Ausgabe 
7.2.1914
 
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aus feilt <Tnie, was Suiffo gern geschehen lieh, und fragte ihn: Wie alt bist du eigentlich?"

Schon lange drei Jahre gewesen, schon im Sommer! Juni Geburtstag hat Großpapa Hasso zwei Ziegenböcke ge­schenkt - aber richtige, lebendige, und einen Wagen - den sollst du morgen sehen, sein! Großpapa hat gesagt, der Weih­nachtsmann soll Hasso aber erst was Schönes bringen! Wenn ich nur wußte, was! Papa will cs nicht sagen!. Bielleithjh ein Ponh? Das ist doch das Schönste, nicht ivahr? Ach, mui ist bald Weihnachten! Dann kommt das Christkind und bringt .Hasso so viel Fräulein singt auch schon immer mit Hasso kanns aber schon ganz allein; da braucht keiner zu Helsen." Unermlidlich plauderte so der kleine rote Mund, und voller Wohlgesallcn ruhten die Blicke der beiden auf dem Kinde, das mit den blitzenden dunklen Augen bildhübsch aussah.

Ach, du kannst schon singen? Da? glaube ich gar nicht," sagte Strachwitz.

O ja, nicht wahr, Papa? Paß auf, Onkel, Hasso kann singen!" Und mit seinem seinen, hellen Kinderstiw.mchen fing er andächtig an zu singen, indem er die Händchen faltetest Stille Nacht, heilige Nacht alles schläft, einsam wacht" und so weiter.

O, das ist aber schön, -Hasso, das kenne ich noch gav nicht? Nachher mußt du es noch mal singen, dann bringt auch der Weihnachtsmann recht viel, nicht wahr? Und beten kan» Hasso auch?" sagte Strachivitz und zu Wolf gewandt t~Wolfsburg, Freund dieser kleine prächtige Kerl sollte er es wirtlich nicht vermöge», dir über alles wegzu- helsen? Ich sollte doch meinen"

Trübe schüttelte der Angeredete.mit dem Kopse,lieber alles, nein! Dazu liegt zu viel hinter mir! Wenn die Ge­danken, die Erinnerungen nicht ivären - aber Hasso ist mein Sonnenstrahl, mein Einziges I"--

Wann kommt die Mama wieder'?" fragte Hasso.

Bald, niein Herzblatt!"

Sie ist aber auch immer fort Großpapa sagte cs auch!"

Es klopfte. Ans dasHerein" trat das Kinderfräulcin ins Zimmer.Herr Hauptmann, es ist schon sieben Uhr vor­über; Hasso muß zu Bett!" Bittend sah das Kind seinen Va­ter an: . Ach, Hasso möchte noch nicht er möchte noch beim Onkel bleiben, der kann so schön erzählen"

Doch, sei gehorsam mein Junge! Onkel ist morgen auch

noch da! ----Aber wie ist s, Fräulein, hat Hasso scijon zu

abend gegessen?"

Ja, Papa, beim Großpapa, und was Feines! Leber- wiirst!"

Ach, ißt Hasso die so gern?" fragte Detlev lächelnd.

Ja. sehr! Aber Mama will es nicht! Tante Lassen hat -Hasso aber welche gegeben! Wenn Hasso Fleischer wird, dann kann er immer Heberwurst essen."

Nun geh aber, Kind! Fräulein wartet! Onkel und ich sagen dir auch nachher gute Nacht, aber hübsch artig [eilt, hörst du?"

Aber auch wirklich kommen, bitte! Papa muß doch mit Hasso beten!"

Ja, niein Kind, >vir kommen; so, gib jedem Händ­chen !"

Wolf, den Jungen möcht' ich gleich mitnehmen," ries Strachwitz begeistert aus,nnmit man solch Kind sieht, be- komint matt wirklich Lust zum Heiraten!"

Nicht wahr, Strachivitz? Du hast sogar die Pflicht, zu heiraten. Tu mußt doch für einen Nachfolger sorgen, damit Birkwald nicht in fremde Hände fällt!"

.Hast recht, aller Freund! Werd mir die Sache über legen!"

Wollen wir mm Hasso gute Nacht sagen? Er ist es gewöhnt, daß ich jeden Abend an sein Bettchen trete das heißt, wenn dich nicht langweilt! Meine Frau muß übri­gens bald zurückkommen!"

Aber natürlich, Wols! Tn weißt doch, daß ich Kinder sehr gern habe und besonders deinen Junge», der sich in mein Herz gestohlen hat! Also avanti!"

