Ausgabe 
12.2.1914
 
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führt i:tih ein«! JfcifcM in dir Tränke gewonen, Heul: 2 Vurjcl'n vor den Konvent gerufen, weil sie in der Kirche die W.nbstkn!.' mit Dreck geworfen." .

Diebstähle weiden bei Tan und Nacht «nSgesührt. »tcr wer­den Ganse mt'3 den, Stall gestvnlen. dort Schate aus dem Pferch geholt Die Frucht ans dem Speicher und die Kuh im Statt ist nicht sicher vor den Dieben: »nr von Gelddiebstählrn weiß unser Autor »ickle- zu berichten.

1659. Der Kaßcumeister kann mir de» Rest meiner Beioldung von 2 C'iiitbcv, nicht bezahlen und muß t-i fürs nächste Ial-r schuldig bleiben. Wie er sagt, ist es eine grobe Beschwerung sür de» Kaste», das Geld eben Herbeizuschasse»

Im Jahre 1679 crleibt der Kirchen kästen an einen Lan-g- aser Bauer 10 Kinldeu, nviür er 3 Acker, so im Lindeser Feld likgten, als lluterchand verschreibt.

Geradezu unmenschlich war es in der Rechtspflege und die Voll Ziehung gericktliüwr Strasen. .

llmer Ehronist Inuierläszt uns darüber mehrere Au'zeich-

1665 werden in Glichen 2 Weiber aus Lißberg hiugcrichtct, weil sie als Hexe» verurteilt ivarcn: die eine wurde mit dem Schwert gerichtet, die aiidete verbrannt. .

1661 ist einem entlausenen Soldaten ;» Gictzen ein Ohr abgeschnitten und er mit Ruten ansgestrick-en worden.

1671 tvar zu Lindes cin Brand, wobei 3 Scheuern tarnt den Ställen abgebrannt. Anna Elisabeth-,. Eberhards Witwe, io verwirret toar (irrsinnig) und an einer «fette gelegen, sich p.-i dem Brand los gerissen nick» in die Löhn (Lahn) gesprungen.

1674. In Gießen sind 2 Grcisensteiuer Reuter, s» wegen Raub cingespcrrt waren, mit Ruten gestrichen »nd wieder los- gelassen. .. . ..

1679. In Lützellinden bat l,ch ern Berrucktcr, so an einer Kette gelegen, losgcrissen und in der Bach crsäust. Er ist an einem Nebenort aus dem Kirchhof begraben ivorde».

Am 18. Oktober 1680 ist iu Gießen auf Befehl deS Ksm- mandantcn ein Soldat aus den, Marktplatz gcrabbrecht worden, weil er eine» Setzer umgebracht.

Lin tragischer Fall aus dem Studcntenleben wirs uns aus dem Jahre 1659 niilgeteilt:In dieser Nacht (18. Oktober) gegen Morgen hat in Gießen der Student Helimann, des Ober>chultl>e,d<sl Sobn zu Darnistadt, einen anderen Studenten Weihet genannt, des Landschreibers Sah» zu Darnistadt, erstochen nachdem sie auf einem Pennalschniauß getveseit, dann dem Rektor Dr. Metzger eine Musik gebracht und darauf, wie einer den andern heim- bringen wollte, darüber uneins geworden."

Sehr haukig sind solche Fälle von Mord und aotschlag, ohne daß es gelingt, den Täter zn ermitteln, Umherziehend« Räuberbanden machen die Gegend unsicher. Wenn sich eine solche Bande irgendivo gezeigt hat. wird für die Nacht ein Wacht" koninrando aujgeboteu, das den Ort rings umstellt.

Wie tief der Glaube an Hexerei und Zauberer un Volke tmirjrit und wie selbst gebildete Leute nicht frei davon sind, davon nachstehende Auszeichnungen:

1665 erzählte mir der Opscrniann z» Lindes, daß Anna Reidel, des Jonas Reidel Hausiran. Pserd und Kuh des Johs. Konra' Weigel so verhext habe, daß beide verendet. In der Oc-arüble zii Lützellinden Habens die Sietite zuerst erzählt. Die Frau bat sich sehr darüber gebrestet imb ipills nicht gestehen.

