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Wegen geschrieben, wußte sie freilich nicht er aber glaubte, dem armen Mädchen diese Genugtuung schuldig zu sein!

So verging die Zeit und der Termin der Hochzeit wurde bestimmt: gleich nach Beendigung des Manövers sollte sie statlfinden. Der alte Ulrich hatte dem jungen Paare eine entzückende Villa zum Alleinbewohnen zur Verfügung ge­stellt und seinem Schwiegersohn ein prächtiges Reitpferd ver­ehrt, worüber sich dieser sichtlich gefreut hatte. Das tat den: Alten ivohl; denn er fühlte sich Wolf gegenüber immer etwas gedrückt, da er den Gedanken an jenen Nachniittag, der der Verlobung vorangegangen war, nicht vergessen konnte. Im­mer wieder dachte er an die Rolle, die er da gespielt hatte. Der junge Offizier hatte durch sein bescheidenes und doch edles, männliches Wesen, durch seine Vornehmheit, die frei von jedem Dünkel war, seine ganze Sympathie gewonnen.

Gabriele war ganz von Sinnen, als ihr Verlobter ins Manöver mußte. Immer wieder warf sie sich an seine Brust und küßte ihn.Wirst du auch immer an mich denken? Schreibe ja alle Tage, hörst du, ich vergehe sonst! Bleibe mir treu und denke an mich!"

Es muß geschieden sein, Gabriele! Das ist Soldaten­los! Mache mir den Abschied nicht schwer! Denke, wenn ich in den Krieg müßte!" sagte er ernst.

O, da würde ich sterben!" schluchzte sie.

Sei kein Kind, Ella! In drei Wochen bin ich wieder bei dir, und dann dauert es nicht mehr lange, gehören wir uns für immer!"

Ja, dann für immer o Wolf!" Und ein stolzes, seliges Lächeln lag um ihre Lippen.

Endlich war es so weit bräutlich geschmückt stand sie an des Geliebten Seite vor dem Altar. Unendlich bleich und ernst sah Wols aus; aber fest und klar tönte seinJa" durch die Kirche er war sich vollbewußt, daß er mi« diesemJa" alle Brücken hinter sich abgebrochen und mit seinem Ivahren.Herzensglück abgeschlossen hatte vor ihm lag ein Leben voller Schein und voller Pflichten- die zu erfüllen er sich gelobte! Und Gabriele? Fast trium­phierend kam das bindende Wort von ihren Lippen; mul konnte ihr keiner den geliebten Mann mehr entreißen nun konnte er selbst nicht mehr zurück! Sie war eiue schöne/ majestätische Braut, die aber kalt ließ, da ihr ganz das Bräut­liche, Demütige fehlte eitel Stolz und Triumph strahlte von ihr aus!

O, mein Süßestes, mein Liebling, niein armes Mäd­chen " ein unsäglicher Schmerz durchzuckte ihn, wie er an seine Liebe dachte dann war auch das vorbei- neben ihm saß sein junges, blühendes Weib, Liebe heischend und Liebe spendend die Wirklichkeit machte ihre Rechte geltend und verscheuchte die Gedanken an eine schönere Vergangenheit.

Zweiter Teil.

I.

Ich besaß es doch einmal.

Was so köstlich ist.

Daß man zu seiner Qual

Nimmer es vergißt !" Goethe.

Sinnend saß.hauptmann von Wolssburg am Schreib­tisch, den Kops in die Hand gestützt. Die früh eingctretene Dämmerung eines trüben Dezembcrnachmittagcs hatte sein fleißiges Schaffen auf eine Weile unterbrochen. Er hatte auch nicht Lust verspürt, weiter zu arbeiten, da er sich durch an­gestrengte geistige Arbeit etwas ermüdet fühlte und wohl eine Zeit der Erholung bedurfte. Die Gattin war zum großen Kasfee, veranstaltet von der Majorin, da durfte sie nicht ehlen. Sein Söhnchen ivar beim Großpapa, der sich sehr reuie, daß die Tochter seit einem Vierteljahr wieder in der Stadt und zwar als Frau .Hauptmann weilte. So war Wols allein, und er überließ sich einem Versenken in die Vergangenheit, ivas höchst selten geschah, da er daran mah­nende Gedanke» mit Gewalt unterdrückte es tat nicht gut! lieber vier Jahre war er nun schon verheiratet und nichts als Enttäuschung hatte ihm seine Ehe mit Ella ge­bracht. Er hatte ihr oberflächliches, genußsüchtiges Wesen immer mehr kennen gelernt, und seine vornehme Natur sühlte sich znrückgestoßen von der niedrigen, gewöhnlichen Gesin­nung seiner Frau, die immer mehr zutage trat, je länger sic verheiratet waren. Bald hatte er erkannt, daß das, wo4 er bei Gabriele für innige Liebe zu ihm hielt, nichts weiter als heiße, flammende Leidenschaft war, die dem schönen Mann, dem glänzenden Offizier galt. Er Ivar redlich be­

