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Sin „Jesus von Nazareth" wollte Wagner ein gesprochenes Drama von der Lehre und dem Tode Christi schassen. Der Ent- wurs aus dem Jahre 1848 schildert in fünf Akten die Wunder von Liberias, die SchisfSprcdigt am See Genezareth, das Abendmahl, die Gesangennahme am Oelberg, die Vorsührung vor Pilatus und die Verurteilung zum Kreuzestod, der aber nicht aus der Bühne vor sich geht, sondern nur in seiner Wirkung au, die Zurückbleibenden dargestellt ist. Dem Entwurse solgen ausführliche Skizzierungen der Reden und Lehren des Herrn, In einem dritten Teil sind die zu benützenden Bibelzitate ausgeschrieben, Judas und Barrabas crössnen das Drama mit einem Gespräch, in welchem sie ihre weltlich politischen Absichten, den Ausstand der Inden gegen die Römer und den Plan, den Sohn Davids, der sich in Galiläa kundgegcben, als den erwarteten Messias an die Spitze der Bewegung zu stellen, enthüllen, Judas gibt Auskunft über Jesus, über den er sich selber noch nicht klar geworden sei, ob er als König der Juden frei und ossen die Errettung des Volkes bennrkcn wolle. Als Gegensatz zu diesem Messias, wie Judas und Barrabas ihn wollen, ist nun der wirkliche Jesus geschildert, Für die von Wagner durchgeführte Unterscheidung des menschlichen vom dogmatischen, symbolischen Christus gab „Das Leben Jesu" von David Friedrich Strauß (1835) Anregung, Aber die soziale Aussassung der Christusgestalt ist aus den revolutionären Zeitströmungen zu erklären, Jesus predigt die alle Menschen einende und veredelnde Liebe: „im Gesetz war die Sünde, und die Liebe ist das Gesetz des Lebens". Es sind dieselben Gedanken, die Wagner seine Bcünnhild am Schlüsse der „Götterdämmerung" aussprechen läßt, daß nicht trüber Verträge trügender Bund noch heuchelnder Sitte hartes Gesetz, sondern die Liebe allein selig werden lasse. In langen lehrhaften Rede» trägt Christus seine Gedanken vor. An das Gespräch zwischen Wotan und Fricka in der „Walküre" erinnern die Worte: „Das Gebot sagt: du sollst nicht ehebrechen! Ich aber sage euch: ihr sollt nicht freien ohne Liebe, Eine Ehe ohne Liebe ist gebrochen, als sie geschlossen ward, und wer freite ohne Liebe, der brach die Ehe," Ganz kommunistisch heißt es: „die Sünde gegen das Eigentum entspringt einzig aus dem Gesetze des Eigentums", Charakteristisch sind die Worte: „Das Gesetz steht statt der Allgemeinheit, also zwischen mir und dem Allgemeinen, ,,, Das Gesetz ist Lieblosigkeit.,, Die Versöhnung der Welt ist daher nur durch die Aushebung des Gesetzes zu bewirken, welches den einzelnen von seiner freien Entäußerung seines Jchs an die Allgemeinheit abhält, ihn von ihr trennt," „Das letzte Ausgehen des Einzcllebens in das Gesamtleben ist der Tod, er ist die letzte und bestimmteste Aushebung des Egoismus," Wir sinden ähnliche Gedanken in den Züricher Kunstschriften, Aber im Lchr- hatten lag auch die Hauptgrund, der die Ausführung des Dramas schließlich verhinderte, Wohl war der Gesamtaufbau der Handlung geschickt und wirkungsvoll, die einzelnen Szenen teilweise von poetischem Gehalt, Aber die ganze Anlage und der Stost selber eignete sich nicht für das Drama, das Wagner ersehnte. Im Hinblick aus den dritten Akt des „Parsisal" ist die Ansangstzcne des zweiten