Ausgabe 
12.1.1914
 
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Elsässer Kürassier und eine Anzahl Marincsoldaten erschien, um uns in Schutz zu nehmen. Unter gleichen Verhältnissen gelangten wir nach Limoges, wo die Frau des Arrcsthausausschers eine gute Deutsche war. Wir verbrachten unsere Zeit während des dortigen Ansenthalts in ihrer Wohnung. Nachts kamen wir in einen groben Saal, wo wir in Gemeinschaft mit den Franzosen aus dem Futzboden lagerten. So ging es immer weiter von Arresthans zu Arrestbaus. Einmal hatten wir auch einen sihr guten Aufseher: wir hatten ein gewärmtes Gemach, erhielten Kost niit etwas Fleisch. So kamen wir mit der Bahn unter Bedeckung der Gendarmen immer weiter. Nach Passieren eines groben Tunnels sahen tvir jenseits desselben keinen Schnee mehr. Aus den Wiesen weideten Pferde, Rindvieh, Esel und Ziege». Endlich gelangten wir nach Bordeaux."

(Fortsetzung folgt.)

Zur Ehrenrettung der Fleischkost.

Bon Dr. Ludwig Hirsch stei » ,

Spezialarzt für Stosswechselkrankheite».

Eines scknckt sich nicht für alle", dieser Satz gilt nirgends mehr als in der Frage einer zweckmäßigen menschlichen Ernäh­rung. Der Mensch weib sich in wunderbarer Weise den verschie­denen Lebensbedingungen anzupnssen: er hat sich in den Eiswüslen der Polargegendcn angesiedelt, er trotzt der glühenden Sonne d. s " Aequators und findet noch in der Dürre der Sandselder Afrikas die Wege, ein kärgliches Dasein zu fristen. Niemand wird aber voraussctzen, dah der Bewohner der Tropen, dem mit den Strah­len der sengenden Sonne imendliche Energieniengen ziiströmen, dieselben Mittel ju seiner Erhaltung braucht, wie der Nordländer, der gezimingen ist, seinen Körper gegen eine Auhentemperatur von 30 und mehr Grad unten Null aus 37 Grad Wärnie ani- zuheizen. ,

Auch für den Kulturmenschen bedingt die Verschiedenheit der Lebensforinen Unterschiede in der Ernährung, und es ist verge­bene Hofsnuny, selbst für die Bewohner desselben Breitengrades eine Nornialdrät ausstellen zu können. Der kindliche Körper, der vor allen Dingen die Aufgabe hat, zu wachsen, Körpersubstanz an- »usetzcn, braucht eine andere Ernährung als der der Erwachsenen: der Landmann, der den ganzen Tag in freier Lust schwere körper­liche Arbeit verrichtet, andere als der Kaufmann der Großstadt, der selbst de» Weg zu seinem Schreibtisch noch im Wagen zurück- legt. Das Ddaß an Körperarbeit, das ein Mensch zu leisten hat, ist, neben den klimatischen Verhältnissen, in der Hauptsache be­stimmend für die Ernährung des Erwachsenen, das ist die Grunid- tatsache, deren Kenntnis wir vor allen Dingen den bahnbrechenden Arbeiten Rubners, des um die Ernährtingsforschung hochverdienten Berliner Hvgienikers, verdanken.

Man hat den menschlichen Körper häiifig mit einem Ofen verglichen, der durch die Nahimngsstoffe geheizt wird. Wenn nur von diesem Gesichtspunkte ansgehen, wird dasjenige Nahrungs­mittel das ivcrtvollste sein, das die größten Wärmemengen liefert; die Kvhle tvird am teuersten bezahlt, die den größten Heizeffekt gibt. Die Hanvtnahrung des Menschen, Brot, Kartoffeln, Reis, zum größten Teil aus Stärkemehl bestehende Stoffe, werden nun ,m Körper nur bei starker körperlicher Arbeit gut verbraucht, sonst aber als Fett anggsetzt oder, wie bei 'der Zuckerkrankheit, unvcrbrannt wieder ausgeschieden. Im Gegensatz hierzu haben wir ini Fleisch, wie in den Eiweihsubstanzen überhaupt, Brenn­material, das ohne körperliche Arbeit, bei völliger Ruhe schon in geringen Quantitäten große Wärmemengen liefert und an Heiz­wert die Stärke uni etwa 26 Phoz. übertrifst, das außerdem im­stande ist, den Körper in gutem Ernährunriszustande zu erhallen, und das schließlich noch den nicht zu unterschätzenden Vorzug hat, gut zu schmecken, die Tätigkeit der Verdauungsorgane anzuregen. Für den Stadtbewohner, den Kopfarbeiter, daö gewaltige Heer der Bücher- »nd Schreibtisckmienschen, ist der Fleischgenuß wir kön­nen mit gutem Genüssen sagen unentbehrlich. Seine schivächv- ren Verdauungsorgane können nicht die großen Brot- und Ge- müsemengcn bewältigen, mit denen der muskelkräftige sehnig« Landarbeiter spielend fertig wird. Er braucht eine Nahrung, die, schon in kleinen Mengen genossen, es ihm ermöglicht, seine vorwiegend geistige Arbeit zu verrichten, seinen Körperbestand zu erhalten, den regelmäßige» Ablauf aller Funktionen zu geivähr- leiste». Alle diese Vorzüge finden sich in der Fleischkost vereinigt.

