Ein Frühlingstraum.

Roman von Fr. Lehne.

(Nachdruck verboten.) lFortselmng.)

Ich halte es für besser," wandte sich Wolf an den Ban­kier,wenn ich selbst meinem Vater von dem günstigen Aus­gang meiner Werbung Mitteilung mache."

£>, du willst intet) schon wieder verlassen," schmollte GabrieleBleibe doch!"

LiebeZ Herz, ich bin meinem Vater doch ctloaS Rück-, sichst schuldig gib mir für eine halbe Stunde Urlaltb, ja? Ich bleibe dafür ven ganzen Tag hier!"

Wen» es nicht anders sein kann, füge ich mich," sagte sie, sich zärtlich an ihn schmiegend. Er drückte einen leisen Kuß auf ihre Stirn und verabschiedete sich. Rach einer knappen Stlmdc tvar er mit seinem Bater wieder da. Ga­briele kam ihm jubelnd entgegengefloae».Gut, daß du wic- drr da bist! Wie lang ist mir die Zelt geworden! Ah, und dein Papa!" Mit unnachahmlich liebenswürdiger Ge­berde streckte sie diesem die weiße ringgeschmückte Hand ent­gegen. die er galant an seine Lippen führte.Mein liebes Schwiegertöchterchen," sagte er lächelnd,wie ich mich freue über diesen günstigen Zufall, der eS mir vergönnt, Sie per­sönlich zu begrüßen! Mir kam die Verlobung so plötzlich; Wolf hat mir nie etwas davon mitgeteilt, daß sein Herz gefangen ist! Fürwahr, aber sehr begreiflich!" Und intt bezeichnendem Blick küßte er von neuem ihre Hand, die er noch iinmer in der seinen hielt.

Du weißt, Papa, daß man von dem am wenigsten spricht, das einen innerlich o,n nieisten beschästigt," meinte Wolf rubig. Ein schneller Blick seiner Braut stretste ihn; lvaS wollte er wohl damit sagen? Sie kam aber nicht zum Nachdenken, da der Freiherr eine Unterhaltung einleitete, die sie vollständig in Anspruch nahm Der Srhtviegerpapa gefiel ihr außerordentlich; er sah so sein und vornehm aus; er lvar so liebenswürdig und verbindlich, daß er im Sturm ihr Herz »nd das ihres Valers gewann. Schade, daß Wolf nicht auch so war der saß so kalt und steif da nun, das lvollte sie ihm schon abgewöhnen! Fräulein von Lassen, die Hausdame, >var nur noch bei dem intimen Frühstück zugegen. Sie lvar eine außerordentlich vornehme Ersehet-, nung, zu der Mols sich sympathisch hingezogen fühlte. Bon GabrtelrS launenhastem Wesen hatte sie manches zu er­tragen, was sie aber mit vornehmer Ruhe und Gelassen-' heit hinnahm, wenn es auch schinerzte. Wolf saß zicin- lich still da; er hatte einen etwas schlvülsttgen Toast seines Vaters und einen sehr rührseligen des Schwiegervaters über sich ergehen lassen eine unheimliche Leere fühlte er in sieh; ihm ivar es, als schaue a>ls dem Grund seines Glases ein süßes, blondes Gesicht mit traurigen Augen Vorwurfs-» voll zu ihnt-empor. Konnte er denn das unnütze Grübelst nicht lassen, da es doch keinen Zweck hatte! Langsam strich

er mit der schmalen Hand an der seit kaum einer Stunde! der breite Verlobungsring blitzte, über die Sttnr. Seine Braut beobachtete ihn schweigend; schließlich fragte sie etwa» verletzt:

Woran denkst du, Wolf?" O, sie wußte genau, >00 seine Gedanken weilten, und ihre Hände krampfteil die Serviette zusammen.

Warum willst du das wissen, kleine Neugierige?" gab er mit schwachem Versuch zum Scherzen zuriick.

Du sagst es mir doch, ja? Du warst in Gedanken ver­tieft, ich sah >es du vernachlässigst mich doch nicht etwa? Wolf, Wolf, das bi» ich nicht gewohnt!" Ans dem leichten, scherzenden Ton, in denr das gesagt wurde, klang doch eine gewisse Schärfe, die ihm keineswegs entging. Er mußte sich zusammennehmen koste cs, ivas es wolle das Wetb, das er liebte, war ihm ja untreu nun wohl, hier saß auch eins, das schön und begehrenswert war, und vor allem 1 dem er verpflichtet war, und das ebenfalls Anspruch auf Liebe und Zärtlichkeit hatte. Etlvas lote Mitleid kam doch über ihn, wenn er daran dachte, wie seine Braut ihn liebte, wie sie ihn, cntgegenkain und er konnte ihr nicht? dafür geben! Da gelobte er sich, daß er sich beherrschen und mit den Umständen rechnen wollte.

Run, Wolf, du antwortest mir gar nicht? Darf ich deine Gedanken nicht wissen?" fragte Ella noch einmal.

Und wenn ich cs dir jetzt nicht sagen will?"

Doch dann nachher?"

Nachher, wenn lvir allein sind, mein Mädchen!" sagte er leise, ihr in die Augen sehend. Sie sprachst« so viel von der Macht und dcni Zauber seiner Augen dann wollte er das jetzt geltbnd machen und sein Blick versehltc auch die Wirkung nicht. Errötend schlug Gabriele die Augen nieder r er war also daruin so still, weil er sich nach einem Allein­sein mit ihr sehnte gerade wie sie! Sie faßte nach! seiner Hand, die er einen Augenblick festbielt und zärtlich drückte.

Gabriele ivars einen Blick auf die beiden alten Herren, die i» lebhafter Unterhaltung begriffen waren, lind Fräu­lein von Lassen saß sti.l und gedankenvoll da, das Braut­paar unauffällig beobachtend. Sie sah das Begehrliche in Gabriele? Augen und das Gezlvnngene in Woiss Benehmen und batte ihre eigenen Gedanken über diese Verlobung-

Endlich war das Mahl zu Ende: die Herrschaften er­hoben sich, tind die bei«'» Väter wollten sich ins Rauchs zimmer zurückziehen.Mein Junge, ich gratuliere dir," sagte der Freiherr leise z» seinem Sohne, als sic einen Augenblick beieinander standen,deine Braut ist ein schönes Weib und schiver reich dil hast ein berteufelles Glück! Was wird da Erwin sagen?"

Meinst du, Papa?" entgegncte Wolf kalt,gestatte, daß ich nicht gar so begeistert bvli dem Handel bin!"

Du bist nicht recht gescheit Der Freiherr kam aber nicht weiter, da Wolf sich weggewandt und seiner Braut