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hmfltcf) nicht »ölig! — Zehen Sie, Strachwitz, so geht cs mir — er arbeitet, als ob es u;ns tägliche Brot ginge und wird nur darüber krank! - — Da bin ich am Ende gar voreilig gewesen mit meiner Insage für morgen abend — ?"
>vas jür eine Insage — ?"
„Sagte ich dir nicht, das; mir heute niorgen Graf Meßdorf begegnet ist? Nein? Nu», dann halte ich es vcr gejscn Also, er läßt dich bitten, mit mir morgen abend nach keinem Waldhäuschen zu kommen; Hauptmann Braun und Landrichters kommen auch. Er fragte, ob wir etwas anderes vorbätten; da dies doch aber nicht der Fall ist, habe ich in deinem Namen eingewilligt. Es soll ein recht vergnügter zwangloser Abend iverden, daher diese einfache iniindliche Aufforderung — Graf Meßdorf wollte dich gerade im Kasino aussuchen, als er mir begegnete,"
Aus Wolfs Stirn erschien eine tiefe Falte. „Ich lehne trotzdem ab!" «
„Warum?" fuhr Ella auf.
.Warum, fragst du? Du weiht doch recht gut, daß mir Meßdorf höchst unsympathisch ist und ich darum keinen näheren Verkehr wünsche. Dann habe ich keine Zeit, und Ivas mir jetzt vor allem die Hauptsache ist — Strachivitz —" „Aber Schatz, du hast wohl ganz überhört, daß Herr von Strachwitz erklärt hat, morgen abend abzureiscn! Du scheinst niir wirklich die Taktlosigkeit zugetraut zu haben, in seiner Gegenwart von einer Einladung zu reden —" sie sprach nicht weiter, da Groll ihre Stimme erstickte: sie stand ans und ging unnintig im Zimmer auf und ab
„Kurz und gut, Ella, ob Strachwitz bleibt oder nicht — die Einladung nehmen wir aus keinen Fall an." sagte Wolf bestinnnt. Und zu Strachivitz gewandt: „Tn tust mir die Liebe und bleibst morgen und übermorgen bestimmt noch hier."
„Ich weiß nicht, Wolf, meine Zeit ist in der Tat sehr knapp —"
„Auch wenn ich dich innig bitte, mir zuliebe zu bleiben?" bat Wolf halblaut,
„Aber Deine Frau möchte doch gern morgen abend —" „Wir gehen aus keinen Fall — Meßdorf scheint mir nicht ganz comme il faut - Dein Besuch ist die beste Entschul oigung für unser Fernbleiben, Du siehst also, daß ich auch egoistisch bin nicht wahr, Du tust mir die Liebe?"
„Wenn eS sein muß, Mölschen, gern! Ungelegenheiten, möchte ich Dir aber nicht gern machen,"
Er betrachtete Gabriele, die jetzt, etivas entfernt von ihnen, zwanglos i» einem Schaukelstuhl ruhte und sagte zu Wolf — „Deine Frau ist wirklich noch hübscher geworden, so lange Ihr verheiratet seid!"
„Findest du, mir ist das eigentlich gar nicht ausgefallen! Aber wie sollte sie nicht —! Aie hat ja alles, was sie sich ivünscht, vor allen; keinen Kummer," bemerkte Wolf bitter. Langsam stand Detlev auf und begab sich zu Gabriele, indem er sich auf einem kleinen Hocker niederließ ihr gegenüber. Sie war in der Tat das Bild einer schönen, eleganten, verwöhnten Frau, der alles zu Füßen liegen mußte. Ihre rosige (Gesichtsfarbe, die üppige kraftvolle Erscheinung paß ten gar nicht so recht zu dem düster und vergrämt auSschen den Manne, dem sie angchörte.
„Gnädige Frau," nahm Strachivitz das Wort, „gnädige Frau, ich bin untröstlich, wenn ich die Veranlassung bin - „Schon gut, Strachwitz," unterbrach sie ihn kurz, „schon nt; ich weiß doch, was Sie sagen wollen, sparen Sie daher hre Worte! - Sie haben es gehört, nicht ein unschuldiges Vergnügen gönnt er mir, der Barbar' Es geschieht eben nicht, Punktum! Damit muß ich mich begnügen. Gründe für seine Weigerung anzugeben, hält er nicht für nötig!" > I» ihrer Erregung setzte s-.e den Stuhl in heftig schau kclnde Bewegung
„Gabriele, ich bitte dich, sei nicht so aufgeregt," sagt da Wolf, „Tn weißt, ich liebe das nicht/
„Pardon, mein Freund, ich vergaß, daß Du nervös bist," entschuldigte sie sich spöttisch, und sich lächelnd an Strachwitz wendend, meinte sie: „Denken Sie, Strachwitz, in unserer Che ist es umgekehrt, da hat der Mann Nerven — ich bin gesund, Gott sei Dank, gesund!" Und in ihrem Kraft- gejiihl breitet sie die Arme aus Ihre üppige Büste, die von einer reich mit gelblichen Spitzen garnierten Taille knapp umspannt war, dehnte sich in einem tiefen Atemzuge Wolf legte die Hand über die Augen und cs zuckte in seinen; Ge
sicht, gleichsam, als ob das Gebühre» und die Worte seiner Frau ihm körperlichen Schmerz verursc Neu.
