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sellschaft der Freunde der Deutschen Bücherei" zusamniengeschivsien haben. Dies« Gesellschaft, deren Protektorat Se. Majestät Stönig Friedrich August wit Sachsen zu übernehmen geruht hat, bezweckt, die Aufgaben der deutschen Bücherei nach jeder Richtung und in der wirksamsten Weise zu fördern und alle die Kreise, die an dem grüßen Kultunoerk der Deutschen Bücherei lebendigen Anteil nehmen, in engster Fühlung miteinander zu halten.
Möge es der Deutschen Bücherei des Börsenvereins der Deutsche» Buchhändler vergönnt sein, die hochgespannten Hoffnungen zu erfüllen, die an ihre Begründung geknüpft sind, und sich damit des Vertrauens und der hochherzigen Förderung wert zu erzeigen, die ihr von allen Seiten entgcgeugebracht worden sind. Tann ist der Dank der Nation und der Nachwelt sicher den hohen Behörden, Körperschaften und Privatpersonen, die sie ins Leben gerufen habender Königlich Sächsischen Staaisregierung >mi> ihren Vertretern bei den vorbereitenden Verhandlungen, den Herren Exzellenz Dr. Roscher und Geheimen Rat Tr. Schmoltz, der Süäffischen Stnnde-- verjammlung, der Stodtgemeindc Leipzig und insbesondere ihrem Oberhaupt, Herrn Oberbürgermeister Tr. Tittrich, dem Börseiu- verein der Deutschen Buchhändler und dem deutschen Verleger- Verein und vor allem seinen Mtgliedcrn Albert Brockhaus, Dr. Erich Ehlermann, Arthur Meiner uich Geheimen Hofrat Karl Diegismund. _
persönlicher vom «lustigen Fürsten von Albanien.
Als .Lohengrin" soll Carme» Sy!va, Rumäniens Königin, die Tonte des künftigen Herrschers von Albanien, den Prinzen von Wied bezeichnet bade», nicht nnr wegen senicr glänzend weiüen lliuform der Potsdamer Gard:-d»-Cc»pS und seines Aeutzcre» überhaupt, sondern auch n>egen seiner geistigen Eigenschaften, besonders wegen seines Mutes, Ter Prinz Wilhelm von Wied hat bekanntlich eine geivaltige, breite Reckengeftalt und veriügt über erhebliche Koeperkrast F. W. Wile, der Berliner Mitarbeiter der .Daily Mail', der sich aelegentlich der bevorstehenden Thronbesteigung de; Prinzen mit ihur beschäftigt, erzählt, daß der Prinz als junger Leutnant den besonderen Sport getrieben habe, einen seiner Kameraden mit einen, geitreckten Arm in die Luit zu hebe«. Anscheinend hat Wile Gelegenheit gehabt, den Prinzen aus nächster Nähe wiederholt zu beobachten und so ist er imstande, allerhand interessante Züge von ihm, aus seinem Leben, so vie von seiner Gattin mitznteilen. Im Geipräch inerkt man denr Prinzen zwei hervorstechende geistige Eigenschaften an: Intelligenz und Willenskraft. Er inacht wenig Worte, trifft aber immer den Nagel a»i den Kopf. Er ist zivciielloS cm Mann der Tal. Sei» ganzer Körperba» verrät gewaltige »rast und das Gesicht zeigt, daß er Entschlossenheit init kühler Uevorlegung vereint.
Aus der Zeit, wo der Prinz von Wied in Jena studierte, weih Wile zu erzähle», daß er sich von leinen Sludiengenoffe» ab- schloh und nicht ,vie diese beim Bier sah oder aus Plensnren anspaukte, solider» viel lieber las, Ter ielsenieste Grundsatz, vorwärts zu kouiiiieii, den er als Student zeigte, beherrscht« ihn auch in seiner militärischen Lanibahli. 3(13 er zur Kriegsakademie kam, meinten viele, er müffe er wegeli seiner Verbindungen in den höchsten Kreisen — der Prmz von Wied ist mit deln dcntlcde», den, russischen, denr »iederiändischen Herrscherhaus« und allen drei skandinavische» Herrscherhäusern verivandt — weil biingen. Wile erzählt null, daß die, die ihn näher kannien, der Ansicht ivaren, der Prinz von Wied hätte ebenso anl ein ciumcher Meier, Müller oder Schulz« sein kölinel, »nd halte es^ doch ebenso iveit gebracht.
