Ausgabe 
21.2.1914
 
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Gewiss, nnäbigc Frau Sie können ruhig gehen," Irmtete Mari-s Antwort.

Nun war sic allein! (Lin tiefer Atemzug hob ihre Brust. Gott Lob, das erste, so gefürchtete Wiedersehen war vorbei. Jetzt galt es, Kopf hoch, und den« Zauber, den Wolf aus sie ausübte, zu widerstehe». Ach, da-? Herz war »och nicht ge­storben, wie-sie gewähnt; es war ein gar nngebrrdig Ding, und sein ungestümes Klopfen drohte ihr die Brust zu spien gen. Aber sie wollte sich mit aller Kraft gegen jeden Einfluss lvehre» - sie wollte nicht denken an vergangene Zeiten nur an ihre Pflicht und weshalb sie hier war. Liebkosend lag ihr Blick ans dem Gesicht des Knaben. Wie er ihm glich - er hatte doch nichts von der rosigen blonden Mutter. Fast unmerklich hauchte sie einen Kuss aus das kleine Händchen, daS, zur Faust geballt, unruhig auf dem Deckbett hin und her glitt. Gabriele ließ da fragen, ob Schwester Konsnelo mit ihnen essen wollte, jedoch diese dankte, sie konnte nächj. daran denken, das Kind auch nur einen Augenblick allein zu fassen. So wurde ihr das Essen auf ihren Wunsch im Zimmer serviert, wovon sie allerdings nur wenige Bissen genoss. Nach neun Uhr kam Doktor Kornelius noch einmal. Die Eltern des kleinen Patienten waren am Krankenbett; jedoch vermied Wolf jedes Wort. Dann ging er mit dem Arzt, nachdem dieser der Schwester noch verschiedene Berhaltungsmahregekn erteilt, und Gabriele blieb zurück. Das Zimmer ivar nur schwach erhellt; die Lampe war mit einem Schleier umhüllt, damit das grelle Licht gedämpft wurde und Hasso nicht blen­dete. Es stand ihnen eine schwere Nacht bevor; das Kind lag in heftigem Fieber und phantasierte stark; verschiedene Hustenansälle erschütterten dessen Körper dermassen, dass er Ivie gebrochen in dem Arm der Schtvester hing.

Schtvester - Schtvester was soll das werden!" jai» stierte des Kindes Mutter, die weißen Hände ringend,o, ich bin ausser mir!"

Nur Mut," redete Mary ju,der Arzt hasst ja auch das Reste! Denken Sie auch an sich legen Sie sich nieder -

Nein, nein," rief Ella,ich bleibe bei meinem Kinde, bei Ihnen, ich helfe Ihnen Sie sehlasen ja auch nicht; lassen Sie uns zusammen wachen!"

Ich habe in den letzten Tagen fast nur geschlafen, bin vollständig gekrästigt und an das Wachen gewöhnt; mir macht es also nichts! Aber Sie, Frau von Wolssburg, können das nicht aushalte», schlafen Sie wenigstens ein paar Sttm- de», dann sind Sie frischer und widcrstandösähiger. Unter­stützen Sie mich am Tage und vertreten mich dann, ivenn ich ein Ivenig ruhe; wir müssen iins obwechseln." Sie wollte auch darum allein sein, iveil Ella durch ihre llmständlichkeit und Hast ihr im Wege war; das konnte sie ihr allerdings nicht sagen. Endlich gehorchte diese Marys Drängen imb ging

Nun war Mary allein. Ein paarmal glaubte sie vor der Tür Schritte gehört zu haben; allein es kam niemand herein; sie mochte sich getäuscht haben! Aus Hassos Fieberphantafien entnahm sie, wie leidenschaftlich das Kind «m seinem Baler hing von der Mutter wollte es nicht viel wissen. - Es mochte gegen Mitternacht sein, als sich die Tür leise öffnete und Wolf herein trat. Erschreckt sprang Mary ans. Er winkte jedoch mit der.Hand und sagte leise:Erschrick nicht, Mary, ich will nur noch mal nach meinem Kinde sehen." Er traf ans Bettchen und neigte sich über ihn:Mein Junge, mein armer, süsser Junge; Gott, v gib, dass ich ihn behalten darf." Ans den paar Worten klang ein so tiefer Schmerz, daß sie davon bis ins Innerste berührt wurde. Da berührte sie leise seine» Arm:fassen Tie Mut, Herr Hauptiiinnn! Ich hoffe das Beste! Wäre nur die Krisis erst vorüber!"

Mit irrem Blick wandte er sich um.

Was willst du eigentlich hier? Wie koiumst Du hierher?"

Mitleidig ruhte ihr Blick ans seinein Antlitz, in das die Sorge der letzten Tage liefe Furchen gegraben hatte! Was mußte er leiden um das Kind!

Ich hatte Doktor Kornelius versprochen, ein krankes Kind ans seiner Praxis zu pflegen. Als ich erfuhr, wqssen Kind es sei, war es zu spät, zurückzittrcten, ohne Argwohn! zu erregen. Sonst hätte ich dies Begegne» vermieden!"

Und mie kommst d» >n dies Gewand?" >orschle er weiter.

Ich hatte leinen anderen Zufluchtsort, wenn ich nicht schlecht werden wollte!" entgegiiete sie.

* Er hörte auf zu fragen, da der Knabe wieder unruhig wurde.

