ötiii auf die musikalischen Erscheinungen in den »ier Wände« meines Hirn» — bald steht die Idee klar da — ich fasse und schreibe sie ans wie Savonarola seine ProphDeymrgen — ObS nur andere Coinponisten auch so machen mögen? — aber das erfährt ei» König! Prß. Regierungs Rath in Plock nicht!
Ich bin aber doch noch sehr verstimmt/' — — — —
Am 16. Oktober:
„ — Wann wert»' ich mehr als das ewige todte Einerlch hier wiederholen dürfen — Tic Kindergruppe Hab' ich fertig compouiert
— Ob ich ivohl zum Mahler oder zum Musiker gedohrcn wurde?
— Ich must die Frage dem Präsidenten Bsever- vorlegen oder
mich bey dem Großkanzler darimch erkundigen: die Werdens
wissen! — In Beckers Erholungen fand ich ein musikalisches Gedicht Stäsodion — der Gedanke stieg mir aus es .zu componiren und zum Oratorio zu machen. — „Alles was Odem hat lobe den Herrn" soll eine tüchtige Fuge abgeben. Amen es geschehe also!"
Am 17. Oktober:
„Gearbeitet den ganzen Tag! — O weh ! — ich -werde immer mehr zum Regierung-Rath — Wer hätte das gedacht vor dreh Jahren — Die Muse entslieht — der Aktenstaub macht die Aussicht siuster und trübe! —
Tos Tagebuch wird Merkwürdig, weil es der Beweis der ungeheuren Erbärmlichkeit ist, in die ich hier versinke — Wo sind meine Borsätze hin! — wo meine schönen Pläne für die Kunst? —
Allmächtiger Bleymei ■— bitte für mich! — hebe mich weg auS diesem Jammerthal in das Paradies an den Usern der Elbe
— oder last mich den Rhein, wie Mosen das gelobte Land, aus der Ferne sehen!"
Am 7. Januar:
„Mit unbehaglichem Gefühl stand ich heute auf, die Folge des gestrigen Rausches — ich mutz nun einmal strenge Diät halten, um meine Kränklichkeit ganz loß zu werden — Nachmittag den „Candidc" gelesen — die Norm eines guten Romsanss — der philosophische durchgesllhrtc Satz versteckt sich hinter dem Vorgänge voll Carrikaturen — die Würze ist der Menschen Albern-
Als er zu kurzem Aufenthalt nach Königsberg kam, gibt er die Schilderung einer Begegnung mit einem jungen Mädchen, die sich wir ein Stück aus den „Kreisleriana" liest:
Am 13. Januar:
„— Ein kleiner Vorfall ! — nein kein kleiner Vorsall — ein Ereignis — wichtig für Kopf und Herz hebt den heutigen Tag über seine tristen älteren Brüder heraus — Ein junges blühendes Mädchen, schön wie Correggios Magdalene — gewachsen wie die Grazien der Angelika Känjmann, stand Nachmittags vor mir!
— es war Molchen Halt — Sie hatte dev Mutter Grazie — das Ideal meiner Kindischen Fantasien von dem Vormahls meiner Jnamorata staird vor mir — eine süsse unbekannte Wehmut ergriff inich — sic blickte mich mehrmals bedeutend an — gewiß war ich ihr nicht minder merkwürdig, als sie mir — Die Mamsell Rink die jüngere introducirte sie — bet Onkel sprach unendlich lange von einem Begräbnis) — vergebens rang ich darnach, dem Gespräch eine interessante Wendung zu geben — das ausgeblühte Mädchen wollt' ich mit meinen GeistesArmen «mranken — ich wollt sie unmerklich in die magischen Kreise 'meiner Imagination ziehen — einige emphatische Augenblicke hätten mich schadlos gehalten sür dgs geiströdtende Einerlev der vorigen Woche —> aber es ging nicht — die Rink verdarb mir alles mit ihrem blehcrnen Wesen — mil ihrer Lanaweiligkcit —•
Ich lese RousscauS „Bekenntnisse" vielleicht zum 30tcn mahl
— ich sind« mich ihm in manchem ähnlich — 'Auch mir verwirren sich die Gedanken wenn eS daraus ankomt, Gefühle in Worte zu lassen! — ich bin sonderbar bewegt! — Der Tobten fei) hier ein Monument gesczt! — es ist lebendiger wie sonst die Eastra dvlo- riS zu sehn pflegen, da statt des marmornen Dodesengels auf jenen hier eine lebendige Grazie die Haupt Rolle spielt —
Das Compliment zum Abschiede war höchst abgeschmackt — ich wollte zu viel sagen — bey gehöriger Muße rede ich u>ie oft auch im Traume am schönsten — ich mache auch wohl Impromptus, aber alles wie gesagt mit Muße! —
Warum halte ich nicht Buch über meiire witzige Einsälle trie der selige GeheimRat Baumgarten? — Könte sie denn bey guter Gelegenheit mit Effect anbringen — Voltaire machte es nicht besser — er soll auch mehrere unverbrauchte Einsälle nachgelassen haben! — Kostbarer Nachlaß — unschätzbares Legat sür einen schönen Geist! —"_ 0. K.
vermischte».
