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dninal mit oller Statt cinyot, sicht glänzend, groß, gebietend da, ein Wetterleuchten des Sieges umglüht ihn mit der Gloriole des Lichtes, bis dann der Blitz ihn zerschmettert, ihn in Nacht Vnd Nichts schleudert . . .
Völlig verzweiselt schien Napoleons Lage zu Beginn des neuen Jahres, Ter Weltbcherrscher war ganz aut Frankreich zurückgedrängt; sein Reich, sein Leer waren erschöpft; kaum lOOOOO Mann noch standen von Lolland bis zum Jura im Felde, um dem Einbruch des Feindes zu wehren. Er konnte dem sicheren Untergang allein dadurch entgehen, das; die Verbündeten ihn, Zeit liehen, und das taten sie. Nur widerwillig entschloh sich Kaiser Franz Joses von Oesterreich, der seinem Schwiegersohn den Thron erhallen wollte, überhaupt zum Einmarsch in Frankreich, und der Feldzugsplan, den man schlichlich durchsetzte, trug ganz das Gepräge jener uralten Strategie der Winkelzüge und Ermattung des Gegners, die ii» 18. Jahrhundert gegolten und der Fürst Schwarzenberg, der Oberbefehlshaber, noch huldigte, I» einer fast komischen Scheu vor dem modernen Tä- monen des Krieges und in Ueberschätzung seiner Kräfte wollten die Verbündeten mit ihren 300 000 Mann Napoleon, der kaurn über ein Drittel meist junger, ungeübter Truppen verfügte, nicht direkt angreisc», sondern die Hauptarmee begnügte sich damit, durch die Schweiz zu marschieren und nach geringfügigen Gesechten mit dem schwachen Korps Morticrs lbei Bar-sur-Aube am 24. Januar) das berühmte, angeblich unangreisbare Plateau von Langres zu besetzen. Hier glaubten die gelehrten Strategen den „Rubicon" erreicht zu haben, den man nicht überschreiten dürfe, und erklärten die militärischen Ausgaben für „gelöst": jetzt habe die Diplomatie das Wort, Blücher erhielt mit der ehemaligen schlesischen Armee die wichtige und schwierige Ausgabe, als „Beobachtungskorps des Oberrheins" den Feind zu beschästigen und den rechten Flügel der Hauptarmee zu decken. Damit Ivar dem feurigen Marschall Vorwärts trotz der „angelegten Fesseln", über die Gncisenau stöhnte, doch eine gewisse Freiheit der Initiative gegeben, die er nach Kräften auochrtztc,
Ueberraschend schnell vollzog sich Blüchers Vormarsch jenseits des Rheines: mit einer erstaunlichen Kühnheit durchstich er den Festungsgürtel Frankreichs, suchte vergeblich Napoleons Marschällc zur Schlacht zu zwingen, und vereinigte sich schließ- lich mit der Hauptarmce, um diese womöglich zu einem Vor marsch gegen Paris sortzureihc», die einzige strategische Operation, in der er und seine beiden genialen strategischen Berater Gncisenau und Elausewitz das Radikalmittel der Vernichtung des Feindes sahen. Als Napoleon am 25 . Januar endlich selbst in Ehülons bei seinem Heere eintraf, hatie Blücher die Schmarzen- bergsche Stellung sogar schon überholt und begann sich vor ihren rechten Flügel zu schieben. Mit aller Macht drängte er vorwärts, i,Paris hat den Kops verloren", schieb er an den mächtigen Berater seines Königs, Knesebeck, der gerade damals in einer Tenkschist den Marsch gegen Paris dringend widerriet: „lassen wir es nicht zu sich selbst kommen: frisch daraus los!" Er
Er wünschte nichts sehnlicher, als das; sich Napoleon gegen ihn Wende: „Tut er es, so kann uns nichts Wünschenswerteres begegnen; dann erhalten wir Paris ohne Schwertschlag," Jni Haupt - guartier von Langres aber, wo unterdessen die drei verbündeten Herrscher mit ihrem Gefolge von Kriegstheoreiikrrn und Diplomaten eingetrosscn toarcu, galten der preußisch? Feldherr und die Seinen für „Exaltierte" und „exzentrische Heißsporne", Die feinen Gespinste der Diplomatie, die neben Metternich besonders der englische Minister Castlercagh immer fester knüpfte, drohten den letzten Soldatenmut zu umgarnen und zu ersticken. Ter kluge Schwedenkronprinz Bernadotte fischte dabei im Trüben und suchte mit des Zaren Hilfe den Thron Napoleons sich zu sichern, während Kaiser Franz für seinen Schwiegersohn und die Engländer für die Bourbonen eintraten und über diesem Gezänk beinahe die ganz? Allianz in die Brüche ging. Man verteilte schon des Löwen Fell und sollte doch noch recht kräftig seine Tatze fühlen,
