Ansseufzen erhob er sich.Ich will gehen; wenn sich in Hassos Instand etwas ändert, rufst du mich sofort; versprich es mir!"

Ja. Wolf, gehe ganz unbesorgt und schlafe, du hast es notig," sagte sie, einen mitleidigen Blick in sein bleiches Gesicht werfend Sic reichte ihm die Hand:Gute Nacht, mein Wolf"

Mit festem Druck umspannte er ihre Rechte und brückte eine» heißen Kuß darauf. Sic fühlte, wie etwas Warmes, Nasses daraus siel, konnte aber nicht aussehcn, da ihre Augen ebenfalls voller Tränen standen. Dann war sie allein; leise hatte Wolf das Zimmer verlassen.

VI.

Du trägst in den Augen einen Sckiein,

Der sagt mir, die schwerste» Stunden Hab ich erlebt! Allein! Allein!

Aber ich Hab es verwunden! Frieda Schanz.

Ä, ade! Ich bin dein Liebchen nicht!

Einst war ich ivohl dein Schatz im Mai

Doch das ist längst vorbei!

(Hauvtmann, Versunkene Glocke.)

Gerettet!"

Der Mann am Fenster schämte sich der Tränen nicht, die bei diesem Wort des Arztes über seine Wangen liesen. Behutsam legte dieser mit Hilfe der Schwester das von der glücklich überstandenen Krisis vollständig erschöpfte Kind im Bett zurecht, gab dieser mit leiser Stimme noch einige An­weisungen, und verließ dann mit Wolf das Zimmer. Drau­ßen streckte ihm dieser ergriffen beide Hände entgegenWie soll ich Ihnen danken, lieber Kornelius! Ich kann ivieder atmen, da ich mein Kind außer Gefahr weih."

So weit sind »vir noch nicht, Herr Hauptmann," ant­wortete der junge Arzt ernst,Hasso ist sehr schwach und äußerste Vorsicht ist geboten. Wenn ein Rückfall eintritt, kann ich für nichts stehen! Doch Schivester Konsuclo ist ja so ge- ivisseuhaft, daß wir ruhig sein können. Wie geht es übri­gens Ihrer Frau Gemahlin?"

Danke, etwas besser: sie schläft seit II llhr!"

So? Das ist gut! Sie gefiel mir in den letzten Tagen gar nicht Die ungeivohnte Aufregung und die viele Sorge haben ihr geschadet: ich glaube, cs steckt eine tüchtige Er­kältung in ihr! Morgen früh oder vielmehr heute noch iverde ich auch nach ihr sehen, vorausgesetzt, daß sie damit einverstanden ist; sagten Sie mir nicht, daß Sie schon mit dem Sanitätsrat gesprochen haben? Ja? Das ist mir recht, denn ich möchte mir nicht die Ungnade jenes Herrn zuziehen." Doktor Kornelius sah nach der Uhr.Gleich drei? Dann legen Sie sich schleunigst nieder, Herr Hauptmann, Sie sehen ja zuni Erbarmen aus! Sie können es ohne Sorge: die Schwe­ster wacht ja!" Damit empfahl er sich.

Ganz leise öffnete Wolf die Tür zum Krankenzimmer. Mary drehte sich um, da sie das Geräusch gehört, und legte den Finger an die Lippen.Hasso schläft," kam es wie ein Hauch darüber. Lange blickte Wolf aiif das Kind, das von ivohklätigem Schlummer umfangen dalag und ruhig atmete. Mitleidig sah Mary auf Wolfs blasses Besicht und leise sagte sie:

Warum gehen Sie nicht schlafe», Herr Hauptinann? Sie sehen, wie süß Hasio schläft: gönnen Sie sich etwas Ruhe

Schlafen, Mary? Wie kann ich jetzt schlafen, wo mir das Herz so voll ist! Laß mich wachen, und lege du dich nieder, armes Mädchen!"

Nein, heute noch nicht! Aber morgen nun gehen Sie, es ist schon spät!"