Ausgabe 
21.2.1914
 
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Ein Frühlingstraum.

Roman von Fr. Lehne.

(NaKiruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ci» lichtes Rot färbte einen Augenblick Marys bleiches Vesichtchen; mit große», ruhigem "Blick entgegnete sie: Rein, gnädige Fra», daran habe ich nicht gedacht! Man träumt tvohl maiichuml niit einem junge», törichten Mäd- chenherzeil einen Traum von Glück und Liebe aber dann kommt daS Leben mit seiner rauhen Hand und zeigt, daß schließlich das Ivahre Glück getreue Pflichterfüllung ist daß der einzelne sich der Gesanitheit unterznordnen hat! Mein Beruf bringt mir die lautersten Freuden! Ich kann Ihnen nicht schildern, lvas ich empfunden habe, als ich vorige Woche einem trostlosen Bater drei liebliche Kin­der, die an Scharlach und Diphtherikis erkrankt loaren, als genesen überlassen konnte, während die Mutter der Kinder in, Wochenbett lag. Können Sie sich die Gefilhle der armen Frau vorstellcn, die tatenlos daliegen mußte? Es lvar sehr anstrengend für mich, jene Pflege und doch, lute reich lvar ich belohnt durch die Freudentränen in den Augen der Eltern! O ich könnte Ihnen da vieles er­zählen man bekommt Einblick in manches Menschenleben und Menschenleid, was man nie geahnt hätte, Uw ran nian achtlos vorübergehk."

Gabriele schwieg einen Augenblick; dann sagte sie leise: Ich habe noch ine so recht darüber nachgedacht: man beachtet so vieles nicht"

Hass» wurde wieder unruhig: er phantasierte und verlangte ständig »ach dem Papa, sowie den, Großpapa. Mit fester Hand hielt ihn Mary und unterstützte ihn bei den krampfhaften Hnstenansällcn, die das kleine Körperchen erschütterten.

Gehen Sie, gnädige Frau," lmt sic,der Anblick regt Sie unnötig auf."

Nein, nein," jammerte Ella,ich bleibe." Wider Willen mußte sie Mary bewundern, die so still und geräuschlos und doch so energisch ihres Amtes waltete. Der Ansall gab sich, und stöhnend lag Hasso da.Armes Kind," leise, fast unmertlich strich Mary über sein Köpfchen.

Wird er leben?" fragte Gabriele angstvoll. Ihr Mnttergefüht regte sich doch, als sie sah, tute das Kind sich quälen mußte.

Doktor Kornelius ist ein tüchtiger Arzt: er ivicd ihn schon dnrchbringen, wenn ich Ihnen auch nicht verhehlen kann, daß der Fäll ernst liegt Der Kleine scheint aber eine kräftige Natur zu haben, trotzdem er sehr zart anssicht."

Schiveigend saßen die beiden Frauen da und lauschten ans die schweren Atemzüge des Kindes, das sich jetzt beruhigte So verging eine geraume Zeit, ohne daß die bei« Gm ein Wort ivechselte». Da hörte nian eine Tür schlagen.

Gabriele fuhr zusannnen; das war Wölf, der eben heimae« kommen. Sie warf teilte» verstohlenen Blick auf Mary, die das wohl kaum gehört hatte: ihre ernst blickenden Singen ruhten unverwandt ans idem Kind. Nach einer Weile wurde behutsam die Diir des Krankenzimmers geöffnet, und Wolf trat ein. Sein erster Blick fiel auf die schwarze Gestalt am Bettchen: das mußte wohl die Pfleaenn sein, die Doktor Kornelius mitbringcn lvollte: ihr Gesicht konnte er nicht sehen. Leise trat er näher und fragte seine Frau:Wie geht es Hasso?"

Jetzt besser er ist ein wenig eingeschlummeri," lautete deren Antwort.

Gott Lob," kam es aus seiner tiefsten Brust.

Wolf," fuhr seine Frau fort,Wolf, Schwester Kone suelo ist uns in der Tat eine Hilfe: der Arzt hätte ste uns schon früher bringen können; sie weiß Hasso ivunderbar zu beruhigen."

Er wandte sich der Schwester zu und lvollte etwas sagen: jedoch das Wort erstarb ihm auf der Zunge Marh hatte die Augen erhoben und groß ruhte ihr Blick in dem des einst so heiß geliebten Mannes, während ihr Herz so ungestüm klopfte, daß sie fürchtete, man könnte es hören starr vov Bestürzung stand Wolf da, keines Wortes mächtig. Krampf­haft umfaßte seine.Hand den Rand de-Z Veilchens, und weil beugte er sich vor, der Schwester ins Gesicht zu sehen. Aesste ihn denn ein Spuk? Dir saß sie ja. an die crl Tag und Nacht gedacht, seine Mary, sein Märchen am Beite seines Kindes! Es lvar kein Traum cs war Wirklichkeit! Kein Ton kaiu über seine Lippen; wie betäubt stand er da starr seine Augen auf ihr süßes Gesicht heftend.

Was ist dir, Wolf?" schlug die Stimme seiner Frau an sein Odr. Er schreckte zusammen und strich mit der.Hand über die Stirn. Ein Blick in Ellas gespanntes Gesicht mit dem triumphierenden Ausdruck sagte ihm, daß sie cbensalls Mary erkannt, daß sie sich an seiner Bestürzmig weidete eine tiefe Verachtung gegen sein gewissenloses, herzloses Weib quoll in ihm auf.

Nichts!" entgegnete er hart und ging aus dem Zimmer, ohne du Wort für die Schwester zu haben, die mit geseukteu Augen da saß. Ein hohnvolles Lächeln uinspieltc Gabrieles Mund dieser Augenblick entschädigte sie sür vieles. Zwar hatte kein Zug in Marys Gesicht deren innere Bewegung verraten: jedoch mit kein geschärften Gefühl der Eifersucht batte Ella gesehen. >vle es Mary bei Wolfs Anblick gepackt hatte! lind dieser erst! So fassungslos war er ihr noch nie erschienen. Ganz gebrochen >oar er ja hinansgegange». so hatte ihn dies plötzliche, unvermutete Wiedersehen ergriffen! Nach einige» Minuten sagte sie zur Schwester:Ich kann mich wohl jetzt ruhig ans ei» Weilck>rn entferne»? .Hasso schläft ia, und ick muß mich meinem Manne doch auch wid- inen . Er klagt schon über Vernachlässigung meinerseits aber seit das Kind krank ist, habe ich keinen Gedanken slir etwas anderes!'