Ausgabe 
17.1.1914
 
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salch aus, durch welchen der Kanal in schnurgerader Linie hindurch- sührt. Tiefer versumpfte See ist durch eine Nehrung vom Mittel- mccr und den Ablagerungen des Nils getrennt. Hier und da bemerkt man grosse weiffc Flecken oder Streifen wie unregelmäßige Inseln. ES sind Scharen zahlloser Flamingos und Pelikane, die hier in dem flachen, aber sischrcichcn, größtenteils unbefahrbare» Schlammsec sich eines ungestörten Daseins erfreuen. Auf der asrr- kanischeu Seite, an welcher auch die Bahnlinie von Port Said und Kairo entlang läuft, hat die Kanalgescllschaft einen schmalen Streifen Baum- und Stranchwnchs angcpflanzt. Tiefer Bcgc- talionsstreiscn besteht in der Hauptsache aus Känguruhbäumcn, Oasnarina equisetii'olia aus Australien, unter deren Windschutz die afrikanische Tamariske (Damarix africana), vereinzelte Dattel­palmen und noch einige andere, immergriine Sträucher gedeihen. Wo die schlanke, im Tczcmber mit rosa Blutenständen geschmückte Tamariske den Kanal ivie Wcidengebüsch begleitet, bietet sie im Verein mit einem silbcrweist, sedcrbuschartig blühenden, manns­hohen Schilf lPhragmitcsf, das ebenfalls angepslanzt ist, ein an­mutiges Bild von freundlichem Grün inmitten der toten Einöde, auf deren stark salzhaltigem Boden sonst auch nicht ein Gläschen sproßt. Besonders freundlich umpflanzt sind die am Kanal in be­stimmten Abständen erbauten Stationshäufcr, Wohnungen euro­päischer Beamten. Tattelpalnicn, von Früchten ganz rot aus- jehcnde Pistazien, dicht mit breiten Schoten behangcnc Lcbcckbäuine, gclbblühcnde Akazien, in reichem Blütenschniuck stehende Eassien oder Ncgcrkasfeesträuchcr, meiste oder gelbe kanarische Margareten- blumcn und scharlachrot leuchtende Weihnachtsstcrne (koinsettia puledorima) sind die Hauptbestandteile dieser afrikanischen Garten- slora. Nach Sonnenuntergang erglüht die Wüste in gelbrotcn Farben, und wenn der Mond die Landschaft erhellt, glaubt nian sich in- initten einer Scknieelandschast zu befinden. Tie Nächte sind am Kanal cmpsindlich kühl (10" 6>. Regen soll äusterst selten sein, uur als wir anl 16. Dezember gegen Mittag Port Said ver- licsten, gost cs in Strömen und das über das Oberdeck slicstende Rcgenwasser half den Matrosen den Kohlenstaub sortspülen, wel- chcr sich beim Einnchmcn der Kohlen im Hasen angesammelt hatte.

