d«S OpsermamiS. Sie mag gar klein Uno beengt gewesen >em,
a hätte der Pfarrer doch noch ein Plätzchen darin zum Ueber- len gefundene dem scheint aber nicht so gewesen zu setin Wir lesen darüber: Am 30. April 1665 blieb ich zu LindeS >iber Nacht bei dem Opsermann, ab den Abend mit ihm Brot und Käs Und lag die Nacht in seiner Scheuer auf denr Heu. Am Morgen hielt ich in der Kirche die Frühmesse und ging dann gen Gießen zum Superintendenten. Am 8. Juli 1666, als ich gen Linden gehen wollte, liberraschte niich ein arg Donnerwetter, weshalb ich wieder umkehrte und beim Opfermann in Lindes im Stall Über Nacht blieb.
In LindeS war die Schulstelle niit einem Handwerksmeister besetzt, in den anderen Orten des Oberfürstentums dagegen waren es meist Theologen, die vor Ihrer definitiven Verwendung als Prediger die Stelle eines Schulmeisters übernahmen. So finden wir Theologen als Schulmeister in Gießen, Großen-Linden, Lang- Göns, Ebers-Göns, Ober-Gleen, Groß-Rechteubach, Lützellinden, Heuchelheim, Mieseck, Großen-Buseck, Watzenborn usw.
Trotzalledem war es aber mit der Schnlblldnug des gemeinen Volkes in dieser Zeit doch recht schlecht bestellt, wie aus folgenden Nachrichten hervorgeht: 1680. ,Lnst Vigelius aus Linden war zum Kastenmeister (Kirchenrechner) erwählt worden, schlug aber die Wahl aus, weil er weder lesen, noch schreiben könne. Er hat mich in meinem Hause hart angefahre», weil ich für ihn keinen andern Vorschlägen wollte. Ich wies ihn ab, er möge sein Amt so gut versehen, wie er könne. Er bietet sich an, eine Mahlzeit gerne zu geben, wenn er nur das Amt nicht zu nehmen brauche." In der Kirche wird jeden Sonntag ein Abschnitt aus dem Katechismus vorgebetet, damit die Leute, so des Lesens unkundig sind, mit dem Inhalt doch vertraut werden. Die einfachsten Ding« sind den Leuten aus Befragen manchmal nicht geläufig; so namentlich. wenn sie nach ihrem Geburtstag gefragt werden. Da ist der Eine so um den Gießener Mechelsmarkt herum geboren, der Andere ums Kornschneiden, ein Dritter „uf die Heuchelheinier Kirmeß".
Die Gründung des Dorfes Klein-Linden geht aller Wahrscheinlichkeit nach von der Burg aus. Der Burgherr, auch Junker genannt, hatte als Sachverwalter einen Hofrichter oder Burg- hosmann. 1652 wird des Junkers Hofrichter Heinrich Weigel genannt, 2 Jahre später der Hosrichter Hillebrand. Vom Jahre 1658 leien wir: Pfarrer Happel in Alsfeld fragt an, ob Nikolaus, des Möllers Sohn in Zeidelbach, von uns in Lindes konfirmiert worden sei, der bei den: Junker von Weitershauscn zu Lindes die Schafe gehütet.
„Als ich 1665 am 8. Oktober zu Lindes predigte, sagten die Lindeser, daß itzt der Junker da war niit seiner Frau, welche itzo von Echzell gekommen."
E 1670. Der junge Junker saß cm Sonntag in der Kirche in seinem Stuhl neben der Gräfin von Wied.
Vom 16. November 1680: Auf dem Wege von Gießen nach Lindes sagte mir Johs. Friedrich Schäfer (Burghofmann zu Lindes), daß sein Junker Beriihard von Weilershausen die Burg verlaust habe an Junker Freiherrn von Wrede auf der Altenburg bei Alsfeld, welcher aus künftigen Petritag Heraufziehen und hier wohnen wolle.
1653. Spricht niich an der Baiser, itzo Schäfer in Alleirdorf, ihn mit Elisabeth Heep, die aus der Burg Magd ist, weinkäuflich zu kopulieren. Habe sie kopuliert in dem Garten hinter der Burg. Anstatt der Mahlzeit erhielt ich, ein Kopsstück und einen Käs.
