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Wie Du glühst, mein Mädchen!"

Ja, es ist auch so schwül," klagte sie,es nimmt mir fast den Atem wenn nur kein Gewitter kommt!"

Fürchtest Du Dich etwa?"

Ja, unbeschreiblich ich habe dann eine Unruhe in mir, die mich fast umbringt schilt mich kindisch, mein Wolf

ich kann aber nichts dafür!"

Kleiner Hasenfuß, ich bin ja bei Dir," lächelte er.

Ja, Du bist bei mir!" Es klang eine unendliche Zuver­sicht aus ihren Worten, und in ebensolchem Vertrauen schaute sie zu ihm empor, daß er gerührt ihre Augen küßte.Fürchte nichts, niein Mädchen!" Wieder wie gestern saßen sie auf der Bank; sie lag in seinem Arm, und unverwandt schaute er in ihr holdes Gesicht, an dem er sich nicht satt sehen konnte. Spielend zog er die Nadeln aus ihrem Haar, daß das dicke goldige Gelock über ihre Schultern fiel und sie wie ein Heiligenschein umwob.

Wie wunderschön ist Dein Haar, wie entzückend die Farbe Du trägst Deinen Namen mit Recht, Du bist mein einziges süßes Märchen!"

Und mir ist es ein Märchen, ein Traum, daß Du tnich hältst, mein Einziger!" flüsterte sie,Du, den alle an­beten, Du gehörst mir! Höre, wie die Nachtigall singt! Ach, wie ist es doch schön, Wolf!"

Ja, mein Mädchen, welches Glück, daß wir uns end­lich haben, Du mein" und immer wieder küßte er sie. So saßen sie und kosten miteinander. Der ernste Mann war wie verwandelt: seine Züge waren durchstrahlt von Glück, wenn er das holde Geschöpf im Arme hielt. Ihr aber war es noch immer unfaßbar, den Mann zu besitzen, den alle Frauen anbeteten, ihn liebeflehend zu ihren Füßen zu sehen

sein ein und alles zu sein! Und wie innig er sie liebte, das fühlte sie aus allem heraus. Wie hinreißend konnte er bitten und flehen, wie unterstützte der Blick seiner Augen die Worte des Mundes! Sie war so überselig in dem Bewußtsein seiner Liebe, und in ihrer holden mädchenhaften Weise sagte sie ihm das leise verschämt ins Ohr.

Nun will ich dir aus meinem Leben erzählen, Wolf," begann sie nach einer Weile,viel ist es nicht, aber doch genug des Traurigen für ein schwaches Menschenkind, wie ich bin. Ich habe eine schöne Kindheit gehabt und eine sorg­fältige Erziehung genossen, bis mir, als ich sechzehn Jahro alt war, nacheinander Vater und Mutter starben ganz plötzlich. Mein Vater Ivar deutscher Arzt in Riga, und nieine Mutter stanimt aus einer russischen Fürstenfamilie. Nun stand ich allein da wohin? Die Verwandten von Mania wollten nichts von nur wissen: sie hatten sich gänzlich von ihr loSgesagt, weil sie einen Bürgerlichen und noch dazu einen Deutschen geheiratet hatte. Vermögen ivar nicht da) die Eltern hatten ein großes Haus geführt Mama war so verwöhnt und sollte doch nichts verniifse», und der Vater war in diesem Punkte so schtvach und nachgiebig seine schöne Frau wurde von ihm mit allem Luxus umgeben, mehr als sein Einkommen gestattete! lind er ach, er wurde von allen, die ihn kannten, geliebt und verehrt, er war so-gut und hochgebildet! Ich war sein Herzblatt wenn er wüßte, wie ich in der Welt herunigcstoßen werde, daß ich Ladnerin sein muß, um aus anständige Weise mein Brot zu ver­dienen" vor Erregung konnte sie nicht weiter sprechen.

Aber, mein Mädchen, schiveige doch darüber, wenn dich die Erinnerung so ausregt und wüßte ich nichts von dir. so genügte nur das Bewußtsein, daß du mich lieb hast, ja? Du kannst ja nichts dafür, du bist süß und gut," tröstete, er sie,siehst du, nun werde ich mir alles reiflich überlegen, werde über meine zukünftige Beschäftigung Nachdenken, daß wir uns bald heiraten können; nach dem Manöver werde ich meinen Abschied einreichen, und schon Weihnachten bist du daun meine kleine Fra» vor allem gibst du deiiG Stellung hier aus; ein passendes Unterkommen für meine Braut finde ich."

Vor sünszehuten Juli kann ich das nicht, Wolf: ich bin Frau Gundel etwas vervslichtet und möchte sie jetzt, wo so viel zu tun ist, nicht im Stich lassen. Und so können wir uns doch noch öfter sehen, ja? Wir haben in,'. Jt kaum ge­funden! Und vor alleni übereile du nichts, Wolf! Ich weiß doch, wie gern du Soldat bist! Ach. Wolf, jetzt will ich dich genießen ich bin ja so glücklich, so sehr, daß ich das' Erwachen aus diesem Traum fürchte! Es ist ja zu fchön, als daß es v-on Dauer sein kann! Ich soll kein Glück haben," setzte sie traurig hinzu.

Aber Kind, woher die trüben Gedanken aus einmal?

Komm, sei gut, und laß mich deinen Mund küssen, damit

er nicht wieder so Trauriges sagt."

