Montag, den ly. Januar
Ein Frühlingstraum.
Roman von Fr. Lehne.
(Nachdruck verboten.) n.
(Fortsetzung.)
Was siel dem Mann ei», ihn, Wolf, zu maßregeln? Aber er mar doch zu sehr Edelmann, als daß er diel Tochter beim Vater verklagte. — Etwas hochmütig im Ton, eine Entgegnung aus jene Bemerkung umgehend, sagte er: „Sie wünschen meine Anlvesenheik, Herr Ulrich — darf ich fragen, weshalb?"
„Weshalb?" lautete die etlvas scharse Gegenfrage, „weshalb? können Sie sich das nicht denken? Oder ist Ihnen dies Papier hier unbekannt?" Dabei schloß der Bankier ein Fach seines Schreibtisches auf, dein er ein Blatt Papier entnahm, das die Form eines Wechsels hatte, - entfaltete es, und hielt es Wolf vor die Augen. „Nun, Herr Leutnant von Wols-sburg, Ihre Handschrift ist Ihnen doch bekannt — oder bezweifeln Sic etwa die Echtheit dieses! Namenszuges?"
„Fa, tausendmal ja," rief da Wolf ans: vor seinen Augen tanzten die Buchstaben, und nur mit Mühe sah er, daß der Wechsel am 30. Juni — das war schon morgen — fällig war. Und sein Namenszug darunter! Aeffte ihn denn ein Spuk? Die Gedanken wirbelten in seinem Kopf — was
war das? welcher Bube konnte g.nvagl haben---Wie
ein Blitz durchfuhr ihn da der Gedanke an Erwins Brief — sein Vater — sollte er — o nun ivar ihm alles klar! Wic- erstarrt saß er da, und wie aus weiter Ferne schlug des Bankiers etlvas eintönige Stimme an sein Ohr:
„Dacht' ich mir doch, daß Sie, Herr von Wolfsburg, ^unmöglich leichtsinnigerweise einen Wechsel über 25000 Mark ausstellen — Sie, ein Mnstermensch, der allen zum Vorbild dienen könnte, der nicht spielt, keinen noblen Passionen huldigt und nichts tut was ihm je Verlegenheit bereiten tüniile. Deshalb habe ich Sie schon vorher benach- richtigt, che der Versallstag eintritt! — Verzeihen Cie die Belästigung, da steckt eine Mchtswürdigkeit dahinter, die nicht streng genug geahndet werden kann! Ihren Namen zu mißbrauchen — —" dabei heftete Ulrich seine Augen in erbarmungsloser Schärfe auf Wolf, der aschfahl im Gesicht, in heftigstem Kampfe dasatz. O nur Zeit gewinnen, um das Entsetzliche zu fassen, daß der eigene Vater — denn so war es, lvie es mit unheinilick^er Klarheit vor ihm stand.
„Nein, lassen Sic," rang cs sich endlich von seinen Lippen, „ich gebe zu, daß ich, daß jenes Papier von min herrührt »nd werde es morgen —"
„Wirklich, Herr Leutnant? Sollten Sie gewillt sein, jene Fälschung — denn eine Fälschung ist es, wie Sie mir im erste» Augenblick durch Ihre gerechte Entrüstung verrieten — gutheißen zu wollen? Das müssen sehr wichtige Gründe sein —"
„Ich erkenne die Unterschrift als von mir herrllhrend an und werde morgen mittag das Papier einlösen," sagte Wolf mit fast erloschener Stimme.
„Glauben Sie, daß Ihnen das so leicht sein wird? Bedenken Sie auch, daß, wenn es Ihnen nicht möglich ist, das Geld zu schassen, ich den Wechsel mit der gefälschten Unterschrift nicht prolongieren loerde — auf keinen Fall! Die Folgen werden Sie ja wohl wissen, wenn das Papier Ihrem Regimentskommandeur vorgelegt wird."
Wols sah die Wahrheit dieser Worte ein und erkannte, daß der Mann da vor ihn, ihn vollständig in den Händen hatte, und er ivußte, daß derselbe auch dazu angetan war, diesen Vorteil voll auszunutzen. Eine dumpfe Mattigkeit und Schwere im Kopf nahmen ihm fast die Fähigkeit zu denken, und nur mechanisch nickte er, als der Bankier ihn fragte:
„Sie haben mich doch verstanden, Herr Leutnant?"
Da rückte Herr Ulrich seinen Stuhl etlvas näher zu ihm und begann in vertraulichem Tone:
„Ich meine es gut niit Ihne», Herr von Wolfsburg, hören Sie mich au! Dieses Papier hier erschütlert Ihre Stellung vollständig — nach den Gründen, c-s trotzdem als von Ihnen herrührcnd anzuerkennen, will ich nicht sorschen, obgleich es mir ein leichtes wäre!"
Wolf zuckte zusammen: doch der Bankier legte beschwichtigend die .Hand auf seinen Arm und fuhr dann sort: „Nein, wirtlich nicht! — Also, um niich kurz zu fassen — ich bin gewillt, die Sache auf sich beruhen zu lassen —" er machte eine kleine Pause und sah sein Gegenüber bedeutungsvoll an.
„Um welchen Preis aber, Herr Ulrich? Denn umsonst—" stieß Wols heiser hervor: ihm bangte vor dem, was ec hören sollte — eine Ahnung begann in ihin auszusteigen, eine schreckliche Ahnung — und er täuschte sich nicht. Etwas verlegen hiiftelnd, fuhr der Bankier sort:
„Herr von Wolfsburg, höre» Sie mich ruhig an — es ist nur zu Ihrem Vorteil — Sie wissen, ich habe eine Tochter, die viel begehrt ist! Aber am liebsten würde ich sia von alten ihren Bewerbern Ihnen anvertrauen, da Sie —"
„Herr Ulrich, dazu habe ich mich, nie gerechnet, wollte auch nicht im mindesten' dasür angesehen werden, da ich kein Glücks- und Mitgistjäger bin," rief Wols aufgeregt, wurde aber am Weiterreden durch die etwas eintönige Stimme seines Gegenüber unterbrochen.
„— Also am liebsten würde ich mein einziges Kind Ihnen anvertrauen, da ich Sie als einen durchaus ehrenwerten Mann kennen gelernt habe. Auch meine Tochter denkt so und ist Ihnen sehr geneigt, lvie ich weiß."
So, endlich war es heraus: unter Wolfs sorsch>endcm Blick ivar es doch nicht leicht gewesen, ihm diese Regelung! der Angelegenheit vorzuschlage». Der junge Offizier holte tief Atem — also das war es! Ihn wollte sie, ihn um jeden Preis — daher dieser seinaugcwgte Plan! Für ihn staud es fest, daß Gabriele »in die ganze'Wechselgeschichte wußte —-