Don dein einmal gelabten Entschlüsse, nact) Albanien zu geben und als deffen Herrscher aus dein jungen Staate etivas z» machen, hat ihi, nieniand abbriiigen keinen imb es soll nicht an Stiinnien au« seiner nächste» Umgebiiiig ne'ehli haben, die seinen Eiillchlnh als allzu kühnes Wagnis bezeichnet habcii. Tie Gattin des künftigen Fürsten von Albanien, Priiizelsin Sophie, geborciie Schönbnrg-Waldenbiirg, ftainiMt ninllerlicherleils aus dem Hanse Conlaknzeno ui,d hat ihre ganze Jiigenü i» Rumänien verbracht. Ihre Erziehung war iür eine künftige Fürstin ein ivenig ungeivöh»- lich, denn sie ist ähnlich >vie ein einiaches Banernkind in öcit Hügel» der Moldau aiisgewachsen und hatte dort Umgang mit den eliiiachsten Leute» an? dem Volke: Förster und Gntsbeamte ivareii z. B. bei Festlichkeiten ihre Tänzer! Tie Prinzessin von W,ed soll jedoch, ivnS den Jürktentliron von Albanien angrht, den iclieiiie :en Eiiljchlntz ihres Galleii teilen und Wile bernchict über ihren Charakter, da» sie zu beu Frauen gehört, dir das, was sic sich vorgcsetzt baben, auch unbedingt ansführeli.
vermischte».
* Die Sleiiereinschätzn» g nach d«i» Bier matz. Wer beltte dnulps brütend über seiner Steuereinschätzung sitzt unb nai INI «chiveiffe seines AngestchtS selbst iiiiiiier lisch «nie höher« kt»>e lieranSrechneii mub.^der möac mit Wehmut jener vergangene» Zkileii gedenken, da das Ltenerwelen noch nicht «i» uiirei'ouli 1 ;l Ungeheuer war, dem gegenüber Iür den Humor kein Raum bleibt, sondern jeder warteii kouiile, bis der Stenereiimehiiier bei ihm vorsprach und von ihm die Abgabe verlaiigte, Tabci Ivar iiianch
wunderliche und kurios« Berordiuing getroffen, »nd besonders ivard aus die Schiielligkett des Gebens Wert gelegt »och dem Sprichwort «Tappelt gibt, iver schnell gibt'. Ja, wer sich erst langsam zu der immerhin peinlichen Leistung entichloß, der konnlc ivohl gar schon dadurch i» eine höhere Stufe kommen. Ties ist ivenigiienS der Sin» einer eigenartigen Bestiininnng, die Karl von Weber an» den Allen des Dresdener Staatsarchivs ans Licht gezogen hat. Die Dörier an der schmaleii Gera, einem Arnr der Gera, muhten den Markqra e» zu Pleitze» eine Abgabe «iitcr dem Namen .Weltgeld" entrichten, die kol ienderinatze» «inbezogen wurde : Der Vogt von Gotba begab sich nämlich zu Psingstcii icoen JahreS zu den Bauern, iiin die Steuer z» erhebeii, »iid dabei ist in der Perordiumg be- stiniinl: .Jeglicher Power, der 1 vstuck dal, gebt 1 Piennig in sulcher iveile, i ist einer mocht vor 2 Piennig Bir anbtrinken, und welcher Pawr den Piennig nicht liilcher iveile gibt, der »ruh dal verdühcii mit 3 Pfund.' Wer also beini Erscl>einen des VoatS seinen Pieiiiiig nicht bereit hatte oder ihn wiiiignens zur Stelle schaffen koiiiile innerhalb der Zeit, di« der Vogt - den» dies ivar »der eine' — braut le uni ftür 2 Pfennig Bier anszulrnikcn. ninhte ein« iehr bedeutende Straie e>legen. Sollte also die Steuer wirklich rentabel werden — und das wurde sie erst durch die Geldftraien — io muhte bei der Besetzung der Stell« emeS BogtS zu Gotha vor allein daraus gesehen werden, dah er sich eines — zumindest »m die Psingstzeil eintretenden — bejondrre» Surfte» und iner sehr weite» Kehle erireuen. Denn die Beranlagmia zu der Stenec- eihöbuna eriol te ganz von selbst durch die Geivalt und Schnelltz- keit seines Trunkes.
