4M
IStiflft fühlbar gemacht. Es ist deshalb die Frage in Anregung und bereits zur allgemeinen Erörterung gekommen, ob cs nicht an der Zeit sei und im Interesse der Stadt liege, sämtliche zwischen der Wettergasse und dem Marktplätze gelegenen hvsraitcn, seitens der Stadt zum Zwecke des Abbruchs anzukaufcn.
Aus vcrscknedcnen Gründen ist sich vielfach zu Gunsten dieses Projektes ausgesprochen — namentlich in einer nach öffentlicher Einladung stattgchablc» Versammlung hiesiger Einwohner in Erwägung, das;
1. der Marktplatz viel zu klein, dcui Bedürfnis durchaus nicht mehr entspreche, eine Verlciluttg oder gar Verlegung des Wochenmarktes aus der Mitte der Stadt aber von verschiedenstem Nachteile sein würdet
2 . die Vergrößerung des Marktplatzes die Ausdehnung des Marktverkehrs wesentlich fördern dürste;
3. die Preise der Häuser bisher merklich gesunken, viele verkäuflich, daher den jetzigen Besitzern der Häuser aut der vorbezeichneten Fläche Gelegenheit geboten sei, anderweit passende Gcschästslokalc zu erwerben;
4. dadurch der Wert der Häuser im allgemeinen und mit demselben der Kredit in ivünschcnswerter Weise gesteigert werde;
5 . eine größere Baulust und durch solche regeren Geschästs- betrieb angebahnt werden dürfte:
.6, die Entfernung des Holzniarktes vom Kircheuplatze und eine würdigere Herrichtung des Letzteren ermöglicht werden könnte, daß endlich
7, eine weitere Verschönerung, deren die Stadt im Innern noch sehr bedürfe, erzielt Ivürde, beschlossen worden, daß auf Verwirklichung dieses Projektes hin- zuarbeiten sei,
Tie Unterzeichneten, zur Durchführung dieses Beschlusses erwählt, haben zu den Besitzern der fraglichen Häuser das Vertrauen, daß sie gegen entsprechend« Entschädigung der Ausführung dieses für die Wohlfahrt unserer Vaterstadt so sehr wichtigen Projektes keine besoirdere Schwierigkeiten entgegensetzen: sie vertrauen ebenso denr Vorstande der Stadt Gießen, der dem Vernehmen nach nur aus anerkennenswerten Rücksichten die erste Anregung nicht geben wollte, daß er, sobald festgestellt ist, daß die Mehrheit der Einwohner die Ausführung des Planes ivünscht, die Sache gerne in die Hand nimmt und in allseitigcm Interesse zur Erledigung zu bringen sucht,
Tie Unterzeichneten bezwecken daher hiennit zunächst, das Projekt nochmals zur allgemeinen Erwägung zu bringen; sie werden dann eine Liste zirkulieren lassen, durch welche konstatiert werden soll, inwieweit sich die Einwohner Gießens für die Ausführung desselben interessieren und demnächst die weiter geeigneten Schritte tun.
Indem die Unterzeichneten die Hoffnung aussprechen, daß die Einwohner von Gießen an dieser Sache, die für die fernere Entwickelung des Verkehrs der Stadt und somit auch des Wohlstandes'ihrer Einwohner von größtem Einflüsse ist, entsprechendes Interesse zeigen, glauben sie, noch daraus aufmerksam machen zu sollen, daß nach eingezogener Erkundigung die Durchführung des Plans eine Erhöhimg der Kvmmunallasten nicht nötig machen dürste.
Schließlich wird bemerkt, daß jede Ansicht bezüglich der Vergrößerung des Marktplatzes gerne eirtgegengenommen wird. Sie möge nur tunlichst motiviert und schriftlich an den mitunterzcich- neten A. Baiser abgegeben werden,
Gießen, den 7, August 1856,
. (Folgen die Namen.)