Hat aber der Fletschgenuß nur Vorzüge? Haben die Vegs- tarier so völlig unrecht, iwnn sie vor den Gefahren übertriebenen Fleischgenusses tvarnen? Ist es wirklich gleichgültig, wenn, wie llatistisch erwiesen ist, in Deutschland der Flcisckwerbrauch, auf den Kops der Bevölkerung berechnet, in den letzten Jahren auf mehr als das Dreifache gestiegen ist? Stärkemehl, Zucker, Fette verbrennen im Körper zu Kohlensäure und Wasser, die fast völlig durch Lunge und Haut entfernt toerden können. Alle.Eiweißsub­stanzen, und mit ihnen das Fleisch, hinterlassen aber nnvrrbrenn- liclx Rückstände, zumeist Säuren, die vorlviegend durch die Nieren, zum Teil auch durch die Darmdrüsen auSgeschieden werden müssen.

Fleischgenuß bedeutet also Nierenbelastung, und je mehr Fleisch lemand genießt, um so größere Mengen von Schwefelsäure, Phos­

phorsäure, Harnsäure bildet sich in seinem Körper: diese müssen, hauptsächlich auf dem Nicrenwege, wieder entfernt toerden. Di« Grenze, bis zu der eine Ausfichaidung dieser schädlichen Stoff« möglich ist, wird, wie mir langjährige Untersuckmngen gezeigt haben häufig genug überschritten, sodaß es zur Anhäufung von Nahe rungsschlackcn aller Art, zu Zuständen von Säurevergistuntz, nere vösen und anderen Krankheitszuständen kommt, deren Beseitigung unter Umständen Jahre erfordert.

Fleischkost ist also ftir den Stadtbewohner mit seiner geringen körperlichen Betätigung, der herabgesetzten Leistung seiner Vere dauungsorgane notwendig, aber sie ist ein notwendiges Uebel, und die kleinste Fleischmenge, mit der ein Mensch seinen Körper und Kräftebesiand erhalten kann, stellt die bestmögliche Lebens- bedingung fiir ihn dar imb gewährt ihm zugleich den größten Schutz vor Erkrankungen._

vermischte».

k(. Gin n n v e r k ä u i l i ch e r Riesen diamant. Ein Engländer namens Bowker hat jüngst das unerhörte Glück gehabt, tn Transvaal einen Riefendiainanten zu finden und ist nun, wie man denken konnte, ein geinachter Mann. Hat er doch nichts weiter nötig, als feinen kostbaren Fund lnr ein paar Milliönchen zn verkaufen, um alsdann von den Zinsen leben zu können. To dachte Bowker auch, als er mit (einem Riefendiainanten In London ankam und ihn verkauken wollte. Allein vorläufig hat er noch keinen Käufer für den prachtvollen Stein geknnden, alle Juwelier«, denen er ihn vorgelegt hat, äußern sich bewundernd über da» Prachtstück, allein mit dieser Bewunderung ist Herrn Bowker nicht gedient, vielniche iväre thm bar Geld lieber: aber so viel Geld, wie der Diamant wert ist, will kein Jnwcller daran wagen. In Paris und der Diamantenstadt Amsterdam hat Bowker die gleiche Erfadrinig geniacht, »nd ivenn mm nicht ein indischer Rabob oder ein amerikanifcher Erzmilliardär helsend einspringe», steht er vor den beiden Plöglichkeiten, seinen kostbaren Diainanten zu be­halten oder ihn in mehrere leichter verkäustiche Stücke z» zerlegen und fo gewissermaßenauf Abbruch' zu verkansen.

* Einfaches MittelIch möchte so gern zu meine« Mutter zurück," sagte der bettelnde Vagabund,sie hat mein Gesicht 10 Jahre lang nicht gesehen."Das glaube ich gern," sagt« der Herr ungerührt,aber warum ivaschen Sie sich's nicht einmal?."

vüchertisch.

Sechs Stunden von Poi»dain. Di« bekannt« .Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens" erzählt folgende nette Geschichte: Die preußische Gardelandwebr stellte tn, dentsch- französilchen Kriege ollers die Ebrenwachen beim König und teiin Generalstabe und vertrieb sich in den Mußestunden aern die Zelt durch tdeatralische Vorstellungen. Auch Molt'« wohnte mit seiner llnigebnng eines Abend» einer solchen Aufführung bei, unterhielt sich köstlich und ließ sich schließlich einen Unterocfizier vorstellen, der ln einer Perlon Dichter, Hauvldarsleller »nd Regisseur war. In streng dlensilicher Haltung, die Hände an den Hosennädten, «rat der Man» mit ernstem Gesichlsansdrnck an de» General geian. »Ihre Porstesinng war sehr nett. Wie heißen Sie denn?" fragt« Mollke gütig.Zu Besehl, Exzellenz . . Schulze." »Wo sind Sie denn her?'Sechs Stunden von Potsdam, Exzellenz,' lautete die Antwort. Moltke lächelte »nd fragte iveiter im Pots­damer Dialekt: »So . . sechs Stunden von Potsdam t Wie fiee&l den» bei Rest t »Berlin, wenn Sie et noch »ich kennen sollten, Exzellenz!' Der Feldherr nnd sein ganzer großer Generalstab brachen t» lautes Lachen an» über die mitnerschütterltch dienst­lichem Ernst abgegebene Antivort des militärischen Komikers,

Bilderrätsel.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer> Öofsnung ketml, ein schwaches Hälinchen,

Auch a»k kahler Fellenwand;

Hoffninig lenchlet unter Träne»,

Wie im Wasier der Demant,

R.dokiio..: ff. °° e ur ,, h - Rotationsdruck und Verlag der «rühl'ichen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lang» Gieße»