Ausgabe 
14.2.1914
 
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Verbergen, damit nichts davon in die Oesientlichkeit dringe! 0, sie kannte so v-telc, die sie um ihren schönen vornehmen Man» dcueideten den Triumph, das, dieser nichts mehr von ihr »rissen wollte, sollten sic nicht haben!

<Aortseh»ng Mal)

3l>m 350. Geburtstag Galileo Galileis.

Bon Geh. Rat Prof. Wilhelm Förster.

Am 15. Februar 1664 wurde in Pisa Galileo Galilei geboren; der im November 1609 als Professor an der Universität Padua zuerst ein Fernrohr »ach dem Himmel richtete uird damit die Mmrde «^deS Jupiter, sodann die Gebirge aus der Moirdoberiläche erkannte Und die Muchstraste, sowie einige Sternhaufen und Nebelflecke in Scharen einzelner Sterne auflöste. I» dem daraus folgenden Jahre erkamitr er mit dem Fernrohr die den Mondvhasrri entsprecktendew Lichtgestaltcn des Planeten Venus, sowie die Soanenslecke und die Umdrehung der Sonne, sodann aucb die einander gegenübcrlicgew- den Anhängsel der kreisförmigen Scheibe des Planeten Saturn, obwohl er dieselben als die Gestalt des Saturnringcs noch nicht deutlich crsastte.

Die .Hauptverdienste seiner wisscnschaitlicheu Lebenstätigkat lagen indessen nicht aus diesem astronomischen Gebiete, vielmehr ans dem Gebiete der Bewegungslehre, sür ivelche die schon i» seine» erste» wjlsenlchastlichen Arbeiten, an der Universität Pisa, ausgesührte» Messungen über die Fallbewegung nnd die Pendel- dtwegung und die daran «knüpften neuen und Liesen Gedanken von ganz einschneidender Bedeutung wurde», Gerade itiitj seiner astronomischen Tätigkeit und aus der daran geknüvslen Stellung- nahnir in der Lehre des Kopernikus gingen jedoch die ergreifendsten Ereignisse seines Lebens hervor, welche hinein Namen und seiner aslronvmisnwn ckÄrksamkcit die weit über seine »»mittelbaren Imssenschastlichen Erfolge auf diesem Gebiet hinansgehcnde jäknlare Bedeutung gegeben haben. 1

Zum 350. Geburtstage des jedenfalls bochbcücmcnden Mannes ihm ein lnsonderes Gedenken zu widmen, hierfür liegt aber gerade jetzt >>» Interesse der geschichtlichen Wahrheit und Gerechtigkeit ein eigenartiger wohlbcgriindctcr Anlaß vor. Wir besitzen nämlich jetzt den Abschluß eines von Seilen der Italienischen Regierung durch Professor Favaro in 19 Bänden herausgegebeuc» Werkes über Galilei, wofür auch vv» Seiten des Vatikans olle wichtigen Doluiueute in Bctresf der Prozest-Berhandlungeu gegen Galilei deigestein'N ivordeu sind. Und der Eiitdruck, welchen wir hierdurch jetzt von jenen schmerzlichen Vorgängen empfange», kann nur dazu beitragen, lonscssionelle Gehässigkeit und Weltänschiiunngs-Feind. seligkeitcir zu vcrniiudern. >

Sei es hierzu gestattet, eine» kurze» Ausblick einzusüge» ans dar ganze Verhallen der damalige» leitenden Mächte zn den Kon llilte», welche durch die Lehren von der Erdbewegung und der zentralen Stellung der Sonne in der ganze» Weltanschauung hervoigernle» wurde». Die Lehren des Koprrnikus warei, in dem ersiei, halbe» Jahrhundert nach dein 1544 erfolgte» Erscheinen seines Werkes, »oelchcs dem damaligen Papste gewidmet war. -zunächst Mich innerhalb der Kirche als eineniissenschasllichc" Angelegenheit behandelt ivorde». Eine Kläning bedeutsamer asteo» Konnicher Fragen, besonders auch der hinsichtlich der Beständigkeit der Iahresdauec eiitsiaudenen Zweifel, war damals von besonderer Bedeutung sür die Stellung, welche die Kirche pslichlmästig zn der clitstaiidencii Unordnung des Kalenderwescns einnehineir zu sollen glaubte. Zwar brachte die von Kopcnilkus verküitdelc neue Lehre für diese Grundfragen des .Kalenders keine sozusagen defini­tive Lösung, aber durch seine groste historische Zusaiiiincnsassuirg der griechischen, der arabischen imd der mittelalterlichen Sonnen- Und Sterilbcobachtungen trug Kopernikus doch wesentlich dazu bei. eine gewisse Berichiglmg auf diesem Gebiete zu schassen.

