Ausgabe 
11.2.1914
 
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bad sogenannteSrtb" erfolgte dann im Trauerhai,S. Dabei wurde dann so viel getrunken, daß der Psarrer oftmals in der Kirck»' darüberzürnte", toenn beim Lad eingar zu arg Gckrisch und Gesang" geNefcn.

An, 9 September I6l'3 mar die Lindeser Kapelle einge- Iveiht toorden. 'Dem Pfarrer war der Kirchweihtag cinnial ver­gesse», und die Kirchweihpredigt nnterblicb. ,,'Ta spricht mich an JolniiiiicS Grösser, wenn ich am nächsten Sonntag die Kirnicß- predigt nicht halte, dann ivollte niemand mehr zur Kirche gehen/' Bon, Jahre 1663 lesen wir bezüglich der Kirmeß:Wegen trauriger Nciihnclnr» aus der Türkei soll diesmal die Lindeser Kirmeß «uöiatlcu. Die Burschen aber haben schon das Bier gebraut nnd bestehen darauf. Ich habe sie darum an den Amt mann von Busech i» Gießen verwiesen."

Trotz der armen Zeiten werden in der Gemeinde Kollekten zur Erbauung von Kirckirn erhoben. So steuern die Lindeser sür die Kirch»eii zu Grüninge», Ulrichstein, Frankiurt a. M., Heidel­berg, Trebur, Leipzig, ja sogar sür die Beschaffung einer Kirchen­uhr zu Ester in Holstein, während sie selber in ihrer Kapelle keine bekihen und sich mit einer Sonnenuhr behelfen, die 1653 der Studiosus Jan st aus Frankfurt a. M. der Gemeinde gestiftet hat. lieber eine weitere Stiftung an die Kirche lesen wir aus dem Jahre 1669 folgenden Eintrag: Es zeigte mit an Eberhard Spanheimer, des Junkers zu Lindes Hofmeister, dass wenn ihm Gott wieder die volle Gcsuiidheit schenke, er der Kirche ein Wüllen Altartuch kaufen wolle. Nach einer späteren Notiz ist aber aus den,wollenen Tuch" ein weis; flächsernes geworden, das an hoben Festtage über das alte schwarze Altartuch gelegt wurde.

Außer den Mzidentien bei Tnn'en, Trauungen, Beerdigungen nnd der 'Danksagung mußten die Lindeser zur Pfarrbesoldung jähr­lich beisteuern 16 Gulden 5 Albus 3 Heller. Bei der Kvnslr- malion halten die Kinder an den Pfarrer Gier zu liefern, deren Zahl pro Kind Mischen 12 und 24 Stück schwankt.

Wie >var cS nun mit der Schule in Lindes bestellt? Für die Gründung der Schule ist das Jahr 1650 anzusehc», denn der Opsermann Ludwig Haupt spricht im Jahre 1660 von seiner 10jährigen Dienstzeit als erster Schulmeister zu Lindes. .Haupt war Kirchendiener (Opfermann), Sckrmied und Schulmeister. Bei der Gründung der Schicke ging es, wie bei den meisten Neu­einrichtungen sie müssen vielfach erzwungen werde». So auch bei den Lindeser,, Weigel schreibt darüber: Am 12. November 1665 hat der Opsermunn Haupt zu Lindes wieder angeiangen. Schule zu halten mit 6 Kindern.

Im Jahre 1669 befiehlt der Pfarrer: 'Die Kinder, so mit Schuhwerk versehen sind, sollen zur Schule geholt werden.

Im Jahre 1680 am 20. Februar berichtet er: Ich hörte, daß zu Lindes die Schule ausgchört. Einer oder zwei ihre Buben nach Gießen in die Stadtschule schicken, die andern ihre Kinder ganz daraus behielte», ja der Schulmeister ihnen hinansgeboten und gesagt, er wolle das Tor hinter ihnen zunagcln. Ist also wohl nachznsinnen, wie es mit der Schule anznfangen, dast sic besser, fleißiger und freudiger gehalten werde, weil >oie sichs verstehen läßt, der Schulmeister selber schlecht Lust dazu hat. Der Gemeinsmann Heinrich Weigel soll seinen Buben noch am standhaftigsten darin habe gehen lassen.

