Ausgabe 
9.2.1914
 
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tfudj Uii der s)och;eit fällt, it>ic ber dem Kindbette, das warme Essen weg. In manchen Dörfern kommen ganze Butterwecke aut die Tische und bleiben während der ganzen Hochzeit stehen. Mitunter tocrden etwa 150 Tn* 200 Gäste abgcsveisn Findet die kirchliche Trauung in einem benachbarten Dorfe statt, so zieht die ganze Hochzeitsgesellschaft. voran das Brautpaar, mit zur Kirche. Gar oft hält der Dorjsckäser mit seiner Herde an der Strasse und zieht kurz vor dem Brautzüge über dieselbe, wasglückbringend" sein soll. Natürlich erhofft devtreue .Hirte" rin reichliches Trinkgeld. Nach der kirchlichen Trauung gehen sämtliche Glieder der .Hochzeitsgesellschaft au das beim Altäre stehende junge Paar mit den Worten: .Ich wünsch' auch Glück." - Wieder im Hochzeitshause angekomme», wird der gemeinsame Kafsec eingenommen, dann ißt man, je nach Appetit, kalten Auf» schnitt, trinkt Bier und plaudert. Nach einiger Zeit fingt die .Hochzeitsgesellschaft den Neuvermählten das EbcstandSlied:Mir gefällt das EhstandSleben, besser als daS Klostcrzichen" usw. Gegen Abend sucht die Jugend das junge Volk einen Tanzsaal oder eine geräumige Stube auf. >vo nach den Klängen der Hauskapelle (Ziehharmonika) die geläufigen Walzer, Pol­kas usw. getanzt werden. Die hochzeitsgeschcnke bestehen in nütz­lichen Küchen- und hausgerätschaften und Geld. DerPctter" oder dieGote" gebe» am meisten, da es die letzte Gabe ist, die pslichtmäfng dem Taufpaten verabfolgt tvcrden muß. Bei cintretenden Stcrbesällen findet, an das kirchliche Begräbnis an» schließend, ein Mahl statt, zu dem alle Leidtragenden vorher ge­laden werden. Bis vor kurAr Zeit ivurde das Grab vom den Trägern gefertigt. (Jetzt sind überall von der Gemeinde besol­dete Totengräber bestellt.) Auch hatten die Träger die Ehren­wache, sogen.Totenwache" im hause zu stellen, indem in einem an das Sterbezimmer anstoßenden Zimmer gewacht wurde. Dieser Brauch in fast gänzlich geschwunden. Zum Kasfeebrcnnen werden Frauen bestellt, die nicht mit dem Verstorbenen verwandt sind.

vernrisckte».

'* Sorget k ii r die Vögel! Aber die Fistlerulätze müssen so beschafse» sei», daß sie nicht einsckmeie» können und auch vor Katze» und menschlichen Vogelfängern sicher sind. Während des ganzen Winter« reichlich zn füttern, ist nicht erforderlich, damit die Vögel von ihrem natüi liehe» Bern'?,»«e und Sträncher von Jnkekten nnd deren Bruten z» läutern, nickst abgehalte» tmö nicht verwöhnt werden. ES ist aber notwendig, an eine bestinnnte Ctclle stets elivaS Futter zn streite», um die Vögel dahi» zu ge- ivöhne», ,vo sie bei starke«« Schneesall, bei Glatteis und plötzlich elntrelender hestiaer Kälte soso« genug Futter finden, unb dicleS nuiß für sie schon am !rührn illtorge» da liege»; denn der Vogel ivill liehe», sobald e4 Tag ivird. De» Vögeln spende täglich frisches Flitter,, z, B. al!c>lci Körner und Säniereien (als Vogcl- liilter käiisttch, aber keinen Oinbsanien), nicht ganz ahgelöstc Knochen, zerkletnerle Fleischsiückche», zerschnilteiteNnstkcrn, ktückchenTatg nsiv. Brot nnd Karlosscln füttere »,an nicht: sie (öiiem oder geilicren nnd brinaeii die hnugrigcu leinen ins Verde»den.

