Preußischen Obersten tu BraunselS,; aitTomntenicu preußischen Truppen ist am 7. der Weg nach Klcinlinden undTndenhofen zu zeigen. Wichtige Briefe sind durch Eilboten am 8. nach Wetzlar, Lich, Marburg und Großwerda, 2 Stunden von Marburg, zu bringen. Am 8., 17., 20., 25. und 81. Januar sind eilig Fuhren zu bestellen „sür das Tag und Nacht durch passierende Militär". Am 14. und 17. bekommt Kleinlmden preußisches Militär als Einquartierung. Tahin müssen auch 6 Personen Ochsen für das Proviantamt treiben. Am 20. wird die preußische „Generals-Bagage" ebenfalls dahin geleitet. Aus dem „Brand" in Gießen geht es lebhaft her; da such fortwährend Tuch und Gewehre auf- und abzukaden. Am 9. Januar wird das Rathaus geräumt und gereinigt, „wo die blessierten Preußen 4 Monate gelegen". Am 17. müssen dort wieder kranke Personen ausgenommen werden. Am 26. sind 5 Personen bei den „Rekonvaleszenten" auf dem Rathaus tätig und erhalten dasür 7 sl.
15 Krz. Außerdeni mußte auf der „Pulverniühle" und in der „Ziegelhütte" für den Wärterdienst bei den Kranken gesorgt werden; der Wärter erhält jetzt durchschnittlich täglich 1 fl. Am 14. Januar waren 7 500 fl. für hie gelieferte Fourage zu zahlen, welcher Betrag in 15 Stück Obligationen zu je 500 fl. entrichtet wurde.
Am 1. Februar Mußte in der Nacht ein Bote nach Reiß- kirchcn abgehen, um die „dem Vernehmen nach" dort angekommenen Ulrich st einer Fuhrleute in Empfang zu nehmen und sofort weiter zu leiten, da sie Morgens früh in Gießen sein; sollten. Ta die Uingegend vion Gießen nicht die nötigen Fuhrwerke stellen konnte, mußte man sogar Fuhrleute aus dem Vogels- terg beordern. Am 8. Februar müssen Ambosse, Schmiedewerkzeuge und Hobelbänke für das „K. Pr. Laborachrium" ins Zeughaus gefahren werden. Am 10. Februar waren wieder 600 sl. für gelieferte Fourage fällig. Für 2'/* Ohm Branntwein müssen an Ad. Gibb 106 fl. gezahlt wprdeu, an Jos. Hornberger 46 fl. 21 alb für 360 Rationen Fourage, „welche von Homberg a. d. Ohm in das hiesige Magazin geliefert". Am 9. kommen „preußische Wagen" an, die nach Großlinden geleitet werden. Am 12. erhalten Rechtenbach, Kleinlinden, Steinberg preußische und russische Truppen als Einquartierung. Vom „Windhos" müssen Fuhrwerke geholt werden. Am „Ncuweger Tor" werden Pulverfässer aufgclahen. 6 Mdann erhalten am 16. Februar 1 sl. 30 Kreuzer, „weil sie 2000 Patronentaschen und 2600 Kobel an der Reitbahn aufgeladen". Ludwig Flett erhält, „weil er vom 19. Januar bis 19. Februar bei Tag und Nacht als Quartiermacher tätig getvesen", 24 fl.. 48 'Krz. „BKoldung". „Für seine Bemühungen beim Stadtquartieramt" werden dem Tolmetscher Cher- bansky neben freier Verköstigung für den Januar 40 fl., im Februar zweimal je 6 fl. h^ahlt.
Jeden Abend mußten die einzelnen Stadtviertel, in denen Einquartierung lag, genau revidiert werden. Tie Visitation erforderte durchschnittlich im Monat «ine Ausgabe von 35 sl. „Tie Visitatoren hatten über di« Vorgefundene Einauartierung jeden Morgen ihren Herren Kommissarien schriftlich Bericht zu erstatten." (
Beständig mußten von hier aus Lieferungen nach Frankfurt Und Höchst a. M. abgehen „für Verpflegung des Bloquabc- Korps von Mainz". Mainz war noch von Franzosen besetzt und wurde von deutschen Truppen zerniert. Erst nach dem Sturze Napoleons zogen im Mai die Franzosen von Mainz ab, obwohl sic noch Mittel genug gehabt fetten, sich gegen die Verbündeten zu halten. Tie Einwohner von Mainz und die französischen Soldaten sympathisierten nach wie vor mit dem entthronten Kaiser. Bei ihrem Abzüge schäumten französische Soldaten vor Wut, zerbrachen ihre Waffen, und der General hatte Mühe, sie in Marsch zu bringen.
