S2
Nein, sie lieb sie nicht mcvr los, den Johannes nicht und den Buben necht. Sie suhlte plötzlich eine Krait in sich, daß ihr vor nichts mehr bangte. Und wenn sic hätte müssen ans ihre» alten Knien hinrutschen und mit den Nägeln die Erde ausgrabcn, in der ihr Seliger schlics, in die rauben Ohren wollte sic ihm schreien: „Pater, Vater! Hörst denn nicht, Vater!"
Und aus einmal war cs der Resi. als hörte sie neben sich, unter dem gcstreijtcn Federbett hervor, den Alten in den weißen Bart
brummen: „Schon recht! Schon recht--"
Ta preßte sic den Bries vom Rudi an ihr Herz und stammelte unter Lachen und Weinen:
„Siehst'du, Valerl, siehst du, — jetzt Hab ich euch wieder bet-- einander — dich und den Rudi....."--
von nro ganattichen Zürftenehen.
Prinz Aage von Dänemark ist, wie gemeldet wird, dem Zuge seines Herzens gejolgt und hat sich mit der Gräfin Mathilde Calvi vermählt. Seine jetzige Frau war zurzeit, da Graf Giorgio Calvi dt Bergolo italienischer Gesandter am Kvpcnhagener Hose ivar, in der Gesellschaft von Kopenhagen als „Komtesse Meta", wie sic in ihrer Familie genannt wurde, sehr besannt und beliebt. Komteß Meta ivar eine eitrige Freundin dcS Sports, und wahrscheinlich ist der Tennisplatz das Feld g wesen, an, dem die Liebe zwilchen ihr und dem Vetter des gegenwärtigen Königs von Dänemark erblüht ist. Als die Gräsin Calvi nach Kopenhagen kam. bediente sie sieb mit Vorliebe der deut.chcn Sprache, die sie gut beherrschte, da ihr Vater zuvor Legationssekretär in Berlin tzcwcscu war. Später bat sic aber in Kopenhagen auch das Dänische sich vollkommen zu eigen gemacht, und es war bekannt, daß sie sich in der dänischen danptiCot sehr wohl suhlte. Ihr Gemahl, Prinz Aage, der Sobn des Prinzen Waldemar, ist letzt Jahr alt, ein schlanker, eleganter Offizier, der in Kopenhagen «große Beliebtheit genießt. Er bat jene schlichte Bürgerlichkeit und Natürlichkeit, die schon seit langem sür das ganze dänische Königshaus charakteristisch ifi. Prinz Aage ist im Stabe seines Großonkels, des Königs Konstantin von Griechenland gewe'en. hat den griechisch bulgarischen Krieg mi«->emacht und tob t auch Gelegenheit gesunden, an verschied-nen größeren Gechtei tr lz-mehmen Dir morganatischen Ehen sind üdri.cns im dänischen Königshanse nicht gar selten. Schon König Christian IV., den das beliebte und be- rühsnte dänische Volkslied „König Christian fand am hohe» Mast" verherrlicht, bat sich nach dem Tode seiner ersten Gemahlin mit der Tochter eines dänischen Edelmannes. Christine Munk, oer-- heiratet, und sehr bekannt ist ja die morganati ch: Ehe, die Friedrich VII., der letzte d«r alten dänischen Königslinie, mit seines Gräsin Danner eingegangcn ist. Eine Munk spielt übrigens noch einmal in den Annalen morganatischer Ehesch ießung in skandinavischen Fürstenhäusern eine Rolle. Mit Fräulein Ebba Munk, dem Abkömmling einer guten alten schwedischen Familie, bat sich Prinz Oskar, der Bruder des gegenwärtigen Königs von Schloeden, verehelicht, indem er zugleich den Titel eines Prinzen Bernadottc annahm.
