Ein Frühlingstraum.
Roman von Fr. Lehne. (Nachdruck verboten.) ^Fortsetzung.)
ü.
O laß dich halten, goldne Stunde.
Tie nie so schön sich wieder beut!
Sc Brust an Brust, so ganz mein eigen.
So halt ich dich, geliebtes Bild!
Es rauscht die Nacht, die Lippen schweigen. Und Seele lies in Seele Quillt.
Ich bin dein Glück, du meine Wonne,
Ich bin dein Leben, du mein Licht,
Was soll uns Tag, was soll uns Sonne?
Du schöne Nacht, entslieh uns nicht!
Otto Rognette.
Eine zauberisch schöne Nacht, so warm und schmeichelnd die Luft, so dnrchtrünkt vom Dust der Rosen und dem betäubend süßen Geruch der Atazi>en, so verheißungsvoll in der Stille, die nur von den schluchzenden Sehnsuchtslauten der Nachtigall unterbrochen wurde, daß heut' jeder Kummer, jedes Weiterdenken aushören mußte!
„Zwei Tage nicht gesehen! O Liebster, wie ist mir die Zeit lang geworden," flüsterte Mary, sich innig in Wolss Arm schnnegrnd — wie immer saßen sie unter der großen Linde, wo es so löstlich in der stillen Dämmerung war.
„Und wie ich mich nach dir gesehnt habe. Maus, brauche ich wohl nicht erst zu sagen," eutgegnete er, sie mit ent« zückten Blicken betrachtend, „wie schön du wieder aussiehst!"
„Du Schmeichler," lächelte sie, „mache mich doch nicht eitel!" Und lvieder kosten sie miteinander. — „Du, Wolf, ast du auch dein Bild für Bergers mitgcbracht? Wiv atten es ihnen versprochen."
„Natürlich, mein Lieb! Ich vergesse nichts, was ich einmal gesagt!"
„Dann lasse es uns hintrageu; ich habe das meine auch!"
„Warte doch noch bis nachher; wollen wir nicht den schönen Abend noch für »ms geniesten? Es ist doch so köstlich," bat er.
„Das können lvir trotzdem noch. Ich möchte Mutter Berger noch eine Kleinigkeit geben; sre ist nicht gern allein; ihr Mann ist ibei Wilhelm. Nachher niöchte ich dichinoch etlvas fragen."
„Dann komm, Maus! — Wir halten uns aber nicht lange auf; denn mich mir liegt etwas am Herzen — wegen neulich." Er nahm ihr ein kleines Paketchen ab und sie gingen zu Frau Berger, mit großer Freude von ihr begrüßt.
.Zch habe ja schon gewartet; mir isfs so gruselig;
Berger ist heute mal zu Wilhelm gegangen. Gegen 10 wollte er zurück sein."
„So spät ists ja noch lange nicht, Mutter Berger V meinte Wolf.
„Nun setzen Sie sich man, Fräulein Mariecheu (sie konnte sich an das fremdklingende Mary nicht gewöhnen). Fräulein Mariechen trinkt ein Glas Limonade, ja?" Und während die Alte geschäftig hin und her eilte, öffnete Mary das Paket und nahm eine hübsch garnierte schwarze Haube, sowie ihr Bild heraus.
„Was soll das?" sragte er.
„Paß mir aus, mein Schatz, wie sie sich freuen wird. Die Haube habe ich gestern abend gearbeitet, und dabei an dich gedacht, wie du dich im Kasino amüsieren ivürdestl"
„Wie hübsch von dir! — Ach, und dein Bild!" Entzückt betrachtete er es und führte es dann an seine Lippen.
„Geh, Wols — was tust du? Du hast mich doch!" Und sich auf die Fußspitzen stellend, reichte sie ihm mit allerliebster Geberde den Mund zum Kusse. „Nun aber schnell dein Bild, Liebster!" —
Frau Berger trat da mit der Limonade herein. „Für den Herrn Leutnant habe ich eine Flasche Bier, die hofscntlich nicht verschmähen lvird!" Man sah ihr an, wie freudig erregt sie war, ihren Gästen etwas anbieten zu können.
„Das ist recht, Mütterchen," sagte Wolf freundlich, „ich habe gerade viel Durst, und Wasser ist so dünn!"
„Mutter Berger, sehen Sie doch nur," rief da Mary freudig. Die Alte trat an den Tisch. Ihr erster Blick siel auf die Bilder. „O je, o je — nein so was — und so ähnlich, wie aus den Augen geschnitten!" Und abivechselnd betrachtete sie bald das erne, bald das andere Bild.
„Und sehen Sic die schöne Haube nicht, die meine Mary Ihnen gebracht hat?" fragte da Wolf. Da sah die Alte das für sic bestimmte Geschenk. — „Was, die soll ich haben? O, die ist viel zu schön für mich," und Tränen der Rührung traten in ihre Augen, wie sie das „Kunstwerk", wie Wolf scherzend sagte, in die Hand nahm und von allen Seiten betrachtete.
„Nein, Mutter Berger, die ist noch lauge nicht gut genug für Sie! Die tragen Sie immer und denken dann an mich — die habe ich Ihnen aus Dankbarkeit genäht! Und die Bilder sollen Sie immer an uns erinnern, wenn wir nicht mehr hier sind!"
„Ihr guten Kinder! Möchte sich nur recht bald euer Wunsch erfüllen," sagte da Frau Berger gerührt, „daß Ihr recht bald Mann und Frau werdet!" Wolf und Mary sahen sich ties in die Auger — war das doch ihr sehns lichster Wunsch. Nach einer kleinen Weile verabschiedeten sie sich und gingen, begleitet von Frau Bergers Dankesworten. Arm in Arm schritten sie wieder hinaus in die schweigende Nacht. „Was wolltest du fragen?" nahm Wols zuerst das Wort.