Tie Aktion der verbündeten Armeen gegen Napoleon im Februar 1814 erheischte beständig Truppennachschiebun- g«n. So vergeht im März kein Tag und keine Nacht, an denen in Gießen nicht Truppendurchmärsche stattsanden. Am 6. und 7. März trafen kur hessische Truppen ein, die hauptsächlich in Hcuchelheim und Kleinlinden einquartiert ivurde». Kursürst Wilhelm I. von Hessen-Kassel war nach der Auslösung des Königreichs Westfalen im Kiovember 1813 wieder in sein Land zurück- gekehrt. Sofort wurden die alten kurhessischen Regimenter »Meder neu organisiert. Am 18. Dezember erließ der Kurfürst einen Aufruf zur Bildung eines freiwilligen Jägerkorps, das am 19. Februar 1814 ins Feld rückte. Auch das Regiment „Kurprinz" rüche aus; vermutlich kam es durch Gießen; denn der Wirt Eonrad Schwan zum „Schwanen" iWalltorstrahe) erhält I sl. ausbezahlt, weil er am 6. März „vor dem Kurprinz seine 8 Hunde"
16 Pfd. Brot und 1/2 Psd. Butter geliefert hat. In deni Rechnungsbeleg steht die Randbemerkung; „Gut dasür Büchner" (Lan- deskriegskommissar).
Auch in Gießen ließen sich infolge des Ausrufes des Großherzogs Ludwig I. in die freiwilligen Korps Staatsdiener, Gelehrte und Studenten cinreihen. Mit der Bildung der „Landwehr" und des „Landsturms" ging es langsamer voran. Am 4. März liquidiert der.Militärkommissar v. Rabenau von der Stadt für seine Bemühungen bei der „provisorisch- 0 rg a n isi e rt e n L a ns) w e h r" für die Zeit vom 21. Februar bis 4. März 49 sl. In 920 Giehener Familien ivurde die Aushebung zur Landwehr vorgenoinfncn, Tie Aushebungskommiiliou.
die hauptsächlich beim Messen der Wchrkente tätig war, bestanv aus denr Polizeirat Raiß, dem Bürgermeister Gsoßmann, dem Ratsschössen Tasche und dein Advokaten Rumpf. Sic erhielten durchschnittlich für ihre Bemühungen je 21 fl. 49 Krz. aus de« Stadtkasse. Am 29. März ersucht der Adjutant Merck das Ratskollegium um Ablassuug von „Manualien sür Listen und Ordres für die 3 Kompagnien der provisorischen Landwehr deS Stadtamts Gießen."
Im April bis Mitte M a i passieren noch sächsische und preußische Truppen die Stadt zu einer Zeit, als die deutschen Tnippen in Frankreich sich schon zum Heimniarsch rüsteten. Es werden noch während dieser Monate allein IM fl. verausgabt „für Bestellungen von Fuhren und beim Quartieramt". Ferner kommen noch zur Ausgabe am 10. April: 261 sl. 15 alb. als Fuhrlohn „für Heu Nebst Hafer und Säcke, welch« sür das Blocade Corps vor Mainz nach Höchst geliefert werden imüssen", ferner 187 fl. 13 alb. 7 Pfg. zur Anschaffung von Gemüse und Fleisch dahin. Ratsschüff Jugharb erhält am 20. April ausgezahlt 3528 fl. 12 alb. 4 Pfg. für 2760 Pfund Mehl und 6844 Pfund Grütze, „welche vom 26. Dezember 1813 bis 20. April 1814 zur Lieferung «»geschasst werden mußten". lJn Gießen bestand ein Berpslegungs-Hauptdepot.) Am 23. Juni muß die Stadt Gießen ihren Anteil an den Fuhrkosten bezahlen, „um das Reserve Magazin von Siegen nach Höchst zu fahren". Am 13. Juni waren wieder 1000 fl. fällig für gelieferte Fourage.
Mit der Rückkehr der Truppen vom französischen Kriegsschauplatz wird unsere Gegend ivieder im Juni mtt Militär über- fchwemmt. Die ankommciiden Truppen waren hauptsächlich Russen. Russische Einquartierung erhalten am 4. Juni; Rodheim, am 6. Lollar, ani 7. Reiskirchen, am 9. Langgöns, Großen-Linden, am 10. Annerod, Steinberg, Wieseck, am 12. Wißmar, Lollar, Dau- bringen, am 13. Trohe, am 14. Heuchelheim, am 15. Taubringen> am 18. Bersrod. Außerdem kamen noch Preußen und Kurhessen an. Am 18. Juni mußten Fuhrwl'stke 'für die Russen gestellt! werden, die Alsfeld als Marschziel hatten.