H,insichtlich der Bedeutung, welche die astronomischen Lehren für die lirchlickw Weltanschanung hatte», lag bereits ei» Beispiel vor sür eine schließlich,.' hochgriinnle Stellungnahme der Kirche, nnd zwar in der stillen Zustimmung, ivelche die Lehre von der Kugelgestalt der Erde, nachdem sie von der qriechischen Wissenschaft schoil einmlitig angenoimneii, aber von den Kirchenvätern verlvorfen worden war, schließlich auch innerhalb der Kirche gesunden hatte. Ja, der machtvolle Bckehrnngsdrang, welcher onwnpä jener Lehre heftig widerstrebt hatte, weil diele die Zugänglichkeit der entsirw- testen Regionen der Erde für die Bekchrnng auszusckiliesten fchien, wurde schliestlich einer der stärtsten Antriebe zur Auiiindung neuer Seewege und zur »mfalsendn Erforschung der Erde. Und es lvar der .Jkiulienorde», welcher sich zur Führung auf dielen Forschuiigsgebielen in Verbindung unt regster Förderung der Astro- uomie und ihrer neuen Lehren aus seine» llnivi-rsitäten cuworhob. Mit dem Eindruck der neuen W,Illehre des Kopernikus komplizierte sich aber zunächst in scbr merlwürdigcr Weise die Reiormatione- dctvegung. An keiner Stelle wurde Kopernikus harttw beurteilt pnd abgclchnt, als in Witlrnbrcg und überhaupt in dem ganzen Gebiet der neue» Kirchenlchre bis zum Ende des 17. Jahrhiindcrts. Die Erklärung dieses Verhaltens ist von hohem kulturgeschichtlichen Interesse, aber nicht i» kurzen Tarlegrmgen zu erschöpfen.

Anders verlies die Stellungnahme der kaiholischei, Kirche: Die von der Reformatio» tzervorgerusene Läuterungsbewcgiivg in der Kirche selber regle mich zu bedeutsamer wisienschastlicher Enlwick- luiig an. So wurden auch die Jesuiten besonders verständnisvolle und treue Helfer des entscheidend wirksamen Ausbaues de: Kovr» nikanischen Lehre durch nufere» Johann Kepvler, nild !o »-erhielten sie sich auch keineswegs feindlich zn der durch Galilei vertret.m,« astronomischen Entwickbnng, wäbrend von «eilen der neuen Kirche!,« lehre Kcpplcr sowohl während seiner Studicnzcr», als auch Ini der Hermisgabe fernes ersten astronomischen Werkes »»dnldsaiiistc yiv- ncigilng zu erleide» hatte.

Mit der Verschärfung der Feindseligkeiten zwischen der katüv- nschen Kirche und den der neuen Kirchenlchre zugcwaudlc» Bevölke­rungen steigerte sich indessen auch aus der katholischen Seite der Eiiispruch gegen die enthusiastischen Gedanken, lveiche aus bvn neuen astronomischen Lehren im Gegensätze zn der biblische» Wellans- sassung hergeleiket wurden. So erlitt denn am Ende des 16. Jahrl- lmndcrts der begeisterte .Verkünder eiucc von Kovernikainicheu Gedanken getragenen Wrllanschauiinq, Giordano Bruno, der dafür auch in Deutschland Resonanz gesucht und gesunde» halte, in Rom de» Feuertod.

Solche Zutaten gegen Andersgläubige kamen aber damals ebenso auf Seile» der neuen Kirchcnlehrc vor. Man erinnere sich an die Verbrennung von Michel Scrvcl in Gens, für welche Calvin verantwortlich war, und zu welcher auch die Wittenberger zustimm­ten, und man erinnere sich der zahlreiche», seitens der Puritaner in britischen Laichen wegen abiveichender Glanbensrneimmgen da­mals vvrgekoinmenen Verbrennung«,!. Man gedenke auch der Scrtiu ioycfft', welche am stärksten aut dem Boden iv-ö Protestantis­mus grassierten, und sür deren endliche llcberwindnng wesentlich« Hilfe von jesuitischer Seile- kam. '

Die Menschheit erleidet gerade bei gesteigerte» Weltanschau- üneSkäu'pseii Äerguickiiugew von hohen sozialen Begeisterungen mit den niedrigsten Gewalttat- nnd Rache Instinkten, und zwar nicht Klon aut den» Gebiete de» rrtigiösen Glaubens, sondern last noch brutaler aul dem Gebiete radikalen ..Frrcheitsdranges". ES ist an der Zeit, Mt mir dieser gemeinsame» Slot endlich mit höherer Weisheit geniZniam entgegcnwirken und iodan» auch anihvren, nnd gegenseitig jene Ilntaten der Vergangenheit mit Erbillcrnng vorzuwerjni.