(Schluß folgt.)

verinlschte«.

Das Programm der japanischen Kaiser­krön »na. Die Kommstston, die beanilraat ist, die Vorbereitungen sür die Krönung des neuen Kaisers Ta üb» z>, treffe», ist vor einige» Wochen ernannt ivorden und bat jetzt in großen Zügen das Prograinin der Festtichkeiteii nntgestellt. Der neue Mikado wird in, Herbst diele« Jabre» die teieitichc Bestätignna der Würde eiiip'angen, die er schon jetzt trägt, nnd durch eine große >e igiöie Zerenionie in den Kreis seiner erlnnchlen Vmlabren a»<ge»onl»i>» werden. Man verniniet, dnß es religiöse Rücksichte» sind, die di« japanische Reateriing verantaßt haben, die Krönnng so lange nul- ,»schieben. Würde man näintich nicht Io lange ivarien, so müßte man z» den Opker», die ans diesem Anlaß dargebrackt iverden, Reis benutzen, der noch ivätirend des Trauerjahres gepstgiizt ist. Nach den uralten Anschauungen der Shinto-Religion über die be­steckende Wirkung, die durch beu Tod l>ervo>ger>cken wird, iväre es aber unzieinlicti, solchen in, Todesjahr des Irüheren Mikado gc- ivachsene» Reis bei den Kiiltleierliä,keilen zu verivenden. Es darf »>ir Reis benutzt iverde», der dieseii, Jahr, bei» ersten der Re- giennig de« neuen Herrschers, emflnmmi, und der ift erst nächsten Herbst vorhanden Schoii aus dielen Ei ivngniiaen erbelli der ftreiig religiöse Geist, i» bem die Krönung vollzogen werdcii wlib Und ans dicler liiicklischeii, sich streng absoiidernte» Sphäre des Kniserhotes >sl auch die Taliache zu erklären, daß inan sich entschloffen Hai, an die Hemden Regicriiiigeii iiichi die 9luf- sordernna z» richte», sich bei der Zeremonie durch Sond.-rgesandt Ickialie» uettreten zu lassen. Rur die divloinatischen Ve,I>e,er der lremden Mächte, die dein. Ho e des Vtikado alkredilie,! sind, werde» an ziveic» der Zereinontei, teitnehmen, die diirch drei Woche» hindurch statt,iiiden. Ata» gibt ati Grund daiür, daß

keine fremden osfiziellen East« e ngeladen werden, den deutlich

aiiSgesprochenen Wunsch des versto>ve,.cn Ka ierS an. Jede««» falls gibt es in der heiligen Stadt von Kloio, di« an sapa« niiche» Pa ästen so reich ist, feine Stätte, die für den Auienthalt von Europäern geeignet wäre und den Ansorüchen eines ntodernen Abendländcrs genügen könnte. Der ivichllgst« Beweggrund ist aber ivohi der streiig religiöse Charakter des Krönungsiestcs, das als eine große nationale Veranstaltung iür das javanische Volk geplant ist. Tie Feierlichkeiten werde» drei Wochen in Anspruch »et'ine» nnd eine iinposaiile Enckallung ali,apa»ischer Kultur und abj'panischen Geistes darstelle».

' I ,n R au ch c ra bt e i l. Ta der Zug stark besetzt ist, geht die Dame in das Raucherabteil nnd seht sich, aber der Herr »eben ihr ist in seine Zeitung vertieft nnd passt ungestört weiter. Ich war so töricht, zu glauben," sagt pikiert die Dame,daß einige der Herren hier zimnndest Gentlemen wären."Verzeihung," sagte vertvirrt der Nachbar und hält ihr sein Zigarrenetui entgegen, bitte, bedienen Sie sich."

* Die Ahnungslose.Ich höre so viel von diesem Tango-Tee," meint die alte Dame,tvas kostet eigentlich daS Pfund?"

Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachverein».