1654. Spricht mich an der Hofrichter des Junkers, ihm auf der Burg ein Kind zu taufen. Bei der Mahlzeit spielten die Sackpfeiser aus. Wir aßen Hammelfleisch und Eierkäs. Ten roten Firnewein, den wir getrunken, hatte er Pis -er Apotheke zu Gießen. Meine Frau und ich blieben über Nacht ans der Burg.
1658. Der Junker ist gen Lindes kommen und hat den Melchior Hillebrand von der Burg getrieben, hat den Johannes Svanheimcr von Heuchelheim und seinen Eidam Johannes Eckhard zu Hofleuten ernannt.
Wenden wir uns nun den weltgeschichtlichen Ereignissen jener eit zu. Deutschland hatte sich von den Schrecken des 30jährigen rieges »och lange nicht erholt: da erschallte schon wieder das Kriegsgeschrei jenseits des Rheins. Der König Ludwig XIV. von Frankreich, dieser ehrgeizige und herrschsüchtige Fürst, hatte Holland in Not gebracht. Seine Raubscharen zogen über den "ihein, verwüsteten die Pfalz und verbreiteten sich über einen ßroßen Teil Deutschlands. Hier interessieren uns nur die kriegerischen Ereignisse, solveit sie unsere engere Heimat betreffen. .Hören wir, was Weigel in seinem Tagebuch darüber berichtet: 1672 Die Gemeinsleute Balth. Lenz, Konrad Becker, Heinrich Jung und Johannes Neidel sind vom Lberkonrmando, so in Gießen liegt, gezwungen worden, mit ihren 4 Karren 400 Musketen von Gießen nach Tarmstadt zu fahren.
Am 4. Oktober ging ich nach Lindes zu predigen, aber vergebens, weil der Ort von Menschen leer war.
Am 13. Oktober, als ich zu Lindes auf der Kanzel stand zu predigen, kam eine Partie Reuter, die gen Frankfurt wollten, vor das Kirchentor geritten und begehrten den Weg gezeigt.
e ch mußte abbrcchen und ohne Schluß von der Kanzel gehen.
n der Lückebach haben sie einem Juden von Hochweisel 2 Reichstaler abgenommen.
1673. Ter Pfarrer von Dutenhofen hält bei mir um ei« Almosen aus dem Gotteskasten an, weil er ganz ausgeplUndert, sein Bieh und alles verloren hat. Den 12. Mat war der Landgraf zu Gießen und hat besohlen, daß die Bäume und Decken vor Gießen sollten abgehauen werden wegen der Kriegsgefahr. Die Leute sollten sich aus V- Jahr mit Proviant versehen.
Den. 4. Juni ist der Pfarrer von Volpertshausen vor den Kriegern geflohen und mit Weib und Kindern, Kühen und Säuen zu uns gekommen, weil vergangene Nacht die Franzosen mit Bewilligung des Grasen von Weilburg aus Gleiberg in das Schloß gekommen sind.
Am 12. Juni ist ein Franzos von einem Bauer beim Wetzlarer Schlag erstochen worden und in das Gesträuch versteckt.
Am 6. Juli ging ich nicht gen Lindes zu predigen, weil ich hörte, daß nieniand da wäre als die französischen Reuter; die ganze Gemein aber nach Gießen geflohen.
Am 9. Juli 1673 haben die Franzosen in Dutenhofen 16 Scheuern und 3 Häuser abgebrannt.
Bier Männer brachten in einem Backtrog einen Burschen von Vollkirchen, den die Franzosen erschossen und ihm die Schuhe ausgezogen.
Am 2. August fällt die Kirche aus, weil nur Weibsleute da sind, die Männer aber wegen .Aufbruch des Kolkes zur Wacht gezogen.
4. August 1673. Nachdem der französische General Turenne 4 Wochen in Wetzlar gelegen und nun aufbricht, nach der Wetteranl zu ziehen, kann das Abendmahl iricht gehalten werden.
In Lindes sterben viele Leute an der roten Ruhr, dieweil sie in ihrer Not unreifes Obst essen.