1679. In Großcn-Lindcn hat ein fremder Reuter, der mit seine» Kumpanen unter der Linde trank, einem Rechtenbächer Mau» 2 Finger..abgrhaucn, weil von ihm gesagt wurde, er köniie den Schuß in der Muskete Hannen.

Die hier zusaniuleiigesteiite» Nachrichlcn beziebeu sich Haupt sachlich auf den kleine» Ort Lindes. Damit ist uns aber cin ge- trcnes Bild gegeben, tote sich dcrs Volksleben in der Zeit vor etwa 250 Jahren in unserer engeren und weiteren Heimat ab­spielte. Bon der so oft gepriesenen guten alten Zeit ist aber hier nichts zu finden: sie muß wohl noch iveiter znriicklicgcn, oder was das wahrscheinlichste ist, sie Hai überhaupt nie existiert.

Kl.-Linden. _ A. Boßler.

vermischte».

Tie Essenszeiten. In den .Blättern für Volks- «lesnndheitspsleae" wird die Frage erörtert, ob nicht vielleicht das Verlegen der Hauptmahlzeit am Tugessckilnß richtiger oder besser wäre, iveil dann die vollkommenste Ausnutzung de? (v.ioslrncn ermöglicht lei. In de: Mittagszeit habe man mehr das Be­dürfnis zu ruhen, als eine große Mahlzeit einzunehnieu. ES ist nicht richtig, für den Millagsschlas allein den vollen Magen verantnwrllich zn »lachen, denn, iver sich gewöhnt hat, seine Hnnptnialilzeit zwischen 6 und 7 Uhr einznnehine», roiid keines­wegs nach derselben ein Sckilafbedürsnis cniyiiubcit, >oie eS von den mittleren LebenSiahren an fast regelmäßig nach der Haupt- inablccil in der Mitte des Tages einzutrcic.l pilegt. Vor allere, sollten Kinder tu der Mittagszeit r>bei, e? genügt iur dieselben votlkoiuintii eine Mahlzeit, welche der sonst übliche« Abendmahl- zeir enljpricht. Noch weniger Beden len bestehen Inc eine solche

Berschirbtkng für ?M Erwach,r',777;. Die LaMtthme Rkk §aupk- »»<>.,ieu zwischen >/;7 uno t IIbr würde vom gcsmldhcitlichcit Standpunkt die richtigste sein, weil dann die oit bis zur Nacht­stunde verschobene Abrndmahlzcit mit ihren Schlafstörungen weg- fällt, die an Umfang verringerte Mahlzeit in der Tagesmitt die Rarbmittagsarbeit Ivenizer beeinträchtigt und die Ausnutzung der Hauptmahlzeit sonne der vorhergegangenen 3 bis 4 Heinere» Mahlzeiten eine viel intensivere würde. Bei Kindern und schwäch­lichen Personen würde es sich cinpsehle», wenn nach 7 Uhr nichts mehr genossen wird, Tic erste Friihskückomahlzcit soll etwas kräf­tiger gestaltet r.»d etwas Käse oder Eierspeise genossen werden.

* Verwickelte i* t r iu n rb 11 ri) n (15 u c v I) 5 (t ui i i e. Bollständia vercii.ztävderl ist leider der bist 1 '8iöb<irt# Fürst Geb­hard Blücher von Ltzahlstalt, der Endet des Marschalls Vorwärts. Trotzdem der Fürst grobe Bcsttznngtn i» Schienen sein eigen nennt, hat er seinen Wohnsitz nach London verlegt: seitdem ruht die Stimme, die ihm aut Grund erblichen Rechtes l»i preuhüchen Herren ans« zickleht. Zweimal Litt n e-, erst von einer Prinzesflu Lob oivilt, dann von einer Gr sin Verponcher, verlieir te:e sich Fürst Blücher von Lstihlilmt, käst KOsährio, ium dritten Male 189» i» St. clerslinrg mit der danmls Itzjänrige» Prinzessin Wanda Ra ziivill, einer Tochter der einst i i- l lenamitc» Prinzess» Katharina Radzuvill, der Freundin von Eecil Rhode?. Au« dieser dritte» Ehe sind inzivllchcn noch drei Kinder hervoreegangen. Rn» aber inclüet, wie man u»S schreibt, der »ene gothaijche Hoikalender >nr 1911, daß stch ini vorige» Jahre, am ll.Jannor I0!3, der einzige Toln, zweiter Eh« deS Fürste», der 1*90 geborene Gral Lothar Blücher von Walüstalt, mit der 1178 ge orenen tzrinzesst» Luise Radziwill vcrniälLt hat, die eine filiere Schwester seiner Eties- nnstler ist. D)c Folge» dieser niertno rdi> e» verwandtschaitlichen Ber indimg zwischen Bater'und Sohn sind höchst scltsamer Art. Fürst Blücher und sein Sobn lind Tchiväger und Gral Lollwr Blücher ist der Onkel seiner jüngeren Geschwister, außerdem aber auch, als Genialst selnec Tante, sem eigener .»kel .eworden. Wird ihn, ein Loh» acschenkt, so ist er demnach dessen strohonkel und zugleich dessen Bet:er, -er Sohn wird der Resse seines Groß­vaters sei» >stw. tisw. »iw.

