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Frau Elsbetb (unter Träne»): Er hat sie aber doch beim Einzug gesehen und sogar gestreichelt und hat erklärt, sie würde eine Zierde des Danses bilden.
Der Rat: Trösten Sie sich, darin liegt die in 8 1 der Hausordnung verlangte Bewilligung, daß Miezi bei Ihnen bleiben darf. Der Vermieter kann auch nicht etwa die Erlaubnis zuriicknehmen. Sie ist unwiderruflich.
Dr. Fischer: Aber wie steht's mit Walters Aquarium und Trudens Haust, der eben wieder als Taselnrusiker glänzt?
Der Rat: Aus Vögel im Käsig (abgesehen vielleicht von allzu lärmenden Papageien) »nd aus Tiere im Aquarium ist die Vorschrift in der Hausordnung nicht auszudehnen. Ihr Zweck ist ja nur, dem Vermieter ein Vetorecht gegen das Halten von solchen Tieren einzuräumen, die, wie Hund oder Katze, die Mieträumc sozusagen mitbenutzen und andere Mieter belästigen können.
Lesen wir weiter: §2: „Teppiche, Betten, Matratzen usw. sind an de>n dafür bestimmten Ort nur von 8 — 12 Uhr vormittags auszuklopsen und dürfen niemals zum Fenster heraus, auf den Ballons oder im Treppenhaus ansgeschüttelt werden."
Dr. Fischer: Eine sehr vernünftige Bestimmung im Interesse des Hausfriedens und des — häuslichen Friedens. Ich liege seit langem im Kampfe mit meiner Frau, die die Teppiche gerade mittags zwischen 2 und 4 während meiner Sprechstunde aus- klopsen läßt und auf meine Vorstellungen stets erklärt, das liehe sich nicht anders machen. Jetzt werde ich die Hilsc des Vermieters in Anspruch nehmen.
Frau Elsbcth: Run, der Paragraph enthält doch einen Eingriff in meine Rechte als Hausfrau und ist insolgedessen mv gültig.
Der Rat: Rein, ztveifelloS gültig. Wiederholte Verstöße gegen die Hausordnung berechtigen sogar den Vermieter nach A 10 des Mietvertrags zur sofortigen Kündigung. Also — unterwerten Sie sich löblich!
Ich fahre fort. § 3 : „Die Wäsche darf nicht in der Wohnung, sondern nur in der Waschküche getoaschen werden."
Frau Elsbeth: Das ist das Tollste! Wenn ich nicht ein- mal die Windeln von unserem Baby hier oben tvaschen lassen darf, daun ziehe ich lieber aiil. Ich kann doch nicht das Dienstmädä>en mit j, r schmutzigen Windel in die Waschküche schicken! Oh, ihr Männer . . .
Der Rat: Verehrte Frau Elsbetb, die Göttin JuIitia ist auch ein Weib und bat Verständi g für Ihren Klageruf, «ie mil- dert das Verbot und legt es dahin aus, dah nur die sogenannt» grobe Wäsche, nicht aber die kleine Wäsche, vor allem nicht die Kindcrwäsche danrnter fällt. Schon im Jahre 1879 müssen die' Hilferuf? bedrängter Hausfrauen an das Ohr der Göttin gedrungen sein. Damals hat sogar das Reichsgericht, unser höchster Gerichtshof, zu der Frage Stellung genommen und im Kamps um den Waschplatz dahin entschieden, dah trotz dem Verbote, im Hause zu tvaschen, fünf Hemden, einige Handtttcher, einige Kragen, et- tvas Kinderwäsche und Kinderschürzen in der Küche gcwasckien werden dürsen.
Sie nicken wohlgcsällig, ich fahre also fort: „Die Reihenfolge in der Benutzung der Waschküche bestimmt der Vermieter." Da ist also die Frage entschieden, die Sie am Anfang unseres Gespräcktes aufgeworfen haben. Sind Meners heute an der Reihe, so müssen Sie sich fügen. Selbstverständlich müssen die Anordnungen des Vermieters den Bedürfnissen der Mietparlcien sich anpassc» Er kann nicht willkürlich bei zehn Mietern heute Rr. 1, nwrgen Rr. 2, übermorgen wieder Rr. 1 und anr nächsten Tage wieder Rr. 2 waschen lassen untr die übrigen Mieter hintansetzen. Jede Schikane ist verboten.
Hier sehe ich noch eine Bestimmung in der Hausordnung, die Sie, Herr Doktor, rnteressiercn wird. In z? heißt cs: „Schilder, Plakate und dergleichen dürfen nur mit Genehmigung an oder in dem Hause beztv. an der Abschluhtüre angebracht tverden."
Dr. Fischer: Da müßte ich ja mein Aerztcschild entfernen, denn der Vermieter hat seine Anbringung nicht ausdrücklich bewilligt.
Der Rat: Run, erstens sieht er eS täglich im Vorbeigehen, hat nie Einspruch erhoben und es so stillschweigend genehmigt. Zweitens ist diese Bestimmung, wie alle Vertragsorrcinbarungen, nach Treu und Glauben und mit Rücksicht auf die Verkclzrslitte auszulegen. ES ist durchweg perkchrsüblich. dah ein Arzt ein Schild am Hause und am Türabschluh anbringl. Wer an einen Arzt vermietet, willigt ein. daß der Arzt dieser allgemeinen llebung folat. Auf diese Weise läßt sich die Gcnchmiimng, die §7 vo» sieht. konstruieren. ,
Frau Elsbeth: Verzeihen Sie, Herr Rat, jetzt ist'S aber genug mit den juristischen Konstruktionen. Mehr vertrage ich nicht Wir danken Ihnen sehr für Ihre Aussührunqen. Ich habe so viel gelernt, daß ich, wenn wir wieder einmal einen Mietvertrag abzu- jchlieheu haben, selbst die Hausordnung entwerfen werde
Der Rat: Also dann Prosit! Es lebe Frau Elsbcths neue Hausordnung! Ob sic aber einen Vcrniietcr finden, der sie ak- zeptiettl?
vermischte».