Blücher, der sich ungeduldig wie eine Vorhut vor die Front des Hauptheeres geschoben hatte, traf der erste Prankenschlag, Bei Brienne griff ihn der Kaiser am 29, Januar an, und zum erstenmal stand der grimmigste Feind des Korsen dem Gegner, der 10 000 Mann stärker war > persönlich gegenüber. Das Glück des kurzen Wintertages schien den Preußen günstig; aber in der Dunkelheit machte Napoleon einen neuen überraschenden Angriff, worauf sich Blücher nach Mitternacht schloeren Herzens zum Abzug entschlichen muhte und aut den Höhen von Trannes eine sichere Stellung einnahm, Ter Kaiser folgte am 30, Januar bis La Rochiere und sah sich im dichten Nebel plötzlich dem Feinde gegenüber, aber keinem geschlagenen, sondern einem schlacht- bereit aufgestellten. Unschlüssig blieb er am 31, stehen: er brauchte unbedingt einen Sieg, um seine höchst bedenkliche Lage zu bessern, und doch erkannte er die ungeheure Ueberlegcnheit des Feindes, Nicht nur Blücher, sondern Schwarzenberg mit seinem ganzen Heer stand ihm gegenüber, und am Abend des 31. Januar waren Mehr als 125 000 Mann zum konzentrischen Angrisf um die 40000 Mann starke eigentümliche Hakenstellung der Franzosen versammelt.
Ein einziges festes Znpacken, «in Schlichen des Rings, und Napoleons Heer war vernichtet, der Krieg zu Ende, Wenn Schwarzen
berg diese Gelegenheit tatenlos und ungenützt vorübcrgehen ließ,
so gehorchte er dabei der Politik seines Kaisers, der Napoleon retten wollte. Das Einzige, was er aus das heilige Drängen Blüchers hin zulich, war, das; er den, preußische» General „nach eigner Disposition" den Anglist gestattete und ihn» zioei seiner Korps zur Verfügung stellte. Ans diese Weise,konnte ein endgültiger, ein tödlicher Schlag gegen den Feind nicht gejührt werden, Ter Feldmarschall eröilnete am !, Februar mit 16 000 Mann die Schlacht bei La R o t Ii i £ r e im dich:en Schneegestöber mit einem Frontalangri's, In hartnäckigem Ringen um mehrere Dörfer auf ungenrein schrvicligern Gelände, bei einem Unwetter, das grade noch die Hand vor Augen erkenrien ließ, verzehrten sich die Kräfte ohne Erfolg im furchtbaren Nahkampfe, und erst die Bayern unter Wiede brachten arn Nachmittag die siegreiche EntMeidung dieses blutigen Wintectages. Tie Franzosen zogen sich in fluchtähnlichcr Verwirrung arrf Brienne zurück, Blücher aber konnte seinen Sieg, diesen heiß ersehnten Triumph über den Korsen, nicht au-nutzen; in ohnmächtigem Grimme mußte er den Rückzug drilbeu, den er mit geringen frischen Kräften, mit einem Zuzug von der Hauptarmee in wilde Panik hätte verwandeln können. Mit dem letzten Schub des Tages war seine Rolle als Schlachtenlenker ausgespielt, und Schwarzenberg, der Zauderer und Tatlose, gebot wieder unumschränkt,