Der in den Jahren 185969 von dem französischen In­genieur LessepZ von srauzösischcin Kapital und einem Kostcnanf- ioand von 380 Millionen Mark erbaute .Kanal ist ein Niveau- Kanal, ohne Schleusen. Er hat eine Länge von 138 Kilometern, eine Entfernung, welcher der von Giesten bis Weiuhcim a. d. B. ent­sprechen dürste. Die Fahrzeit dauert, da die Schisse, von einem Lotsen der Kanalgcsellschast gcsührt, nur ganz langsam fahren dürfen, cttva 16 bis 17 Stunden. Der Kilometer wird demnach in etwa 7V-Minuten zurückgclcgt. Es kommt jedoch vor, daß die Fahrzeit tvescntlich länger dauert, wenn nämlich entgegenkommen­den Schissen ausgcwichcn und das Schiss zu diesem Ziveck am User scstgemacht toerden must, oder n>enn der Kanal infolge eines llnsalles, der ein voraussahrendes Schiss betroffen hat, nicht passierbar ist. Dauert die Sperrung durch ein Schiff der Kanal­grund besteht zum Teil aus Kreidefelsen, zum Teil aus Muschelkalk zu lange, so wird, wenn andere Mittel, das Hindernis zu besei­tigen, nicht helfen, zur Sprengung mit Dynamit gcgrisseu. Unser Llotiddampfcr z. B. mustte mehr als 6 Stunden liegen bleiben, weil ein grostcr, mit der Vcrticsnng der Kanalsohle beschäftigter Damps- bagger gesunken war. Die Tiefe, an deren Erweiterung, wie er­wähnt, gegenwärtig gearbeitet tvird, beträgt zurzeit 11 Meter, die Breite des Fahrwassers an den schmälste» 45, an den Austveich- stellcn 75 Meter. Nachdecn vor zioei Jahren beide Uferböschungen durch Slampsbcton, der durch Muschclkalkstcine verblendet worden ist, hescstigt wurden, soll nun a^h, um den steigenden Anfvrd-e- rungcu des Verkehrs zu genügen, an die Verbreiterung des Fahr­wassers hcrangelreten tvcrden. Man sicht bereits einige zwanzig Damzisbagger beschäftigt, die das geschürfte Material, niit Wasser vermischt, zunächst zehn Meter hoch heben, uni es dann in einem weiten, 50 Meter langen Rohr an Land zu bcsördcru. Tiefe Sckilammassen sliestcn nach der Wüste zu ab und türmen sich zu einem bis fünf Meter bohen Damm. Doch nur nach der asia­tischen Seite zu erfolgt dieses Ablassen des salzhaltigen Schlammes, um die von Vegetation begrünte andere Seile nicht ihres Pslanzen- tmichscs zu berauben. Tiefer ist mit Mühe und Kosten ausgcbracht worden, damit er gegen den Wüstensand, welcher den Kanal ver­wehen würde, einen wirksamen Schutz gewähre.

Der Verkehr steigt von Jahr zu Jahr Er betrug im Jahr« 1870 486 Schisse mit 1 M(i 609 Tonnen,

1880 2026 3057 422

1890 3389 689 094

1900 3441 .. .. 9 738152

1910 4533 16 581 898

1912 5373 20 275120

Von diesen im Jahre 1912 den Kanal durchsahrencn Schissen waren ruchr als die .Hälfte englisch, nämlich 3335, deutsch waren 698, holländisch 343, österreichisch-ungarisch 248, französisch 221, italienisch 143, russisch 126, japanisch 63, dänisch 45. Tie übrigen 25 verteilen sich aus andere Staaten. Als Passagiere wurden 1912 im ganzen 266 403 Personen befördert. Tie Gebühr sür die Netto- Rcgistcrtonne beträgt 7 Franks, austerdem für jede» Passagier 10 Franks. Dieser Satz ist im Fahrpreis einbegrissen. Welche Beträge das bei grösteccn Schiffen ausmacht, mag man daraus

ersehen, dast ein einziger Llohddampser 45 000 Mark Kanalgeki» sür eine Durchsahrt zu zahlen bat: Norddeutsche Lloyd allein zahlte 1912 an Kanalzoll 2 804 342 Mk. und die Kaualgesellschast, deren Akticil sich zumeist in englischen und französischen Händen befinden, hatte in dem genannten Jahre eine Einnabmc von rund 140 Millionen Mk. zu verzeichnen, ivährend ihre Ausgaben für Betrieb und VcrbcsscrungSbauten sich nur aus rund 20 Mil­lionen beliefen.

Ob der Panamakaual, dessen Erössuung sür das Jahr 1915 zu erwarten ist, der bet einer Länge von insgesamt nur 81 Ifil», Metern die Summe von Tauscndsicbenundachtzig Millionen Mark bereits verschlungen hat, eine ähnlich.günsticie Entwicklung zu ver­zeichnen haben wird, wird bezweifelt, und die Vereinigten Staaten rechnen bereits mit einem jährlichen Zuschust von 5 Millionen Dollar, welche allerdings der Union in anderer Weise (Kanalsreiheit sür die eigenen Schisse, strategische Bedeutung) wieder zugute kommt. R.

