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n(3 durchziehender Soldaten zn Scfricinacn Wen» man ctnxvqi. das, bet flfl'ije Bedarf au Wüsche nnb Tücher» auf dem Lande noch sin Anfang des 19. Jahrhunderts sm eigenen Hanse gc- ftzoiiueii und gelvebt IMirbe, luivb tnttii verstehen, daß sich die Hände der Spinner und Spinnerinnen fleißig rtihren muhten, um die nötige Menge tsiari, ferlig zu bringen. Tie Sptiinstnbc de,' allen Zeit slellt demnach nur mit dein volkswirtschastlichen Ansdruck zu reden eine gesellige Arbeit dar. lieberall wo eine einsache, gleichmäßige Arbeit zu verrichten ist, vereinigen sich die Mensche» gern, um durch Gespräche, Scher; »nd Gesang die Zeit zu kürzen Auch die geistige Kraft des Menschen, die durch lange Gewöhnung bei der Arbeit nur wenig in Anspruch tzenvnimcn ivird, will sich betätigen Gerade iit der Landwirtschaft verbindet sich gern eine größere Sckwr Arbeiter zn gemeinsamer Tätigkeit. Jeder Winzer lori«, da st seine Lesergescllschast beim fEmcrnten der Trauben nm so vergnügter »nd lustiger ist, je zahlreicher die Teilnehmer sind. Aehnlich pflegten die grasten Bauern, tuen» int September der Flachs gerupft wurde, immer viele Leute einzustellcn. Tie Waschfrauen, die allerdings ihrer Gesprächigkeit wegen berüchiigt find, vereinigen.sich an demselben Waichplatz. Auch die Nagelschmicde suchten der einsamen Arbeit zu entrinnen und taten sich'meist in Gesellschaften von vier bis acht Mann in einer Werkstatt« zusammen. Solche Werkstätten sind jetzt noch zahlreich in Unter- und Oberschönau in Thüringen anzutresfen, während sie bei uns im Taunus (Schmittc», Arnolds- Hain) und iin Vogelsberg (Groß-Felda, Rainrod bei Schotten) rasch denr Vcrstrll entgegciigchen.

Tie Spinnstubr'ii haben auch sonst mit den alten, länd­lichen Handwerken mannigfache Berührungspunkte. Sie ha < Beil sich wie diese in, Kampfe mit der Grostproduklion meist da noch behauptet, Ivo der Boden und die Unwirtlichkeit des Klimas der Bevölkerung keinen auskömmlichen Verdienst i» landtvirtschostlichee Arbeit sicherte. In Rhedrhessen, in der Wetteran tvird man ver­geblich »ach alten Handwerken und Spinnstnbcn Umschau halten. Ter Boden ernährte seine Mensche», und eine einträglichere, wirk­samere Gestaltung der Landwirtschaft sorgte auch int Winter stir Beschäftigung. Anders wo der Boden nicht so reichen Ertrag ab­wirst. Ta niusttc man sich nach lohnender Nebenarbeit umieheic, Um die langen Unterbrechungen in der landwirtschaftlichen Tätig­keit ausznftilten. Das konnte ans verschiedene Weise geschehen: entweder blieb man der allen Arbeit des SvinUens und Webcns tren, oder man befaßte sich mit der hausindnstriellen Herstellung von Gebranchsgegeiistäiiden ,Lössel, Messer, Nägel, Nadel», Körbe., Reilp'n, Besen ufw.). Tie Handwerke blühten auf, Ivo eine starke minderbemittelte Klasse vorhanden war: die Spinnstuben bebaup- lete» sich, >vo der behäbige Wohlstaird nnd Genügsamkeit zu Hause waren. Voraussetzung aber ist dabei eine gewiss« Abgejchlossen- lp'it von de» Hauptverkehrswegei,; die Eisrnbahiien haben die Erzeugnisse der städtischen Industrie rasch in Umlauf gesetzt nnd daS Aufkommen des ländlichen Handwerks und daö Fortbestehen der Spinnstubcn unterbunden. Ta» ländliche Handwerk hat letzt im Taunus, im Bogelsberg und Knüll Schistbruch erlitten: cs kmnite dem Aiisturnc der maschinellen Masseiierzeugnissc nicht ftandhalte». Ebenso sind die Spinnstnben bis aus geringe Reste brrschwnnden.

II.

