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ztge zu erhalten, da wäre eS doch Müde, wenn ichnein" sagtet

So, wer sind denn die Eltern?" fragte Frau Hamann etwas mißtrauisch,kann die Frau ihr Rind nicht selbst pfke- gen muß cs denn gerade immer unsere Konsuelo sein ? Doktor, das ist nicht recht von Ihnen; Sie sind wenig rück­sichtsvoll gegen uns! Aber Sie wissen genau, daß sie nichts abschlägt, daß ihr nichts zu schwer ist! Gehen Sie doch nach dem Krankenhause! Mein Mann wird auch tüchtig schelten!"

Nein, im Gegenteil, er ist vollständig einverstanden! Machen auch Sie eine Ausnahme! bitte, liebstes Tantchen!"

Na, ja denn aber sagen Sic endlich, wessen Kind so krank ist, für wen Sie so plardieren. Ich habe doch auch sür Ihre Praxis Interesse, Kleiner!"

Der kleine Sohn vom Hauptmann Wolfsburg ist an einer schweren Lungenentzüirdung erkrankt"

Klirrend fiel eine mit Blumen gefüllte Vase, die in dem Fenster stand, an welchem die Schwester saß, zu Boden, wäh­rend diese selbst bleich bis in die Lippen geworden war und wie ohnmächtig im Stuhle lag. Erschreckt sprang da Frau Hamann auf.

Was ist Ihnen, Liebste?---Sehen Sie, Doktor,

daß ich recht hatte! Sie ist noch so schtvach, daß ihr unmög­lich von neuem eine anstrengende Pflege zugemutet werden kann!"

Das sehe ich jetzt auch ein," cntgegnete er kleinlaut,, wenn es nicht gerade dieser Patient geioesen wäre, würde lch mit jenem Verlangen gar nicht gekommen sein!"

Inzwischen hatte Mary Winters, ihre Fassung wieder bekommen. Um Gotteswillen, nur nicht merken lassen, daß sie die Familie kannte, von der die Rede wär. Am liebsten hätte sie ihr Versprechen rückgängig gemacht; aber das war ia unmöglich, ohne Verdacht zu erregen, weil sie vorhin der Frau Dr. Hamann gegenüber daraus bestanden hatte. Ferner galt es, Wolfs Kind zu retten; da mußte jedes kleinliche Bedenken schwinden. Und dann sah sie ihn wieder, nach dem sie sich gesehnt, an den sie gedachsts, nlm den sie schinerzlich,

ach so schmerzlich geweint die ganze lange Zeit--den

st« ja nie hatte vergessen können.

Liebste Frau Doktor, verzeihen Sie mir," sagte sie mit einem schwachen Versuch zu lächeln,ich bin so ungeschickt gewesen und habe die schöne Vase zerbrochen"

Ach das ist ja gar nicht .der Rede wert wenn Sie nur Vernunft aunehmen und nicht so auf Ihre Gesund­heit losstürmcn wollte». Sie sehen ja selbst, wie schwach Sie sind wohin soll das noch führen? Wenn das so weiter geht, liegen Sie in ein paar Jahren aus der Nase," erei­ferte sich die kleine Frau.

Und was ist da weiter dabei? Dann ist mein Lebert wenigstens nicht nutzlos gewesenund ich habe gelebt! Wer fragt wohl sonst nach mir? Ich habe je niemanden auf der Welt!" entgcgnete sie mit müdem Lächeln.

O, das sagen Sie nicht, das ist ein Unrecht! Sie denken wohl gar nicht an uns, Liebste nicht daran, was Sie mei­nem Mann und mir gervorden sind!" sagte Frau Hamann in vorwurfsvollcin Tone, indem fte liebkosend die zarten Wan­gen des Mädchens streichelte. Dankbar sah Mary sie an.

Ja, wenn ich Sie nicht hätte--ich tarne mir sonst

vor wie ein arm verlassen Kirrd, das niemand als seiner»' Gott hat!"

Jetzt war auch der Zeitpunkt für Dr. Kornelius gekom­men.Liebstes bestes Fräulein, wenn Sie nur wollten, dann könnten Sie jemand finden, der Ihre Einsamkeit und Ber- lassenheit endet und den Sie zum Glücklichsten der Welt machten dadurch, daß Sie sein^ angebetetes Weib würden! Ach, auf den Händen wollte ich Sie tragen" und mit einein bittenden Blick, in dem seine ganze Seele lag, sah er sie an.

Nicht ivciter, Herr Doktor, ich beschwöre Sie," unter­brach sie ihn hastig,Sie wissen nicht, wem Sie das sagen. Ich habe das Glück verlernt; ich kann kein Glück spenden Und keine Liebe, wie Sie es verdienten! Glauben Sie, ich tauge nicht sür Sie; ich würde Sie enttäuschen"

ß, sagen Sie das nicht, liebes Fräulein," flehte er,ich habe Sie ja so lieb, und Sie sind noch so jung, daß Sie un- möglich mit dem Leben nbschließen Ivollen"

Dock, Herr Doktor, ich habe vollständig mit dem Glück und dem Leben abgeschlossen. Und dazu sind Sie mir zu wert, als daß ich Sie belügen ivollte! Sie verdienen eiiw bessere Frau, als ich Ihnen jemals werden könnte!"