müht, ihr ein guter und liebevoller Gatte zu sein, da sie ein Recht darauf hatte aber es war zu schioer; ihren Cha» rakter konnte er nicht umformen, und so kam es, daß dis beiden sich innerlich so fern waren, wie nur je zwei ganz fremde Menschen sein können. Nicht einmal das Söhnchen, das sic ihm im ersten Jahre ihrer Ehe geschenkt, brachte die Gatten einander näher ihr war es ein Hindernis in ihrem geselligen Leben, das sic so sehr liebte, mährend es ihm ein Trost seiner Einsamkeit war. Voll tiefer Rührung war er damals am Bett seiner Frau niedergekniet und hatte dankbar ihre weiße Hand geküßt, dir Brust voll heiliger Vorsätze aber sie konnten vor ihrer Leichtfertigkeit nicht standhalten. Kaum genesen, stürzte sich Gabriele wieder in den Strudel der Geselligkeit sie konnte nun einmal nicht ohne Be­wunderung leben; versagte ihr dies der Gatte, nun, so nahm sie von andern den Tribut hin, der ihrer Schönheit gebührte, die schöne Frau von Wolfsburg war die gefeiertste Dame der Stadt. Wenn sie sich auch nichts vergab, so war doch ein Etwas in ihrem Benehmen, das nicht lady-like war die angeborene Vornehmheit, der Hcrzenstakt fehlte. So war sie auch eine eifrige Radfahrerin, und wenige Damen kamen ihr an Ausdauer gleich sie betrieb diesen Sport nicht allein aus Vergnügen, sondern auch aus gesundheitlichen Rücksichten sie wollte nicht stärker werden, da sie sehr dazu neigte; des­halb sah sie jeder nur einigermaßen schöne Tag aus den« Rade, was zur Folge hatte, daß die beiden Gatten sich kaum einmal mittags sahen, wenn sie, was oft geschah, auf eine» größeren Tour sick befand. Um ihren Hasso kümmerte sie sick- wenig; sie hatte für ihn ein zuverlässiges Kindersräulein verpflichtet; was dem Kleinen au Mutterliebe nbging, er­setzte der Vater durch doppelte Zärtlichkeit. Das Kind war sein alles; mit abgöttischer Liebe hing er an den: kleinen klugen Kerl, so daß Ella oft eifersüchtig auf ihr eigenes Kind wurde. Die alte Eifersucht hatte sie noch nicht abgelegt, und sie quälte damit häufig ihren Gatten auf unerträgliche Weise, trotzdem nicht der geringste Grund dazu vorlag. Wolf war sehr unglücklich; in maßgebenden Kreisen wurde wenig günstig über seine Frau gesprochen: sie war wenig beliebt, das wußte er genau, wenn mau es ihm auch nicht entgelten ließ. Wolf machte ihr genug Vorstellungen über ihre Art und Weise; es gab heftige Szenen - und trotzdem versuchte es Wolf immer wieder mit großer Geduld, ihren Sinn sür Häuslichkeit zu wecken. Er sühlte sich seiner Frau gewisser­maßen schuldig, weil er ihr keine Liebe geben konnte Marys Bild lebte in unveränderter Weise in seinem Herzen fort deshalb war er auch so nachsichtig. Aber auch das wirkte nicht. So trieb sie zum Beispiel einen fast unerhörten Toilettenluxus, worüber viel gesprochen wurde. Eines Tages hatte er ihr hierüber Vorstellungen gemacht, woraus sie ihm kaltlächelnd erwidere hatte:Was willst du? Was geht es dich an? Bezahlst du es etwa? Papa gibt mir mein Nadel­geld, und damit mache ich, was ich will! Alles, was du niir geben kannst, reicht ja kaum hin, meinen Bedarf an Hand­schuhe» zu decken! Es macht mir eben Freude, mich gut anzuziehen. Dir ist es ja gleich, wie ich anssehe Du

liebst mich nicht mehr, hast mich überbaupt nie geliebt!" Das ihr ständiger Refrain; Wolf erwiderte nichts darauf, sondern stillschweigend ging er hinaus ein weiteres Wort von ihm hätte den Austritt verschlimmert, und nichts ivar ihm verhaßter.

(Fortscßung trlrjt.)

Das (Erlebnis Des Aötschen Deit.*'

Von Rudolf Greinz.

Wenn man den Götschen Veit so durch die Felder schleichen sah, hätte man meinen mögen, was sür ein fortschrittlich gesinnter Mensch er eigentlich war. Ein ganz wildes Gesicht hatte er. Blau­rot und aufgedunsen und einen Wald von struppigen grauen Haaren drum herum. Dazu eine mächtige Nase. Groß und unförmig wie ein Kartosselknollcn. Einen gewaltigen Höcker stellte er hinten hin­aus, und mit den, Fnßwrrk giitg's auch seit geraumer Zeit schon recht schlecht.

Seiner Lebtag >oar er stets ein Häuter gewesen. Nie recht ge­sund, auch nicht gerade extra gut dran 111 it dem Geld. Aber gejammert hat er nie. War nur immer ein bissel einsilbig und behielt seine gescheuten Gedanken für sich selber. Tal selten den

*) AusUnterm rote» Adler", dem neuesten Bande lustiger Tiroler Geschichte», der soeben im Verlag von L. Staackniann in Leipzig erschienen ist. Tics köstliche Buch mit seinem herzhaften Lachen, mit seiner echten, bitdkrästlgen Art, ist so recht ein Werk sür den Sonntag!