1674. Kommt zu mir in mein Haus wieder ein Pfarrer und bittet um «in Almosen: er sagt, daß er 20 Jahre Pfarrer gewesen und zuletzt Schulmeister im Waldeckischen. Er sei dort weggezogen, weil die Leute ihn nicht mehr bezahlen könnten, so sie selber nichts hätten.
Am 24. Oktober wird ein Soldat begraben, der im Backhaus gestorben ist. Für das Begräbnis werden den Trägern seine Schuhe und sein Hut gegeben.
AM 2. Novbr. 1660 spricht mich an ein Weibsmensch, die Barb, sie wolte sich mit dem Lindeser Schäfer kopulieren lassen. Sie weiß aber nicht, wo sie her ist und auch nicht ihr Alter. Sie sagt, als der Schweb gekommen sei, wäre sie mit ihren Eltern als ganz kleines Kind in den Wald geflohen, >oeil alles in ihrem Dorf verbrannt war. Im Walde sei ihre Mutter von Soldaten mitgenommen worden. Sie sei dann auf den Schisfenberg gekommen. Bon ihrer Mutter habe sie nie wieder etwas gehört."
An diesem Beispiel — und derartige Einträge finden sich viele in den Tagebüchern — läßt sich so recht die arme Zeit erkennen, welche die Bewohner unserer Heimat damals durchlebt haben.
Hand in Hand mit diesen Notständen gehen auch die Sitten, die Armen- und Krankenpflege, das Gerichtsverfahren, Merglaube und anderes.
Diesbezügliche Einträge finden sich folgende vor:
1664. Ward mir erzählt, daß die fremde Weibsperson, so sich in Lindes aufgehalten, zu Gießen drei Tage tot in der Gasse gelegen und dann erst begraben wurde.
1661. Kommt ein Weibsbild von Butzbach zu mir und verlangt ein Taufzeugnis, weil sie mit ihrem Kerle, so Soldat in Gießen, kopuliert sein will. Ich kann ihr keins geben und verweise sie an den Superintendenten nach Gießen.
1681. Spricht mich an ein fremdes Weibsmensch, die angibt, in Lindes geboren zu sein und will ein Todeszeugnis ihres Mannes, der hier gestorben sein soll. Ich sage ihr, daß ich solches nicht ausstkllen lann, weil sich in den Kirchenbüchern von 1635 bis 1642 wegen der Pestjahre keine Einträge finden. Sie geht in Zorn von mir fort.
Bei all denr Elend und der großen Armut, die überall herrscht, ist Völlerei und wüstes Treiben an der Tagesordnung. In den Wirtschaften werden bei Bier und Branntwein bis zum frühen Morgen Trinkgelage veranstaltet. Jede Gelegenheit wird benützt, „einen Trunk zu tun". Selbst bei der Wahl der Kirchen- vorstcher, dcr Gemeinderäte, bei Auf- und Abzug eines Pfarrers wird ein „Umtrunk" veranstaltet. Beim Wirt Reinhard in Lindes geht es oft bis zur Frühmesse toll her.
„Als ich an Reinhards Haus kam, hörte ich ein wüst Ge- krisch. Ich fah sic aus der Karte spielen und mit Sausen und Gcblärr sich die Zeit vertreiben. In der Kirche habe ich nachher über diese Unsitte hart gezürnt."
Nicht selten komnct es vor, daß Leute betrunken zur Mrche kommen uird wieder hinausbesördert werden.
1680. Heute ließ ich den Wirr Thielmann in Linden vor den Konvent kommen, weil er die Nacht Weibsmenscher in seinem Hanse bei den Gästen beherbergt und zur BöUerei und Unzucht Anlaß gibt, antwortete er mir, dann sollten auch die Ratsherrn ein besser Ezempel geben und nicht bis nachts 1 Uhr aus denr Rathaus saufen, sich zanken und dann einer den andern zur Treppe hinunterweifen. ^ ^
1680. Weil ich heute in der Morgcnkirchc und der Kaplan in der Mittagskirche gegen das Sanken gepredigt, haben die Burschen vor den Pfarrhäusern in der Nacht arge Gekrisch voll-


