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Nein Erwin deutete mir au, daß dich etwaid Schweres zu mir führt! Ich konnte mir nicht erklären, was bis mir heule nachmittag in einem hiesige» Bankhaute ein Wechsel mit meiner Unterschrift überreicht wurde, fällig ain 30, b. 3K. also morgen!"

Der andere wandte sich ab; er konnte dem Sohn nicht ins Auge schauen, der aber fuhr fort:Ich erkannte jene Unterschrift nach der ersten Bestürzung als von mir her­rührend an, da mir ähnle genug"

Und die fällige Summe-?" fragte der Freiherr mit fast erloschener Stimme,

Habe ich nicht!" sagte Wolf, Sein Vater sah erschreckt auf,Nicht? Aber was wird nun? O ist kein Ausweg?" kam es tonlos von dessen Lippen,

Beruhige dich, Papa! Die Sache ist trotzdem geregelt! Mit Geld, auch wenn ich es gehabt hätte, wäre es doch nicht gegangen. Der Bankier ahnt, weiß alles er kennt mich und mein solides Leben auch zu genau na, kurzum, wir einigten uns dahin, daß ich morgen Schwiegersohn des Herrn Ulrich werde so heißt der Bankier und jenes Papier verschwindet!"

Ach," wie im Aufatmen aus tiefster Not klang es von den Lippen des Freiherr»,und deine Braut wird jenes Mädchen dort?" dabei deutete er nach Marys Bild.

Nein," kam es rauh von Wolss Lippen,

Nicht?" fragte sein Vater erstaunt,Wer ist denn jenes schöne Weib?"

Nur eine kleine Putzmacherin, Frage inich nicht, Papa!" kam es gequält aus seinem Mund, Wie war ihm elend zu Mute!

Ach, ich verstehe, kleine Liaison begreife dich vollkommen, mein Sohn solche vollkommene Schönheit findet man selten"

Nein, mehr als Liaison" sagte Wolf hart,

Wieso, Wolf? Du ivirst doch nicht daran gedacht haben, einer Putzmacherin unseren Namen zu geben?" fragte sein Vater befremdet,als Verhältnis verstehe ich

Warum nicht, wenn ich jenes Mädchen liebe?" gab Wolf kalt zurück,sie hätte unsere», Namen keine Unehre gemacht, so schön und klug, wie sic ist!"

Der alle Herr wandte sich beschämt ab,O Wols, es ist hart, das zu hören! Und nun, niein Sohn, lasse dir danken für deinen Edelmut! Fürwahr, ich habe es nicht um dich verdient, daß du feurige Kohlen auf mein Haupt sam­melst! Doch wenn ich dir sage, was mich zu jenem Schritt getrieben hat, wirst du mich vielleicht doch begreifen und entschuldige»! Der Verzweiflung nahe"

Papa, wir wollen nicht mehr darüber reden; ich ivill nichts wissen lasse die Sache ruhen, zu ändern ist nichts mehr daran," wehrte Wols ab,ich schlage vor, schlafen zu gehen; morgen ist für mich ei» anstrengender Tag! Du schläfst in meinem Bett; hoffentlich findest du Nuhc darin ich habe mich nicht verwöhnt, schlafe nur aus Roßhaar unter ganz leichter Decke; Federn sind in meinem Feldbett verpönt sonst! Aber meine Wirtin hat mir für dich Federbetten ge­liehen; ich weiß ja, daß du gerade in dieser Beziehung An­sprüche erhebst also angenehme Ruhe"

wo willst du schlafen?"

Hab' keine Sorge auf dem Divan."

Mols machte Licht im Schlafzimmer und »ahm schnell ein Bild von dem Nachttisch vor seinem Bette weg, was sein Vater wohl bemerkte,

So, Papa, nun schlafe gn Gute Nacht!"

Gute Nacht, mein Sohn!" Der alte Wolfsburg schloß ihn in seine Arme, und ei» gewaltsam unterdrücktes Schluch­zen erschütterte seinen Körper,Tu Guter, Edler wie habe ich dich verkannt - kannst du mir verzeihen? Was habe ich gelitten," murmelte er mit erstickter Stimme,

Laß gut sein, Papa wir wollen nicht mehr davon sprechen," entgegnete Wolf.

Noch eine Jrage, mein Junge - hast du das Mädchen sehr gern, dessen Bild ich bei dir sah? Sic muß sehr süß sein!"

Mehr als mein Leben" wollte er sage»; aber er be­zwang sich, und mit einem schwachen Versuch zum Lächeln meinte er:Muß man sie nicht lieb haben? Im großen und ganzen sind mir aber die Frauen sehr gleichgültig ich habe keine Lust am Weibe so sagt ja ivohl Hamlet! Schlafe aber endlich, Papa! Gute Nacht!"

