Ausgabe 
8.1.1914
 
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rechnet der vielen kleinen Unternehmer, die mit 1 Pferd oder Kühen Vorspanndienste leisten mutzten.

Ober-AtÄ>ellationsrat v. Grolmann hatte eine Rede an die provisorisch-organisierte Landwehr" gehalten, die aufBefehl" deS Oberbürgermeisters Grohmann bei Gebrüder Schröder in einer Auflage von 1200 Exemplaren auf Kosten der Stadt gedruckt wurde.

Wenn auch der Friede erst am 30. Mai 1814 abgeschlossen wurde, so feierte man doch schon am 2 4. April ein Tankfest für den glorreich beendeten Krieg. Am Vorabend, Samstag den 23. April, wurde eine Stunde urit allen Glocken geläutet und damit der Festtag cingcleitet. Am Sonntag tmirde ei»Tc Teum" ge­sungen, vermutlich auf demBrand", da der Neubau der Stadt- kirchc noch nicht vollendet, und die Burgkirche für die Feier zu klein warWährerrd des Absingens desselben wurde mit allen Glocken geläutet." Am Sonntag abend war das Rathaus illu­miniert, und freudige Stimmung beherrschte die Gemüter der Betvohner, glaubte nran doch hoffen zu dürfen, dah der bevor­stehende Abschluß des Pariser Friedens ruhigere und geordnetere Verhältnisse bringen lvürde. Leider eine trügerische Hoffnung!

Aus Der, sch-5üd-west.

* T er u n t erbroche n e Ein z u gsm arsch. Als die erste Verstärkung der Schutztrupve für den Süden des Schutzgebietes Südwest-Asrika im Juli 1004 eintraf, sollte deren Einzug in Ke etwa ns hop, dem Hauptortc des Südens in feierlicher Weise von statten gehen. Eine schon auf dem Schiffe zusammengcstellte Bataillonsmusik, 8 Mann stark, war zur Hälfte mit der früher abgerückten 8. Fcltz Kompagnie vorgeritten. Vor dem genannten Orte vcrsaninielten sich nun beim Näberkommen der noch fehlen­den 8 Feld-Batterie, der Stab des Bataillons, die Spitzen der! Behörden und natürlich die ganze weitze und eingeborene Bevöl­kerung. Noch eine kurze Rast tvurde gehalten, wobei die be­schmutzten Unifornicn und Stiesel gereinigt und der dickste Staub von den Gesichtern abgewischt wurde. Jetzt kamen die Musiker der Kompagnie an, die beritten den Einzug mitmachen sollten; sic boten, des Reitens noch nicht ganz sicher, aus den ohnehin unruhigen Tieren einen gerade nicht so strammen Anblick. Das Komulando zum Abmarsch ertönte. Mit Spannung verfolgte jeder neben den auftauchendcu Schensivürdigkeitcn Keetinaushops die Bewegung der braven Musiker. Zuerst ging die Sache ganz gut, bis man ui die Nähe des Vichkrales kam, aus welchem das Gebrüll der Ochsen ertönte, da wurden die Pferde wild. Das eine raunte mit seinem Reiter so dicht aus einen Baum zu, datz der Hut desselben hängen blieb, ein anderes setzte seinen Musiker direkt in den Sand. Zu allem Unglück wurde noch das Blasinstrunient eines dritten von einem Fahrzeug überfahren Mit der Musik war es aus. Unsere schwarzen Landsleute aber setzten den so jäh unterbrochenen Einzugsmarsch zum allgemeinen Gaudium mit einer schrecklich quiekenden Ziehharmonika fort und vor der Kaserne der alten 3. Feld-Äompagnic endete der so feierlich begonnene Einzug in allgemeiner Heiterkeit.

* Wie wir unsre Schuhe verloren! Das klingt gelvitz recht sonderbar und doch ist cs einmal passiert, datz wir mit neuen Schubeii auszogeu und mit sellbewickelten Füßen lvieder ffis Lager kamen. Ter Vorgang spielte sich solgendermatzen ab: Im sAugust 1906, als die Truppe die Eingeborenen in die wil­desten Berge verfolgte, bekam unsre Batterie 8. II. den Auftrag, der Abteilung Bech Proviant nachzubringen. Etwa 40 Mann, mit dem so beliebten Ltn. Müller als Führer, machten sich mit ca. 50 schtvcr beladenen Maultieren auf den Weg. Steile Felsenstege tourden erklommen und zerschundc» und zerrissen kamen wir am Ilbend des dritten Tages im Lager der genannten Ab­teilung an. Grob tvar die Freude der Kämeraden, als wir mit dem ersehnten Proviant ankamen. Ein großer Teil des­selben war leider durch die ootlständig zersetzten Säcke verloren gegangen und gerne gaben wir den ausgehungerten Kriegern noch einem Teil von unserem, für den Rückmarsch bestimmten Vorrat. Nachdem tvir im Lager übernachtet! ließ uns am anderen Morgen der Führer der Abteilung, Hptm. Bech, antreten und stellte uns den sondeibaren Antrag, unsre guten Schuhe seinen Leuten abzugeben. Einen Augenblick stutzten wir, dam, aber siegte das Mitleid mit den Kameraden, die ihre Füße nur not­dürftig mil Fellen, Lumpen und gänzlich zerrissenem, durch Riemen zusamuieiiaehaltenei, Schuhzeug bedeckt hatte». Flugs zogen wir unsere Lchuhe aus und bedeckten die Füße mit jenes Natnrbeklcidung. Scherzend und lachend über unser so schnell verändertes Aussehen traten wir den Rückweg an und auch unscr alter Hauvtmann Sichert tvar wie a»S den Wolken ge­fallen, als er seine Leute so tviedersah.

verinischte».