Humoristischer.

* Der weise Backfisch.Erlauben Sie, Fräulein Mabck, dast ich Ihnen den anständigste» jungen Mann vorstelle, den ich je kennen gelernt habe."Ach nein, ich danke sehr, Mama will nicht, dast ich mit arnien jungen Leuten Bekanntschaft mache."

* Die Diplomatin.Sic scheinen mit Charles DawkinI nicht mehr so gut zu stehen ivie früher?"Nein, ich kann ihn jetzt nicht mehr ausstchen, und ich must mich wirklich furchtbav bezwingen, dast ich bis nach Weihnachten tvarte, umt ihm das zu sagen."

* T i e Altmodischen, ,,'ne verrückte Bande, die Speed- lcys!"Ja. was haben sie denn gemacht?"Denk' dir, vcrpsän- dcn die Menschen ihr Automobil, um sich ein Heim zu gründen!"

vüchertisch.

Peter RoIegger, Gesa ni>» eite Werke Von» Verlader »e» bearveitete und neu eingeteilte Ausgabe. 40 Bände i» 4»Abteilun >en zu je 10 Bänden Jede» Monat gelangt eia Band zur Ausgabe. Jeder Band geschmackvoll gebunden Mark -'.50 iIlr. 3. ), in Halboerganrent Mk. 4. - (Kr. 4.«0i Einzelne de werden nicbt geliefert. Verlag von L. Staackman» in Leipzig. Soeben erschien von der 1. 'Abtetlnng Bnnd 9: Am Tnge des (bericht,. Nietn Lied. Ter vorliegende Band der vracht» vollcn Nenansqabe der Gesammelten Werte Roleggers enthalt dag einzige Theatcrünck des Tt bters, einige dramatische Sz- >en und ferne Lyrik.Am Tage des (bericht," bebaiidell einen jener tragi­schen Konflikte, die plötzlich nnö schrecklich zwischen Wilderer und Förster enlsle >e>i. Ten Dichter iiisvtrierie in einem dieier »»erbitt- lichen Zweckämpsc die Idee des geivalitge» Gegensatzes, der die Menge zu kcstcl i und den Jntzinkt der Mroftimit zu wecken ver­mochte. der iii ihr ebenso schliiiiiineri ivie der Jnllnikt der Grau- samkeit. Dieses vieraklige Volksschanipiel leitet betannllich die letzte Peiiode des Schaffens Ro!e >gers ei», ivo der Dichter inebr denii je, der inoralisben Dnt und der sozialeil R.sorni zugeneigt, die Liebe als dcii inächliqsteu Hebel des ForlichriiteS aufiebt. ,'Dlcin Lied", des Dichters Vrrse, möchte ivenigrr Blich Ivie Perlon lem. Roiegger hat scme Lieder kür seine Frei,»de geschrieben. Er gil t denMenschen zurnck, ,vas er von i »cn hatte, verzinst mit seiner cigencn Seele. Bei der Auswahl der (flebirtite ließ sich der Dichter weniger von Mrimdsätzen der nielrb Ken Schönheit alS von crntzercn Forderungen der Echtheit keilen Möge Roieggeis Lied, den Leser zu gnler Stunde grüßend, auch scnrer Freunde Lied sein«

ttönigtzpromenade.

Man dark die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weile miteinander verbinden, daß inan wie der König ant dem Schach­brett stets von einem Feld ans ans ei» benachbartes iibergeyt.

be

laß

dich

kleine

das

kleine

willst

groben

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dann

durch

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da,

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wenn

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Auttofung >n n t Auuiincr.

Auflösung des Ziiatenrätsels in voriger Nummer i O selig, o selig, ein Kind noch zu lein.

Kedakiion: K. Neurath Rotationsdruck und Verlag der »rühl'jcben Unioersttöll-Buch» und Steindruckeret, R. Lange. <(Si«bu%