Ein FriMngstraum.
Roman von Fr. Lehne.
(Nackdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Dr. Kornelius lenkte seine Schritte nach dem Hanse Dr. Hamanns. Ans der Treppe begegnete ihm dieser. „Na, Kollege, was gibt's denn?"
,Wut, das; ich Sie noch treffe,- lieber Freund, ist Schwester Konsuelo für mich frei?"
„Ja - - eigentlich aber nicht! Sie ist recht angegriffen. Vorgestern kam sie zurück, biestern den ganzen Tag hat sie geschlafen; dem armen Geschöpf ist eine ausreichende Erholung zn gönnen! — Was wollen Sie denn von ihr? Doch keinen HeiratSantrag mache»? Das gibt's nicht! Die gebe ich nicht her!"
In deS jungen Arztes Gesicht stieg eine flüchtige Röte. „Nein, daS nicht! Ich wollte sie nur gern als Pflegerin für de» kleinen Wolfsburg haben."
„Was — der hübsche Junge unseres Hauptmanns — ist der krank?"
„Ja, Lungenentzündung, ziemlich schtoer. Fehlt an geeigneter Pflege. Sie kennen ja die Frau: sie ist viel zu oberflächlich! Mir tut Wolfsburg in der Seele leid, er ist ganz außer sich!"
„Wenn es so ist — in Gottes Namen denn, wenn sie will. Sprechen Sie mit ihr. Sic ist oben bei meiner Frau! Adieu, Kleiner, Hab' nicht viel Zeit!"
Sie schüttelten sich die Hände, und nicht ohne .Herzklopfen klingelte Dr. Kornelius an der Flurtür. Er liebte die stille, sanfte Schivester aus der Tiefe seines ehrliche», warmen Herzens, und sein höchster Wunsch war, sie dereinst als Frau heimzuführen. Noch fand er nicht den Mut, ihr das zu sagen: so wartete er von Woche zu Woche auf Gelegenheit, und wenn sie da war, ließ er sie vor Scheu voo- übcrgehen. —
Die Hausfrau öffnete ihm selbst.
„Ach, Sie sind's, Doktor? Gehen Sie nur immer ins Wohnzimmer: ich komme sofort, muß schnell noch mal in die Küche. Sie sind jedenfalls meinem Mann begegnet." Und ohne Antwort abzuwartcn, eilte sie schon davon. Er folgte ihrem Wunsche — war er doch ein sehr guter Bekannter des .Hauses. —• Bei seinem Eintritt sprang eine schlanke, in Schwarz gekleidete Fraucngcstalt von dem Divair auf, an» dem sie gelegen.
„Verzeihen Sie, Schwester, wenn ich gewußt hätte — ich störte Sie — ich —" entschuldigte er sich.
„O nein, Herr Doktor," entgegnete die Angeredete, während eine lichte Röte über ihr lilienweißes Gesicht flog. Sie strich sich das dicke, goldblonde Haar zurecht, das durch das Liegen etwas aus seiner Ordnung gekommen war. Liebevoll ruhten seine dunklen Augen auf ihrem süßen Antlitz.
„Sie sehen so blaß und angegriffen aus, liebe, liebe Schwester," sagte er herzlich. „Sie haben sich auch zuviel zugemutet, die drei kranken Kinder zu pflegen — das hätten Sie nicht tun sollen!"
„Wer denn, Herr Doktor? Dazu bin ich ja da; es ist doch mein Beruf, und es galt, die Kinder gesund zu machen
— da ist nichts zn viel," entgegnete sie mit einem Aufleuchten ihrer wundervollen, dunkelblauen Augen. „Außerdem habe ich gestern den ganzen Tag geschlafen, ebenso die Nacht hindurch — da bin ich also vollständig erquickt und wieder hergestellt."
„So recht glaube ich Ihnen das nicht, und doch, Schwester Konsuelo, habe ich ein Anliegen, eine herzliche Bitte wegen eines Kranken an Sie!"
„Und was liegt vor. Herr Doktor?" fragte sie freundlich.
„Das kleine Söhnchen eines guten Bekannten von mir hat eine schwere Lungenentzündung, und die Mutter ist voll ständig unfähig zum Pflegen. Ich Hab' den Jungen so lieb
— er ist ein bildschönes kluges Kind, seines Vaters Abgott! In dem Hause bin ich das erstemal als Arzt tätig, und mir wäre es schrecklich, wenn ich ihn nicht durchbrächtc. Er ist sehr zart!"
„Was in meinen Kräften steht, Sie zu unterstützen, Ivill ich gern tun," sagte sie einfach und streckte ihm die Hand entgegen, die er mit festem Druck umschloß. Mit warmem Blick iah er ihr in die Augen.
„Sie sind ein Engel und wirklich ein Trost, Schwester' Konsuelo — Ihr Name ist so recht Sie selbst. Wim habck ich wieder Vertrauen und Mut."
„Was wollen Sie, Herr Doktor! Es ist ja meine Pflicht, den Kranken beizustehen! — Wann werde ich erwartet?"
„Am liebsten so bald wie möglich! Geht es schon nachmittag, ja? Dann können wir nach der Sprechstunde zusammen hingehen."
Frau Doktor Hamann kam jetzt herein.
„Verzeihen Sie, Doktorchen, daß ich Sie warten ließ! Aber die duinnie Gans, die Line, Sie wissen, die neue „Perfekte", hat die größten Dummheiten mit dem Essen ang» richtet. Das ist eine Not mit den Mädchen! — Na also, was gibt's denn? Haben ivohl mal wieder ein Anliegen an Muttern
„Nein, diesmal nicht, verehrte Frau," lachte er, „mein Anliegen galt der Schwester!"
„So? Das ist ja recht niedlich! Will ihr denn niemand wenigstens ein paar Tage mal Ruhe gönnen? Ich verbiete es ganz entschieden; Sie kommen noch ganz 'runter, liebe Konsuelo! Nein, ich dulde es nichts daß Sie sich schon wieder anstrengen! — Suchen Sie sich jemand anders, lieber Kornelius," ereiferte sich die kleine rundliche Frau.
„DaS geht nicht mehr, Frau Doktorchen," sagte die Schwester mit ihrem sausten Lächeln, „ich habe Herrn Dr. Kornelius meine Unterstützung versprochen, und mein Versprechen nehme ich nicht zurück; das halte idj unter allen Umständen! Denken Sie( es gilt trostlosen Eltern das Ein»


