72

dieses der Urheber alle? dessen ist, waS besteht, so folgt mit zwingender Folge, dast er es nicht den Menschlein überlassen haben kann, aus Kosten der Tiere die Welt zu veroollkommnen. Mur allein ans dem Boden dieser Folgerungen kann ein ge­läutertes Verhältnis der Menschen untereinander »nd zum Tier ersvricsten, was in weiterer Folge injosern günstig aus das Bolks- enipindeil cinwirken must, als dadurch der Glaube an die Allcin- herrlichkeil des Mensche» zerstört wird. In Zusammenhang da nrit steht eine Kräftigung des Gcsühls der Zusamnicngchörigkeit aller Geschöpfe im Reiche der Natur aus der Grundlage einer ideellere» Lebenssührung im Gegensatz zu heute, wo schließlich das ganze Wirken des Einzelnen unbestritten ausgesüllt tvird von dem nichtigen Streben nm materielle Güter, deren Fluch es ist, niemals vollaus zu befriedigen und ivahrhast zu beglücken, wohl «der zu Unterdrückung im grasten und kleine» beizutragen.

vermisehte».

T i e Naturgeschichte des Flirts, Feine, mo- deine Lebenskunst heischt, den Flirt von Liebe und Leidenschaft schart zu trennen, denn er soll den Tag oder vielmehr den Abend schmücken tvic ein frischer Rosenkranz, den man sich auss Haupt setzt und den man Ivegwirst, sobald er v/rwelks Die sen­timentale Generation bewahrte solche Rosenkränze noch ans; die moderne Welt hat schon längst keine Zeit, keine Lust mehr, die fläch ige Spielerei durch den Schmerz nnbesriediglcr Erinnerung ihres Zaubers zu entkleiden, Amerikas schöne, lebhaste Frauen haben im Flirt das uralte Werbe- und Minnespiel wieder aujer- stehen lassen. Das Wörtchen Flirt so desiniert der geschmack­volle und kenntnisreiche Alexander von Gleichen-Rnstwurm in cinenr Aussatz des Februarhcstes von Vclhagen u, Klasings Mo- natshesten umfaßt heut alle Schattierungen von der gröb­lichen, die Männer um des Geldes willen sängt, bis zu der edle­ren, die dem Nüchternen, Berusseingczwängien eine Welt voll gaukelnder Schönheit eröffnet nnd ihn unmerklich löst aus der Prosa des harten, modernen Daseins, Die ernsten Seiten des jetzigen Flirts hat der Verfasser eines feinen pshchologischen Ro­mansArnitiä amoureuss" beschrieben. Es liegt etwas Weiches, Wehmütiges in diesem Begriff, 'der mit unmerklich leiser Schattie­rung die alten Bezeichnungen von platonischer nnd schöngeistiger oder cmpsindsamcr Liebe ablöst. Man kann aus Feigheit, Bla­siertheit und ähnlichen Gründen, man kann sogar aus wahrer Liebe zurArnitiö amoursuse" neige». Sie bietet Raum zur Sonnenunteigangsstiinmuiig, sie bietet aber auch Raum zu ge­fährlicher Selbsttäuschung,Es ist eigentlich eine recht konven­tionelle Idee, wenn man behauptet, die Kraft des Willens Lime e>"- mit xe Leidenschastveredeln". Sie kamt unschädlich gemacht lut, iber veredeln? Ist ein Tiger veredelt dadurch, dast er hinter testen Eisenstäben vertvahrt wird?" Da die moderne Zeit nicht sehr aus gute Manieren und stilvollen Airstand hält, so ist es verwunderlich, dast sic zu der liebenswürdigen Heuchelei, zu denr zarten Selbstbetrug alter Zeiten insofern zurückkchrt, als sie die Schönheit des wohlirisierten LämnrchensAmitie amoureuse" cor Schönheit des edeln Königstigers, der großen Leidenschast, entgegenstellt, nnd behauptet, letztere in erstcrc verwandeln zu können Ta Frauen wie Männer heute viel zu beschäftigt sind, nm wie die Schönen des siebzehnten Jghrhnnderts zu lagen: Songez a me bien definlr ce que cest que coeur tendre, ten- drcsse darnitii, tendresse damour et tendresse dinelination, kann dieAmitie amoureu.se" höchstens unter dem Mantel der Kameradschaftlichkeit sich fristen. Statt die Männer znm Liebes­spiel zu bekehren, inust der Flirt der modernen Frau oft darin bestehen, dast sie sich selbst deren Interessen kreis anbeguemt. Lange Koketterie ist nicht mehr angebracht, weil der Verehrer weder Zeit noch Geduld hat. Schon im achtzehnten Jahrlmndert wurden die Schönen von einer klugen Fürstentochter in Deutschland ge­warnt:Das Frauenzimmer sollte seine Widerstehungen nach der Muße des Liebhabers messen," Und so ist es geblieben bis auf unsere Zeit,

