Ausgabe 
7.2.1914
 
Einzelbild herunterladen

Ein Frühlingstraum.

Roman von Fr. Lehne.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Strachwitz hüstelte etwas verlegen, che er sagte:Weih, du die Rechte Ist noch nicht gekommen! Mir schwebt ein blondes, blauäugiges Madel vor Augen und che ich nickt so etwas Süsses sinoe, denke ich Hände weg!"

Beider Augen trafen sich in einem langen Blick.

verstehe ich recht. Du auch ?" flieg Wolf endlich mühsam hervor.

Ja," sagte Strachwitz leise.Das weiß der Kuckuck, wie es kam ich war rettungslos im Banne jener Augen, die nur für dich strahlten! Gewollt Hab ich's nicht, das ist sicher. Jetzt kann ich es dir ja sagen, höllisch schwer ist's mir manchmal geworden damals - daher auch mein unsolides Leben, über das du mir jo viele Vorwürfe machtest ich wollte vergessen, denn ich habe die Sinne unbändig gern gehabt, hätte sic auf der Stelle weghciratcn können, ivenn es daraus angekoinmen wäre - wenn sic nicht dein war trotz meiner Reden und Ansichten!"

Eine Weile schwieg Wolf das soeben Gehörte war zu überraschend schließlich sagte er mit tiefer Bitterkeit vielleicht kannst du cs noch tun, jetzt ist dir ja niemand mehr im Wege!"

0 Wolf, wohin verirrst bu dich, däs ist nicht freund­schaftlich," entgegnete Strachwitz vorwurfsvoll,niemals würde ein Wort von Liebe gegen sie über ineine Lippen ge­kommen sein, auch wenn ick sie gefunden hätte"

Gesunden hätte?" rief Wolf,so hast du sic also gesucht?"

Ja, tvcil es mir reine Ruhe ließ: ich glaubte nicht anders, sie hätte sich ein Leid angetan. Das habe ich erfahren können, daß sie von hier nach Berlin gegangen ist und dort in einem feinen Hause eine Stellung als Kinderfränlein angenommen hatte sie war aber nicht lange da! Trotz fernerer Bemühungen habe ick jedoch ihre Spur nicht weiter verfolgen lönne»; sie tvar wie von der Erde verschwunden- und ick mußte inich mit dem wenigen begnügen, ivas ich wußte."

Wie deutlich sehe ich sie wieder vor mir," sagte Wolf leise, wie iin Selbstgespräch,die ivonnigen Angen, das süße Gesicht ach, ach Strackwitz, ich will bescheiden und zufrieden sein in jenen Stunden mit meinem Märchen habe ich toahres Glück genossen!"

Siehst du. und ich armer.uerl habe nicht eine solche süße Erinnerung anfzuweiscn - - dafür manches vieles sogar, was ich am liebsten ungeschehen machen möchte."

Beide schwiegen eine Weile. Da tvurde draußen an die Tür geschlagen, und eine Helle Kuiderslimme rief:Papa, Papa, macke mir aus!"

Mein Junge " und Wolf beeilte sich, ihm zu öffnen Der kleine Kerl stürmte herein und umschlang seinen Papa stürmisch, der sich zu ihm niedcrgebeugt hatte. Dieser hob ihn ans seinen Arm und führte ickn so dem Freunde zu.Hiev, mein Liebling, ist ein neuer Onkel: sag ihm guten Abend!"

Prüfend sah das Kind zu Strachwitz hinüber; dann streckte es ihm das Händchen entgegen.Guten Abend! Blei­ben Sic hier bei Papa?"

Hasso >ver >vird so fragen!" verwies ihn Wolf.

Laß nur," lächelte Detlev.Warum sagst du aber nickt Onkel und D» zu mir?"

Mama sagt.Hasso soll zu fremden LeutenSie" sagen!"

Dieser Onkel ist aber nicht fremd: er ist Papas liebster Freund, mein Junge," sagte Wolf unb stellte seinen Sohn ans den Teppich. Da stand der kleine Kerl nun da. die Hände in den Hosentaschen (- die ersten ) und sah ernsthaft mit seinen dunklen leuchtende» Augen zu Strachwitz empor. Es war ein bildschöner Knabe - - jeder Zoll der Vater.

Papas Freund? Dann haben Sie wohl Papa lieb?"

Ja sehr lieb, mein Junge!" entgegnete Detlev, in- dem er liebevoll seine Hand aus den dunklen Lockenkopf des' Kindes legte. Da ging dieses ans ihn zu, legte die Acrmehcn um seinen Hals und sagte ernsthaft:Dann tvill Hasso dich auch lieb haben!" Gerührt drückte Strachwitz ihn an sich Wolf, um den Heilten Kerl bist dn zu beneiden wie er dir gleicht keine Aehulichkeit mit der Mutter!"

Will auch nicht," sagte das Kind,Hasso tvill anssehen wie Papa und auch inal solche Uuisorm habe», wenn er groß ist! Einen Säbel hat Hasso schon - den soll der Onkel nachher sehen, nicht wahr, Papa? Aber ein Pferd möchte Hasso habe», auch wie Papa hat! Hast dnDarling" schon gesehen? Nicht? O, Papa, dann tvollcn wir dem Onkel aber Darling zeigen! Hasso gibt ihm auch immer Zucker!"

Heute nicht mehr, Hasso! Darling schläft schon: wir wollen ihn doch nicht wecken, nicht wahr? Morgen gibst d» ihm aber Zucker und ganz viel und darfst auch reiten! So" und Wols nahm ihn toicder auf den Arm.Wen habe ich hier? Wer bist du?"

Papas Liebling Papas einziges Bißchen!"

Mamas doch auch?" fragte Detlev.

Energisch schüktellc das Kind sein Köpfchen, während es sich fester an den Pater schinicgte.Nein, Mama ist leicht böse und schilt dann mit Papa. Papa ist dann traurig und geht fort und Hasso muß iveincn!"

Dnnkelrot stieg es in Wolfs Gesicht auf, während er bitter bemerkte ich bin doch ein rechter Pantoffelheld! Meinst nicht, Strachwitz?" und zu dem Kinde ,,o nicht doch, Hasso so etwas darf ein artiges Kind nicht sagen."

Doch, Papa, cs ist wohl wahr und du hast doch gesagt, immer die Wahrheit sagen."

Dagegen ließ sich allerdings nichts cinwcnden. lim den Kleinen auf andere Gedanken zu bringen, nahm ihn Detlev