„Ja, iveii» man Sie sieht, Gnädigste, ninß eine»; das Herz i»; Leibe lachen, wen» ich mich jo trivial ausdrückei; darf. So viel Frische, Kraft und Schönheit findet ;na» selten in unser»; nervöse» Zeitalter," verbindlich neigte sich Slrach- ivitz gegen sie miß ergriff ihre Hand, sic an seine Lippen führend Lkinc übermütige» strahlenden Augen senkte» sich tief in die ihren; sie wurde rot; dann aber lachte sie kurz auf und gab ihm einen Schlag mit den; Fächer, der neben ihr auf einen; kleine» Tische lag.
„O Sie Unverbesserlicher! Immer noch derselbe? — Wolf, so komm doch zu Hilfe' Strachwitz inacht Deiner Frau den Hof — mehr als Graf Meßdorf es tut!"
„Ah, ist er eifersüchtig, der Herr GemahlAl
Sie zuckte die runden Schultern, „Ich weist es nichts Manchmal ist er von einer einpörcndei; Gleichgültigkeit und dann wieder über die unschuldigste Galanterie erbittert!"
„ES kommt stets daraus an, lver dir dieselbe erweist," sagte Wolf ernst. „Ich dulde cs nicht, daß z. B. Gras Mest» dors sich dir huldigend naht — halte ihn dir dar;;;;;, bitte, möglichst fern — in deinem Interesse."
„lind ivarum?" fragte sic scharf, sich aus ihrer bequemen Stellung etwas aufrichlend, „warum? Vielleicht, weil er inich einmal hat. heirate» wollen, wie du schon von mir weißt — ich gab jedoch dir de» Vorzug! ÄaA könntest di; .sonst tvohl gegen ihn haben? Er'ist schön, elegant, Kavalier —"
„Das letztere ist nicht criviescn! Hast du wirtlich noch nichi bemerkt, daß die maßgebenden Kreise sich ihn fern, halten? - Doch, wozu sich so viel mit ihm beschäftigen? Singe oder spiele tins etwas vor!"
„Verzeih, ich bin nicht aufgelegt," sagte sie kurz, „Herr von Strachivitz kann uns lieber ;ioch inehr aus der Reichs- Hauptstadt erzählen! Ach, es ist mein Wunsch, dort einmal eine Saison mitzuinachen!"
„Gern. Gnädigste, wenn Sic mit meinem schwachen Er- zählertalent sürlieb nehmen wolle»! Ich habe in den vier Wochen allerdings viel ;nitgen;acht "
„Das glaube ich gern bei Ihrer Veranlagung," lächelte Ella, „alsv avanti und nichts wcggelasscn — inich interessiert alles — hören Sie, alles, und das gerade am meisten» ivas Sie nicht sage»; verstanden?"
„Aber, meine Gnädige, Sie verkennen mich —" und beteuernd legte er die .Hand auf sein Herz. „Na, na " meinte Ella; dann lauschte sie mit Interesse Detlevs Erzählungen, die er in seiner amüsanten etwas spöttischen Art vorbrachte, daß sie fast ganz die Antipathie vergaß, die sie sonst gegen den Freund ihres Gatten beseelte So verging die Zeit, und als die Uhr mit silbernen; Klang Mitternacht schlug, sprang Strachwitz erschrocken auf. „Ich muß tau;endmal um Ent- schnldigung bitten, daß ich Ihre Gastfreundschaft so lauge in Anspruch »eh;nc! Aber in so angenehmer Gesellschaft," er verneigte sich dabei gegen Ella, „vergißt ;;;an ganz die Zeit Ueberdies muß ich morgen früh sehr zeitig aufstehen» da ich nach Sellin will!"
(Fortsetzung wlgl)
Flucht öus den Mielsküs riien.
Auch ein Jubilännisartikel.
Von Paul W c st h e i >;;.
Wenn wir mit Jubiläumsseierlichkeiten nicht gar zu über» stitterl wären, dann wäre ,etzt der rechte Zeitpunkt, das üOjährig« Jubiläum einer der „nsoziafstei; Ericheinungen aller Zeiten: der Mietskaserne, zu begehen In feiern, wagt man in solchen Fällen nicht zu sagen, denn cs dürjle wohl niemanden geben, der dieser rlenbei; Zusammrnpserchnng der Großstadtmenschheit auch nur eine Lichtseite abzugewinnen vermöchte
Tie Mietskaserne, >ene Entartung des Mietshauses. mit ihren Seiten und Hintergebäuden, mit lirtit und lustlosen Schloten, d>' der Lpnmismus oder de: Fatalismus Höfe zu nennen pflegt, ist il; Deutschland Berliner Ursprungs. Mit dem bedauerlichen Berliner -Bebauungsplan, den ein blutjunger Aiiciivr Ende der öyer Jahre des vergangenen Jahrhunderts nach iranzöüjche;» Vorbild zu nnrchen halte, ist sie entstanden Sic hat sogar eine sozial? Begründung mit aus den Weg bekomniei; vobrechl, einer ihrer geistigen Urheber, bat einmal der Meinung Ausdruck gegeben, daß dieses Nebciicinandrr von hochherrschaillichem Vorder» lind vrolele.» riichcm Hinterhaus ungemein aui den Ausgleich der Klaiscugegcn- iätze lvirken müsse, daß an! diese Weise der Großstadlkavckaliit der Bel-Elag', der Gelehrte oder Beamie des vierten Stockes und


