Ein Frühlingstraum.
Lioman von Fr. Lehne.
(NaAnmck verboten.)
(Ssrlsctzung.)
Hastig eilte sie in ihr Schlafzimmer und entledigte sich des 5ostbaren KesellichaftstleideS, das sie noch trug. Währenddem 'auschte uno »vartetejie ans da-S Eommen des Gatten; es war doch wirklich Zeit zum Schlafengehen. Sie schlüpfte in ihren Schlasrock und silztich silii zu seinem Zimmer ^— alles still darin Tann bückte sie sich, um durch das Schlüsselloch zu sehe», aber der Vorhang vor der Tür hinderte sie, etwas zu 'erblicken. Leise öjswele sie die Tür und trat ein. Wolf sah an seinem Schreibtisch, tu etwas vertieft und hörte sie nicht So gelang >s ihr, unbemerkt näher zu kommen. Gierig blickte sie über seine Schulter und sah ei» Bild in seiner Hand, ans das er unverwandt b!ickte. Ein tiefer Seufzer hob seine Brust und sie sah eine Träne ans die Tischplatte falle». Ihr Heister fliegender Atem streifte da seine Wange; hastig drehte er sich um und sprang sofort auf, als er seine Fra» neben sich gewahrte. „Du hier?" stieß er mühsam hervor. S-e senkte die Augen. „Warum wundert dich das fragte sie leise.
„Ich kann mir deine Anwesenheit hier nicht anders erklären, als dast du deinem Benehmen von vorhin die Krone anfsetzcn willst dadurch, dast du mir nachspionierst!" Sic zuckte bei diese» Worten leicht zusammen >lnd agtc leise: „Und wenn ich dir nur „Gute Rächt" sagen wollte
„DaS glaube ich nicht!" sagte er verächtlich. ,Xu bist doch so oft schon ohne de» Gruß schlafen gegangen!"
Mit einem raschen Griff hatte sie da das Bild ersaht, warf einen Blick daraus und hielt eS trinmphierend in die Höhe.
.Kei n an nir Spionage wcwirsst, inein Freund, so ist sie ut>g von Erfolg gekrönt! Siehe das Bild des engelglei- chcn Wesens! Also habe ich recht, und ich bi» eine arme betrogene Fra» — du bist so über die Maßen falsch und dabei gebärdest du dich als so sittenstrenger Mann —"
„Gabriele, mache mich rticfjt rasend! Augenblicklich legst du das Bild hin und verläßt mich, wenn ich mich nicht vergessen toll," besah! er zitternd vor Erregung, und da sie zögerte — „gib das Bild zurück — o. an deiner Stelle würde ich »'.ich ltr'f in die Seele hinein schämen."
„Da hast du dein Liebchen," ries sie höhnisch, das Bild zerknitternd und e-s ihm writcrsüllt vor die Füße werfend, indem sic darauf trat, ..da nimm!"
Mit einer gebieterischen Veivegung streckte er die Hand nach der Tür. »Hinaus mit dir. Elende!"
Da war es uni ihre Selbstbeherrschung geschehen. Drohend hielt sie ihm die Hand vor das Gesicht und stieß mit vor Wut erstickter Stimme hervor: „Du — du wagst c-5, mir die Tür zu iveiscn, die Tür ineiueS Hauses, Hast du den.'-i
überhaupt ein Recht dazu, ein Recht auf alles, was sich hier besiudel? Was wärest du denn, wenn du mich nicht hättest —" „Jedenfalls wäre ich ebenso glücklich, wie ick jetzt elend bin in dem Besitze eines Weibes, das so gänzlich bar alles Zart- und Ehrgefühls ist, da
Da lachte sie schallend aus; „das ist ja köstlich," rief sie höhnisch, „köstlich, daß du — du stets das Wort Ehre im Munde führst, der du selbst keine hast —"
„Wenn du nicht sofort schiveigst, vergesse ich trotzdem, daß ich mit einer Unzurechnungsfähigen zu tun habe," und unwillkürlich hob er den Arm.
„Recht so. recht so — schlage mich. daS fehlte noch," rief sie gellend. „Oder ist es etwa ehrlich gehandelt, wenn man ein Mädchen heiratet, um sich durch dessen Geld vor der öffentlichen Brandniarknng zu retten? Glaubst du, ich wüßte nicht, daß der stolze strenge WolfSburg der Sohn — eines Fälschers ist?"
„Weib, du —“ mit rauher Hand faßte er da ihren Arm, daß er rote Flecken aufwies.
„Ja, freilich," fuhr sie fort, sich von ihnt befreiend und >oie eine Bacchantin den Kopf zurnckwerfend, „ja freilich, dazu war mein Geld gut, jenen Betrug zu verbergen! — Nach ineinem Herzen hast du nie gefragt — meine Liebe hast du zurückgewiesen, niit Füßen getreten und die deinige meiner Putzmacherin geschenkt! Und dabei führst du stets das Wort Liebe, Treue und Ehre im Munde! Die Welt tvürde große Augen machen, wenn sie erführe, daß die stolzen Wolssburgg ehrlos sind! — — Aber Papa werde ich erzählen, toie du mich behandelst und was du für ein undankbarer Mensch bist. — Aus den Knien müßtet ihr uns danken, daß wir euch vor dem Zuchkhausc bewahrt haben," schrie sie gellend, sinnlos vor Wut.
Wie von einem Peitschenhiele getrofseu, zuckte da Wolf zusammen. Totenbleich war sein Gesicht; er bebte am ganzen Leib: aber mit unnatürlich ruhiger Stimme sagte er:
„Ich habe dich ausredcn lassen, um dich ganz in deiner gemeinen Gesinnung und Denkungsart zu sehen — einen anderen Ausdruck finde ich nicht. — Ruhig, ich spreche jetzt," befahl er, da sic bei diesen Worten nnfsnhr. „Also, gehe hin, erzähle von der Schande der Wvlfsbnrgs, deren Namen du und dein Kind ja auch tragt. Sage cs deinem Vater, wie un- slücklich du dich bei mir fühlst! Sage ihm aber auch, daß du die meiste Schuld daran trägst. Ich habe euch nie belogen! Wahrheitsgemäß habe ich damals deinem Vater, als er »lich zu sich bestellt und mich vor die Wabl gestellt hatte, entweder seine Tochter oder Bloßstellung, gesagt, dast ich bereits gebunden sei — er ging leicht darüber hinweg! Ich halte Geld zur Einlösung jenes Wechsels geboten; die fragliche Summe hätte ich überall bekomme» — umsonst, dein Vater ging nicht daraus ei», weil ihr mich wolltet! Er hatte kein Recht dazu, mich zu zwingen; denn jene Wechselgeschichte ging nur meinen Vater und mich an! In meiner .Herzensnot ging ich aus jenen unglückseligen Schacher ein und brach dadurch ein trenlieben- deS Franenherz