' Einst »» d jetzt Im Jabre 1871 ging dem eigentlichen Friedensvertrag zwischen Frankreich und dem Tenifchen Reiche ein Prälmiiiiarvertraq voraus. Ende Rai 18,3 konnte man in teil Zestnnaen lesen, daß die Balkanmächte I» London emen Voririede» geschloffen hätten Einen Vortrieben! Wie kurz und klar ist doch dies.- Wort gegenüber d,n häßlichen Wortungetümen Friedens- präli,»inanen nnd Prätiminaririeden, denen wobl niemand eine Träne nachweinen wird, weck ne das Heer solcher Fremdwörter vermehrten, denen nnseie Sprache das Gnstreckst endgültig einzigen bat. Rach den uiete» Tripel» und Quadrupel-Allianzen der letzten Iah,ti>n,de>te durne man sich bei der Vorliebe der Deutschen iür das Ausländische ick i t wundern, daß der 18/8 von Bismarck zwilchen den! Deutschen Reiche, Oesterreich nnd Italien geschaffene Bund auch von der i reuen Muffe zunächst Tripelalttanz genannt ivurde, daß man sogur Kaffeebänier .Zur Tripelallianz* taufte. Wie lest verankert aber auch dieses Wort in »nietet Sprache er­schien, es nun,ic allenthalben bem verständliche» Dreibund welchen. Früber hotten cs wobt viele uni« »ns als eine Art Eiiiiveilmna aiigesebcn, die Braiitansstattiing iürstlicher Peisonen nnders als mit .Ironfienu* z» hejeictnteu. Bei der Vermählung liiiserer Kaiseitochter Viktoria Lucke enispracb der einentlkch sclbst- vcrstcindlicben, lrüber aber doch öliers stark vernachlässigten Bernck- sichtiqiuig : e? beutiehen Geiverbesteitzes mich der Name Braut­ausstattung Solche ivrachliche GcaenübeisteUnnge» taffen sich jetzt aul allen Gebieten des Lebens vornehme». So »nißte am >3. November 1833 unser größter Deiiiscblunisior'cher Jakob Griniin seine Antriltsvoileimig als Proleffor an der Göltinqer Hochschule lateinisch ballen: in dieser Rede 0o desiderio patriae tüber das Hetmiveb) ninßte ein d, nischer iselebrter leine Vlnllersvrache tu lateinischer Sp-ach« oretie». 71 Jahre sväier sprach ln streibiug ein Hochscbnllebrer wieder bel lestlnbrr Geiegei»>eil über das Heim- wet, dieSnial aber demsch Mußt >i bis in die Milte des IS. Jahrhundert? die Doklorarbeiten lateinisch abgelaßt werden, so biitdigen dielein Brauche jetzt last nur noch die 'Altsprachler. Ja, bei der Füiisbi»ideiln>br-Fe er der Le vziger Hochschule tm Jabre ISnS bedienten sich 12 reichsdeutsche Universitäten tu Ihren Glückivnnschschrriven der dentschen imd nur noch 8 der lalcintschen Svra.be; die iechntcbe!< Öochlch» en schrieben alte in dealschec Evrackie. F»r manche der >etzi ziemlich allgemei» gebrauchten V«- denischlinaen baite» die Frenidivorilere rnckmigs nur Spott und Hoh i Vor einem Vierieljabrbiiiideil beantivorlcte z. B. enie große Vremign g süddeutscher Lehrer den Aniraa, kür Statnlen S a n l> n g e » zu sägen, mit schallendem Gelächter. Das ihnen altli änkisch ktingende Wort wollten sie nicht eiiilühren. Heule stndet man es ganz selbstverständlich, daß ein deutscher Verein eine deutsch« Satzung hat. Rau (Zwickaus

ttapsel-NStsel.

Reaemvaffer Landiiian» Babnipärter Gründer- jabr« Srerter Seemacht 'Modedame Wasgenwald Kalkulaior Goldgrube Haupt- meffe Vietipandel Brie'ivage - Virnr.

Aus de», er:eit der vorstehenden Wörler sind drei, ans jedem der übilaen Wörter zivet zniainmeiihäiiaende Buchstaben zu ent» nehme», so daß sich daraus ein Sprichwort ergibt.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Geographischen Berschjebrätsels in voriger Nnmmerz skeynHansen Nord»«

Ficht, lgebirge Hernigsdors Bll in Back,'»

Tevliy.

Redaktion : K. R « nrath. Rotationsdruck und Verlag der Brichl'schen llniversttäls-Aiich- und Steiiidrnckerei, R. Lange, Gieße»