Hasso wurde gerade voin Fräulein ziigedeckt, als die beiden Herren fein Sckilafzimnier betraten Bescheiden ent sernte sich das junge Mädchen, da es wohl wußte, daß Wolf gern alicii: am Bette seines Kindes weilre. Wolf fetzte sich r» >h»i aus die Bettkante und streicknlic ihn.Ist Hasso heute brav gelvesen'?"Ja, Papa! 'Ist e- auch wahr?"Ja, ganz gewiß, Papa! Nur als Hasso zu Großpapa ging, kam ein alter Straßenjunge und ivarf Hasso.Schnee.ins Gesicht, lind

da hat Hasso gesagt:Ick, Halt dir eine riinler, wenn dt» das noch inal inst!" Das sagt doch Wilhelm auch! Fräitlritt hat gezankt; aber Hasso läßt sich nichts gefallen! Daun hat Hasso bei Großpapa eine Fensterscheibe kapnt gemacht.; das schadet aber nichts, sagt Großpapa. Das ist aHce, weiter nichts! So, nun erzählst dn niir die Geschichte, bitte!" i

Mein lieber Junge, heute nicht ! Papa hat wenig Zeit, heute, sieh, der Onkel "

Aber Wolf, lasse dich durch mich nicht stören" Ich kann nicht, Strachivitz, wenn jemand dabei ist. Morgen abend, mein Liebling, erzählt dir Pava dafür eine ganz lange Geschichte vom kleinen Däumling! Nun bete recht schön und dann schlafe, mein Kind!"

Gehorsam faltete Hasso die Hände und betete:Lieber Gott, mach mich fromm, Giß ich i» den Himmel konim! Anien! lind daß Papa und Mama und Großpapa und der neue Onkel gesund bleiben, und daß der Weihnachtsmann« Hasso einen Pony bring!, aber chncn lebendigen, und daß -Hasso morgen beim Großpapa die flaue Katze wiederfindet, die heute weggelaufen ist, und daß es tüchtig schneit, Hasso will Schlitten fahren! Amen «gute Nacht!" Wolf beugt« sich über seinen Jungen und küßte ihn.Gute Nacht, behüt dich Gott, mein Liebling!"

Detlev trat an das Bcttchen heran und küßte ihn eben­falls.Gute Nacht, mein kleiner Freund! Wenn Groß­papas Weihnachtsmann dir keinen Pom; bringt, dann tut es sicher dem Onkel seiner i da kannst du dich drauf ver­lassen, ja, ja! Na, nun schlafe schön!"

,üast dad wirklich wahr, Onkel? O, das ist fein! Guts Nacht!"--

Wolf drehte das elektrische Licht ans. und sie ginge» beide hinaus.Das ist metne schönste Stunde," sagte er, wenn ich den Jungen allein für mich habe."

Ist auch ein Prachtkerl, Wolf!"

Ja, aber auch ein kleiner Eigensinn; ich muß ihn streng halten! Abends im Bett muß er mir immer sein« kleinen Üngezogenheiten beichten; daran habe ich ihn ge­wöhnt. Er ist sehr gewissenhaft und vergißt nichts r

Jck> begreife seine Mutter nicht," sagte Detlev leise, solch liißes Kind!"

Jen auch nicht - aber Wolf zuckte die Achseln, Apropos du bleibst doch bei mir?"

Ich bin imBär" abgestiegc» und möchte Euch nicht gern Unbequemlichkeiten verursachen!"

Wo denkst dn hin! Frenidcnzintiner sind stets einge­richtet, da wir viel Besuch haben; du würdest mir eine große Freude machen!"

Nein, laß mich nur, Wols -- ich danke dir herzlich! Ich habe morgen früh noch verschiedenes vor wollte mal nach Sellin fahren, Hab' schon den Wagen bestellt!"

Wie du willst! Aber deine trete Zeit morgen gehört mir! So leicht konmist dn nicht los von mir; dazu Hab' iclj mich viel zu sehr gefreut, dich wiederzusehen! Vinn will ich dir flüchtig unsere Wohnung zeigen, ivenn dn Interesse! dafür hast!"

(Fortsepnug ivlgt.)

Aus den Zeiten der akademischen Serichtrbar'eil der Ludooiciüna.

Olim meminisse jirvahif.

Andere Zeiten, andere Sitten und Geh-tze! Das ist der GrnnL- satz, der unier vstenllichcs, soziales und ivirlschoitlisl»'- Lebe» beherrscht. Langjährige, verbriefte und bewährte Rechte und PrioG legien besonderer Berölkcrungsklasscit werden schonungslos. den modernen Nivelttsicrungsbestrebungcn mit dem Schiagwort ,(.)!«* ches Neckt für alle" tum Opfer gebracht und nur dec Chronist barmt sich ihrer und bewahrt sie vvr den» Schicksal säst ollen - Mensche,tlverke, der V e r g e s s e n h e il. So ist dnm mich tvährend des Winterst nesters 1877/78 die in Gemäßheit des tiinu* öesientzluiie- vom l l November 1834 vvn der hessischen Nrgiennia erlasse, e Beiordnung 28. April 1837 mit der stir die Bürge« der alma m.tter Uiisovician.i geschasscucn bcsottderen a ka d. m f- sdl«n Gcrtchtsbarkei«, diesem wertvollen Kleinod d> r Gießee- iwr Stndcntcuschast. ans Nimmerwiedersehen ln de» Hades hinab- gesuez-n^ Mit ihr aber zugleich eine Fülle köstlickier Erinnerungei» an ' c Scamme,e«, und Freuden, die namentlich die tzudentiich»» Kcr: ironen diesem löblichen Institut zu verdanken hatte» nnf>

»Jim .ec,n Erinnerung das Auge so manches alten -Herrn in» Siiberhaar wieder hell austenchtet. Es möge daher auch einen» solchen gestattet sein, der Enlschiasenen in diesen Zeilen eine stille Träne wehmütigen Angedenkens zu weihe».