kf. Die Hochzeitsreise im Unterseeboot« Wo können HochzeckSreisende aus den oberen Zehntausend New Borts die Flitterwockie» zubringen, ohne der Neugier amerikanischer Zeitnngslenle vreiSaeaeben z» fei»? Einzla im Unterseeboote, »»d so hotte denn einer der New Parker Erzmillionnre, der stch soeden verheiratet hat, de» Plan ge>abt, eine unterseeilche Hochzeitsreise z» mache», mit dem seine Fra» auch durchaus ciiiverllandeli ivar. Nichtsdestoweniger it es der nmc« ifonlfcfien Presse doch gelungen, ivenlgslens einige Eiiizelheiten Über diese merkivürdige Hochzei S- reiie z» erinitteln. Ter Lake» ivar nämlich der: es ivar schiver, eiiie Kaiinnerjungker aulzulreiben, die genug Mut zu dein kühnen kliiiernehinen belast, unb als das Uiiterlecbooi zi»n ersten Blale wieder einen Haien anbei, benutzte sie die Gclegeiiheit, rim durch- ziibrcinie».

"Dar Unbrwubt«. Eiiie lustige ffeine Beobachtung zur Psycholooie d>S Uiibewustten bringt ei» iranzölischeS Blntt: Sein Barl mar ungewöhnlich laug und ivallte rnäcblig hernieder; er trug ih» mit Würde, Da tragte id» eines Tage? jemand:Wenn Sie im Bell liegen, habe» Sie ihn dann über der Decke oder dar­

unter?* Er iwi&fc es nicht. Niemals hatte er darüber »ach-

gedacht, Nun aber ivnrde er sehr anigeregt >n>d ivollte genau aus- vasje», ivlehrere Nächte lang schlies er sehr lchlechl, denn der Bart ivar ihm plötzlich höchst hinderlich und unbequem. Er ivnstte nicht mehr, >oo er U»i h>ntun sollte,

* G n t gegeben, Ter Proselsor:Ein Narr stellt mehr Fragen als ein weiser Mann beanlworten kann," Ter Student: Kein Wunder, dast so viele von uns beim Examen dnrchsalien ..

vüchertisch.