Icos. Wes bald sind niedere Naturvölker Kan­nibalen Das entsetzliche Schichai. das jetzt wieder tzwe, deutsch.: tvorschungsreiseiide aus Neu-Mecklcnburg im Bismarck-Archipel ge funden haben, vre mit ihren 14 eingeborenen Begleitern Menscl)en- fressern zum Opfer getallen sind, lenki unsere Aufmerksamkeit wieder

auf diese grausame Sitte, die sich bei vielen niederen Völkern findet. ES ist für uns schwer, eine Erklärung dieser Gebräuche zu finden. Wir belrachten sie als tierisch und mensckzeiuimvürdig. Bon Inter­esse dürste cs da sein, eine Erklärung ins Gedächtnis zurückzurusen, die der bekannte Schriftsteller Bölsche in seinem Büchelck^nDer Mensch der Vorzcst" gibt. Er schreibt da: Kannibalismus kommt noch heute bei Naturvölkern vor ltnd keineswegs bloß bet den primitivsten. Anderseits ist der Schritt überhaupt noch lvieder ein kolossaler von einer gewissen internen Slammcsmoral, die das Lebe» eines Genossen unter Umständen schon äußerst hoch cin- schätzcn kann, und dem Verhalten fremden, feindlichen Stämmen gegenüber, wo jede List uird Grausamkeit gilt. Man muß noch in der Ilias Nachlesen, wie lange in der Kntturmenschheit selbst auf glänzender Stufe hier noch vollkommen doppcllc Buchführung palt. Gerade der Kannibalismus hat aber vielleicht noch eine be­sondere und für sich wieder bedeutsame Seile. Er ist eigentlich im Tierreich ein seltener, ungern geübter Brauch, bedeutet also beim Menschen etwas in gewissem Grade besonderes Wähcend unsere moderne Kulturmoral durchweg geneigt ist, in ihm noch eine ganz apart rohe, bestialische Nreigenschaft zu sehen, ist cs sehr wohl möglich, daß er gerade erst mit dem Envachen feinerer, tzcisstig fortschrittlicherer Gehirnkombinationen sozusagenphilosophnch" entstanden ist. Ein typischer Kannibalcnglaube von heute ist näm­lich, daß durch das Verzehren der Seid* des Besiegten seine Krast, seine Tapscrkcit durch einen seelischen Akt in den Verzehrer über­gehen. Also eine Idee aus dem Borstellungskreise des Serlcns- glaubens, sozusagen des Unstcrblichkeitsglaubens! Nach dieser A x> sicht töten also die Kannibalen den Fremden nicht etn>a, um sich von ihm zu nähren. Sie töten den Fremden nur, wenn sie in ihm einen Feind sehen. Und wie man sonst allgeniein dem Besiegle» Schmuck und Besitz nimmt, um sich zu bereichern, so suchen die Kannibalen durch Verzehren des Leichnams sich dessen Krast und Geistcsgaben anzueignen.

kos. W i c hoch sind die Meeres wellen? Große Wellen entstehen nur bei großer Wasserfläche. Dabei nimmt die Höhe der ersten an der dem Wind zugewandten Küste entstehenden Welle sehr allmählich nach dem offenen Meere hin zu.und auch die nächsten Wellen sind nur um wenig größer Cornisch inaß die Wellen gröberer Wasscrfläckzen, zunächst des Genfer Sees, wo er als Maximum 2-'/« Meter Höhe feststellte. Im Lake Superior (Nordamerika), der allerdings viel größer ist, gab es Wellen von säst 7 Meter Höhe. Im Mittelländischen Meere, also einem ganz von Land umschlossenen Becken, konimen ebenso Ivie im Chinesischen Meere Wellen von 2430 Meier Höhe vor. Diese Zahlen stützen sich aus die Berichte von Seeoffizieren. Cornisch weist aber darauf hin, daß die Höhe der Wellen bedeutend zunimmt, wenn sic sich am Schiffsrumpf brechen. Auf freiem Meere werden solche Höhen

kaum erreicht. ----

Sprachecke der Allgemeine» Deutschen Sprachvereins.

Seltsame Zuschnitten. Seltsame Jnschristen kann man allenthalben ans Ladenickuldern finden. Ta fchieibl einer großmcichlig an: ,An und Verkauf von Kunst und Antiquitäten". Also er kauit und vertäust -Kunst". Höchst sonderbar l Oder iollte der gute Mann gar Zlnnstitäten" meinen? Tc» Bindestrich lasten die Herren Maler ja beule öhnehi» meist weg oder fetzen ihn wohin ec nicht gehört: und da er in >c»er Anichriit auch hinter .Sin" nur zu denken, nicht zu leben ist, gilt das gleiche wohl Inr di« Kunst*. An einem anderen Fenster hat sich der Mater aus der Enge und Klemme zu Hellen gewußt, indem er einem Fremdwort ein paar Buchstaben ans der Milte wegnahm. Ta da» schön« und lange Wort .Abonnements" nicht au! der Scheibe mileizubrlngen war, schrieb er einfach .Abonnent«" an: AbonnenlS au! alle Zeitungen und Zettschriilen. ltnd niemand mertt es l Ist doch gut, daß wir allerhand Fremdwörter haben' bei deutschen Wörtern ist solche Bcschncidnng nicht möglich, wenigstens ist sie nicht so »n- onssäflig anznbrmgen. _

viiserratfel.

Auflösung m nächster Nummer.

Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummerr HOHE OBER FEE E R R

Redaktion: K. Reu roth Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Universttäls-Buch- und Steindruckerel. R. Lang^ QU&tfe