VSchrrtijch.

lieber Jugendpflege und Wehrt licht«? keil spricht der nm die praktische Herausbildung deutscher Jugend­pflege so verdienstvolle Feldmarschall Freiherr von der Goltz in dem soeben zur Ausgabe gelaugten 5, (Februar-IHest der E o t t a ' s ch e n M o n a t s s ch r i f tD e r G r c i s". Wenn irgend einer berechtigt ist, den Einslnf; einer sorgfältig geleiteten Jngend- vslegc nnf die Wehrtückstigkeit der neuen Generation zu beurteile», so ist es von der Goltz, In Nesselnden Iluslühruiigcn weist er daraiis bin, wie die Erziehung des Soldaten leute wllig rudere Wege geht als noch vor wenigen Jahren, An die Stelle des Drills und blinden Gehorsams iind an) Oirnnd der Ersatzrungeri der letzicn Kriege die Forderungen nach selbständigem Handeln, nach cigener Ucberlegung und veranlivorlungsbewußter Enlslblos- senhcit getrelen. Diese Forderungen mit einem n keiner Weise vorgebildclen Mcnjchciunatcrial in der verkürzten Dienstzeit zn crsütlen, ist eine geuentstandenc Schwierigkeit, oie durch eine Dorbildiing in den Jahren der Entwicklung, also ourch eine ztveckmäi.ige J,:gei!0pslege überwunden ircerden soll. Wir sind überzeugt, daß die lichtvollen AnSsührungen des volkstümlichen Kriegsmaiinrs in weilcsteu Kreisen starken Anllang finden werde». Außer diesem tvertvvllen Beitrag enthält das Februarhest einen geistvollen und klar «orientierenden AnssatzDer Stille Ozean und die Wclt-nachlSprobleiiic der Zuknult" ans der Feder des Freiherr» von Mackay. Ferner sinden >vir Erinnerungen Johannes Schloss aus den Jahren der Entstehung der Freien Bühne und des naturalisisschen Dramas, einen Beitrag des berühmten Wiener Uiiivenitätslehrcrs Proscssor Friedrich Jodl, der unter ganz neuen Gesichtspunkte» für Ecrhart HauptmaunS Festspiel eintritt. Be­sonders hervoryeben möchten wir schließlich Dr, Wilhelm Fließ' wertvolle Arbeit über den Rhtithnius des Lebens, m der der Ber- sasjer seine Aussehen erregende Theorie von der harmonischen Rrgclmäsjigkeil aller biologischen Ereignisse darlcgt, Reich ist in dieser Nummer auch der belletristische Teil, Neben einer von starker Handlungslrast getragenen Novelle aus dein italienische» Lebcii von Richard Boß stehen Lul» von Strauß und Tornehs cindringlickw BalladeMara" und Will BesperS sormschöneZ Ge­dichtMorgcnröic". _

Loqsgriph.

Ich t in rin n-ilde« rcißendes Tler.

Und inancheni Jäger e.eiährll.h gen'escn.

Al-S hannloier Vogel crbhelne ich die.

Wird vorn ein nnde.cS Zeicl en gelesen. Auslösung ln nächster Nummer.

Auslösung des kkapselrätlel-s i > voriger Rnnimer: W > \ man wünj Ol, das glanvl man gern.

tzkedaktlo»: !k, Reuratl«. Notationtdruck und Verlag der BrühLschen NinoerstlälS-Bnch- und Steindrnckerei, R. Lange, Bietzen,