Auszuges wichtig: „An, See Genezareth: Fischcrhütten ziehen sich an ihm hin, Tagesanbruch, Jesus unter einem Baume schlafend: Maria von Magdala, zu seinen Füßen kniend und den Saum seines Gewandes küssend, spricht tiefe Reue und beseligende Liebe zu ihrem Erlöser aus, — Maria, die Mutter, tritt Hinz»: die Magdalena wendet sich erschrocken ab und stürzt zu Füßen der Mutter, welch« sie erforscht: der Magdalena Bekenntnis: sie bat ihr ganzes Eigen verkaust und den Gewinn Judas Jscharioth, dem Säckelsührer der Gemeinde Jesu, übergeben: sie fleht die Mutter an, sich beim Sohne für sie zu verwenden, denn sie begehre, als die niedrigste Magd in der Gemeinde dienen zu dürsen, Maria tröstet und entläßt sie," De Szene der Salbung steht im vierten Akt beim Abendmahl: „Maria nimmt ein kostbares Fläschchen aus ihrem Busen, naht Jesus wieder, gießt es aut seinen Scheitel, wäscht ihm die Füße, trocknet und salbt sie ihm unter Schluchzen," Die Schlußszene des Dramas erinnert an das „Liebesmahl der Apostel", Petrus ist aus dem Platze vor dem Palast des Pilatus zurückgeblieben. Als der Himmel sich verfinstert und Gewitter los- biicht, die Erde erbebt und der Tempelvorhang zerreißt, spricht I ei: „Fürchtet euch nicht ob der Schrecken des Wetters, denn wir wissen, daß sie ein Zeugnis der Liebe sind," Johannes und die beiden Marien kommen von der Hinrichtung zurück: „er hat vollendet". Petrus fühlt sich vom Heiligen Geist gestärkt: er verkündet in hohen, Enthusiasmus die Eriüllung von Jesus' Verheißung: sein Wort stärkt und begeistert alles: er redet das Volk an, — wer ihn hört, drängt sich hinzu und begehrt die Taufe und Aufnahme in die Gemeinde,
vermischte«.
— Dic Gefahren des Inkognito, Gabriele D'An- »unzio, der als Marin von Welt sich einen Troß edler Windspiele halt, ließ in diesen Tagen bei Paris in der Hascnjagdkoukurrenz der Windhunde zwei seiner Lieblingsbunde laufen, D'Annunzio mußte besürchten, daß das Erscheinen eines so berühmten und großen Mannes, wie er cs ist, käs sportliche Interesse von den
Hunden ablenk«, könnte, und s» war er rücksichtsvoll genug, sein« beiden Hunde nicht imter seinem Naincn in das Renuvrogramin eintragen zu lassen. Er wählte, wie die vra zu erzählen tveiß,
ein Pseudonym und nannte sich ganz schlicht und einfach M, Saint- Lievre, In der Nähe toeilte auch der bekannte Theaterkritiker Sauvey, und es fügte sich, daß der Mann der Kritik dem Herrn Saint-Liövre vorgestellt wurde. Bald kam das Gespräch auf Kunst und Theater, »nd Sauvev, der keine Abnung hatte, daß er mit D'Anniinzio sprach, meinte, daß besonders in Italien Theater und Dramatik sehr darnieder liegen. Da fragte der angebliche M, Saint - Liövrc: „Was sagen Sie denn zu D'An»
nunzio?" Worauf der Kritiker erklärte: „Ich möchte Ihre Gefühle nicht verletzen, denn ich sehe, daß Sie sich für italienische Änl- gelegcnheiten erwärmen, aber der Blödsiim des letzten Dramas von D'Annunzio kann allenfalls noch mit seiner Dünkelhaftigkeit verglichen werden," D'Annunzios schöner Kopf erglühte, aber er schwieg, „Was ist Ihnen?" fragte besorgt der Kritiker, M. Saint-Liöpre aber deutete ans die Jagd und zischte mit zusammen- gepreßtcn Zähnen: „Ich kann französische Hunde nicht ausstchen," — Der rauchende Schornstein, Von einem bekann. ten