Ausgabe 
28.1.1914
 
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entzückendes Weib Erwin tväre hingerissen diese Figur

allein--ah lupus in fabula," und mit jugendlicher Le,ch°

tigkeit eilte er auf ttzabriele zu, die soeben im Rahmen der Tnr sichtbar wurde.

Wieso?" fragte diese lächelnd.

Nun ich mußte von meinem Dohne endlose Lob­preisungen geduldig anhören," erwiderte er, galant ihre Hand an seine Lippen führend.

Tie ärmster, bedauernswertester aller Schwiegerväter," laichte sie und hing sich an seinen Arm ^kokett sah sie zu ihm empor.Schade, wäre ich an Ihrer Stelle gewesen! Wolf verwöhnt mich gar nicht! Bist du jetzt gar nicht eifersüchtig?"

Liebste Ella, ich kann nicht schmeicheln! Eifersüchtig, Lieb, ans Papa? Nein! Im Gegenteil, ich freue mich, daß du mit ihm so gut harmonierst! Ah, das neue Kleid?"

Gefalle ich dir darin, Schatz?" Und kokett drehte sie sich vor den beiden Herren.

Superbe! einzig! herrlich!" rief der Freiherr exaltiert aus,ach, nur zwanzig Jahre jünger dann hätte jener alte Brummbär diese holde Göttin sicher nicht bekommen."

Wissen Sie das so genau, lieber Papa? Wenn nun aber diese Göttin sich ans jenen alten Brummbär kapriziert und keinen anderen gewollt hätte?" Und sie lachte, daß die festen, weißen Zähne blitzten. Dann neigte sie sich zu Wolf:Tu sagst gar nichts, mein Schatz? Gefalle ich dir nicht?"

Sein Blick hastete auf dem kostbaren blauen Seiden­kleide, das mit schwarzem Flitter überzogen war. Die weißen Arme und der prachtvoll modellierte Hals und Nacken waren nur von dem duftige» Gewebe bedeckt, daß ihre verführe­rische Weiße doppelt hervortrat dazu das helle blonde

? )aar und die srische Gesichtsfarbe sein Vater hatte wirk- ich recht Gabriele >var ein schönes Weib, das es ver­

stand, seine körperlichen Vorzüge durch die Kleidung glän­zend hervorzuheben, und durch solches Raffinement des An­zuges Ivollte Gabriele ihn an sich fesseln und halten> wollte sie seine Liebe und Leidenschaft wecken.

Tn gefällst mir immer, Liebste selbst wenn du im einfachsten Kleide vor mir stündest," erwiderte er auf ihre Frage. Und dabei sah er wieder Mary vor sich in ihrem weißen gestickten Batistkleide und in ihrer rührenden Angst,

daß es sich! gar so leicht drückt und unansehnlich wird---

während hier ein Kleid, das Hunderte kostete, achtlos ver- tragen wurde!

- Kinder, wo steckt ihr nur und Sie, Papa Baron? Ich suchte Sie schon im Garten! Nun kommt aber, Fräulein von Lassen wartet schon mit dem Kaffee. Donnerwetter, Gabriele" sagte der Bankier, ins Zimmer tretend.

Ja, Papa vorhin gekommen; ich wollte mich Euch zeigen!"

Nicht wahr, sie siebt gut aus?" fragte der Bankier seinen neuen Freund, und bekam begeisterte Lobpreisungen zur Antwort. Wolf bot seiner Braut den Arm, und sie

begaben sich nach dem Garten.--

---ist es wirklich Ihr letztes Wort, Papa Baron "

sagte Herr Ulrich,daß Sie morgen abreisen wollen?"

In der Tat," entgegnete der Angeredete,eine wich­tige Angelegenheit" dabei warf er einen hilfesuchenden Blick auf den Sohn dieser merkte ivohl, daß der Vatev gern bleiben wollte, nahm aber gar keine Notiz davon, sondern sagte ruhig:

Auch ich habe schon mein Möglichstes versucht, Papa zu halten. Er will aber durchaus nicht bleiben; morgen vormittag schon wollte er fahren."

Des Alten Faust ballte sich in der Tasche. Was wagte der Junge? Ihm Vorschriften machen, sogar wegen des Zuges? Lächerlich anmaßend! Er zwang aber seinen Unmut herunter und sagte:Allerdings muß ich fahren! Ich möchte Ihre Gastfreundschaft und die meines Sohnes nicht länger in Anspruch nehmen! Jedoch gebe ich die Versicherung, daß ich sehr bald wiederlommen werde! Ein paar Stunden hoffe ich morgen doch noch zugeben zu können; ich werde dann erst am Nachmittag fahren!"

Wolf saß wie aus Kohlen. Schämte sich denn sein Vater gar nicht, von diesem Manne Gastfreundschaft anzunehmen, der doch genau wußte, welches Verbrechens er sich schuldig gemacht hatte? C, wie hatte er sich verändert! Das war sein stolzer, edeldenkender Vater, dem nichts Niedriges, Ge­meines nahen durfte, nicht mehr! So halte jenes Weib, das er der edel», vornehmen Frau, der Mutter seiner Kinder, zur Nachfolgerin gegeben, auf ihn einzuwirken und ihn

zu ihrem Standpunkt herunlerzuziehen gewußt! Ja, di« Frauen vermögen viel aus de» Männern zu machen alles! Ziemlich ernst und still ivar Wolf, was seltsam gegen die Fröhlichkeit der anderen abstach.

