Ein Frühlingstraum.
Roman von Fr. Lehne.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
..Wolf," schreckte ihn die Stimme seiner Braut daraus, „Wolf, du hörst ja gar nicht zu — du bist ivieder zerstreut ~ und erst bittest du mich darum!" Er blickte auf und wieder sah er in threu Augen jenes Flimmern, das auf nichts Gutes deutete. „An was oder vielmehr an iven denkst du eigent-, slich? Das möchte ich gerne wissen! Wolf! Du hast mich nicht lieb!"
Er sah sie an mit einem verlorenen Blick, der gleich-! säm an ihr vorüberglitt in eine unbekannte Welt; dann trat er auf sie zu und preßte sie an sich, daß ihtc der Atem verging „Was tust du, Wolf? Laß mich!" wehrte sie —> es war ihr aber nicht ernst damit! ihr Mund sprach eS wohl *— doch sonst hielt sie ihn fest umschlossen. Er küßte sie heiß auf die roten Lippen und flüsterte ihr ins Ohr:
„So Brust an Brust, so ganz mein eigen,
So halt ich dich, geliebtes Bild!"
Wonnetrunken lag sie an seiner Brust und erwiderte seine Liebkosungen ebenso stürmisch wie er sie gab. Da war eS, als ob er seine Besinnung wieder bekam — eir blickte' wie suchend, wie aus einem Traum erwachend, um sich, und als sein Auge auf das Gesicht feiner Braut siel, die an seinem halse hing, da ließ er sie plötzlich mit cineni Gei fühl de» Widerwillens los. Wie hatte er sich Hinreißen las-, sen in dem Gedanken, daß es die andere war!
„Man kommt ivohl?" flüsterte Ella. Schnell trat sie vor den Spiegel, ihr Haar zu ordnen; lächelnd schaute sie in das Glas, zu ihrem Verlobten hin, „wie kann man so ungestüm sein — du Böser — sieh nur, wie du mich zugerichtet hast!"
Er trat zu ihr, ihre Hand küssend. ^Verzeih', es soll nicht wieder Vorkommen!"
Sie sah ihn verdutzt an, dann lachte sic hell auf „o, du dummer, lieber Mann! Gerade das —" stürmisch warf sie sich wieder unr seinen Hals „o, du, ivie lieb ich dich — und du sollst mich auch so lieben i hörst du? Tic paar Minuten, die uns vergönnt iverden, will ich auch genießen, Wolf."
Ein Geräusch iin Nebenzimmer schreckte sie auf. „Wieder die Lassen."
Fräulein von Lassen- schlug die Portiere zurück „Ich möchte die Herrschaften zum Kaffee bitten. Es ist im Garten alles bereit! — Uebrigens, Fräulein Gabriele, ist vorhin die Sendung gekommen! Ich habe sofort ausgepackt — es ist sehr schön ausgefallen."
„Ah. endlich," sagte Ella, „bist bii böse, Schatz, wenn tch dich einen Augenblick allein lasse?"
„Wo willst du hin, Ella?" fragte er gleichgültig.
„O, das verrate ich nicht — eine Ueberraschung! Oder soll ich es dir sagen? — Papa hat mir ein neues Meid geschenkt — ich sollte es heut morgen schon haben, und da hat mich die dumme Person, die Schneiderin, im Stich gelassen. Es ist nur ein leichtes Sonunerkleid; ich hatte aber gar nichts niehr anzuzieheu."
„Aber, Lieb, du siehst so gut in dem weißen Kleide aus; du gefällst inir darin!"
„Es ist aber so warn, — das andere ist viel leichter! Ich bin neugierig, ivie ich dir darin gefallen werde. Gleich bin ich wieder hier." Sie warf ihin eine Kußhand zu und huschte eilig hinaus. Ein befreiender Atemzug hob seine Brust — endlich ivar er inal einen Augenblick allein! Wie ihm dieses Beisammensein mit der Braut zur Qual wurde! Sie wollte beachtet, mit Liebkosungen überschüttet sein —t und ihren Eifersnchtsanwandlungen mußte er Zärtlichkeiten entgegensetzen, von denen sein Herz nichts wußte, damit ihr Verdacht eiugeschlüfcrt wurde.
„--Allein, mein Junge? Es scheint, die Braut ver-
wohnt dich nicht allzusehr — und ich glaubte, euch verliebtes Paar in einem Schäferstündchen zu stören," tönte des Vaters lachende Stinime in sein Ohr. Er war augenscheinlich in bester Laune. Das Gesicht von reichlich genossenem Weine gerötet — eine hochfeine Importe im Munde — fürwahr, Papa Baron, wie er hier genannt ivurde, ivar in seinem besten Fahrwasser. Kalt beobachtete ihn Wolf — ivar dieser Mann derselbe, zu dem er in wahrhaft begeisterter Liebe emporgeblickt, der ihm als Urbild der Vornehmheit erschienen war? Nein, er hatte sich verändert, es war etwas Lautes, Lärmendes an ihm, das gar nicht im Einklang mit seinen: früheren Wesen stand.
„Gabriele kommt gleich wieder," erwiderte Wolf kurz auf jene Bemerkung.
„Junge, sieh doch nicht so ernst und traurig aus -n erade, als ob ein Leichenbegängnis wäre — und du kannst ir doch in jeder Hinsicht gratulieren."
„Papa, ich bitte dich um eins, höre auf mit derartigen Reden — das kann ich nicht vertragen; es macht mich nervös!" sagte Wolf mit bebender Stimme. Dein Vater sah gar nicht ein, ivas er ihm für ein ungeheures Opfer gebracht — er schien gar noch zu glauben, der Sohn müsse ihm dankbar sein, daß er ihm zu diesem „Glück" verholfen; und ein unsäglich bitteres Gefühl bemächtigte sich seiner — was war ihm all der Prunk und Reichtum, wenn Herz und Gefühl dabei zu kurz kamen?
Seelenvergnügt ging sein Vater im Zimmer herum, die kostbare Einrichtung musternd, „Alles sehr stilvoll, sehr vornehm, muß ich sagen — der Flügel allein repräsentiert ein kleines Vermögen, sieh nur die herrliche eingelegte Ar» beit — wirklich vornehm, wenn auch hin und ivieder der Parvenü zum Vorschein kommt," kritisierte er, „aber das tut nichts — sonst angenehme Leute, sehr angenehm — was nicht angeboren ist, kann ja auch nie gelernt werden! Und deine Braut — sei doch nicht gar so gleichgültig — i>'t ein