Dieser Aufruf zeitigte ein Zirkular mit 96 Unterschriften, keilweise noch jetzt blühende Firmen und älteren Leuten wohlbekannte Personen,
Interessant ist die Bemerkung eines der Schrift nach sehr alten Herrn Tr, Vix:
„Ich stinrine unbedingt für die Verschönerung und den inneren Ausbau der Stadt, wozu die Vergrößerung des Marktplatzes allerdings auch gehört: doch ist es mir einerlei, ob der im Wochenblatte mit A oder B bezeichnte Plan*) zuerst ausge- sührt werde. Der Stadtvorstand fange nur einstweilen damit an, das alte Schlachthaus, die alte Waage, niederrcißen und daselbst vorerst eine Anlage, eine Art Bosguet. vor dem Sckul- hausc anlegen zu lassen, Das andere kommt nach! Tr, Vix," Am 26, Sept. 1856 gab die Bürgermeisterei folgende Ant- tvort:
. „benachrichtigt den Herrn A, Baiser und Genosse», aus ihre Eingabe vom 10, September 1856, daß die pecu- niärcn Verhältnisse der Stadt nicht gestatten, auf das vorgelegte Gesuch einzugeheu," gez, D. Ebel,
Dieser hatte eine energische und stellenweise sogar! recht scharfe Antwort des Komitees zur Folge, in welcher geklagt wird: „daß kiirzerhand ohne alle und jede Motivierung die Sache abgelehnt
*) Die Art dieser Pläne A und B konnte der Verfasser nickst wehr feststcllen, Tas alte Schlachthaus und die alle Waage — — daher „Waagengasse" ---- standen dem Schulhans, jetzt Postmut 2 gegenüber.
wird, trotzdem durch unsere Eingabe und ihre durch die Mehrzahl der Bürger unlerschrifllich bezeugte Willensäußerung das Project genügend begründet ist."
Es würde nun zu weit führen, den ganzen Verlaus der Angelegenheit nach den vorhandene» Belegen darzulegcn. Das Komitee arbeitete zähe an seinem Plane loeilcr, Ani 29, März 1858 ging eine sehr ausführlich begründete Bcschlverde an die Vorgesetzte Behörde, das Großh, Kreisanrt ab, deren ganzen Wortlaut an- zusühren den gegebenen Raum überschreiten würde. Erwähnt ser nur die bittere Bemerkung:
„In der That scheint aber auch der Stadtvorstand die sinan- zielle Lage der Stadt noch nicht so trostlos zu sinken, da er in der Neuzeit für andere Zwecke, die Jenem, welchen wir im Auge haben, wenigstens nicht voranzustellen sein inöchten, ganz enorme Summen votiert hat,"
Das Ergebnis dieser Beschwerde liegt nicht vor, — Jetzt scheinen andere Männer die Angelegenheit verfolgt zu haben, denn ein Schreiben der Bürgermeisterei antwortet ani 24, 12, 1859 an einen in der vorhergehenden Bewegung nicht genannten „Bürger Philipp Walther und Genossen":
„Auf Ihre Vorstellung vom 27, October 1859 hat der hiesige Gemeinderat in der Sitzung vom 16, Decber 1859 in Erwägung, daß die jetzigen finanziellen Verhältnisse der Stadt nicht von der Beschaffenheit sind, um sich einem so überaus kostspieligen Unter- uehmen unterziehen zu fönnen, zumal in nächster Zukunst durch eknen Umbau der Stadtkirche und Erbauung zweier Pfarrhäuser und eines Schulhauses die finanziellen Kräfte der Stadt ungewöhnlich in Anspruch genoinmen werden müssen und den schon sehr hoch gestiegenen Schuldenstand ungewöhnlich vermehren, das von Ihnen angebrachte Gesuch abgeschlagen, wovon wir Sie in Kenntnis setzen." gez,: D. Ebel.