heirats unterricht. Tie Amerikaner sind wieder ein­mal daran, durch einen gewagten Schritt allen übrigen Völkern voranszueilcn: sie wollen heiratsunterricht sür das Heranwach­sende Geschlecht einsührcn. Pros. W. A. McKeever. der Leiter des Ktnderwohlsahrtsaintes der Universität von Kansas ist es, von dem dieser ei» wenig befremdlich klingende Gedanke stammt Tor Professor ertlärt aber ausdrücklich, Knaben nnd Mädchen hät­ten aiis Liebetstinterricht genau so gut Anspruch, wie ans das Er­lernen des Schreibens nnd Lesens. Man soll den jungen Leuten Gelegenheit gebe», die Liebe kennen zn lernen. Wie er sich das im einzelnen denkt, ersährt man leider nicht: es ist zn vermuten, daß er richtige Unterrickitsknrsc sür diesen Gegenstand im Auge hat. Ter Professor steht übrigens in den Vereinigten Staate» nicht vereinzelt mit der Ansicht da, daß man die junge,, Leute österS baranf hinweiten n«ust. was daS heiraten für ein nützliches Ding sei. . Einer der Geistlichen in Kansas-City, Rco Dalton, hat den Plan des Pros. MeKeever bereits verwirklicht und in seiner Kirche etwas eingerichtet, das sichLiebesfchnle" nennt. Ter Zweck dieser Einrichtung ist, die Anzahl der Eheschließungen i:i dem Svrengel zn erhöhen Bei einer Vcrsammlnng, die im Zusammenhänge mit diesem Liedes»,sterrschic stattiand, erklärte er rund heraus, jeder unvrrhri-atele Mann, der c.- im Alter von 24 Jahren ans ei» Eintommen von ."> Hl Mark nionallich - also sür die Vereinigten Slao.eii nicht besonders viel gebracht hätte, habe die verfluchte Pili kn und Schuldi gkeit, sich zu ver­heil aten. und die glrickte Feilt fegt er für Mädchen bereits mit deni vollendeten Id Jahre feg, ohne weitere Bedingungen bin zuznfnge» Tatst,chlich soll er genug Schüler für seinen llnterricht zusammenvekommen habe», l, >d diese lernen nun, wie man eine Liebeserklärung inackit, wie ma» Geld span. Hausrat anschasst, kocht, Kinder pflegt, kur; ,wa-.> »mn zuni heiraten und Verheiratet sei» zu wisse» branckjt. Die Tätigkeit dieses Pfarrers ließ den Zeitungen de, gleiche» 2:adl seine Ruhe, und sie haben diesen merkwürdigen llnterricht wirtlich und wahrhaftig übcrtrofsen, in

dein sie ihren Leserinnen eine Liste aller heiratslustigen Männe, der Gegend vorsetzten, aus denen alles Wissenswerte zn ersehen war: Veiinögen und Einkommen zunächst, dann auch die gei­stigen Eigenschaften und die körperliche Beschasscnheit. Man glaube aber nicht, daß jo seltsame Tinge ans die neue Welt beschränkt seien: ein euglitchrr Geistlicher hat den Amerikaner» alle wirk­lich brauchbaren Gedanken vorweg genommen und, tvie seiner­zeit berichtet tvnrde, auch eine Art heiratSsckmle ausgeniacht, indein er die Schäflcin seiner Gemeinde zuin fleißigen heiraten anhielt und iortianfende Listen der heiratssähigen Männlein und Weiblein veröitentlickte. Dieser Geistliche, Reverend Grundy, Vikar von St. Peter in Brockley (in der Nähe von London), hal mit sei ne in Wirken tatsächlich^. Erfolge erzielt, und viele Leute, die durch seine Wirksamkeit zu Eheleuten geworden sind, sollen ihm Dank- vriesc geschickt haben.

