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Gabriele lachte bei diesen Worte» schrill aus; unbeirrk jedoch fuhr er in derselben ruhigen Weise fort:Eigentlich könnte ich meine Worte spare»; es erniedrigt mich oor mir selbst, wenn ich inich gegen dich verteidige! Aber da nun doch das Tischtuch zwischen uns zerschnitten ist, sollst du er­fahren, dass ich dich durchschaue, dick in deiner ganzen Er­bärmlichkeit kenne. Was du deine Liebe zu mir nennst, ist nichts weiter als Sinnlichkeit, die inich anekelt als Eitel­keit, denschönen Wolfsburg", wie du mich ja wohl genannt hast, zu besitzen auf jeden Mll zu besitzen. Vergeblich warfst du deine Netze aus bis euch jene Angelegenheit gerade recht kam! Also kann mir der Borwurf des Mitgift- jägerS nicht gemacht lverden; ich habe vollständig korrekt gehandelt. Anfangs glaubte ich, du wüßtest nichts; bin aber in dem Glauben wankend geworden!" Und mit erhobener Stimme, jedes Wort betonend, fragte er sie, die Augen fest auf sie heftend:Warum bist du auf jenen schmählichen Han­del eingegangen? Warum hat sich denn da dein Stolz nicht gesträubt gegen die Verbindung mit einem Mann, dessen Herz nicht dir, sondern deiner Putzmacherin gehörte, wie du auch damals schon wußtest?"

Sie erwiderte nichts, schlug nur die Augen nieder, und er suhr fort: \

Redlich habe ich mich beniüht, dir ein guter Gatte zu sein, und habe dir stets die Treue gehalten! Ich liebte dich als Mutter meines Kindes, und wenn du nicht gar so ober­flächlich, genußsüchtig und eitel wärest, würde unser Zu­sammenleben ganz erträglich sein! Nach dieser letzten Stunde ist das aber ganz ausgeschlossen! Tu kannst ruhig deiner Wege gehen!"

Wie Kenlenschläge sielen seine Worte auf Gabriele nieder. Sie stand ihrem Manne gegenüber, die Arme unter dem Üppigen Busen verschränkt, ein hohnvolles Lächeln um den Mund, das aber bei seinen letzten Worten jäh erstarb.

Du denkst an eine Scheidung? Nie willige ich darin ein,kam es hastig von ihren Lippen.

An eine Scheidung gerade nicht; denn ich will meinem Jungen nicht antun, daß er unter unserem Zwist leidet! Aber an ein eheliches inniges Zusammenleben zwischen uns ist nach deni heutigen Abend nicht mehr zu denken. Teile dies meinetwegen deinem Vater mit. Auf den jährlichen Zu­schuß von ihm verzichte ich!. Meinen Jungen und mich kann ich mit meinem Gelbe erhalten auch dich; selbstverständ­lich müßtest du dich meinem Einkomnien anpassen! Kannst und willst du das nicht, und du wirst auf den gewöhnten, Luxus nicht verzichten ivollen, wie ich dich kenne, so magst du meinctivegcn in der bisherigen Weise weiterleben. - Aber für meine und Hassos Bedürfnisse wird nicht ein Pfennig mehr von deinem Gelbe verwendet ich brauche es nicht."

Du tust gerade so, als ob Hasso mich nichts anginge," fuhr sie da erregt aus,ich habe ihn geboren, ich bin seine Mutter also habe ich doch wohl das größte Recht aus ihn!"

Das hast du verwirkt! Du hast dich nie um das Kind gelümniert; e-s war dir eine Last, ein Hindernis in deiner

f ;cränschvollen Lebensführung. O, ich möclite es nicht auf eine Entscheidung ankommen lassen! Dein Einfluß aus ihn ivürde überhaupt nachteilig für ihn sein! Noch mehr als bisher werde ich streng daraus halten, daß er nach meiner Ansicht erzogen wird, und ich ersuche dich, niemals meine Anordnungen umzustoßen in deinem Interesse, Gabriele! Und die Versicherung gebe ich dir, daß ich niemals den Ver­such machen werde, bas Kind zu beeinflussen oder dir seine kindliche Liebe zu entziehen im Gegenteil; er soll seine Mutter lieben und soll nichts ahnen von der Kluft zwischen uns. So, nun weißt du, wie wir sbrh'ciis. Im übrigen überlasse ich es dir, dein Leben zu gestalten, wie du willst: das ist nur vollkommen gleichgültig. Nur das eine gebe ich dir zu bedeuten; daß, wenn du auch nur den leisesten Makel auf meinen Namen wirfst, ich unbarmherzig Vorgehen lverde. Dann ivürde ich auch den Etlat einer Scheidung nicht fürch­te». Vergiß das nie! Sieh dich also vor, daß du in deiner Gefallsucht nicht zu lveit gehst; halte dir Meßborf vor allem fern, ich wünsche cs und befehle es dir sogar. Spricht er dir seine Verwunderung darüber aus, sage ihn: ruhig den lvahren Grund; ans einen Gang niit ihm soll cs mir wirklich ntcht ankomme»."

