Ein Frühlingstraum.
Roman von Fr. Lehne.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„?k>ch Sellin?" warf Ella ein. „Ein schöner Weg nach dort; ich bin ihn oft per Rad gefahren. Sie sind dort bekannt?"
„Ja wohl, gnädige Frau! Pastor Lautner dort ist ein Freund meines verstorbenen Vaters und >var überdies Geistlicher in Birkwald. Ich l>abe ihm versprechen müssen, ihn aufzusnchen, wenn ich «och hier komme."
Scherzhaft drohend hob sie den Finger. „Wirklich? Sollte es nicht etivaS anderes sein, >vas Sie dahinzieht?"
„Ich weiß wirklich nicht, was Sie meinen, gnädige Frau!"
„Nun, Pastor Lautner hat doch eine so wunderhübsche Nichte bei sich — sollte das nicht der Anziehungspunkt sein? s— Ah, Sie kennen Kütchen Lautner nicht? Dann hüten Sie sich vor dem Heideröslein!"
„O meine Gnädige, was ist mir «in Heideröslein gegen die vollcrblühtc majestätische Rose," wieder neigte er sich init einem Blick gegen Ella, daß diese tvider Willen erröten »nutzte. Was fiel ihm nur ein?
„Wir dürfen also morgen auf Dich rechnen, Strachivitz? Sobald du von Sellin zurückkehrst, komnist du zu uns," bat Wolf herzlich.
„Ich schließe mich meines Mannes Bitte an," sagte Ella etwas förinlich.
„Tausend Dank; ich werde kommen!" Detlev verabschiedete sich von der Hausfrau und wurde von dem Freunde bis zum Ausgang geleitet.
„Behüt dich Gott, alter Junge, also morgen aus Wiedersehen!" Herzlich drückte ihin Wolf die Hand.
Ella nwitete noch auf ihren Gatten.
„Möchtest du nicht schlafen gehen?" fragte er freundlich. „In einer halben Stunde komme ich nack. Ich tvill nur eine Kleinigkeit in meiner Arbeit nachtragen und möchte dir nickt zumuten, aus inich zu warten."
„Ah, in der Tat sehr liebenswürdig! Doch ist deine Arbeit so wichtig?"
„Ich hatte mir vorgenominen, sie bis zuin fünfzehnten zu vollenden! Wünschest du vielleicht etwas?"
„Ja, allerdings! Ick möchte init dir reden! Gut, daß dieser unausstehliche Mensch fort ist."
„Gabriele, du sprichst von »neineni liebsten Freunde —"
„— Der mir aber int höchsten Grade unshmpathisch ist! Ick begreife Überhaupt nicht, daß du ihn so dringend eingeladen hast, obwohl du tveißt, daß ich ihn nicht tiiag! Das habe ich dir schon als Braut erklärt, und tro.tzdem nimmst du so wenig Rücksicht auf mich und meine Wünsch« —"
„Wie du auf die »neinigen! Was Strachivitz anbetrisft, so i-> er einer der besten, selbstlosesten Menschen, die ich kenne!"
„Dabei aber ein ganz frivoler Spötter, der sich über mich lustig macht. O, ich ivar empört; glauhst du, ich fühle nicht, daß er mich ntit seinen plumipen Huldigungen nur lächerlich machen will? Ich iveiß ganz genau, daß er mich nicht mag; er hat sich früher immer über mich aufgehalten, und ihm verdankte ich dainals das „Elefantenkücken" — so etwas erfährt man immer!"
„Aber Ella, wie kannst du ihin bas nachtragen!" sagte Wolf einfach, der einsah, daß seine Frau nicht ganz iin Unrecht war.
„Und dann koinme ich durch ihn uin ein Vergnügen, auf das ich mich wirklich «gefreut hatte. Die Abende, die Graf Metzdorf arrangiert, sollen iinmer riesig amüsant sein —"
„Ah, kommst du nochmals darauf zurück? Das ist es also — darum bist du erzürnt auf Strachwitz, daß wir seinetwegen nicht gehen? Ich erklärte dir jedoch schon vorhin, daß ich durchaus nichts init Meßdorf zu tun haben ivill!"
„Bitte, gib mir daun «her auch den Grund an, dainit ich nicht glaube, es sei bloße Schikane von dir, mir das Vergnügen vorzuenthalten."
„Gewiß - ich tvollle nur vorhin in Strachivitz Gegen- »vart die Sache — deinetwegen nicht näher erörtern! Metz darf ist ein berüchtigter Don Juan und ein ganz gewissenloser Frauenjäger, deni selbst die Ehe nicht heiligt ist. Gr rade im Waldhäuschen feiert er seine tollsten Orgien; dort wohnt übrigens auch seine Geliebte, die entlaufene Fraic eines kleinen Beamten."
„Ah, in der Tat, sehr interessant! Und das sagst du inir erst heute?"
Er beachtete ihren Einwurf gar nicht, sondern fuhr fort: „Deshalb lvirst du begreifen, daß ich meine Frau viel zu hoch halte, „in mit ihr ein Fest zu besuchen, auf dem sio Gefahr läuft, der Maitresse des .Hausherrn zu begegnen. — Und noch eins: niemand weiß, woher der Reichtum des Grafen stainmt; inan munkelt sogar, daß seine Einnahme- guellen nicht gerade die lautersten sind kurz, daß er vom Spiel lebt! — Mit einem Manne von solchem Rus kann ich unmöglich verkehren, und unmöglich kann eine anständig und vornehm denkende Frau die Huldigungen eines Spielers und Wüstlings entgegennehmen! - So, Ella, nun bist du orientiert und wirst nicht inehr denken, daß eine bloße Laune dir ein Vergnügen vorenthält." Er halte ruhig, sogar herzlich gesprochen, um seine Frau zu überzeugen; dann schickte er sich an, das Zimmer zu verlassen. „Vorläufig gute Nacht, Ella! Ich komme gleich!"
„Halt, mein Gemahl," sagte sie da, „ist das alles wirklich wahr?"
„Zweifelst du etwa au meinen Worten?" fragte er, „ich habe es aus sicherster Quelle! Der Major hat sogar gestern dem Ofsizierkorps nahe gelegt, den Verkehr mit Meßdorf auf das geringste Maß zu beschränken; Positives tveiß mau ja