Weltvergessen, ihrer Umgebung nicht achtend, saßen sie da. Es war so unheimlich Ml um sie her geworden; eins drückende Schwüle lag in der Luft, und kein Blättchen regte sich. Ani Horizont stand eine dicke schwarze Wolkenwand, die immer näher kani. Da führte ein plötzlicher heftiger Windstoß Marys Hut, der neben ihr lag, hoch in die Lust erschreckt fuhren beide auf.

Wolf, ein Gewitter," kam es ängstlich von ihren Lippen.

Beruhige dich, Mary, es wird nicht so schlimm sein," tröstete er,ich will schnell deinen Hut fangen."

Nein, laß nur, bleibe hier," bat sie zitternd, sich wie ein scheues Vögelchen an ihn schmiegend,o, nur nichts sehen, nichts hören!" Er knöpfte seinen Wafsenrock auf und nahm das angstbebende Mädchen an seine Brust, den Rock um sie schlagend und sie vor der Gewalt des Sturmes zu schützenl suchend, der unheimlich brausend daher kam. Die Bäume beugten sich unter seiner Macht: hochauf wirbelte er Blüten und abgeknicktc Blumen und Zweige durch die Lust. Ein Blitz, der auf eine Sekunde die Gegend taghell erleuchtete, durchs schnitt das Gewölk gleich darauf folgte ein krachender Donner, und nun ging es los Blitz auf Blitz, Tonnet auf Donner! Große Regentropfen begannen zu fallen ratlos sah sich Wolf um der Baum bot nicht genügenden Schutz irrt Gegenteil aber wohin? Er war für sich nicht ängstlich, aber das Mädchen in seinem Arm! Da fiel ihm ein, daß ganz in der Nähe das Hüus des Friedhofs»! Wärters war: dorthin wollte er. Kurz eutschlossen zog er den Rock aus, hüllte trotz ihres Widerstrebcns Mary fest darin ein und eilte, sie auf dem Armb tragend, des strömen­den Regens nicht achtend, nach dem Hause. Tic Tür geivährte einigen Schutz; behutsam ließ er das Mädchen zur Erde gleiten und klopfte damr an das Fenster, das mit Läden ver­schlossen war, durch die ein Lichtschein schimmerte.Wer ist da?" tönte eine Stimme von innen.Gewähren Sie uns für ein Weilchen Zuflucht," bat Wolf. Einen Augenblick später wurde die Tür aufgeschlossen; der Fricdhofswärter mustert» die Draußeustchcnden mit erstaunten Blicken und sagte dann kurz:Komnren Sie herein!" Mary und Wolf traten in das cinsachc saubere Stübchen. Eine Hängelampe verbreitete ein riildes Licht; auf dem Sofa saß eine ältere Frau die bc'dem Eintreten der Fremden das Gesangbuch, in d?m sie las, auf den Tisch legte und sich erhob. Auch sie war sehr ersttiunß über die späten unerwarteten Gäste; jedoch sagte sie nichts, sondern war Wolf behülflich, die zitternde Mary aus ihrer Umhüllung zu befreien.

(Fortsetzung folgt.)

Auf den Spuren der Römer im Odenwald.

Von Hans Otto Becker.

Wer heule den Odenwald durchwandert, wird abgesehen von zahlreichen anderen Sehenswürdigkeiten, die geschichtliche Erinne­rung in reichem Maße auslöien auch mitunter aus den Spuren der Römer wandeln. Ter Odenwald stand einst unter römischer Herr­schast, er lag innerhalb des durch den Psahlgrabcn abgcgreuztcn Ge­bietes, dem sog. Tckumatenwaid. Dauernd unterworfen war das ganze Gebirgsland jedoch nicht; römische Herrschaft beschränkte sich woht auf den Westrand des Gebirges, die Bergstraße, und das Mümlingtal im Osten nebst seiner Umgebung, denn diese beiden Partien waren dem Verkehr leicht zugänglich, während das Innere des Waldgebirges völlig unwegsam und unwirtlich war.

Bevölkert war der Odenwald von den Alemannen, die um 213 n. Ehr. hier crsck>einen; heute noch erinnert an sie das ale­mannische Haus, der einstöckige Fachwerksbau, der im Erdgeschoß den Stall birgt und zu dessen Wohnraum die hohe Treppe, die Stassel hinaussührt. Mit den Alemannen lagen die Römer im 3. und 4. Jahrhundert in ewigen Kämpfen. Besonders im südwestlichen Teil des Gebirges finden nür heute noch Ringwäsle, die den Ale­mannen Schutz gegen die Römer boten, so auf dem Heiligcnberg bei Heidelberg, uird aus dem Steinderg in der Nähe von Ober­slockenbach. Aus dem Heiligenbcrg wollte der Kaiser Valentinian vertragswidrig eine Festung bauen, aber die Alemannen erschlugen seine Bauleute. Dieser Kaiser erbaute auch eine Festung an der Stelle des heutigen Mannheim.

Die Rheinebene und die Bergstraße war sicherer Besitz der Römer. Die Bergstraße, die von Heidelberg nach Darmstadt führt, war eine wichtige Verkehrs- und Militärstraße, die die Verbindung mit der römischen Stadt und Festung Moguntiacum Mainz vermittelte. Ter Hauptort der römischen Bergstraße war Lopv- dunum, das heutige Ladenburg, ausfallend durch seine mittelalter­lichen Sladttürmc. Nur kurz ist Jbgr Weg, der von der nördlichen