Ausgabe 
19.2.1914
 
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Ein Frühlingstraum.

Roman von Fr. Lehne.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Wer sagt, daß ich aus Glück verzichten will?" entgegn nete sie mit sanftein Lächeln,ich bin glücklich in meinem Berufe, wenn"

Ach, das ist sa alles Unsinn und schöne Phrase! Das einzig wahre richtige Glück findet man nur in der Ehe und lernt cs da kennen, vorausgesetzt, daß man auch den gliche tigen bekommen hat! Sehen Sie meinen Alten und mich au wenn wir uns auch öfters zanken, verstehen wir uns doch Und sind unI von Herzen gut! Wir sind eben beide ein biß­chen hitzig na. Sie wissen es ja selbst! Wer wie könn-§ ten Sie cs haben! lieberlegen Sie es sich richtig! Wfred Kornelius ist ein liebenswerter Mann, dabei vermögendi hübsch angesehen"

Das weiß ich alles, Liebste, er ist so gut und sympathisch, und ich habe ihn auch als Freund lieb, seine Frau kann ich aber doch nie werden!"

Und warum nicht? Dann sind Sie wohl gar ?" Sic vollendete aber nicht, da sie selbst über das, was sie sagen wollte, erschrocken twir. Marn küchelte etwas.Voll­enden Sic ruhig: ich weiß, was Sie sagen tvoUen! Nein, nein, ich bin keine Frau, lveder eine davongclausene, noch eine geschiedene von der Seite ist also kein Hindernis da."

Run ja, das würde meine Freundin auch geschrieben haben aber"

Mary schlang ihren Arm um die kleine rundliche Frau. Rein, nein, ich bin nichts Abenteuerliches, sonst hätte mich Ihre hochherzige Freundin, Frau Doktor Walter, gar nicht bei sich ausgenommen und daun hierher geschickt! Ich war nur ein armes freudloses Mädchen, das jetzt einzig im Dienst der christlichen Liebe ihren Lebensberuf sieht nach einer bitteren trüben Erfahrung, die alle Herzens- sreudigkcit und Lebenslust vernichtet hat! Das ist alles. Liebste! Und nicht wahr, nun dringen Sic nicht weiter in mich, wenn Sic mir die Zufluchtsstätte hier bei Ihnen nicht rauben wollen. Spater vielleicht erzähle ich Ihnen alles: jetzt kann ich noch nicht! Habe» Sie Geduld mit mir! Ich bin Ihnen ja so dankbar. Liebste, Teuerste, und es tut mir leid, gegen Ihren Willen zu handeln! Doch glauben Sie mir, ich kann nicht anders! Dr. Kornelius ist mir viel zu lieb, als daß ich ihn unglücklich machen sollte er muß eine Frau haben, die ihm ein ganzes volles Herz entgegenbringt und das kann ich nicht mehr mein Herz ist tot!"

Aber Ihre Kranken, Konsuelo, die für Ihre Güte schwärmen"

Das ist auch etivas anderes! Das ist unendliches Mitleid mit dem Elend anderer! Würde Alfred Kornelius

mit Mitleid sich begnügen? Nein! Er will mehr und das kann ich nicht geben!"

Ich bekenne mich überwunden, Konsuelo! Manch eine hätte trotzdem zugcgrisfen, ohne sich zu besinnen schon wegen der guten Versorgung aber so sind Sie ja nicht! Es tut mir ja furchtbar leid, auf meinen Lieblingswunsch verzichten zu müsserr, euch beide als Mann und Frau zu. sehen!" und in einen anderen leichteren Ton über­gehendna, nun Null ich mal sehen, was Line der-, weilen angerichtet hat wird eine nette Bescherung sein! ' Aber nach Tische, Kindchen, legen Sie sich nieder und schlafen noch tüchtig, damit Sic ordentlich Kraft für die nächsten Tage haben. Sie Dickkopf!" Und zärtlich küßte sie das Mädchen auf die Wangen, ehe sie nach der Küche ging.

Mary aber kniete in heißem Flehen nieder, lieber ihr weißes Gesicht tropften große Tränen.Lieber Gott, gib mir Kraft für die kommenden Tage, wenn ich ihn Wieder­sehen werde! ^Stehe mir bei, und rette sein Kind!"

5 .

Pünktlich nach seiner Sprechstunde stellte sich Dr. Kor­nelius ein. Mary hatte schon alles zurecht gelegt, was sie nötig hatte, und so konnten sie sich ohne längeres Ver­weilen auf den Weg machen. Anfangs herrschte ein pein­liches Schweigen zwischen beiden; der junge Arzt konnte die Abweisung am Vormittag nicht vergessen; aber Mary war so lieb und herzlich, nin ihre Weigerung abzubitten, gut zu machen sie brachte ihn durch geschickte Fragen auS seiner Beklommenheit. Je näher sie dem Hause kamen, welches Hauptmann Wolfsburg bewohnte, desto heftiger schlug ihr Herz. Wenn sie ihn nur nicht sofort sah das Begegnen mit seiner Frau wollte sie gern überstehen ri dazu fühlte sie Mut und Kraft genug aber er wenn sie wieder in seine dunklen Augen blicken sollte, sein« tönende Stimme wieder an ihr Ohr schlug sollte das nicht zu viel sein? Aber sie wappnete sich mit der ganzen Selbstbeherrschung, die ihr Berus erforderte dann würde sie auch das überstehen!

Frau von Wolfsburg ist eine schöne elegante Frau," bemerkte ihr Begleiter,mir ist sie aber nicht besonders sympathisch; sie ist sehr launenhaft und oberflächlich: ich glaube nicht, daß der Hanptmann glücklich an ihrer Seite ist! Sie sehen mich verwundert an, Schwester, und denken gewiß, der Kornelius ist eine richtige alte Klatschbase; wozu sagt er das alles! Aber sehen Sie, ich habe Gelegen­heit, öfters mit Hauptmann Wolfsburg zusammenzukommen und ich schätze ihn als einen der besten, edelsten Männer, die ich kenne und ich nicht allein habe die Meiichng, auch Dr. Hamann und viele andere. Daher auch das Interesse für seine Familie! Ah, wie ich sehe, sind wir jetzt angelangt!"

Wenige Minuten später standen der Arzt und die Pfle­gerin im Krankenzimmer. Gabriele saß am Bett; sie erhob sich schnell, als die beiden eintraten.Gut, daß Sie da sind,