Hiermit scheint die ganze Frage abgetan gewesen zu sein. Das beginnende Jahrzehnt brachte andere Ereignisse, hinter deren Bedeutung der alte Gießener „Wochenmarktplatz" zurückstehen mußte. Die nachfolgend« Generation hat die Frage in einer anderen Weise zu lösen gewußt, ohne daß die „Insel" verschwinden mußte. Wie würde daun heute unser eigenartig schöner Marktplatz aussehen ohne die alte „Hirschapotheke" ? — R, Buff,
Die ysenburger Schnepsenheller.
Seit dem Jahre 1861 besteht in Büdingen die Sitte, daß der Fürst von Bsenburg-Büdingen jährlich einmal einige Hände voll knvierne Schnepsenheller ünter die vor dem Schloß versammelte fugend des Städtchens wirft, um deren Besitz besonders die Buben sich munter tummeln und balgen. Der Schnepsenheller, von dem wir heute drei Typen abgebildet bringen, ist eine Erinnerung an die ehemalige Souveränität und das besessene Münzrecht des alten Dynastengcschlcchts, das schon zur Zeit des Kaisers Barbarossa int sogenannten Königsforst, dem Büdinger Wald, damals als Grasen von Büdingen ansässig war,
Kaiser Friedrich, genannt der Rotbart, jagte gern und oft in dem ausgedehnten Jagdrevier um Büdingen, er hatte zu dem Ende die Burg Gelnhausen in der Gegend erbauen lassen und nachweisbar ist ziemlich gleichzeitig mit dieser Burg auch das Schloß in Büdingen entstanden. Das Münzrecht wurde dem Grasen Wolfgang Ernst zu Bsenburg »nd Büdingen 1G17 vom Kaiser Mathias verliehen, auch vom Kaiser Ferdinand II, 1627 bestätigt.
Von diesem Zeitpunkt an bis zum Eintritt der Franzosenzeit 1806 bildete der Erbgang des unter Diether v, Bsenburg und Büdingen (1408—1461) vom Kaifer Friedrich III, zu Reichs-- grasen erhobenen Herrschergeschlechts das interessante Bild dieler derartiger deutschen Fürstenhäuser, Es wurde das Erbe geteilt, wieder vereinigt und wieder geteilt, so daß sich Nebenlinien bildeten. Die gesamte Grafschaft Büdingen trat 1806 unter Führung der Birsteiner Linie als souveräner Staat, nrit der Hauptstadt Ossen- bach, dem Rheinbunde bei. Mit dem Fall Napoleons und trnrdj den Wiener Kongreß verloren die Nienburger Linien sämtlich die Souveränität, das Land fiel teilweise an das Großherzogtum: Hessen-Darmstadt, teilweise an Kurhessen, Selbstverstäiidlich erlosch mit der Mediatisierung der Grafen von Bsenburg deren Münzrecht, das sie etwa 200 Jahre ausgeübt haben.
Zur Erinnerung an ihr Prägerecht ließen seit dieser Zeit die Grasen und die später vom Großherzog von Hessen gefürsteten Herren zu Asenburg-Büdingen die sogenannten Schnepsenheller prägen. .
Der letzte der regierenden Grafen, Ernst Easinnr III,, hat bereits 1805, wahrscheinlich nur zur Probe, einen Schnepserv- psennig prägen lassen, der aber selbst in Münzsammlungen äußerst selten zu finden ist.
Die ersten ossizielleu Schnepsenheller, als Schaumünze mit einer Schnepfe draus, wurden 1824 vom Grafen, späteren Fürst»r Ernst Casimir zu Isenburg-Büdingen, dem Grafen Adolf zu Bsenburg und Büdingen^-Wächtersbach, sowie dem Grafen Otto zu Solms-Laubach gemeinsam geschlagen. Diese erste, Prägung zeigt ein und dasselbe Schuepfenbild, welches aber mehr storchartig ausgefallen ist, doch sind die Namenszüge verschieden. Eine zweite Münzung ließ der Büdinger Herr Ernst Casimir im Jahre 1628