Galilei Halle sich während seiner akadcmrschen Tätigkeit in Padua hinsichtlich der Verkiindiing der Korcruikaniichen Lehre für wertere Kreise eine Zurückhaltung auserlegt, die er auch in einem Briese au Äepplcr rechistrligr. Anders war seine Lage und seine Stimmung in dieser Hinsicht geworden, als er uni 1611 nach Floienz bcrasr» wurde. Am Großherzoglichcn Hose in Florenz bestand in der Zeit, die Galilei in der Nähe desselben und in naher Fühlung mit ihm ziibracküe 08111632), osseubar ein eigenartiges Ziisauimenmirleil rei-schiedenster Geistesriiiniingdn, nämlich der Tradilionen der Renaissance aus wissenschaftlichen »yd aul künstlerischen Gebieten, getragen von dem Andenken an die ersten grosse» Medieäer und erfüllt von dem Geiste lener Pla­tonischen Atademie, der so wesentiichrn Anteil au der großen Geistesia! von Kopernikus halte - nnd andererseits nahe Ver­bindungen mit dem Patzsttun, nnd der gesteigerten Jiileniität der kämpfenden" Kirche.

Für vlalilri's polemisches Naturell waren die K-ämpjc dicker verschiedenen Richtungen in Florenz von besonders ausreizender Be­deutung, und so geschah cs. vast im Jahre 1613, von seinen Mg- ncni in Florenz ausgehend, an die Jngmsitivns-K'ongregalivtt und an die Inder- Konzregatio» in Rom Anträge gelangten, lvelckl« aut eine Einschränkung jener agicierendcnWirksamkeit Galilei'» zurd aus eine Hemmung der Verbreitung kopernikantscher Lehren ge­richtet waren. Zur Bekämpfung dieser Anklagen begab sich Galilei, obgleich nicht eigentlich vorgeladen, nach Rom, wo er, besonders auch im Eoltcgio Romano der Jesuiten, aufrichtige Freunde Und Ratgeber hatte, obwohl einer der bedeutendsten dieser Freunde an der Sternwarte des Collegia Roman», der deutsche Jesui! Cla- mite, der schon als Berater bei der Kalender Resorm von 1582 sich große Verdienste erworben und auch sonst wissenschasklia) Be­deutendes gelirstct hatte, im Jahre 1612 aus dem Lebe» ge iche den war.

Galilei haue abrr bei dieser seiner Verteidigung in Ron« so wemg Erfolg, daß im Frühsahre 1616 das Werk von ÄL- pcrnikus aut den Jude; gesetzt und verboten wurdefolaiw, bis cs korrigiert werde", nnd das, Galilei inc Namen dcs Papstes und der ,Kardi»äle des heiligen Oisiziums den gemessenen Be­fehl erhielt, jene Lehre von der ruhenden Sonne und der beweg­lichen Erde in Zukunft ans keinerlei Weise zu verklinde».

Diesen Befehl halte Galilei in Floren; nicht zu halten ver­mocht, denn er verösientlickste im Jahre 1632 seinen, dem Be­fehl von 1616 im tiefsten Grunde widersprechendenDialog über die beiden grössten Welkst,steme", eine Diolussio», in welcher schliestlich nnvcrtennbar das kovcrnikanii'che Weltsystem de» Sieg davon iriütt. Diese Veröiscnilichung wurde nun der Anlast zu ri,-m .weilen Prozesse, zu welchem Galilei nach Rom vorgeladen wurde. Dieser Pcozest endigte 1633 mit der Wiederholung und VerschäNimg der srühcrcn Verwarnungen, zu dcucu Galilei »nt seiner Ilnwrswrii! das Beteuntteis hstizusügre, daß er »ach dem Beschs von >6l6 die koveriiiknniickw Lehre »ich: mehr an-recht