Spät in der Nacht erst trennte man sich.

8 .

Entbehren sollst du, sollst entbehren!

Das ist der ewige Gesang,

Ter jedem an die Ohren klingt,

Den unser ganzes Leben lang

lins heiser jede Stunde singt." Goethe./

Nachdem Wolf am anderen Tage ohne tveitere AuS- spräche, die er absichtlich vermied, den Vater nach dev Bahn, sowie die Braut nach Hause geleitet hatte, ging er nach seiner Wohnung, um zu arbeiten. Es gelang ihm nicht; er hatte keine Stimmung dazu; er warf die Feder weg, legte sich auf den Diwan und hing seinen Gedanken! nach. Das Leben war ihm zur Qual geworden; diese fort­gesetzte Lüge ging über seine Kräfte. Wie ividerstrebte e$ seinem rechtlich denkenden Sinn, Zärtlichkeiten zu heucheln und Liebesworte zu sagen, von denen sein Herz nichts wußte! Ja, wenn es die andere gewesen wäre! Tie ander« wie heiß es ihm lvurde, lvenn er au sie dachte! WaS übte dieses Mädchen noch für eine Macht über ihn aus! Er mußte sie sehen! Er sprang auf und nahm ihre Photo-« araphie ans dem Schreibtisch, sich in die Betrachtung des holden Gesichts versenkend. Achtlos stieß er dabei das Bild seiner Braut um, die ihn aus dem eleganten Rahmen so siegesbewußt und triumphierend anlächelte, gleich als wolle sie sagenmein bist du doch; ich lasse dich nicht, machch was du willst!" Er bedeckte Marys Bild mit Küssen. mein Liebling mein Süßes warum hast du so falsch an mir gehandelt?" Er kam nicht los von ihr; zu fest hatte ihr Zauber ihn verstrickt.>

Der Bursche trat ein.Herr Leutnant, ein Brief."

Gut, legen Sie ihn hin," lautete Wolfs gleichgültige Erwiderung.

Als der Bursche hinaus tvar, griff Wolf hastig nach dem Schreiben und erkannte sofort Marys Handschrift. Wie Feuer bramite der Brief in seiner Hand was wollte sie noch? sich etwa entschuldigen oder ihren Drenbrnch beschönige»? Er konnte sich nicht entschließen, ihn gleich zu öffnen; es war ihm, als ob er eine Entscheidung über Leben und Tod ent­hielt. Ta klopste es; schnell schob Wolf Brief und Bild unter ein Buch, das auf dem Schreibtisch lag, und stand auf, den Eintrelenden zu begrüßen.

Grüß Gott, da bin ich ivieder," sagte Strachwitz, denn dieser war es, es ließ mir keine Ruhe, Mölschen,t soeben wird mir brühwann von Brenner mit so recht sauer­süßer Miene von Ihrer Verlobung gesagt. Ich weiß aber noch nicht recht, ob ich Ihnen dazu gratulieren soll! Lassen Sie sich doch mal aiischauen aber Mensch, wie sehen Sie aus? Strengt das Verlobtseiu so ap? Ich danke!" Dabei drehte er den Freund nach dem Fenster, ihn aufmerksam be­trachtend.

Lassen Sie doch, Strachwitz; setzen Sie sich und er­zählen von der Hochzeit, die Sie mitgemacht haben," enkx gegnete Wolf,sicher aut amüsiert!"

Großartig, doch davon nachher! Habe auch eine eigen­tümliche Begegnung gehabt! ---A propos, weichen St«

mir nicht aus wie ist das so schnell gekommeir Ihre Verlobung? Bin recht neugierig."

(Forlsexung wlgt.s

Die Deutsche Dücherei in Leipzig.

Von Tr. Gustav Wahl, Direktor der Deutschen Bücherei. '

Später als anderen ÄnlMrnationcn wird dein deutschen Volke,, dem die Welt die Erfindung der Buchdruckerkunst dankt, eine Zcn- tralsaminelstelle stlr das nationale Schrifttum zuteil. Damit wird aber nicht neben den bestehenden älteren Bibliotheken mit ihren die Gesamtbeit der nationalen Literatur bis zur Gegenwart umfasscn- den Bücherbeständen eine neue gleicher Richtung geschaffen Die Teutslbe Bück/erei des Börsenvereins-der Deutschen Buchhändler za Leipzig, zu der im Oktober 1813 in Gegenivarl des Königs von Sachsen der Grundstein gelegt worden ist, sammelt nicht, wie jene, mit Auswahl, sondern vollständig; sie setzt als Beginn für ihre Sammeltätigkeit den l. Januar 1813 fest, während tene sotvrit auf die Stiere Literatur zurückgreisen, als es die Mittel gestalten und der Wert der Bücher verlangt; sie stellt ihre Bestände endlich nur in ihrem eigenen Hause zur Benutzung bereit, als erste P läsen z- biblioihek großen Stils in Deutschland. Durch Generationen hin-