Papa, Papa," kam es klagend und stoßweise aus seinem Munde,bleibe du bei mir; Mama schlägt Hasso immer. Papa, nicht traurig sein, wenn auch Mnma schilt; sie ist nicht gut. Aber Hasso hat Papa'n lieb; komm, g,ib Hasso einen Kuß!" Er richtete sich hoch ans und- blickte mit den sieber-glänzenden Augen um fickt.Warum kommst km nicht? Ach, du darfst nicht! Pass auf, Hasso kommt danw, Mama sieht es ja nicht, die ist mit dein Rade fort." Und er schickte sich an, aus dem Bette zu springen. Mit Gewalt musste ihn Mary zurückhalten. Da schlug er nach ihr:Geh, bu böse Mama! Tn ärgerst Papa immer, und da ist Papa so traurig!" Er lveiiite »nd schrie, bis er erschöpft mit jagen­den Pulsen in die Kissen sank, das Gesichickte» von dicken Schtveisstropsen bedeckt. Behutsam bettete ihn Abart) ttnd erneuerte die Umschläge.Kann ich helfen?" fragte Wolf, dessen Gesicht sich bei Hassos Phantasien mit hoher Röte bedeckt hatte. Sie schüttelte nur mit dem Kopfe und be­schäftigte sich iveiler, bis Hasso ganz ruhig dalag. Wie ein breiter Schatten lagen die bimfleit Wimpern aus den blassen Wangen; wie eitiyes-alle» und schmal das Gesichk-- chen in den paar Tagen geworden war. Hin unb wieder zinkte es um seinen Mund; sonst war er ruhig. Marys Fulger lagen über denen des Kindes wie behütend und beruhigend. Wolf hatte sich jetzt an die andere Seite des Bällchens gesetzt, tvo sonst immer Gabriele saß, und heftete feine Blicke auf die schmale weiße Hand, die vorhin so viel Kraft entfaltet hatte. Wie er sie so svnzlich um Hasso bemüht sah, durchzuckte ihn der Gedanke tute eine Mutter und sie hätte es vielleicht sein können, ivenn nicht und Mary saß mit niedergeschlagenen Augen da, fürchtend, in die seinen zu schauen. Hier n» der Stille der Nacht fass sie mit dein geliebten Mann allein am Mute keines Kindes, das hätte sie sich nimmer denken können. Und da kam auch ihr der Gedanke wäre es doch auch das ihrige und Wolf ihr Gatte wie schön wäre das doch! Bronneupj ruhte sei» Blick'aus ihrem süssen Gesicht; er forscht und sucht in den klaren Zügen sie koinmt ihm so frenid mii> doch so vertraut in der einfachen Schwesterntracht vori cs geht von ihr wie himmlischer Friede aus oa ist cs, als zwingt sie sein Mick; sie hebt ihre Augen, senkt jie aber gleich wieder, errötend von der heißen innige» ZärrlichkLiss die ihr daraus entgegenstrahlt. Leise, behutsam legt er seine Hand auf die ihre, die darunter erbebb

(Fortsetzung wlgl.)

Spinnstübrn im vozeksberg und in den angrenzenden Gebieten.

Bon Tr. Hermann Malz, Giess«».

I.

Mil dem Wort Spimistube verbinden wir die Ecinucrimg o>i die Zeiten der Grossväter; wir denken an eine behaglich erwärmte, matt beleuchtete Stnbe, wo die Mädchen ini Kreise an ihren kcknniL- renden Räder» sitzen und frohe Lieder erkKnge» lassen, lvahreiw draussen die Schneeflocken im Winde treiben. Wir denke» auch an die übermütigen Burschen, die den Mädchen gar hold »nd zu tollen Streichen stets aufgelegt sind. Aber das alles Nüssen imv nur ans Erzählungen, toclche die eigene Einbildungskraft srch schaiiend näher ausmglt; denn nur wenigen hat sich Gelegenheit geboten, den Zauber der alten Spinnstube unmittelbar ggf sich wirken zu lassen. Längst ist die Zeit entschwunden, >vo bas Leinen iür den Hausbedarf in der eigenen Familie gesponnen wurde. Mit der Eiuführimg der SvinnMaschinc ist das Spinnen zuerst aus den Städten und 'mit dem Ausbau der Verkehrsloege auch aus den Dörfern verdrängt worden und fristet jetzt nur »ech an einzelne», meist abgelegenen Orten ein bescheidenes Dasein.

Tie Erstndüng des Spinnens gehört deit ältesten Zeiten des Menschengeschlechtes an; vorgeschichtliche Funde weise» aus das Borhandenseiu von Spinngeräten hin. Tie Negerstämme Afrikas, ivie die Indianer Amerikas sind mit der Kunst des' Svinnens vertraut Nur die Art der Geräte und Werkzeuge ist verschiede«; bis au dem vollendeten Ban unseres Spinnrad.', das für den qedachlen Zweck die verfligbaron Körperkräfte voll anch- Mltzt und die Arbeit so rasch loie möglich fördert, sind die Wilden nicht vorgedrunge». Beobachtungen in der Natur, etwa bas t£m»> vorwinden einer Schlingpflanze oder auch auf vergleichender lieber-- legittig beruhendes eigenes Finden Mögen das Spinnen bei de» Böllern der Erde lieroargenifen staben Das Bekleidnngsbedörsiüs lvae besonders gross bei den Menschen dssr nördlichen Linder, .und so lvird es begreiflich, dass hier die Ausbildung re« Geräts am vollkommensten gelungen ist. Aus dem gleiäfen Grunde muhten aber auch viele Hände tätig sei», in» das <Kani für die Weber zu liefet». Gar häufig lesen ittiv in allen Berichten, dost die Leute fiicht genug Kleider hatte», nur nur das dringendst« Best» cs»