' Die Indianer M e r l k o s. Tie augenblicklichen Schivic- rigkcilen PteelkoS find durch ei»«» loebc» altsgebrochenen Indianer- ankstand vennehrt ivorden. Sebr bedenklich ist, das, in de«» groneti Gebiete der Republik i» manchen Gegenden di« Jndiauerbevölkcrutig stark vorivkegt. Tirse Indianer stehe» vielfach noch au! einer nied­rigen kulturellen nnd roirtleliakilichen Sticke. So wirlschaktc» die lieidnilchen Indianer iveitentle. euer Gebiete tLaeandoneS, Tara- humares, HnicholeS u. a.) nnd gar manche christliche Indianer noch last ganz in der allen vorkolumbischeu Weise; sie Hobe» dieselben Haustiere, Kultnrvfianzen und Kutlurinelboden. treiben Fischfang und Jagd wir früher, Handel nnd Verkehr find zienilich gleich ge­blieben, nnd mir die Benutzung einiger eisern r Werkzeiiae, die in kleinstem Vtaststo.be betriebene Zucht einiger c iig'übrier Hansliere erleichtern ihnen das Lebe» etivas. Bet ihrer BednrkniSlosigleit sind sie auch kam» »i nennenSwerien« Ntast« -Abnehmer von Waren verschiedener Art und, da fit zudem die Arbeit in Ircmten Diensten febeuen, scheiden sie als Faktoren der inerikanisckien Wtilschast last ganz aus. Tie g«oste Mehrzahl der ehr, lichen Indianer bat aber, nach Sapvers Wirtschacksaeogravbie vonMeriko, bereits ihre iv.rl- schaftliche Tätigkeit ivesent ich nichr von der euroväilchcti Kultur beeintlnsse» lasse», nnd ivenn a»ch in, allgemeine» Lebensweise und 'Ackerbau, stellenweise auch Handel nnd Verkehr noch so z em- lich im alten Stil vor fiel, gehen, so ist doch die Zahl der euro- väischcn Knllnrcleniente in ibier Wirlschall beieits iveientlich größer: wohl halten auch sie zumeist an de» alte» Kullurvstan en »nd Kiiltnrinelbode» lest, ivolst ist der allein «ebnr.^erte Truthahn noch immer ei» besonders kaustges Haustier bei ihnen: sie tiaben iioch lnnner vorzngSiveise d.e alten Speise» ntid Speisebereiliuig. iioch wird vielfach die alte indnstliette Tätigkeit geübt «'Mahlsten,- versertignng, Töperel, Spinnen und 'Ast'ben, Seilerei, toildi* flechten nsiv, »eben mancher »ene» <vi,tf!ech:cn z. B.A »ob iverden industrielle und landivirilchaisttche Produkte ii» Ha.>nerhand«l verkauft (häufig von den Produieiiten selbst, aber doch haben sie, namentlich »u Ho land, ne» eingeiübite Nutzvtlauze» «nid Ha»s- lieie bereits in wesentlich größerem Plaste übernoninie». Slellcn- iveiie Heot inan auf geeigneleni Boden bereits die altertümlichen Ivaniicheti Hotzvflüge mit eiserner Pflugschar im Dienst vo» In­dianern. nnd häufig haben k>e Esel oder auch Pferde und Plaul- tiere als Lasttiere im Besitz. Zndeiit find a»ch ib«c Vedürinlsse, insbesondere »ach Ackerbangeralen, besserer Kleidung, Nahrung tbe- sonderS Fleisch) und («et äuken (leider häufig Pnlqne oder Brantil- ivein) so groß, daß sie schon beaehteiisiverte Käuker von Waren sind, die sie durch ilner Hände 'Arbeit zurnckerstatlen solle». Ta sieh die Aibeitgeber in gleicher Weise wie in der spanischen Kolouial- zeil imö inanchmal inst ebenso skrnveltoS N'ie dainals beinühc», den 'Aib-iier tj>«»n nickst ans feinen Schulden be aiiskommc» zu lassen, so kan» leicht aus einem kre c» Indianer ein d'arch Sehnld- ve«hällnisse gebundener ständiger Arbeiter werden, ein llnistand, der sür seine Person bedalierlich, für die tebiinq der Produktion jedoch güuktn ist. Aber auch die nur gelegentlich in krcmden Dienst eintietendeu Indianer sind bereits »ginha!te wirlfchastliche Faltorc», während die zurzeit noch die Arbeit me wende tndianlsche Bevölkerung als Reierve für die künftige Weite, cntioicknng des Landes angesehen »'erden dars.

* Sichere Einnahme.Ich Hab« eine großartige Idee, wie wir das Budget ohne Anleihe decken können."Unb die wäre?"Ganz einiach: man besteuert den Tango!"

Kesgraphische; verschiebt ätsel.

Teiiulniusen Nordsee Fichtelgebirge HeringS- dors Bilsti Baden Tevlitz.

Vorstehende Name» sollen derart nnlercitiander geschoben iverden, daß eine Buchstaben',estie. von oben »ach imtcu gelesea, den Namen eines bekannten Badeortes ergibt.

Auslösung in nächster Nunimcr.

Auslösung der Schach-Aiisgabe in voriger Nummer:

l.I'6-kl I.-rst,: 2. Iiil-av beliebig. 3.1)s3-ffi| e7-f6f imb

I..... I,f5-c4; 2. Df! -gl f I,e4-gi 3.-e6 Ive5-p4 unb Vlatt.

l. . . I.I5-sr4; 2. Tü6-gf)f 1,7-: 3. llfl-fGy «743^ nnd Matt.

I..... r,C> »4 2 nfi-irS-j- ii3-»2: 3. Tci-»4| Ktr»-c4f »Hb via«.

Redaktion: K. N e u ra tb. ittotaliouSdruck und Perlag der Brühl'schen llniversitätS-Biich- »nd Steiiidriickerei, 8t. Lang«, Gießen.