Morganatische Ehen, d. ü. also nach dem hohen F-Ürstci,rechte nicht voll ebenbürtige Ehe» sind ja wohl als Ausnahmen zu bezeichnen, immerhin ist ihre Zahl so groß, daß es heute nicht ein einziges regierendes ldaus gibt, dessen Genealogie nicht aus mor» zianaiische Eheschließung zurückznsühren wäre. Stammt doch das russische Zarenhans in le"tcr 8i«r von •■r lettischen Baucrnmagd ab Dies ist jene .Kat arina Skawronskij, di" Peter der Große im Jahre 1703 im Hanse des Fürsten . tichikost als Gefangene sah und, von ihrer Schönheit gescssrlt, mit sich führte. Sie ward zuerst durch gcbeiine Trauung, dann aber nach ihrem bcldcnhasten Betragen im Tjirkenkrie-e des Jahres 1711 össem- lich die Gemahlin des Zaren und Kaiserin von Rußland Nach seincin Tode bat sic bekanntlich als die Selbsthcrrich-rin aller Reußen den Thron bestiegen. Trotz dic'es höchst morganatischen Ursprunges ist aber gerade die russisch« Kaiscrsamilie gegen alle uiorgnitatische» Ebcschließunoen äußerst 'reng Es sei da nur ans den Liebesroman des Großfürsten MiEa-l Michaelowitich hin- gewiesen. Er verliebte sich in eine rir'sische Gräfin: als er sich aber dem Zaren eröiinete. verweigerte ihm die'er schroff seine Zustimmung „nd schickte ihn in die Verbannung an die Riviera. Das hieß ihn aber wirklich von der Scvlka in, di: Charnbdis iveric». denn dort lernte der Gtroßbstrst die Gräsin Sovhie von» Merenberg kennen, die eine neue Liebcsslamme in seinem Herzen entzündete. Diesmal schlug er aber einen anderen Weg ein. indem er sich mit der Gräfin heimlich trauen li ß Der Zar war außer sich, und as dauerte Jahre, che er dem Großfürsten verzieh: auch wurde seine Frau. d>ie den Tital einer Guäsin Torbtz erhielt, ossiziell nie bei Hose empfangen.
Allerlei Romanzen von morganatischen Eh schlicßunge» w>ntz die Geschichte von den spanischen Bourbonen zu erzähle». Tie Jnsantin Joscvhine von Spanien, eine Großtante des Königs Alsous. verliebte sich in_ einen Dichter und Zeitungsschreiber. Sie wohnte mit ihrer Schwägerin, der Königin Jsabella im königlichen Patastc zu Madrid, aber eines Abends verließ sie ihn in aller Heimlichkeit unter dem Schutze des Dunkels und sloh mit ihrem Geliebten nach Vallodolid, wo sie die Ehe cliiging. Hieraus
nahm das jnngc Paar seinen Weg nach Paris. Alle Versuche der
Königin Jsabella, die Ehe rückgängig zu machen, scheiterten, und so wurde das Paar schließlich wieder in Gnaden in Madrid auf- gcnomme», natürlich, ohne die Hosfähigk it wiederzugewiniieiz.
Eine andere Großtante des Königs Alsons, Prinzeß Jsabella, ließ sich von dem polnischen Grasen Gnrowski entführen, indenr sie ans ibrem Hanse in England mittels einer Strickleiter entwich und zu dem im Wagen ihrer harrenden Grasen stieß Dieses Paar cntsloh nach England, doch tvard die Ehe unglücklich. Ucbrigens ist auch die Ehe des Königs Alsons selbst vom Standpunkte der Ebenbürtigkeit nicht ganz zwciselsohne. Königin Ena nämlich ist die Enkelin eintr Ehe ztur linken Hand, der Ehe des 1888 gestorbenen Prinzen Alexander von Hessen mit der Tochter des firafen Moritz von Hanke. die später den Titel einer Gräsin von Battenberg erhielt und l8.'>8 gefürstet wurde. Ihr Sohn heiratete dann eine Schwester des Königs Eduard, die Prinzessin Beatrix, Noch heute gelten die Battenbergcr nach deutschem Fürstenrcchte nicht als ebenbürtig, und König Eduard hat mit Rücksicht hierauf seine Nichte bei ihrer Verheiratung mit dem Könige von Spanien eigens in den Rang einer königlichen Prinzessin von Großbritannien und Irland erhoben. Die englische KönigS- s a m i l i c selbst geht wieder aus eine morganatische Eheschließung zurück, denn König G-orq II war der Sohn des Hemogs Georg Wilhelm von Broun chwng und einer Franzö'in namens Eleonora d'Esmier, deren Mutter den Namen Pouiiart führte. Bei den engen verwandtsckastlichen Beziehungen, in die das englische Hans der Welsen zu den meisten europäischen Fnr^ensnmilien getreten ist. sind Nachkommen dieser Dame Eleonora ans eine große Zahl europäischer Königsthrone gekommen. Ucbrigens sind ja nicht standesgemäße Ellen im rngliscklen Königsbanke bis in die jüngste Zeit hineiit geschlossen worden: so bat Prinzeß Luise, Tochter der Königin Viktoria den Herzog von Argvll. und die älteste Tochter des Königs Eduard den Herzog von Fiie geheiratet. Die gegeir- loärtigc Köni-in von England, bekanntlich eine Prinzessin Teck, ist selbst die Tochter des Sohnes eines württembergischcn Prinzen aus morganatischer Ehe.
