Ausgabe 
16.2.1914
 
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hat sich gewiß gestern auf den, Wege zum Großpapa Lei dem! chlechte» Weiter erkältet! Wir machen nachher nasse lim« chläge, und Fräulein erzählt dir dabei die Geschiclste vom leinen Däumling, die du immer so gern hörst oder möch­test du lieber ins Bett?"

Statt aller Antwort schüttelte Lasso mit dem Kopfe.

Ta siehst du, Wolf," sagte Ella erleichtert,eS hat nichts auf sich, sonst würde er ins Bett wollen!"

Wolf nahm seinen Jungen auf den Schoß.Tut dir sonst nichts weh? Hast du Schmerzen beim Schlucken?" fragte er zärtlich besorgt.

Nein, Papa, nur Kopsschmerzen."

Ich muß jetzt fort, Ella! Sollte es schlimmer wer­den, müssen wir für heut abend absagen, so leid es mir deinetwegen tut! Ich bin doch sonst nicht so ängstlich ich weiß selbst nicht, wie es kommt! Aber ich hörte, daß jetzt so viele Kinder an Scharlach und Diphtheritis krank liegen!"

Vorläufig ist zu dieser Besiirchtung kein Anlaß, Wolf! Glaube mir, ich als Mutter habe darin auch einen Blick! Die Kopfschmerze,: werden sich schon geben, nicht wahr, Hasso?"

Jo, Maina!"

Ws Wolf nach sechs Uhr nach Hause kam, war sein erster Gang nach dem Kinderzimmer. Still saß Hasso in der Ecke und blätterte in einem großen Buche.

Wie gehts denn, mein Liebling?" fragte Wolf zärtlich, noch Kopfweh?"

Ganz gut, liebes Papachen! Dr: und die Maina, ihr Wnnt nachher ruhig fortgehen! Ich darf auch die Mama sehen, wenn sie sein ist!"

,-Aber dein Köpfchen und die Händchen sind so heiß, mein Junge," und besorgt faßte er nach beiden. In diesem Augenblicke wurde die Tür geöffnet und Gabriele trat herein in eine», wunderbar zarten duftigeil Unterrock, schon frisiertmnd bis auf das Kleid fertig angezogen.Ach, du bist da," sagte sie zu ihren: Galten^mir wap, als hörlte ich

Ä vorhin in deinem Zimmer. Beeile dich, Wolf, es ist sieben Uhr!"

So? Ich niuß gestehen, daß ich am liebsten hier bleiben möchte! Hasfo gefällt mir gar nicht! Sieh nur, wie apathisch er da sitzt!"

Dachte ich es doch! Aber zu deiner Beruhigung ivill ich dir sagen, dah ich gleich nach deinem Weggange zum Sanitätsrat gesch:ckt habe, der mich wegen meiner Besorg­nis fast verlachte er meinte, verdorbener Magen!"

Ach, Gabriele, der Sanitätsrat ist kein Kinderarzt; zu ihn: habe ich kein Vertrauen. Mir ist so eigen; am liebsten möchte ich gar nicht fortgehen; wenn nur in Hasso keine ernstliche Krankheit steckt; ich bin zu ängstlich ivegen Schar­lach oder Diphtheritis."

Aber Wolf, da müßte ich cs als Mutter doch viel mehr sein; sei nicht gar so besorgt! Was soll das erst werden, wenn Hasso in die Schule geht?"

In der Nachbarschaft ist Scharlach; die beiden kleinen Gehrkes liegen fest, wie ich hörte," bemerkte das Kinderfräu­lein. Gabriele warf ihr einen ungnädigen Blick zu. Mußte dieses ungeschickte Geschöpf die Besorgnis ihres Gatten noch steigern!

Bringen Sie Hasso zu Bett," sagte sie kurz,wenn er morgen ausgeschlasen hat, wird allejs wieder gut sein."

Sollte sich sein Zustand jedoch verändern, dann schicken Sie sofort nach uns e- Sie wissen ja, wo wir sind, und zu­gleich auch zu Tr. Kornelius; zum Sanitätsrat habe ich kein rechtes Vertrauen, während jener junge Arzt als Kin­derarzt sehr bekannt ist," sagte Wolf.So, mein lieber Junge, lasse dich schön zu Bett bringen; Papa kommt nach- her noch und sagt dir gute Nacht!"

Als sie gegen zwei Uhr nach Haus kamen, eilte Wolf sofort unruhig an Hassos Bettchen. Schlaftrunken erhob sich das Kindersraulein von seinem Platz es hätte getreulich Wacht gehalten, konnte aber dem besorgten Vater nichts anderes sagen, als was er selbst sah unruhig wälzte sich der Knabe auf seinem Lager; die Bäckchen ivaren heiß und rot, und ab und zu stieß er unverständliche Worte hervor. Aengstlich sah Wolf aus ihn »nd faßte seine Hündchen wie sein Gesichtchen an.

Er fiebert, Gabriele, sieh nur"

Sie trat dicht an das Bettchen heran, einen verdrieß­lichen Ausdruck im Gesicht. Ihre blendende Erscheinung wollte gar nicht so recht dahin passen. Achtlos ließ sie den

kostbaren Mantel von den üppigen entblößten Schultern gleiten, als sie sich über das schlafende Kind neigte und prüfend in das gerötete Gesicht desselben blickte.