Die zweite Hälfte des Jahres 1814 verlief ruhiger, wenn auch imnrer noch täglich einzelne Kolonnen ankamen. Das Stadtquartieramt befand sich vom Januar bis Mitte September bei Frau Inspektor Ferber. Das Quartieramt liquidiert sür den Verbrauch von Lichtern, Papier, Federkielen, Siegellack vom Januar bis Dezember 1814: 123 fl.; mithin war es noch im Dezember tätig. 52 fl. Zins werden bezahlt vom Juni bis September für
2 Stuben, „wo die preußische Artillerie ihr Schuh und Lederwerk aufbewahren". Im November werden noch 3 fl. vergütet für „Aus- und Alstaden von Militärsachen". Auch kranke französische, russische und preußische Soldaten mußten noch bis Ende des Jahres 1814 verpflegt werden; sie lagen in der „Ziegelhütte" und in dem Saal« des „Hirschwirts" am Scltersweg (frühere Eiscuyumuung von Kröll).
Das Landwehrbataillon bestand nach einer Bemerkung in der Rechnung aus 5 Kompagnien; es werden aber nur die Hauptleute von 3 Kompagnien erwähnt, so daß angenommen werden muß, daß die nächste Umgebung von Gießen die 4. und 5. Kompagnie stellte. Tie erste Kompagnie führte Kapitän Schott, die zweite v. Grolmann, die dritte Kapitän Limbert. Wann die Uebungen der Wehrleute stattsanden, konnte nicht sestgestellt werden. Nur die „Tambour-Exercitien" unter dem Bataillonstambour Schäfer werben erwähnt: sie beginnen schon im März und setzen sich bas ganze Jahr über bis 1815 fort. Am Uebungstag erhielt jeder Tambour für „Versäumnis" (der Arbeit) 20 Krz. 6 Tam- boure werden genannt: Junker, Kreuter, Müller, Ramspeck, Dreier, Rinn. Für Anschaffung von dunkelblauem Tuch zur „Montierung der Bürgertambours" tverdcn 104 fl. 37 alb. verausgabt. An Schnciderlohn werden am 29. Juli bezahlt für 6 Röcke ä 2 fl. = 12 fl., für 6 Paar Hosen ä 40 Kirg. — 4 fl., für 6 Paa« Kämaschen ä 40 Krz. — 4 sl., 6 Kappen ä 20 Krz. == 2 fl. Joh. Heinrich Schafstädt erhält 1 fl. 6 alb. für Lieferung von
3 Paar Trommelstöcken. 7 fl. erhält Jakob Wallenfels für 1 Stube, „worin die Bürger zur Landwehr ausgeschrieben und gemessen werden". Tie Wehrleute mußten sich Montierung und Ausrüstung selbst stellen: nur ärmeren Mitgliedern des Bataillons wurden Beihilfen gewährt. So wird in der Stadtrechnung ein verausgabter Posten von 150 fl. aufgeführt als „freiwillige, Beitrag aus dem Stadtaerario zu den angeschasften Gewehren",
Im ganzen wurden im Jahre 1814 von der Stadt Gießen für Kriegszwecke verausgabt: 32 728 fl., und zwar sür Botenlohn 1950 fl., für Lieferungen 11514 fl., für Kriegssahrten 19 264 sl. Tie Ausgaben für geleistete Kriegssahrten waren für die Stadtkasse am drückendsten, wenn auch vielleicht einzelne Bürger daraus Vorteil zogen. Dafür mußten sie aber auch oft mit dem Verlus« von Wagen und Gespann rechnen. Gießen muß damals viele leistungsfähige Fuhrwertsbesitzer gehabt haben. Ter größte Fuhr- werksbefitzer war Justus Balthasar Müller, Gastwirt zum „Hirsch". Er erhielt sür Kriegssahrten im Jahre 1814 2368 sl. Weitere hohe Beiräge wurden gezahlt: an Jos. Fleck 1775 fl., an Konrad Schavan „zum Schwanen" 1136 fl., an Ludwig Konrad Flett 1113 fl.' an Postmeister Kempf 753 fl., an Balthasar Vogt 514 sl., an Magnus Schäfer 584 fl., an Christian Ferber 672 sl. In der Rechnung würben außerdem noch mindestens 75 Fuhrleute aufge- führt, denen Beträge von 200—760 sl. bewilligt wurden, unge»


