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so IN flcflt’ii de» »Nieren gebräunte» Teil desselben abstach, und die grossen, dunklen Augen lrugen einen so bitterernsten Ausdruck, der gar »ich: in Einklang mit seinem Vorhaben stand, sich ein Weib zu holen j<v m.l.m es die andere hätte sein können!
„Wird es Dir denn gar so schwer, Wolf?" sragte ihn kein Vattr leise, der ihm seine Gedanken von dem traurigen Gesicht ablas, „ist jenes Mädchen wenigstens hübsch?"
„O ja, sehr hübsch — und sehr elegant! Dn wirst sie ja selbst sehen! --- Ich werde dort sagen, dass Dn hier bist, und dann werden wir wahrscheinlich gleich heute Verlobung seien«, allerdings nur im engsten Familienkreise,"
Wolf sprach so eintönig und gleichmütig, als ob ihn das alles nichts anginge: seine Stimme aber klang belegt und heiser, als ob jedes Wort ihn» Schmerz verursachte,
„Meinst Tu, Wolf? 'Aber das gehr unmöglich! Ich habe ja nicht einmal eine» Gescllschaftsanzug mit!"
„Das ist allerdings sehr schlimm," sagte Wolf mit bitterer Ironie, „da wird dir also irwhl nichts anderes übrig bleiben, als so, wie dn bist, zu klommen." Dabei glitt sein Blick prüfend ail dem Vater nieder, dessen elegante, vornehme Gestalt mit einem tadellosen, streng nach der „Last soshion" gearbeiteten Anzug bekleidet ivar, „Präscntabci bist, tni auch so! Fürwahr, Gabriele Ulrich kann stolz nus ihren Scltiviegervaker sei»!" Das klang so eigenliimlich aus Wolfs Munde, das; der andere nicht wußte, ob es Ernst oder Scherz war, und er es daher vorzog, lieber keine Erläuterungen zu verlangen,
„Ich möchte jetzt gehen: lebe ivohl so lange, Papa," Wolf hielt ihm die Hand hi», in die sein Vater kräftig einschlug,
„Möge es dir ziun Glück auslause»," sagte er leise mit bebender Stimme: seine bewegliche Natur ivar leicht zu rühren, Dan» suhlte er auch Gewissensbisse, daß der Sohn durch ihn zu einem Ehebunde getrieben wurde, von dein das Herz nichts wußte!
Wolf holle lies Atem; seine Gestalt straffte sich, und festen schrilles ging er hinaus. Draußen bürstete ihn der Bursche nochmals ab. Gar zu gern hätte er gewußt, wv sein Leutnant eigentlich hinwollte; sonst >var er doch imncer so freundlich und nicht so furchtbar ernst wie seit gestern, Wolf las ihm jenen Wunsch vom Gesichte ab,
„Damit Sic es wisse», Wilhelm ich hole mir heule eine Braut!" sagte er. Ruhig Toitutc er schon vorher davoic sprechen — denn einen Korb bekam er nicht!
, „11 je, Herr Leutnant, das freit mich aber! Doch gewiß
«ns hübsche Freilein, das drinne ns'» Schreibtisch steht? Ta gratuliere ich! Die is zu hübsch!"
„Tummes Zeug!" cntgegnete Wolf, „Das Fräulein steht nicht ans dem Schreibtisch — es ist überhaupt kein richtiges Fräulein, nur ein Phantasiebild! — So. 's ist gut!" —
Pfiffig lack he der Bursche hinter ihm her, „Keen rich kiges Freilcin? Na, wer's gloobt! ?l» wen hat er denn sonst de Villen Briese jeschrieben »nd von wem jekriegt? Dann konnte das Bild doch ooch ruhig steh'n bleiben! Das kennen m'r! Ra, mich soll's ejal sinn! Er wird sich nu jewiß 'ne> «echt reiche nehmen - brauchen können wir's ja — ob die aber so hibsch is, wie die Kl eene da driun?" Er zuckte diel Achseln und psiss zum S:ieselputzc» den Gassenhauer: „Mein Herz, das ist ein Bienenhaus —"
„Ach, lieber Wölfsbueg," ries Bankier lltrich Wals entgegen, al-s ihm dieser gemeldet wurde. „Nun, so feierlich?" ft«rgtc er, als Wolf i» förmlicher Haltung vor ihm stehen blieb,
„Fa, Herr Ulrich," entgeaenete dieser ernst, „ich nehme Bezug ans unsere gestrige Unterredung und habe die Ehre, Ece um die Hand Ihres Fräulein Tochter zu bitte»! Sic werden sie mir hoffentlich nicht versage». n»d mein Be streben soll eS sein, Fräulein •« Ariele glücklich z» machen."
Eine Röte stieg ln des . «,i - r* Gesicht bei diesen eis kalt gesprochenen Worten: am liebsten hätte er dein hochmütigen Offizier gezeigt, daß - aber hatte er sich nicht selbst die Hände gebunden? Deshalb erwiderte er ln gemesse • nein Ton:
„Davon bin ich überzeugt; ihr Antrag ist mir eine Ehre; es fragt sich aber, wie meine Tochter darüber denkt: jis hak mir niemals eine Andeutung geniacht,"
Bei diesen Worten blivte es in Wolfs Auge» an>, dann sagte er rnhig:
„Sie Föiimni nur ihr Fr» nt ei» Tmtzter milirg ander, trauen; vielleicht lernt sie midi doch lieben!---Was meine
Vermögens»«', hättiiisse anbeirisfl, so sind dieselben vvllstän» dig geregelt. Ich besitze ei» kleines Bermöge» von 10« )00 Mark, — Schulden habe ich nicht — und Verpflichtungen ebenfalls nicht — nach keiner Seite Ist» — cs ist alles erledigt!"
