Ausgabe 
21.1.1914
 
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Ein Frühlingstraum.

Äoinan von Fr. Lehne.

Machdruck verbotm.)

(Forlsedung.)

Tie verflossene Stunde ivar gerade nicht angenehm sür den alten Ulrich gewesen, und ein Schamgefühl überkam ihn bch d>»> Gedanken an die Rolür, die er vorhin zu spielen genötigt gewesen ivar. Durch das Oeffnen der Tür ivurde er in seinen Sinnen unterbrochen und unwillig blickte er aus; aber als er feine Tochter, denn diese war der Störenfried» erblickte, glitt ein Lächeln über sein Gesicht. Schmeichelnd legte Gabriele die Arme nur seinen Hals und dann schmiegte sie ihr Gesicht an seine Wange.

Nun, Papacheu, er ist fort? Was wolltest du von ihm? Erzähle inir!"

Kind, das langweilt dich >j es war geschäftlich!"

, Sie warf schmollend die Lippen auf.Was ihn betrisst, nicht! Sag' nur"

Es Hat wirklich mjichts auf sich! .Aber das, was er von mir wollte" '

Was den»? O, sag schnell, Papa"

Meine Neugierige! Wso, er hat mich um die Erlaub« nis gebeten, morgen zu koimnen und um deine Hand an-' zichalten." Er war doch bei diesen Worten etwas befangen und vermied, seiner Tochter ins -luge zu sehen.

Ah," ein tiefer Atemzug hob Gabrieles Brust,ah, also docb! Wie kam das, Papa, erzähle!" Sie behielt ihren Vater fest im Auge, da sie vorhin seine Unsicherheit gesehen. Sie wollte wissen, was er sagte er brauchte ja nicht zu ahnen, daß sie vorhin gehorcht und auch das meiste ver- verstanden hatte. O, das sollte ihr Wolf büßen, daß er sie uni jene Putzmacherin verschmähen wollte daß er von einem Handel gesprochen, der mit seiner Person getrieben wurde!

«,WaZ isst da viel zu sagen, Kind! Genug, daß es so ist! Mönche mir das .Herz nicht schwer!du tveißt ja doch, wie lieb du mir bist meine Einzige!" crividerte er lvchmütig.

Aber Papa, es ist doch einmal so, daß man die Eltern verlassen muß," rief sie übermütig,und loen» cs zu meinem Glücke ist?" i

Das wolle Gott, mein Kind! Das ist ja mein einziger Wunsch!" Er küßte sie gerührt auf die Stirn.

Sgg, Papa, wie hat er sich nur so schnell besonnen? Er hat wohl viel Schulden und nimmt mich daher nur des Geldes wegen,?" Ein lauernder Zug legte sich bei dieser Frage um ihre Lippen.

Wo denkst du hin Wolssburg und Schulden! Die Schulden eines Leutnants init dein Gelbe meine? Kindes und vielleicht auch mit dessen Glück bezahlen, das tue ich nicht!" sagte der Bankier aufstchend.Seine Zurückhaltung

hat darin ihren Grund, daß er nicht als Mitgift- oder Glück?« jäger gelten wollte das seine eigenen Worte!" iWirklich, Papa? O, wie bin ich glücklich!" Und jubelnd umfaßte sie ihn und lvirbelte mit ihm durch das Zimmer, bis er pustend und ächzend um Einhalt bat.> ,/O, Papachen, er ist doch so schön, nicht wahr? Sie werden mich alle um ihn beneiden ach» er ist so vornehm, sc« aristokratisch! Und die Wolfsburgs haben so vornehme Ber- wandte eine richtige Fürstin als Tante hat er! Ich glaube iäbcr, Geld haben sic acle nicht viel! Was werde ich nur für ein Bisiteiiklcid nehmen. Elegant und apart muß es sein was es kostet, ist doch gleich, nicht wahr, Herzens« Papa?"

*Ja, ja," lächelte dieser, mache, was du willst! Das überlegst du dir mit Fräulein von Lassen, ja? Und jetzt lass« mich allein, ich habe noch nötig zu arbeiten."

7 . ,

Sic hat mir Treu versprochen,

Gab mir cinu Ring dabei

Sie hat die Treu gebrochen,

DaS Ringlein sprang entzwei.

E i ch c n d o r f f.

Wie er nach Haus gekommen, wußte Wolf selbst nichts wie in einem Taumel war er gegangen. Er war hier vor eine Entscheidung gestellt, die für ihn aus beiden Seiten so oder so zum Unglück aussalleu niußte entweder auf sein ganzes Lebensglück, sein Märchen verzichten, dafür aber mit reinem Namen und in Glanz und Reichtum leben oder mit Mary vereint sein, aber Schimpf und Schande auf sich nehmen, oder gab es nicht doch noch ein Drittes, was allem ein Ende niachte ?

Dumpf brütend lag Wolf auf seinem Ruhebette. Dir Mütze hatte er ins Zimmer geschleudert, den Säbel auf den nächsten Stuhl geworfen alles war ihm jetzt gleich o nur Klarheit, Klarheit! Immer wieder las er den Brief des Bruders, nach der statlgehablen Unterredung war ja ein Zweifel darüber nicht mehr möglich, was sein Bater ihm angetan! Wie kam aber der Wechsel in Ulrichs Bch'itz? Daß'er gar nicht danach gefragt hatte! Dos war auch schließ­lich gleich, ob er es wußte! Wolf schlug sich mit der Hand vor die Stirn, warum hatte sein Vater das getan? Doch sicher uin jenes Weibes ivilleu, die ihm schon des Bakers Liebe gestohlen war das nicht genug: mußte sein Glück nun auch noch geopfert werden? Aber war das nötig? Konnte er das Berhgngkkis nicht seinen Lauf nehmen lassen? Warum sollte er das' Opfer sein? Mochte der Alte sür seinen Leicht­sinn büßen!D Pfui," ries er aus und sprang aus,nein, der Name Wolssburg muß rein erhalten bleiben, wenigstens vor der Welt - das war er sich und seinem Bruder schuldig! Das Geld Hütte er bekommen, sicher aber was hält«! es genützt? Sie wollte» ihn, ihn diese Gemeinheit! Und wie fein sie sei» sorgsani gehütetes Geheimnis ausspioniert hatten! Seine arme kleine Marp als sein Verhältnis be­trachtet. Tie Vorstellung, morgen schon als Bräutigam