Ach Unsinn, Wolf, das sind Schlafbäckchen: die hat er ja immer t -< sagte sie etwas unfreundlich. Lächerljich, darum, gerade als es am schönste,: ivar, nach Hanse zu eilen; aber er hatte sich ja nicht mehr halten lassen, eine törichte Angst trieb ihn fort, und es ivar doch so amüsant gewesen; sie tväre zu gern noch geblieben man hatte ihr wie einer Fürstin gehuldigt, und sie hatte wieder große Triumphe gefeiert nur ihr Bär von Mann hatte nicht darauf geachtet, wie schön sie in dem weichen, fließenden, kostbaren Kleide aussah, das ihre herrliche Büste fast bis zur Grenze des Erlaubten freiließ. Besonders Exzellenz waren ja entzückt von ihr und hatten sie durch häufige An­sprachen ausgezeichnet, was doch nur von Vorteil für Wolf sein konnte bah, und hier stand er wie eine ängstliche besorgte Kindermuhme ein fast verächtlicher Zug legte sich um ihre vollen Lippen, als sie ihn beobachtete.

Meinst du, Ella?" fragte er da wie etwas erleichtert, aber dieser unruhige Schlaf"

i ist die Folge seines verdorbenen Magens. Wer weiß, was er alles bei Papa gegessen hat die Lassen ist in dieser Beziehung unvernünftig; sie verwöhnt Hasso über die Maßen! Sei gut, Wolf ängstige dich nicht, steh, ich bin doch des Kindes Mutter, und wenn ich ruhig bin," sie legte die ringgeschmückte Hand auf seine Schulter und blickte ihn an. Sie wollte ihn zwingen, ihre Schönheit zu sehen, zu beivundern und dadurch ihn wieder zu sich ziehen, zu ihr, der doch sonst, wenn sic nur wollte, keiü> Mann widerstand. Aber selbst jetzt übte ihre berauschende Nähe gar keine Wirkung aus ihn aus mit einem schwer zu beschreibenden Blick sah er sie an zind sagte dann,er­kälte dich nicht, Gabriele, da du so entvlößt bist," und wandte sich dann wieder seinem Kinde zu. Er merkte ihre Absicht, deshalb konnte lie keinen Einfluß auf ihn haben. Zornrg biß sie sich auf die Lippen.Sic können ruhig zu Bett gehen, Fräulein, es ist absolut keine Gefahr," bemerkte sie zum Kinberfräulein und rauschte dann hinaus. Nur schwer entfernte sich Wolf von: Lager seines Kindes; am andern Morgen schickte er auch gleich zu Dr. Kornelius, de» er gut kannte. Vorläufig konnte dieser noch nichts Bestimm­tes sagen aber an: nächsten Tage stellte er den Ausbruch einer Lungenentzündung fest. Hasso war ein ungebärdiger Patient und nur seinem Vater gelang cs, ihn etwas zu beruhigen von der Mutter wollte er gar nichts wissen, worüber sich diese sehr erzürnte und dem Krankenzimmer meistens fern blieb.Gnädige Frau," sagte Dr. KvrneliuK »u ihr,es ist ein ziemlich schwerer Fall, und ich halte cs für ratsam, wenn wir eine Pflegerin zu Hilfe nehmen; das Kindersräulein ist nicht besonders kräftig; sie gefällt mir gar nicht; ich fürchte, sie wird uns noch krank."

S:e haben rcck)t, Herr Doktor! Tann bin ich auch be­ruhigter. Mir geht die Angst und Sorge aus die Nerven, und man ist eine schlechte Krankeinvärterin, ivenn die mütterlichen Geftihle mit in Frage kommen. Die Diako­nisse:: sind das Pflege:: gewöhnt, und ihnen geht alles sicherer von der Hand, f Ich bin schon ganz elend"

Ter junge Arzt warf «inen sprechenden Blick in ihr blühendes Gesicht, dem man nichts ansah und sagte:Aller­dings, gnädige Frau! Ich kann Ihnen eine vorzügliche Pflegerin einpfehlen. Schwester Kon>uelo ist ein liebeS, warmherziges Geschöpf, die besonders mit Kindern umzu- gchen versteht. Sie ist freiivillige Pflegerin, gehört nicht zun: Schwcsternverband des hiesige» Krankenhauses. In der Klinik von Kollege Hamann ist sie die beste Stütze. Augenblicklich ist dort nichts für sie zu tun; deshalb wird sie komme:: können. Ich habe sic schon an manchem Kranken­bett bewährt gesunden." Er hatte sich ordentlich ivarm ge­redet, der junge Arzt.

Ta trat Wolf ein, blaß und angegriffen von der Sorge un: sein Kind.

Nun, Doktor, wie finden Sie meinen Jungen? Auf dem Sprung nur bin ich »hier, um Sie zu hören!"

Keine Sorge, Herr Hauptmann! Kein Kind wird ja von .Kinderkrankheiten verschont. Soeben habe ich Ihrer Frau Gemahlin den Vorschlag gen:acht, eine Pflegerin zu nehmen. Heute nachmittag gleich nach meiner Sprechstunde komme ich noch :::al und bringe die Schwester gleich mit! Schwester Konsuelo versteht ihre Sache! Aengstigen Sie sich nicht! Wir müssen nur vor allem das Fieber zu vertreiben