englischen Staatsmann, der in allen Dingen ein Optimist ist mit Ausnahme in Sachen der Ehe, iveiß eine Zeitschrift eine amüsante Geschichte zu erzählen. Der Minister ging eines Mittags aus seinem Landgut spazieren und stieß dabe, auf einen keiner Pächter, der mitten auf der Landstraße saß »nd sein Mittagessen außerhalb seines nahe dabeilicgenden Hauses verzehrte, „Nun, Henry," fragte der Staatsmann erstaunt, „warum essen Sie denn so allein hier draußen?" „Ach, Herr," stammelte der Mann in höchster Verwirrung, „drin' kann ich nicht, e—e— der Schornstein raucht nämlich so," „Das ist doch aber wirklich schrecklich," sagte der Minister, dessen mrnschenfrenndliche Gesühlc sofort er- ivacht waren, „da muß ich doch mal Nachsehen, woran das liegt." Und bevor ihn der Pächter noch aushalten konnte, eilte der Herr mit raschen Schritten der Haustttre zu. Sobald er sie öffnete, traf ihn mit wohlgczieltem Wurf ein Kochlöffel an die Stirn und eine wütende Fraucnstinrme schrie: „Wirst du wohl wieder 'rausgehen, du alter Schuft! Raus oder —" Höchst betrossen zog sich der Staatsmann sofort zurück. Der Pächter aber hatte sich wieder an den Wegrand gesetzt und schüttelte sorgenvoll und in höchster Aufregung sein Haupt. Freundlich trat der Staatsmann zu ihm heran, klopfte ihn begüttgend ans die Schulter und sagte tröstend: „Laßt's gut sei», Henry, Mein Schornstein raucht auch manchmal."
* Papas Meinung, Er: „Haben Sie Ihrem Vater gesagt, daß ich Sie um Ihre Hand gebeten habe?" Die resolute junge Dame: „Ja," „Nun, und was meint er?" „Ach, Papa lächelte nur, schüttelte den Kops und meinte: „Ein tollkühner Bursche!"
* Leichte Korrektur, Der Gast: „Ach, Kellner, das tut mir aber leid, ich sehe eben, daß ich nur gerade so viel Geld bei mir habe, als die Rechnung ausmacht, so daß mir nichts sür ein Trinkgeld sür Sie überblcibt," — Der Kellner vertraulich: „Nun, dann lassen Sie mich vielleicht die Rechnung noch einmal durchsehen,"
* Ein williger Bote, Die Hausfrau zu dem .arbeits- losen Vagabunden: „Sie sind arbeitslos? Da kommen Sie gerade zur rechten Zeit, Ich habe Holz zu spalten und wollte soeben »ach einem Manne schicken," — „So? Wo wohnt de« Mann? Ich will hingehen und ihn holen,"
* Das Modell, Ei» Bewunderer zu dem berühmten Romanschriftsteller: „Wo haben Sie nur diese erschütternde Schilderung des kranken Kindes her!" — Der berühmte Schriftsteller l „Ach, so benimmt sich immer mein Junge, Ivenn er nicht in die Schule will und behauptet, er sei krank,"
Arithmogriph.
12 7 8 deutscher Strom.
2 8 6 2 weiblicher Vorname.
3 2 5 2 6 Stadt in Schlesteu,
4 2 1 2 6 2 siidamerikanilch« Stadt.
2 5 2 6 Volksstaiinn i» Ostafrika.
5 2 6 3 nützlicher Voeel.
6 2 7 6 Ort in Palästina.
7 3 7 3 agyvtischc Gottheit.
Tie Ansangsbuchslaben der geiundenen Wörter sollen der Reibe »ach, von oben »acb uuleu gelesen, den Name» eines Italienischen Komponisten ergeben.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rösselsprung? in voriger Nummer >
Ach wie stüchtig, ach ivie nichtig Sind der Menschen Tag«!
Wie ein Strom beginnt zu rinne», lind mit Laulcn nicht hält innen,
So fährt unsre Zeit von hinnen. (i Franc!.
Redaktion; K. Neurath. — RotalwnSdruck und Verlag der Brühl'scheu IlniversitäiS-Buch- und Steindcuckeret, R, Lauge, Gceßen,