Ter Gewinn dieses ersten Sieges über Napoleon auf „Frankreichs heiliger Erde" lag so weniger auf militärischem als auf moralischem Gebiet, Dem geschlagenen Kaiser begegneten nun die eigenen Untertanen mit eisiger Kälte und Haß, Blücher aber hielt nun Napoleon sür vernichtet: „Ter große Schlag ist geschehen," jubelte er: „gestern habe ich dcrr Kaiser Napoleon auls .Haupt geschlagen. Wir dürfen einem baldigen Frieden cntgegen- sehcn, denn er kann uns nicht mehr die Stirn bieten," In diesem Freudenrausch, der ihn den Sieg stark überschätzen ließ, lvar er glücklich, das; in dem Kriegsrat arn 2 . Februar die schon oft erwogene Trennung der beiden Armeen endgültig beschlossen lvurde. Verpslcgnngsschwierigkciten, die ja tatsächlich irr dem ausgcsogencn Land bei der furchtbaren Witterung bestanden, boten den Vorwand. In Wirklichkeit rvollte Schivarzenberg den lästigen Dränger und Ruhestörer los rverden; Blücher aber begann nun energisch den Bormarsch auf Paris, In völlige Sicherheit gewiegt, marschierten die einzelnen Korps der etroa 50 000 Mann starken Armee, von einander getrennt, ohne rechte Verbindung und schlecht mit Nach- richten versehen; vor den Toren der Hauptstadt Frankreichs erwartete man den ersten großen Widerstand, Ta fuhr mitten unter diese zerstreuten Truppen rvie ein Blitz aus heiterm Himmel — Napoleon, Nach dem Schlage von La Rochiere hatte der Kaiser selbst einen Augenblick an seinem Stern gezweiselt, Damals gab er seinem Abgesandten Caulaincourt, der ihrl ber dem am 3, Februar erössneten Kongreß von C l> ü t i l l o n vertrat, die Vollmacht, Frieder! um jeden Preis zrr schließen. Aber als sich der Gesandte am 9, Februar die definitive llnterlchrist dafür holen wollte, fand er den Kaiser ganz anderen Sinnes, fieberhaft angespannt, über Karten gebeugt. Sein Genie hatte ihm noch einmal einen Ausweg gezeigt, und es sollte sich so glänzend bewähren wie nur in den höchsten Ruhmestagcn seiner Jugend, „Jetzt nichts von Friede!" stieß er schroff hervor; „jetzt handelt's sich um ganz andere Dinge Ich bin soeben dabei, Blücher zu schlagen," Dem Worte folgt die Tat auf dem Fuße.
Napoleon hatte zunächst mit seiner geschwächten Armee nicht an einen Angriff auf das schlesische Heer denken können; er wollte nur Paris sichern und sich zu diesem Zweck mit Macdonald vev- einigcn. Da erkannte sein scharfes Feldherrnauge die durch die Zersplitterung des Feindes so günstige Lage, und mit unerreichter Schnelle, Klarheit und Energie wußte er allen Nutzen daraus zu ziehen. In meisterhaften Eilmärschen warf er sich nacheinander auf die einzelnen Korps, vernichtete zuerst am k0, Februar bei C h a m p a u b e r t das kleine russische Korps Olsrrwicss, besiegte daun anr l l, bei Montmirail Sacken und schlug am 12, den zu Hilfe kommenden Borck bei Chäteau Thierry, Blücher, der das Furchtbare nun ahnte und ungeduldig auf einen Angrisf wartete, trat anr 13, Februar von Vauchamps aus den Marsch nach Etoges an, um Sacken und Borck zu entsetzen. Es kam auf diesem weiten Weg zu ungeheuer blutigen Kämpfen mit Napoleons Garden, die die Preußen immer mehr znrückdrängte». Aber vor dem Schicksal des völligen Aufgeriebcnrverdens bewahrte die Truppen ihre eiserne Tiszivlin und Tapferkeit, die selbst der mit Lob karge englische Begleiter Blüchers Hudson Lowe mit höchster Bewunderung anerkannte. Doch hatte die schlesische Armee gegen 15 000 Mann verloren, befand sich in einem Zustand tiefster Erschöpfung und ivar von Paris wieder so weit entfernt wie nach La Rochiere, Tie Schuld an dieser gewaltigen Niederlage ist 'nur zum kleineren Teil in Blüchers Ueberschätzung seines Sieges, in dem falschen Gefühl der Sicherheit zu suchen, das durch Schwarzenbergs Schlaffheit noch verstärkt worden war; eher schon in dem Mangel an Aufklärung urrd sodann in einer Kette unglücklicher Umstände, die die an und sür sich berechtigten .Handlungen der Unterführer in Mißgriffe verkehrten. Vor allem aber darf man den Grund in der unwiderstehlichen, auch die größten Hindernisse überwindenden Macht des Genies erblicken, durch die Napoleon noch einmal ein viel bewundertes und stets chewunde-


