Ein Frühlingstraum.

Roman von Fr. Lehne.

(Nachdruck verbalen.)

(Öortietuuifl.)

Dann hatte sic wiem. yre Tage, a» denen sie ihren Gatten mit Zärtlichkeiten überschü.tete: ihm waren solche Ausbrüche zuwider', er sagte aber nichts, sondern duldete sie schweigend. Er küßte sie dann auch wieder und benutzte ihre Stimmung, ihr das Versprechen ab-unebmen, häuslicher All werden. Davon wollte sie aber nichts hören.Du bist ein Pedant, ein Philister! Statt daß du dein? ichonc junge Frau ausführst, verkriechst du dich hinter den Ofen! Geh, Wolf, das ist nicht hübsch von dir!" ES war eben alles ver> gebens! Gabriele hatte durch ihre Heirat mit einem Offizier aus altem, adligem Geschlecht eine bevorzugte Stellung ge­wonnen, die sie auch auszunutzen verstand.

Dolf seufzte tief auf. Wie anders hatte er sich seine Ehe vorgestellt! Manchmal glaubte er, verzweifeln zu müssen, wenn er über alles nachdachte dann stürzte er sich mit noch größerem Eifer in seine Arbeiten, die ihm schon einen Namen geinacht hatten, damit er wenigstens für Stunden Vergessen fand, lind dann quälte ihn auch der Gedanke an Mary er hatte nie wieder etwas von ihr gehört. Und nun wurde die Erinnerung doppelt lebendig in ihm, seit er wieder in der Stadt ivar, in der er mit seinem Lieb so selige Stunden verlebte. Bei Bergers auf dem Friedhofe war er auch einmal gewesen: aber sie wußten ebenfalls nichts. Ab und zu bekamen sie einen kurzen Gruß von ihr: aber den genauen Aufenthalt kannten sie trotzdem nicht, da die Karten stets den Stempel der Bahnpost trugen. Sie lebte das war alles, ivas er wußte.

Die Uhr auf dem Kamin schlug sechs: es war Zeit, weiter zu arbeiten und dadurch die Gedanken an die Ver­gangenheit zu bannen. Wolf drehte das elektrische Licht auf »tnd vertiefte sich wieder in seine Arbeit. Da klopfte es; der Diener trat ein, eine Karte in der Hand.Der Herr wünscht dem .Herrn Hauptniann seine Aufwartung zu machen."

Wolf warf einen Blick auf die Karte; sofort sprang er ans, eilte nach der Tür und rief erfreut:Aber natürlich, nur Herrin, alter Junge wo kommst du her, Strachwitz?" Und er schüttelte immer wieder die Hände des Freundes.

Sachte, mein Lieber! Erlaube, daß ich mich erst etwas vom Schnee befreie! Es ist ein Hundewetter - brr"

Wolf führte den Gast, nachdem dieser sich des Mantels entledigt, in sein Zimmernochmals herzlich willkom- >nen, lieber Strachwitz!" Mräitig erwiderte dieser den Hände­druck.Na, wie geht dir's? Doch gut, Wölfchcn? Und deiner Frau?'"

Danke, ebenfalls gut! Sic ist jetzt nicht daheim! Nun nimm Platz, Detlev! Nein, diese Ucberraschung! Das hätte ich nicht gedacht! Wie lange haben wir uns nicht ge­

sehen! Bitte entschuldige einen Augenblick!" Seit dessen Verheiratung-duzte sich Wolf mit dem Freunde. Er ging hinaus und kam nach einige» Minuten wieder herein, gefolgt vom Diener, der ein mit Flaschen und Gläsern besetztes Tablctt trug. Nun saßen die Freunde behaglich beieinander. Wolf schenkte ein.Auf dein Wohl, Strachwitz!" hob er das GlaS gegen diesen. Mit Hellem Ton klangen die Gläser anein­ander.

Ah ein herrlicher Tropfen," sagte Strachwitz, nach­dem er getrunken.

Nabt wahr?" lächelte Wolf,darum Hab' ich ihn auch selbst geholt an diesen Schrank lasse ich den Halunken von Diener nicht ja, eine meiner besten Marken Be en­tasteter Doktor Auslese! Hat doch die richtige Temperatur? Bitte, hier sind auch Zigarren. Nein, wie ich mich freue, Detlev, dich wiederzuschen! Sag' nur, was dich aus deiner Wildnis in Ostpreußen hierher getrieben und um diese Zeit?"

Ich hatte in Berlin zu tun und habe den Katzensprung

nach hier gemacht, dich tviedcrzuschen"

Wie gut von dir! Und sonst geht dir's gut?"

Danke, ja! Anfangs, als ich den bunten Rock ausge­zogen, wurde es mir höllisch schwer, mich an das Landleben zu gewöhnen. Na, schließlich inachte es mir doch Spaß, besonders weil ich meinem Bater einen großen Gesal. .1 da- mit tat. Er wollte es doch gern, und seiner Ansicht nach hatte ich meine Jugend lange genug genossen und genügend Däuser verbraucht, daß es an der Zeit war, solide und ein nützliches Glied der Gesellschast zu werden! Na, so baue ich nun meinen Kohl und lebe schlecht und recht. Geselligkeit gibt'S dort im großen Stil; Langeweile empfinde ich nicht: nur manchmal die Einsamkeit ich vermisse meinen Pater recht schmerzlich: ich danke ihm heut' noch, daß er mich da­mals aus dem alten Schlendrian gerissen wie wäre mir's ergangen, wenn ich plötzlich vom Militär sortgemußt hätte, das Gut zu übernehmen, ohne einen blassen Schimmer von der Landwirtschaft zu haben."

Du schriebst mir vom plötzlichen Tode deines Vaters!" sagte Wols leise,ich fühlte mit dir!"

Ja, so plötzlich Herzschlag! Am Morgen noch ge­sund und frisch abends schon kalt und tot!" Er versank in trübes Sinnen, aus dem Wolf ihn mit keinem Worte störte. Strachwitz überwand diese traurige Stimmung und sagte mit anderer, belebter Stimme:Das ist also mein Leben! Ach, weißt du, eS ist doch ein erhebendes Gesübl, eine eigene Scholle zu besitzen! Früher lebte ich gedankenlos in den Tag hinein war der Dienst zu Ende so wurde gebummelt! Jetzt ist das anders! Da ha! jeder Tag seine be­stimmte Arbeit und ich lege selbst tüchtig mit Hand an. Sieh dir meine Hände an sic sind :"cht so ganz wohl- gepflegt inehr! Kann auch nicht sein! Nr, schadet nichts! Weißt du, Ivas Ulcin Steckenpferd ist? Pferdezucht! Ah, du solltest mal meine Äoppel sehen! Nun aber genug von mir! Erzähle mir, wie es dir ergangen ist! Im Briefwechsel