Ach, liebe Konsuelo," sagte Frau Hamann, feuchten Au­ges ihre Hand ergreifend,liebe Konsuelo, seien Sie doch

nicht so grausam; er hat Sic so lieb, und Sic sind viel zu jung, um so entsagungsvoll zu reden, wenn Sie vielleicht! auch augenblicklich ein Kummer drückt! Das vergißt sich alles mit der Zeit! Wie würden mein Mann und ich sich freuen^ wenn Sie die kleine Frau unseres lieben Kornelius würden da würden"

Quälen Sic mich nicht durch Ihre Gute," bat Marth es tut mir weh! Warum konnte nicht alles beim alten blei- den? Es war doch so schön und friedlich; ich fühlte mich so geborgen" sie sprach nicht weiter, da Dränen ihre Stimme zu ersticken drohten.

Sie haben mir eine liebe Hoffnung zerstört," sagte der junge Arzt traurig,so lange ich Sie kannte, hatte ich der» Wunsch, Sie als mein liebes Weib zu halten; ich habe Sie ja so lieb, Konsuelo!" Er griff nach seinem Hut.Doch jetzt! will ich gehen und Sie von meinem Anblick befreien; ver«l zeihen Sie!"

Nicht bitter lvcrden, lieber Freund! Ich habe Ihnen nicht wehe tun ivollen im Gegenteil! Wenn^ie mcincul Lebensgang kennen ivürden < wer weiß, ob Sie mich das noch zu», Weibe begehrten!"

Aber Sic tun ja gerade, als ob Sic ctlvas verbrochen hätten, Konsuelo, unser» lieben Doktor abzuschrcckcn," sagte Frau Hamann ärgerlich,das ist nicht recht, nein!"

Denken Sie so, vielleicht ist es besser so," entgegnet« Mary ruhig.Also, lieber Doktor," wandte sie sich freundlich an diesen,es bleibt bei unserer Verabredung; nach Ihrer Sprechstunde holen Sie mich ab; ich halte mich bereit!! Verzeihen Sie mir, lieber Freund, daß ich Ihnen habe wehe tun müssen; ich kann aber nicht anders handeln, wenn ich ivahr sein will! ilkicht wahr, wir beide vergessen diese Vier­telstunde, und es bleibt zwischen uns beim alten'?" Mit herz­gewinnendem Lächeln streckte sie ihin die ivciße zarte Hand! entgegen, die er krampfhast umschloß. Tann drückte er einen heißen Kuß ans dieselbe und war gleich daraus aus dein Zimmer.

Nein, ich begreife Sie einfach nicht, Konsuelo," sagte Fraic Doktor Hamann etwas ärgerlich,ich begreife Sie wirklich nicht, der arme Mensch! Ich habe ihn, noch dazu in seinen Hoffnungen bestärkt und ihm zugeredet ja, wenu> ich gewußt hätte, daß Sic so eigensinnig sind nein, kaunr zu glauben! Was wird mein Mann sagen, der es auch so, gern , gesehen hätte, Zvcnn aus euch beiden ein Paar ge-. worden wäre! Und Sie hätten so gut zicr Doktorssrau ge­paßt! Waruni ivollen Sie eigentlich auf jedes Glück verzich­ten - - Sie, die Sie noch so jung und so schön sind! So schön, Konsuelo mir alten Frau können Sie es schon glauben!"'

sFortsetzung trägt Z

Siehener StaMocrfftiöncriingspläite vor 60 Jahren.

Bei der Niederlcgnng der Häuser von Süß n. Forbach war eine Verbreiterung der Wettcrgasse angeregt worden. Vor rund 60 Jahren hatte »ia» sich hier säum mit ähnlichen Plänen ge­tragen, die die Veräußerung des damaligenWochcnmarkles" bezweckten und wollte gleich die ganze sogenannteInsel", d. lj. die Häuser zwischen Marktplatz und WcNergasse, culterne».

Damals spielte sich der ganze , Wochenmarkt" aui dem an sich schon engen Marktplätze ab, noch mehr eingeengt durch eine Anzahl Verkaussbnden mit iveit vorragenden Schutzdächern. Ter Fußgänger mußte sich an den Markttagen an den Hä,,fern her­drücken, wenn er nicht mit den verschiedenen, Fuhrtverken Bekannl- schast mackfen wollte, denn besondere erhöhte Bürgersteige gab es noch nicht. Eine flache kaum angedeutctc Gosse schied einen schmalen Fußweg von der Fahrbahn. Die Vorgängerin unserer Schulstraße war ein schmales Gäßchen zwischenAlexander Mäher" und ciiicnc altbcrühmten Wirtshause, ersteres Hans an Stelle der heutigen Engelapotheke, letzteres genanntins Bramme" mußte später der breiten Schulstraß» und dem Geschäftshaus von Ge­brüder Stamm Platz niachcn.

Tie Schule, welche den Name» hcrgab, ist »mt auch schon verschwunden, sic mußte dem Postamt 2 weiche». Auf deni Kirchcn- platz, welcher bei dem Lcibjchen Hause keinen Ausgang hatte, Imirde der .Holzmartt abgchaltcn, ein Bild, welches man sich heute nicht vorstcllcn könnte. Es ist deshalb leicht erklärlich, daß sich eine große Zahl Iliilerschristcn fand, als es galt, die von einem Ausschuß in das Leben gerufene Bewegung zu unterstützen. Er­reicht ivnrde allerdings nichts, denn es fehlte an (tzeld.

Es war am !). August 1856, als in Nr. 64 desAnzeigc- blattes sür die Stadt und den Kreis Gießen" ein Ausrui erschien, der eine halbe coeite des ganzen vierseitigen Blattes einnahin und kantete zvic folgt:

Durch den gesteigerte» Verkehr i» der Stadt Gießen hat sich das Bedürfnis der Erweit-xung des Wocheiunarktes schon