Hochausgerichtet stand Wolf da; in seinen Augen lag ein kalter Ansdruck, und im Gesicht ein unsagbar hochmüti­ger, verächtlicher Zu;g, während er auf seine Frau blickte, die schweigend, wie betäubt, am Tische lehnte. Das höh­nische Lächeln war längst aus ihrem Gesicht verschwunden;

sie biß sich die Lippen blutig; ihre Angen irrten unsicher an der hohen Gestalt des Gatten vorbei; sie konnten seinem Blick nicht begegnen. Nervös riß sie an den Spitzcn ihres Gewandes; sie wollte antworten, fand aber nicht dcn Mut. Das hatte sie doch nicht vorausgesehen und auch nicht gc- tviollt! So hatte sie ihren Mann noch nie gesehen; er war immer so ruhig und geduldig gewesen fast müde aber jetzt erschien er ihr furchtbar in seiner Entrüstung früher hatte sie leichtes Spiel gehabt aber allzu straff ge­spannt zerspringt der Bogen! Und hier hatte sic cs bis aufs äußerste getrieben; sie mußte einlenken, wenn nicht alles ver­loren sein sollte. Da schlug ihres Gatten Stimme kalt und! fremd an ihr Ohr:

Es ist schon spät, Gabriele! Auch haben tvir uns wohl nichts mehr zu sagen," damit wandte er sich ab. Da raffte sie sich auf; sie trat einen Schritt vor und sagte mit bebender Stimme:

Ich verstehe dich; so schwcrsällig bin ich doch nicht, daß ich deinen Wink, zu gehen, nicht begreife! Du hast mir so unrecht getan, und ich könnte dir Vorwürfe"

\Halt, Gabriele, auf Erörterungen und Anklagen lasse ich mich nicht mehr ein. Du kennst jetzt meinen Entschluß; er ist nnwiderrnfltch! Vor der Welt bist du mein Weib; die braucht unseren Zwiespalt nicht zu erfahren dies Zuge­ständnis mache ich dir," sagte Wolf kalt.

O, du bist grausam, Wolf, aber freilich, das ist leicht gegen eine ungeliebte Frau, deren entledigt man sich gerir; da fragt man nicht nach ihrem Herzen"

Wenn ein Weib, das ich wahrhaft liebe, sich von einer solchen Gesinnung gezeigt hätte wie du, würde ich nicht einen Augenblick anders gehandelt haben," sagte er bestimmt, und fügte leise, mehr wie für sich, hinzu:Nur, daß ich vielleicht nie darüber hinweggekommen wäre."

Sie sah den kalten, grausamen Zug in Wolfs Gesicht und versuchte das letzte, seine Unerbittlichkeit wankend zu zu machen. Bittend streckte sie ihm die weißen Hände entgegen.Wols", flehte sie in demütiger Weise, Wolf, verzeihe mir, ich war sinnlos vor Eifersucht, du bist; doch sonst so edel, nur dies eine Mal verzeihe mir noch, und du sollst keinen Grund zur Klage mehr haben." Es war dock gar zu bitter, wie er sie für ihre Uebereilung strafen wollie; sie konnte ja nicht ohne ihn leben und wollte es auch nicht; deshalb entschloß sie sich zu dieser Bitte um Verzeihung wohl zum ersten Male in ihrem Leben.

Doch ernst schüttelte er mit dem Kops und übersah die ausgestreckten Hände seiner Frau.Nein, ich kann nickt du hast mich zu tief gekränkt! Gehe jetzt und laß mich allein! Vergiß nie, was ich dir gesagt!" Und damit wandte er sich ab.

Totenbleich vor Ingrimm wurde da ihr Gesicht; es schüt­telte sie fast, als sie heiser hervorstieß:Ja, ich gehe, ich verschone dich mit meinem Anblick! Die Folgen deiner Grau­samkeit fallen ans dich zurück." Sie raffte die Schleppe des lichtblauen Schlasrockes zusammen und eilte tvie gehetzt aus dem Zimm.r.

Wolf glättete das arme, gemißhandclle Bild Marys, das er vorhin schon vom Boden genommen hatte, so viel es an- giug. Er warf einen langen, traurigen Blick ans das fühe Gesicht: dann schlug er plötzlich die Hände vor das Gesicht und schluchzte laut aus, und schwer siel seine Gestalt ans einen Stuhl, wie von einem Krampf bebend.

In dieser Nacht suchte er sein Lager nicht auf (Fortsetzung folgt.

ttlem-Lin-ener Volksleben in ber Zeit noch dem ZOjäiirigen Krieg.

(Schluß.)

3m Jahre 1653 klagt der Pfarrer: Der Ovscrmann zieht nicht die Glocke», weil sie ihn, keinen Lohn dafür geben wollen.

Am 18. Dezember 1659 habe ich Konrad Peter und Konrad Becker zu Lindes anbefohlen, ihre Kinder zur Schule zu schicken, entschuldigen sich, sic hütle» keine Kleider »nd konnten auch keine bekommen, auch kein Geld, eine Tafel, ei» Buch zu kaufen. Als ich ihm, dem Becker verwies, daß er seine Frau vor der Kommunion und auch hernach geschlagen, antwortete er, er schlüge wohl manchmal seine Frau, aber nachher ivären sic doch wieder einig, das erneuere nur die Lieb. Seine Kinder sollten nicht Psarrer oder Schulmeister werden, sie brauchen auch darum nicht in die Schule zu gehen, das wäre nur für die gelehrten Leute.

Wo das erste Schulhaus gestanden, ist ans den Nachrichten nicht zu erfahren; sehr wahrscheinlich war es die Privatwohnung