Ausgabe 
9.2.1914
 
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Ein Frühlingstraum.

Roman von Fr. Lehne.

(Nachdruck verbalen.)

(Fortsetzung.)

Er führte den Freuno tnuu, aite Räume, die mit nmhr- haft Verschwendern cher Pracht eingerichtet Maren. Auf Det­levs bewundernde Aeußerungen eutgegnete er bitteran all dem Kram liegt mir gar nichts! Es bedrückt mich sogar aber meine Frau will es so haben - das ist ihr Element."

Marie," befahl er dem Stubenmädchen, einem kleinen, pikanten, kokett angezogenen Dinge, das ihnen gerade in den Weg kam,Marie, sagen Sir der Wchin, daß Besuch da ist, und legen Sic ein Gedeck ^nchr auf."

Ist schon besorgt, Herr Hauptmann," knixte sie.

Siehst du, Strachwitz, für alles muß gesorgt werden! Na, da? lernt man, wenn ,man verheiratet ist. So, nun wollen wir es uns noch J&equent machen, bis meine Frau zurückkommt!" i

Die beiden Freunde plauderten noch eine Weile. Es tat Wolf wohl, sich einmal aussprechen zu können mit dem Manne, der sein ganzes Vertrauen hatte und auch verdiente der seinen ganzen Licbcstraum initerlebt hatte, der bei seiner Hochzeit urlt der andern .mit zugegen gewesen ivar! Wolf wußte, daß Strachwitz nie Sympathie für Ella Ulrich gehabt hatte es schmerzte jhn aber nicht jener vermied jedoch taktvoll jede Erwähnung darüber. Ties Gefühl be­ruhte übrigens auf Gegenseitigkeit, wie Wolf ebenfalls wußte seine Braut hatte ihm mehr als einmal versichert, daß sie den Strachwitz,deri unausstehlichen Spötter", durch­aus nicht leiden mochte. Sie fürchtete seine sarkastische Zunge, den spöttischen Blick seiner Augen!

Ein Wagen fuhr vor.Ah, meine Frau gehen wir, sie zu begrüßen."

II.

Und über der Sec, tiefblau und weit,

Liegt der Himmel unermessen

Doch über allem mein Herzeleid Um Dich, die ich nie kann vergessen!

Die gnädige Frau erwartet die Herren im Salon," mel­dete der Diener Wolf begab sich mit dem Freunde dorthin. Liebenswürdig lächelnd begrüßte die schöne Frau den Gast ihres (ballen. Nach einigen oberflächlichen Bemerkungen wandte sie sicki an Wols.

^Serzeib, mein Freund, daß ich dich lvarten ließ: cs ist schon spat heute Doch Frau Major war so lebhaft und so angeregt, daß sie uns alle bat, noch zu bleiben: daher die Verzögerung. Herr Major ist übrigens nicht daheim: er ist ans die Jagd nach Sellin gefahren! Doch du hast gewiß Hunger darf ich die Herren bitten?" Sie erbob sich; die Herren folgten ihrem Beispiel und begaben sich in das Spcisezimnier, in dem der festlich geschniückle und ge­deckte Tisch einen sehr einladenden Eindruck machte. Das

Mahl verlief unter anregender Unterhaltung: Detlev ver­stand sehr amüsant zu plaudern, und der Stoff versiegte auch nicht, da voll früher her genug Anknüpfiuigspunkte vorhan­den waren. Nach Tisch zogen sie sich in Ellas Zimmer zurück, das nur ei» kleiner, aber mit raffinierter Eleganz ausge­statteter Raum war sic liebte es, dort zu verweilen, wenn sie nur einen oder zivei Gastr hatten lvare» sie allein, pflegte Wolf meist in seinem Zimmer noch zu arbeiten oder zu lese».

Gnädige Frau, Ihren Jungen habe ich ebenfalls schon bewundert," sagte da Strachwitz,er ist wirklich ein wahrer Prachtkerl."

Finden Sie? Das freut mich! Er ist aber ein kleiner oder vielmehr ein großer Dickkops, und sein Vater verzieht ihn sehr."

Das kannst du nicht sagen, Gabriele," wandte Wolf rubig ein,ich studiere seinen Cbarakter gründlich. Hasso muß vorsichtig behandelt werden, da er ein sehr entwickeltes Zartgefühl hat!"

Ah, du willst damit sagen, daß ich es nicht verstehe, .Hasso z» erziehen? Wenn du mir freie Hand gelassen hättest, so wäre Hasso iiicht so empfänglich für jede Krankheit und" Du vergißt, Ella, >vas der Stabsarzt gesagt hat" Ja. ja, ich iveiß mußt du mir das permanent wie- dcrholen ich lasse dich ja gewähren und rede nicht mehr über deine Erziehungsmethode,wir werden uns ja nie einig darüber."

Detlev wurde diese Wendung des, Gespräches peinlich: er wandte sich daher an Ella:Gnädige Frau, ich muß Ihnen wirklich das Kompliment machen, daß Sie brillant aussehen so frisch und rosig"

Wirklich, finden Sie?" lächelte Gabriele etwas spöttisch, habe ich mich in meiner Ehe so verändert, daß Ihnen jetzt erst mein Aussehen aufsällt?"

O, ich habe Sie stets bewundert"

Sehr interessant für mich! Jedoch halte ich nie etu>as davon bemerkt."

Gnädigste kennen doch die Geschichte vom Fuckzs und den Trauben, die bekanntlich zu sauer waren?"

At>, das ist mir neu! Auch du, mein »ohn Brutus? Denken Sie, Herr von Strachlvitz, und ich üabc stets gedacht, daß Sic »,ich nicht leiden mögen!"

Gnädige Frau, ich bin »»tröstlich"

Ach. lassen Sie nur gut sein, Strachwitz," cutgeguete sie in verändertem Tone,wir wollen uns doch nichts Vor­reden! Ick, glaube je doch nicht. >vas Sie sagen, dazu kenne ich Sie Spötter viel zu genau!" und zu ihrem Gatten,nicht wahr, Wolfsburg? Aber d» sagst sa gar nichts? Ist dir nicht wobt?" Es klang aber mehr Aerger darüber als Be­sorgnis'aus ihrer Stimme.

In der Tat. Ella, mir ist nicht gut, ich bin recht al>- gespannt"

Sichst du, ich habe dir ja innncr gesagt, das kommt von dem vielen Schreiben! Mein Gott, du hast's doch