Wenn man »ach den Gründen des Niedergangs der S p i n n st» b e forscht, wird mau von den Leuten ans dem Lande allgemein erfahren, daß der Flachsbau und die Gewinnung des Garns zn mühselig seien, daß sich die Selbstbcreitung der Leinensachen nicht mehr lohne. Ohne Zweifel ist das auch der Hauptgrund stir den Rückgang. Zahlreich nitd mühevoll sind die Arbeiten, die von dein Aussäcn des Leins an Johanni bis zum Ansspulen des Garns im übernächsten Winter erforderlich sind . I ) Indes ist die Billigkeit der Maschinenwaren trotzdem nicht allein für das Zurückdrängen der Spinnstnben verantwortlich zu machen. Auch die Eitelkeit nnd die Sucht, es den Stadtlenten nachzntun, spielt keine geringe Rolle bei der Bevorzugung der .meist ge­fälligeren nnd hiibscheren Erzeugnisse der Maschine Außerdem aber fehlt es den größeren Landwirten an billigen Arbeitskräften.

l ) Die Schriftsprache hat in übertragener Bedeutung ver­schiedene Ausdrücke ans dein Bereich der Spinnstube übernommen. Tie Unachtsame konnte leichtden Faden verlieren" und es war oft schiver, ans der Spuleden Faden wiederzu- finden und a n z u k n ü p f e n". Die Hechel besteht aus einem Brettchen, ans dem dreikantige scharfe Eisenzinken dicht inr Kreise ei»gescl>laaen sind. Durch diesen Büschel Zinken zieht die Bäuerin den Flachs, sic hechelt ihn. Tie seinen langen Fäden, die sie nach mehrntaligem Turcksiireifen aus der Hechel in der Hand znnickbebält, bilden den cigentliche» Flachs, der d>is beste Leinen liefert. Was beini Hecheln abfällt, ist Werg, ber zn Sackleinen nnd znm Durchschuß bei groben, Leinen verwandt wird. Mau hechelt einen Mensck-en durch, wenn man in seiner Ab- Iveseiiheit alle weniger rühmlichen Eigenschaften an ihm he.rvor- kehri, wie ncan ans der Hechel den Werg ans den, Flachs heraue- treibt. Das Garn wird von der Spule auf den Haspel gebracht es wird gehaspelt: von dieser gleichmäßigen drehenden Be­wegung stammen die Wörter: h eru n , e r h a s p e I n nnd ab- ha I tz c l.

Kulturarbeit, Straßenbau »nd Waldarbeit bringe» den Leuten mehr ein, als sic beim Flachsbau und Webe» verdienen können Auch die im allgemeine,! segensreiche Niederlassung von Fabiiken ans dem Laiche hat eine stattliche Anzahl Kräfte angezogen »ich znm Vordringen der städtischen Waren beigelragen. Damit geht Hand in Hand die Abwanderung vieler kleinen Leute nach den Mittetpunkten der Industrie. Zn erinnern iväre schließlich noch an die zahlreichen Familien, die ei» kleines Gütckwn ihr Eigen nennen, und wo der Familienvater in der Stadt als Fabrikarbeiter seinem Verdienst nachgeht. Vor etwa 20 Jahren nahmen die wohlhaben­deren Bauern in, Winter einen Weber ins Haus, der die nod- Ivendige» Leiiiknsachcn nnd Tuche webte. Ter Man» war ge­wöhnlich aus demselben Torse, im Hause »nd kehrte abends nach der Arbeit zu seiner Familie zurück. Heute würde die Arbeit eines solchen Lohnwebers im allgemeine» zu teuer iverdcn. Nur in abgelegenen Dörfern des Knülls (Steiirdorf und Rückertsfeld) hat sich der Berns der Lohmoeber noch «halten.