* Wa« amerikanische Studenten auSgebin. Die Frage, ob in der nenen Jnaend an gewiffc» amerikanischen Nnioersttälen der Hanq zum Lux»» nicht gBährltctie Fortschritt« gemacht hat, wird durch «nie Gerichtsverhandlung, die kürzlich tn Chicago ftattiand, ivieder in Fluh gebracht, und hat in der amerikanischen Preffe bereits lebhafte Erörteruiigen hernorgernft». B»i jenen, Prozesse ergab es sich, daß der junqe Mr. Henry Field, der Enkelloh» Marshall FieldS, »es reichsten Ärostkaustnannes von Chicago, als Student in Englaiid, und zwar an der Universität von Cambridge, lährlich rund 40 000 Mk. ausgibt. Plan veraletcht mit dieser stattlichen Lum'ne, die ein junger Student tm Jahre kür sich auSgibt, die Kosten der studentischen Erziehung in Amerika. Nach den angestellten Erhebungen gibt der jung« Eollege-Sludent in Amerika einschltehlich seines gesamten Lebensunterhaltes an den billigeren Colleges jährlich 1800 — 2000 Mark au», und an den lenernen und vornehmsten Colleges beläuft sich die Summe, die das Collegjahr eriordert, au> 2400—3800 Pik. In den ineisten Anstalten ivird lehr strena darauk gesehen, dah die Zöglinge keinen Aukwand lreibe». Dr. Strnker von, vanrilton-College erklärt bet» lpielswcise, daß er jeden Colleae-Schüler, der inehr als 2800 Mk. in, Jahr« ausgibt, von der Anstalt auSweilen würde. Ter Enkel Piervont Morgans, der junge Juntn« Morgan, der an Harvard- College studiert, gibt jährlich, Wohnmig »nd Unterricht einqefckiioffen, rund 0000 Alk. aus. In dtcier §»,„»>« siguriere>, die Beiträge sür die KlnbS mit I 00 Mk., die Ausgabe» iür Theater und Over mit 300, bic Ausgaben Wir Blumen i»il »0 > und da» Kleiduug»- budget »,,t 1200 Mark. Damit ist der College-Etat de« jung«» Morgan eiiva ani der gleichen ööbe wie der ienier »leisten Kameraden von Harvard, wobei allerdings ktnzugenigl wird, dah.viele Sllideiiten, die eigene Automobile hallen, mehr auSgeben.' Im allgenieinen iverben College-Schüler und Snidente», die größeren gelelllchaitlichen Ehrgeiz zeigen, an de» amerikanischen Universitäten und Colleges sehr über die Achsel angesehen, und dainit erklärt e« sich auch, daß die Amerikaner iür ihre Söhi,e in immer steigendem Maste ihren heimische» Hochschule» den Vorzug vor den älteren englischen Universität«, gebe», aii denen inebeiondere d,e Sohn« wohlhabender Ellern in Geiahr geraten, einen Luxn» „nd einen Auiivand z» treiben, die in Amerika bei der J»ge,>d air schädlich angeseh«, iverden.
* In der Ahnengalerte. Der leutselige Aristokrat zeigt einem Manne ans dem Volk die lange Bildcrreihe, in de, seine Borsahren im Zeitkostüm dargesteilt sind: „Das, Vater Jean, sind meine Ahnen!" — „Nce, aber auch," sagt der lopf« schüttelnd, „ich hatte nie gedacht, daß des Herrn Grasen Vorfahren solche Schlingel gewesen wären, daß sie sich alle im Maskenkostüm porträtieren ließen."
Rätsel.
Eine Festnng ist'» am Rhein. Schreib' ein kleines ,i" darein: Nim cutslcht ein Raubqesell: Ueberall schätzt inan sei» Fell. Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummert Zeige bei trübseliger Zeit dich tapler Und von mierschütlertein Mutz doch lern a»ch, Scknvcllt ei» allzu günstiger Wind dein Segel,
Klüglill, es enizteh'n I Horaz.
Redaktion: K. Neurath. RotationSdnick und Verlag der Brühl'ichen UniversilülS-Bnch- und Steindrnckerei, R. Lange. Gießen.