„Aber warum sagen Sie mir das alles, lieber Wolfs-, bürg." entgegnetc ihn; der Bankier, „ich kenne Sie ganz genau und weiß, daß niei» sind nirgends besser aufgehoben, sein wird, als bei Ihnen! Nun Ivill ich meiner Tochter von Ihrem Hiersein sagen und —'
„Bitte noch einen Augenblick, Herr Ulrich! Mein Vater ist mir ganz überraschend gekommen: er ist aus der Durch, reise nach M ; trotzdem habe ich ihn allein gelassen, dannt er bei günstigem Bescheid Ihres Fräulein Tochter meino Braut gleich kennen lernt!"
„Ah, das ist ja charmant, ganz charmant! Wie mich das freut! Ihr Herr Vater ist ivohl selten hier? Wenigstens erinnere ich mich nicht —"
„Ganz offen, Herr Ulrich," unterbrach ihn Wolf, „mir waren uns durch äußere Umstände ganz fremd geworden; aber zum Glück sind jetzt die Mißverständnisse beseitigt! —i Jedoch erzähle ich Ihne» das ein andermal: jetzt möchte ich vor allen Dingen die Antwort Ihres Fräulein Tochter hören; Fräulein Gabriele —" er stockte; beinahe hätte er gesagt „Fräulein Gabriele wartet ja schon," Wie ihm alles zu, Ivider ivar; lveire doch nur erst die Kvmödic vorbell
Ella trat ei», gefolgt vv» ihrem Vater, Eie trug ein weißes, englisches Tuchtirid, das die üppigen Forme» e»g umschloß und ihre volle Gestalt im günstigste» Lichte zeigte. Sie stellte sich sehr überrascht »ob schüchtern und schmiegte sich an ihren Vater: dieser s,rgte:
„Also Gabrietes "Antwort wünschen Sie zu hören? Hier ist sie!" Dabei führte er die Tochter dem Mauve, der »m sic geworben, zu,
„Ach, tausend Dank!" Wolf führte ihre Hand an seine Lippen,
„Na, Zinder, nun geniert Euch nicht »nd gebt Euch den Berlobungsiuß," meinte Herr Ulrich lächelnd, Gabriela hielt den Kopf gesenkt; jedoch äts Mols sich ihr näherte, schlug sic die Augen auf, und heraus brach ein Strahl so sen«>eiid und slimniernd, wie er ihn noch nie bei einem Weibe cti blickt. Er drückte seine Lippen aus ihren üppigen Mund und ihm ivar, als wolle sie sich an ihm sestsangen, so heiß gab scc ihm den Kuß zurück, Wolf war sehr rot gelvorden; ec mußie an Marg denken. Ihn, war, als halle er einen Treu» druck, an ihr begangen — und doch ginge» sie sich ja nichts mehr an! Aber er hatte ein würgendes Gefühl i» der Kehle und einen Abscheu, jenen begehrliche» roten Mund zu küsse»,, der sich ihm gar jo willig bot. — -
„Nun, was denken Eie, lieber Wolssburg ivlr lassen Ihren Vater holen und nehmen dann so ganz entre »vus ein kleines Frühstück ei», — Sie haben doch Zeit?" meinte: da der Bankier,
„Aber natürlich! für den ganzen Tag habe ich mir Urlaub genommen!"
„d, das ist lieb von Ihnen," ries Ella, ihn zärtlich aiisehend.
„Aber Gabriele, hast dn als meine Braut kein andc» Wort für mich?"
„ES ist mir so überraschend - ich muß mich erst dareil, finden," sagte sie leise, Wols erlvidertc nichts darauf. Er kannte ja das Mädchen ganz genau; er wußte, dal: diesa Verschämtheit nur Koketterie, wohlbcrecbnete Koketten« wa» — er dnrckgchaule sie ,»r zu genau! Uno doch mnßlc er den zärtlichen Brüutignin spielen, so wenig ihm auch danach« zu Mute war,
iForlsevung Irlgt)
Sin wn'lker.
Stizze von Elotilde Bretiavcr lBerlin).
Mit gemlieten Händen lehnte die verbuzelle kleine Gestalt cm dem iveiße» Kachelofen und ltarrte vor si«ch bi», Tic ai:d«'rn> Ware» schwa längst vom Begrädaio zarnk, und sie Hand noch immer an der gleiche» «stelle. Als oi sie, in den Boden hinein- wachsen wollte: immer Keiner und kleiner wurde sie, »ad veo- huzelter.
Was sollte sic auch üt««r der Erbe, dr. tziesi, »hur den Io» bauues? Oit genug Hane sie darum gebetet, bah der Hengoli ihnen die einzige Gnade erweise und sic mileiinmd m sich nehme in sein Hmnnelreich.
Tie Marie, die an den Lotterie Ein».hmer verheiratet war» trat an> die Mutter zu mb sagte sie mitleidig deitp Arm: „stonun.