"Das Experiment mit der Sch ivieger mutter. Einen eigenartigen »nd jedenialls recht interessanten Versuch hat »ach der Meldung der Daily Mail ein junger hoffnungsvoller Bräntiganr unternommen, indem er in einem Londoner Vorort ein Hans mietete, darinnen er vor seiner Heirat aul eineit Monat sozusagen probeweise mit seiner Schwiegermutter Dach und Tisch teilt Die ernsten Warnungen von Freunden — vermmllch verheirateten Freunden — haben ihn zu dle!«in Schritte veranlaßt: man halle ihm so viel davon erzählt, daß «ine Sch,viegerin»tl«r den Friedeii des ehelichen Hauses zerstöre oder wentgstens geiähr- dele, so daß der Bräutigam beschloß, den Pessimisten den Gegenbeweis zu erbringen, aber vorsichligeriveise berellS vor der Heirat. Wenn das Exvermient sich bewährt, wird die Schwiegermutter noch einen ivellereii Monat bleiben und dann auch nach der Eheschließung das jiinge Paar nicht verlassen. Der junge Bräiitigam, der ein Optimist ist, ist jetzt, nach Ablaui der elfte» Probcwoche, von seiner künstiaen Schiviegermama geradezu begeistert und dabei überzeugt, daß die koniiiienden Wochen ihm alle nur denkbare Gelegenheit bieten werbe», den Charakter nnb die Neigungen der Schiviegerinutter zu studiere». »Die erste Woche ist aui« glücklichste verlaute», obgleich ivtr noch die Tavezierer in der Wohnung hallen. Di« Situation birgt dle besten Zuknnsts-
ansstchten, denn meine Schwiegern»ittev ist von lehr sc»,stein
Wese» und stets bereit, Kompromisse zu schließen. Morgen» sagt sie mir, daß das Badeivasser heiß ist, und wenn ich mich veripätet habe und mich bcini Frühstück eilen muß, lächelt Ne vergnügt. Tie Mahlzeiten erscheinen ans derMinute pünktlich aui dem Tische und sie spricht nicht, ivenn ich die Zeitlmg lese, Wenn ich im Bureau z» lange zu tun habe, telephoniert sie mir, ich möge intch nicht hetzen „nd lieber in der Stadl in Ruhe eliva? cfien. Kehre ich heim, so stehen ineine Paittosseln ivarin am Kamin, und kehre
ich s,hr ipät heiin, so styl sie nicht da »nd ivartet auf mich S>»
erklärt, sie sei lest entschlossen, »nS zu verlassen, wenn nach der Heirat ihre Anwesenheil sie auch nur im geringste» als Eindringling erscheinen lasle» könnte. Ich bin," so schließt der hoffnungsvolle Opliinist, .überzeugt, daß wir dadurch, daß >vir jetzt unsere kleine» Neigungen »nd Älmeiguugen gegenseitig kennen mid berücksichtigen lernen, allerlei Reibungen und Unannehmlichkeiten ausschaltcn, die ipäler leicht entstände» sein könnte»: und das scheint mir das wichtigste."
* U eberboten. „Unsere Köchin ist sehr ängstlich mit Dieben: den ganzen Tiw guckt sie nach der Korridortür." „DaS ist gar nichts. Unsere Köchin hat sogar immer einen Polizisten
in der Küche."
* Der Kenner. Jones ist ein TheaterhabituS, dessen Kenntnisse sich freilich zumeist auf die Lektüre der Litsaßsäulc beschränke». „Habe» Sie schon das russische Ballett gesehen," fragte ihn jüngst eine Dame. „Roch nicht," antwortete er mit Würde, „ich warte, bis es in Englisch gegeben wird."
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Organ des Teutscheti Lehrervereins sür Naturkunde, E. B. Mit Hcst 6 ist die Reihe der monographische» Nummern unterbrochen: Proiessor Dr. L l» d n e r - Berlin ..gibt Anregung znni Studium der heimatlichen Piikrobenmelt". Eine Frage von ivirtschastlicher Acdeutnng bclenchtet Dr. B r e I t u e r-Spandau in dem Auisatz: .Der Stickstoff im Haushalt der Natur". Endlich vervollständigt Pro'essor Tr. L a k o w > tz ein schon in der MeereSltrandnnnuner des Vereins behandeltes Tbenia durch seinen Arltkcl über: .Die Flora der Hochsee". Für die Lehrer der Physik bringt Proseffor Weiler ichivierige Pcrhälluisse in den Kapiteln .Ausdehnmig der Körper, Elastizität, Konlakt-Eleltlizität" » a. anschaulich zur Darstellung. _
Lrglnizimgrrätsel.
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H.. s».. g l. i,. h.. t u.. e . T. S.. n,
.t. i. W..s.r .e. D. »r..t.
Auslösung in ilächsier Nummer.
Auslösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: D a m e n k a p e t l e.
: u r a t b. — Rotationsdruck und Verlag der Brülü'lchen Ilniversitäts-Buck» und Eleindruckerei. R. Laug^ Gießen