Wols machte sich sein Lager aus dein Divan zurecht; er versuchte alle Gedanken zu bannen und sofort zu scblafen; aber es ging nicht, Zuviel war heute aus ihn eingestürmt;

zum erstenmal fühlte er, daß er Nerven hatte. Der Nach­mittag bei Ulrich, der Abend ans dem Friedhof und die große Enttäuschung, zuletzt die Unterredung mit dem Vater! Er hatte es ihm so leicht ivie möglich gemacht; er war ihiul zuvorgekommen und hatte ihm die beschämende Beichte er­spart, iveil er ihn, so über die Maßen leid tat aber eine gewisse Bitterkeit.erfüllte ihn doch, mochte er noch so dagegen ankämpfen und er mußte sich fast dazu zwingen, herzlich zu sein! Sein Vater schien sich gar nicht weiter Gedanken um die Regelung jener Sache gemacht zu haben aber das sah ihm ähnlich viele schöne Worte und nichts dahinter? Und Mary an sie durfte er nicht denken, wcnir er nichü in heißem Weh laut ausschreien wollte! Vielleicht >var sic jetzt noch mit ihrem Liebhaber zusammen o, der Gedanke war nicht auszudenken nein, nein, es kann ja nicht sein! Warum ihm nur das alles, ihm, der schon so wenig vom Glück begünstigt war? Und dann morgen vor dem Tage graute ihm da wurde Gabriele seine Braut, und dann war alles vorbei! So jagten sich die Gedanken iit seinem Kopf, und erst in den Morgenstunden überkain ihn ein unruhiger Schlaf, aus dem er sehr wenig erquickt c» erwachte, Bon 6 bis 8 Uhr hatte er Dienst; leise machte er sich zurecht und ging dann nach der Kaserne, seiner Wirtin die Fürsorge für seinen Vater überlassend.

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Hält cs nimmer gedacht,

Daß ein Strom, so heiß.

Im Winter würd zu starrem Eis!

Daß ein Ringlein von Gold,

So den Finger schmückt,

Wie'n Mühlstein schwer Aus die Seele drückt!

Daß nach prangendem Tag So stürmisch die Nacht,

So krank das Herz!

Hätt's nie gedacht!

Als Wols gegen halb neun nach Haus kani, fand er den Vater am Frühstückstische seiner harrend,Guten Morgen, Papa! Gut geschläfert?"

Brillant, mein Junge! Und du?"

Tanke! Aber wie ich sehe, hast du noch nichts ges nossen!" (

Nein, ich habe auf dich gewartet. Deine Wirtin, ganz charmante Person übrigens, deine Wirtin sagte mir, daß du um diese Zeit wieder hier sein würdest, deshalb wartete ich, weil ich gern mit dir frühstücken ivollte! Hab' mich unter-, dessen ein ivenig bei dir umgesehen! Wohnst sehr hübsch!"

Meine Wirtin, Frau Tr, Rehseld, ist eine sein gebildete Tame, Papa," er legte aus das WortDame" einen merk, baren Nachdruck,sehr zurückhaltend, dabei gefällig, könnte mir keine hessere Wohnung wünschen,"

Vollkommen deiner Ansicht, mein Junge!"

Prüfend sah Wols den Vater an; das war derselbe Mann: nicht mehr, der gestern abend so gebrochen, so lMtlos ivar. Aber das kannte er ja schon an ihm und am Bruder; in schtvierigcn Lage» verzagt und hilflos wie ein Kind, sobald das überwunden ivar, wieder obenauf lustig und guter Diwge! Er, Wolf, mit seiner schwerfällige» alles so ernst nehmenden Natur paßte gar nicht zu diesem göttlichen Leicht« sinn. Dem Vater sah er heute morgen ivirklich keine see­lischen Kämpfe an er war noch immer der elegante, feine Weltmann, geschniegelt und gebügelt; er sah noch aenan so aus wie vor zehn Jahren und doch hatte er w),. so lieb gehabt, seinen schönen Papa! Er hatte auch etwas an sich, was alle Herzen ihm zufließen ließ.

(Fortsetzung Ic-lgt )

Dem Zeuertode entronnen.

Von Henri L ave da ».

Ist Herr Louis Berti» zu Hause?"

Als ich diese Frage im Bureau des Hotels da Palalinat (Rite Jacob 14) stellte, erhob die Tome, die in einem große» in Leder gebundenen Buck)c blätterte, den Kopf lebhaft vom Schreibtisch und legte ihre rundliche Hand ans den Busen, aus dem Brillanten, Saphire, Rubine blitzten und antwortete in sehr zärtlichem Tone:

Nein, mein Herr, er ist soeben ausgegangen."

Dabei sah sie mich mit sausten, langen Blicken an, aus denen übergroßes Wvhltvvllcn sprach, ein glückliches Lächeln schwebte aus ihren Lippen, und plötzlich merkte ich in ihrem merkwürdigen