* Ein Mann, der sich nicht irren kann. Der Austritt, den der Pariser Korrespondent der Gazzetta di Venezia erzählt und der sich vor nicht allzu langer Zeit in der Seinestadt abgespielt haben soll, führt in den Kassen- raiim des Rothschildschen Bankhauses in Paris. Es herrscht die weihevolle Stille, die man immer cm solchem Orte trifftf mit lässiger Gebärde und verblüffender Sicherheit zählt der Hauptkassierer den harrenden Klienten die
Tausendsrank-Scheine auf das marmorne Zahlbrett. Der Zufall will, daß einer der Rothschilds durch den Kassenraum kommt; die Zigarre zwischen den Lippen bleibt er einen Augenblick ein paar Schritte von dem Hauptkassierer entserni stehen und beobachtet mit nachdenklichem Interesse die sabelhafte Fingerjerligleit, mit der der Kassierer di« Scheine zählt. Da tritt plötzlich ein Herr, ein Bündel Tausendfrank-Scheinc noch in der Hand, an den Schalteri „Herr Kassierer, Sie haben sich um 1000 Frank geirrt!" „Ausgeschlossen!" erklärt der Kassierer und wirft einen nervösen Blick aus den hinter ihin stehenden Ches. „Doch, Sie haben sich geirrt. Sie haben mir statt zehntausend Frank elftausend gegeben. „Unmöglich!" wiederholt sichtlich nervös der Kassierer. Der Fremde streckt ihm den Tausendfrankschein entgegen.: „Doch, dies war zuviel." Der Kassierer streckt« schon die Hand aus, da mischt sich der Baron ein und ers klärt kalt: „Der Kassierer von Rothschild kann sich nicht irren!" und weist den Schein zurück. Der Fremd« zuckt die Achseln, steckt den Schein ein, und eine Minute später herrscht wieder die gleiche geschäftliche Stille. . .
— Der taktvolle Reisende. Ein junger Mann, der von einer großen Firma in Manchester als Geichäslsreisender engagiert wurde, erhielt von den Chefs einen Wink, »aß dev große Fehler seines Vorgängers Mangel an Takt gewesen sei und daß er sich deshalb sehr taktvoll benehmen müsse. Der >unge Mann versprach, sich des größten Taktes zu befleißigen, und ging auf die Tour. Zum Erstaunen und Entzücken seiner Chefs liefen nun Ordres in einem noch nicht dagewcscnen Umfange rin: der neue Geschäftsreisende erwies sich als eine vorzügliche Kraft. Der Höhepunkt seiner Erfolge aber wurde erreicht, als er einen großen Auftrag von einer Firma übersandte, mü der sein Haus eine» großen Krach ge!>abt hatte und seit Jahren außer Geschäftsvcv- bindung gewesen ivar. Die Chefs hielten es nun nicht mehr vor Neugierde aus: sie wollten hinter das Geheimnis ihre« neuen Geschäftsreisende» kommen und fragten ihn sogleich naiv seiner Rückkehr, wie er das alles zuwege gebracht habe. „Ich folgte nur Ihren Wünschen," lautete die Antioort: „ich war in jeder Situation taktvoll. Als ich z. B. in Mr. B'S Laden kam, fragt« er mich, .waS für eine Firma ich vertrete. In Anbetracht der Umstände, die mir bekannt waren, überreichte ich ihm meine Kart« und sagte: „Ich reise l)all nun inal für diese verdammten Idioten!"
* Genügsam. Zwei heiratslustige junge Damen sprechen von Weihnachten. „Nun, würde ein sehr großer Strumpf genügen, um alle deine Wcihnachtswünsche auszunchinen?" —> „Nein, Elvira, aber ein Paar Socken wären mir genug . .
* Abgehärtet. Rechtsanwalt (nach der Verhandlung) zu seinem Klienten: „DaS Kreuzverhör scheint Sie wenig beunruhigt zu haben. Haben Sie schon früher Kreuzverhöre durchgemacht?" — „Ach, ich bin Vater von sechs Kindern."
* Abschreck u ngsthcoric. „Da ist ein berühmter Pädagoge, der meint, jeder Mensch müsse täglich etwas Poesie oder wenigstens ein Gedicht lesen." — „Ach, der Mann hat recht: wenn mehr Leute täglich Gedichte läsen., gäbe cs vielleicht weniger, dt« immerzu Gedichte zu machen versuchen."
Sitatenrätsei.
Aus jedem der solgeudei, Zitate ist ein Wort zu nehmen, so datz sich ein neue» Zitat ergibt:
1. O, ich bin klug und iveise Und mich betrücit ina» nicht.
2. Wohl dem> Selig muß ich ihn »reisen,
Ser i» der Stille der ländlichen Flur.
3. O süße Stimme I Pielivillkouimner To»
Der Muttersvrach' i» einem siemde» Landei
4. Selig durch dl« Liebe, Götter.....
6. Mein Leivzla lob ich mir I
C» i» ein klein Pari» und bildet seine Leute.
6. Tie» Kiud, kein Engel ist so rein.
7. Als ich uoeb >»> Flügelkleide I» die Mädchenschule ging.
8. Tie Hindus der Wüste geloben, keine Fische zu rss«n.
5. Hier bin ich Mensch, hier dar! ich'» sein.
Auslösung in uächster Nummer.
Auslösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer:
Weiß. Schwarz
LLd4-gl Kd6 — e 4 ot>« A.)
2. D»6 — e4:f. Ke4 — <8 (16)
3. D c 4 — g 4 f und Matt.
A.)
1..... -4 —eS
2. Da6 —b7f Kd5 —c4 ober d6.
3. 8 d 7 — r 5 oder L g 1 — c 6 f und Platt.
Redaktion: ».Neurath. — Rotationsdruck und Perlag der Brühl'lchen Untversitälr-Buch- und Steindruckeret. R. Song«.