Richard Wagner s Gesammelte Dichtungen. Heransgegeben von Dr, Julius Kapp, Drei Teile in einem Bande, Leipzig, Hesse & Becker Verlag 214, 288 und '281 S, Geb, 2, Mark, Eduard Engel schreibt tu seinerGeschichte der deutschen Lileratur":Dast Wagner ettvas Größeres als eilt Textdichter" gewesen ist, müsse» selbst die Gegner seiner Musik und seiner Gesamterschcinung zugeben," Die wirkungsvollsten seiner Musikdramen, fügt er hinzu, seien von einer dramatischen Schlagkraft wie nur die größten Dramen der Weltliteratur, Und Pros, Gotthold Klee, ein gründlicher Kenner unserer Nalional- fitexntur, urteilt wie folgt:Gestalten lvie Brünhilde und Sieg­fried imRing" konnte nur ein deutscher Dichter schassen, und das schöne Gemälde aus der Zeit des Hans Sachs,Die Meister­singer von Nürnberg", ist, rein als Dichtung betrachtet, eins der lebensvollsten deutschen Lustspiele," Dies sind gewichtige Zeug­nisse dafür, dast Wagners Dichtungen eigenen Wert haben, auch ohne die Musik, Die vorliegende, vortrefflich auSgestattete Aiisgäbe bietet sämtliche Texte zu Wagners Opern in korrekler Wiedergabe, also auch den desParsisal". Wo abweichende Fas­sungen vorkiegen, werden auch diese mitgctcilt. Seinen beson­deren Wert erhält der schmucke Band durch die ausgezeichneten Einleitungen des bestens bclannten Wagnersorschers Dr. Ju­lius Kapp,

Die Nummer 3683 der Illustrierten Zeitung, die jetzt einen

neuen, von Jul, D i e tz entworsenen Umschlag aufwcist lBerlag von I. I, Weber in Leipzigs, vomi 29, Januar 1914 bringt ver­schiedene Abbildungen aus dem zur Jetztzeit bcborzugteu Winter­sport. Insbesondere ist Gar misch Partenkirchen vertreten, wo wir eine Abbildung des bekannten Skiläufers Thorleif Aas, der für den künsten Sprung bei den Wettläusen des Deutschen Ski-Ver­bandes am 24, und 25. Januar den ersten Preis erhielt, sen­den, sowie eines ziveiken Norwegers: Hans Gunnestad, der'sich bei dieser Gelegenheit einen Preis geholt und die Meisterschaft von Tenischland im Skilauf gclvonncn hat. Ferner tritt das sport» sreundlichc Davos nrit einer Abbildung des norlvegifchen Eis­schnelläufers Oskar Matthiesen in die Erscheinung, auch eine Abbildung vom Wintersportfest in Annabcrg finden wir ein Zeichen für die freundliche von Winter zu Winter zunehmende Ausnahme, der sich der Wintersport in de» weitesten Kreisen un­seres Volkes ersrent. Ein seltenes Beispiel, daß auch Kaiserliche nnd Königliche Hoheiten sich als Dramatiker betätigen, zeigen die Darstellungen aus der Aussührung des ChristusdramasDer König bon Judäa" in St, Petersburg vom Großfürsten Konstaiilin von Rußland. Auch den reich illustrierten Artikel überKarl den Großen", ans der Feder des jungen Heidelberger Kunsthistorikers Karl Storck möchlen wir nicht unerwähnt lassen ein Erin- nernngsblatt des 1400 Todestages des ersten Deutschen Kaisers> sowie ferner den reich illustrierte» Artikel überTie Schaunt- burg her Rinteln", dem Stammschloß der Fürsten von Schanmburg- Lippe, Neben der Geschichte gelangt aber auch die Kunst, und zwar die Architektur in einem Artikel überBernhard Pankok als Ornamentiker" zur Darstellung, Natürlich ist auch der aktuelle Teil reich ansgestatlet, so dast auch das neue Hest sich in Bezug auf seine Reichhaltigkeit den früheren anschliestt, Preis vierteljährlich 8,50 Mark, ,

Magische; Auadrat.

In die Felder nebenstehende» Quadrats llnd die Buchstaben AA AAAAAABBDDMR R 8 derart einzntrageii. dast die wagerechleu u. Icnkrcchl.Reihell gleichlautend lolgendes bedeulen:

1. Arabische Landschalt.

2. Koniilat in Ungarn.

8, Belgischen StaalSniaiin.

4. Biblischen Namen,

Auslösung in nächster Nummer,

Auslösung des Kreuzrätscls in voriger Nummexi A A V c p e her Achil leus Apeldoorn Verlobung e o n u r n s n g

Redaktion: K, Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen UniversilälS-Bnch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.