Ganz besonders reich an morganatischen Ehen ist bekanntlich die Geschichte des hnbsbnrgischen Hauses — schon seit >>er berühmten romantischen Ebe des Erzherzogs Ferdinand mit P'k- livmne WeEer. Gerast« unter den xnorganatischen Fürsten-lien trifft man viele glückliche. So lmt der Herzog Georg von Meiningen es nie zu ber-nen gehabt, daß er Fräulein Ellen Franz, Mitglied keines Hosihrat-rs. die Hand znm ewigen Bunde n-rricht bat und «ts stgsst'che morganatische Este ist die des Alten Dcssauers mit der Avotbekerstochtgr Anna Lnike Föhke. der ..Annaliese" wobl» bekannt und auch literarisch mehr als einmal behandelt worden.
— „Aber, aber. He"- Kavellm-ister . Der MnFk'r!'sk-r eines graben Londoner Btgltes crrästK kein-n L-ke-n eine l',v'ge kleine Anekd-l-, die istm ein in en-onäisch-a Konze-tkäsen beute sehr be-ab-nter G-tger die'er Dgge erzählte imd die noch a->s iener 'n-K Fastre rn-ück^'e--nst-n Zei» stammt. dg der h"-'tire V'rtnoso Mitglied eines h-tangeen Orche^r-4 war Es tra' sich das im Ln K st er e-oes-nä^igen K-nzechc als Gast ein b-konnter Kopll- n-er"ee s -p-H r'e, der z > st'-s-m Kon-er'e g-w-nncn wir di- Nr- o -stübroin^ ,oi"ee tt'”r Sk Kgnje z-, k-iten B-i ein-r der selten za 1 ns- ^rr Dr-io-nt s'str ge-nzl oh nicht einer st-r Hot,, bl'-'er eine be'chnmst- Pa"oge f-Trr sgtsch gedroht hot'c Tie Stelle n-'-st nn-derbott: i,nst nnest-r stonst der Kov-K-neister ab. do der 5 st-s»r-t^e,^ w-'-den sgtsch bläst. B-i-n d-'"en Abklopfen loendet sich der lch"tdino zgezter venlegkii >lnd st-ogcho-ast Dirigenten lind sgat entschuld'o,nd: „Asten, «tier, H-rr Koveslmei'-er, es tn» mir s" k-id, i-b m»ist es asten jch stoste d!-ke Stesse niemals richtio svielen sännen sei'st""' ich li- -—n eeven d"gl in der RaA-tnr des ..Tristan" sah" Das Sönoers Höstichtes' v»rstielct es die An'n>aet des gen'en "I »itie--n. ast°r er klopste an d>»t-r Stelle nie mehr ah »nt> ließ die Holzbläser blaken wie sie wollten, , . ,
v'kdeer'lkel
(Auslösung in der nächsteir Nummer.)
Auslösung k»S ir »>j oorigcr Nummer; Eier. Bier.
Redaktion: st. Neurath. — stiototionsdnick und Vertag der Vrüt'l'ichen llmverstläts-Buch- und Steuidruckeret, R. Lauge, Gieße«.