Mit dem Niedergang der Spinnstube sind manche Verluste verknüpft, die ans den erste» Blick nicht abzuwägen sind. Jeden- falls hat der besondere Reiz des ländlichen Lebens und Treibens starke Einbuße» dadurch erlitten. Beim Rupfen des Flachses im September fanden in, Vogelsberg besondere Festlichkeiten statt. Tic kernigen Lieder, die ost von Tors zn Dorf verschieden waren, schwinden mehr und mehr ans dem Gedächtnis. Die Gewohn­heiten der Torsbewohner nähern sich inimer mehr der städtischew Art: die eigentümlichen Bräuche und Sitten machen einer öden Einsörmigleit Platz. Ter Sinn für die Pslege der Eigenart geht verloren, und die nüchterne Lebensauffassung, die kerue idealen Güter kennt, geroimit die Oberband. Aber auch in sittlicher hin- sicht ist der Rückgang dG Spinnens »nd Webcns zn beklagen. Um diesen Satz deutlicher zn machen, möge hier eine Stelle ansl dem Briese eines Bürgermeisters folge,,:Es tut uns leid, daß wir »rck,r mit mehr Geschästen (gwm'iiit sind Handwerke) dienen können: denn bei Geschästen wurde der Mäßiggaug nicht so gepflegt tvie bei der Waldarbeit; wen» es dunkel ist, ist es fertig und bei Regen nnd dickem Schnee auch. Ta ist cs bei.Geschäften anders, da wird die Jugend ihre gesetzlich« Zeit beschäftigt." So äußert sich in bündiger Form der Bürgermeister eines Torfes, dessen Bewohner vor dreißig Jahren znm größten Teil 75 Prozent »ach seiner eignen Mitteilung Hausmachertuch anserbigten. Offenbar hat er in jüngerer Zeit, Ivo Spinnen und Weben in feinem Dorf gar nicht mehr in Hebung sind, trüb« Erfahrungen gesammelt, Ebenso habe ich Von anderer Seite oft darüber klagen hören, daß di« Jugend an den langen Winterabenden keine richtige Be­schäftigung mehr habe, in den Wirtshäusern herumsitze nnd un­reife Redensarten im Munde iühre. Jede Unibildnng der wirte schastlichen .Verhältnisse bringt Gesahren für die Beteiligten mit sich, und erst allmählich sind«! ein Anpafse» an den Fortschritt der Zeit statt. Tie alten Spinnstuben lassen sich nicht ivicdcr- erwccken, jeder Versuch in dieser Richtung wird scheitern; für uns kann es sich nur darum handeln, das landschaftlich Kenn­zeichnende in den neuen Formen zu wahren und zn beleben.

III. ,

Unsere Wanderung zu den alten Spinnstden in« Vogelsberg führt uns zunächst nach Hopsinaiiusseld bc, Rix- seid (an der Bahnlinie StockheimLaulerbachFuldas Dort und in dem noch abgelegeneren Meiches ist der-Svinnbeirieb heut« noch in vollem Gange. In den Nachbarorten Hörgenan, Eirbcl- Hain, Eichenrod und Dirlammen wird nur noch ivenig in den Spinnstnben gesponnen. Wie in Engelrod, dem größten Ort de» Gegend, stricken »nd häkeln die Mädchen meist bei ihren abend­lichen Zufammcnknnsten. Wer sich unsere Bogelsberger Spinn­stube einmal ansehen will, der sahre über Alsfeld (von Franffurt am besten über Fulda), Lauterüach nach Rixfeld und von da mrt der Post nach Engelrod und nehme der dem gastlichen Bürger­meister Onarti«. Von diesen, Standort.ans kann er dann die Spinnstnben begnem besuchen. Ter Weg nach Hopsiiiannslekd sührt an dem Galgen bei Hörgenan vorbei, und Meiches er­reicht man ans Pfaden über die in herrlicher Einsamkeit gelegene Totenkirche: beides zwei bedeutsame Denkmäler, Zierden der Land­schaft. Nicht weil von Engelrod liegt der andere Mittelpunkt dev alten Spinnstnben: Obermoos mit den umliegenden Dörfern Niedernroos, Gunzena», Metzlos, MetzlosGehag, Schlechtenwegen. Bon Gießen aus erreicht man Obermoos am raschesten über Als- seld, Lauterbach. Ans der Streck« LauterbachStockheim steigt man in Crainseld-Haltepunkt ans, nnd von da geht man zu Fuh ln einer Stunde nach Obernwos: wer bequem ist, läßt sich von dem Gastwirt Lind mit dem Wagen abholen. Obern,oos, weltabge­schieden, freundlich an den großen Teichen gelegen, wird Golt set Dank nur selten von Fremden besucht. Es ist einer der wenigen Orte in Oberhessen, die ihre Ursprünglichkeit noch rein bewahrt haben. Die Häufet sind alle in Fachwerk erbaut, und die Dorfe straßen sind mit den zu niedrigen Mauern aufgejchichteten Bafalt- blöcken eingefaßt, die »um auf den angrenzenden Miefen auf- geleien hat. Tie mit Wildenten stark bevölkerten Teiche ver­leihen der Lage deS Tones in, weiten Umkreis etivas Einzig­artiges. Tie Bewohner ipinnen nnd webe» »och fast alles Leinen und Tuch, dassiie für Wäsche nnd Kleider >nötig habe». In jedem Hause steht noch ein Webstuhl. Im Winter 1912 13 gab es in Obermoos noch drei Spiuiistubeu Auch die Männer iPinnen noch zu .Haufe in der Familie, wenn Leinen gemacht ivird.