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ich> Wrosit!" Gr leerte daS dargereichte GlaS auf einen Zug, „ah, das tut gut bei der Maikühle draußen!"•
„Zigarre gefällig?" 1 :
„Danke, ja — Sie wissen, meine Sorte I"
' „Viel Auswahl habe ich nicht —"
„Na ja, wer solch Sonntagsraucher ist, wie Sie — " er brannte sich» die (Zigarre an und blies den Rauch in kunstgerechte» Ringeln von sich, während er sich behaglich im Schaukelstuhl wiegte, „so, nun ists gemütlich — Donnerwetter, ich weiß nicht, woran das liegt, bei Ihnen, Mölschen, fühle ich mich immer am wohlsten."
„So, das freut mich; dann kommen Sie nur recht oft; ich sehe Sie am liebsten bei mir, Strachwitz, weil Sie ein guter Kerl sind," sagte Wolf herzlich.
„Wirklich, Mölschen? Das freut mich ganz unbändig, wenn Sie das sagen. Auf das, was die anderen sagen, Pfeife ich. Da sind so ein paar, wissen Sie, die drei, die da unten! immer am Tische sitzen — weiß Gott, die Kerls sind mir Zuwider mit ihrer scheinheiligen Visage — die Pfennigfuchser, die einen, das hißchen Geld nicht gönnen, das man mehr hat als sie!" In seiner Erregung setzte er den Schaukelstuhl in immer heftigere Bewegung.
„Nur langsam," lächelte Wolf, „ich habe ja auch nichts! r-. Lassen Sie die Kerle nur in Ruhe; inir sind sie auch nicht sonderlich sympathisch, hauptsächlich der Brenner — " „—i na, das beruht ja auf Gegenseitigkeit; der wünschte Pie auch am liebsten dahin, wo der Pfesser wächst! Denn «ach seiner Ansicht sind nur Sie ihm bei der Ulrich ins Gehege gekommen — das Mädel ist ja ganz verrückt nach Ihnen —"
„Lassen Sie das doch, Strachivitz! Sagen Sie lieber, was Sie trinken wollen - - jPMener oder einen leichten, Mosel — ich habe da eine ganz vorzügliche Sorte —" nee, lieber Pilsener, wen» es Ihnen egal ist!" Nachdem der Bursche das Gewünschte gebracht und sich wieder entfernt hatte, stärkte sich Strachwitz durch einen kräftigen Schluck; dann fuhr er fort, hartnäckig am porigen Thema sesthaltend:
„Na, leugnen können Sie doch nicht, daß die Ulrich in Sie ganz gehörig verschossen ist — schön ift'3 schon nicht mehr, wie sie Ihnen nachrennt. Sie soll gesagt haben — ich muß ihn haben — ich muß — koste es, was es wolle. Mas sagen Sie dazu? Verrückt, was? Zwar eine gute Partie ist sie, Moos ist genug da, ein hübsches Mädel ist sie auch,
8 ir meinen Geschmack allerdings zu massig, ich liebe das »mutige, Graziöse, kurz, eine Figur, wie sie die kleine Winters hat, zierlich und doch voll — das so nebenbei, also Fräulein Ulrich, wenn sie auch ein bißchen dick ist — hier sltzt's ebenfalls," er machte dabei die Gebärde des Geld- «ihlens — „tun Sie ihr doch den Gefallen, sie zu heiraten, wäre gar nicht so übel," und beobachtend sah er den yteugd an.
„Nein," lautete dessen fast schroffe Antwort.
„Warum nicht?"
„Weil ich mich erstens niemals ums Geld verheiraten würde und zweitens, weil ich dies eitle, oberflächliche Geschöpf niemals lieben kann — ohne Liebe heiraten, nein — lieber als Junggeselle mein Leben beschließen!"
„Wissen Sie auch. Mölschen, daß dieses starke Protestieren gegen die schöne Gabriele mich lebhaft auf etwas gnderes bringt'?" Strachwitz stand auf und stellte sich dicht por ihn, seine Hand aus Wolfs Schulter legend. Dieser zuckte etwas unter dem forschenden Blick zusammen und sagte Knmutig:
„Sie sind nicht gescheit!"
„Daraus bringt es mich," fuhr Strachwitz fort, den Einwurs gar nicht beachtend, „daraus, daß Sie eine andere gerne haben, und ich weiß auch, wen: jenes kleine süße Ladenmädel, das Sie schon seit acht Tagen anschmachten —"
„Strachwitz, >ver gab Ihnen das Recht, mir nachzuspionieren?'' rief Wolf aus, dunkelrot werdend. Er sprang aus und durchmaß heftig das Zimmer. „Das ist nicht hübsch von Ihnen, das ist —"
„Sachte, sachte, ich iveiß, was ich weiß und meine es nur gut! Was haben Sie denn von dem Anhimmeln? Wenn Ihnen das Mädel gefällt, zum Kuckuck, so schreiben Sie ihr mal um ein Stelldichein! — Ich will nur nicht, daß es »ock, andere merken - dem Brenner z. B. ist Ihr verändertes Wesen schon aufgefalleu — das ist doch der reine Spürhund — die anderen machen sich schließlich noch lustig
über Sie als schinachtenden Seladon! Seien Sie doch offen gegen mich, Wölfchen!" - ■ i (|
Wolf stand am Fenster, die Stirn an die Scheiben gelehnt. Draußen floß der Regen in Strömen, und nur hin und wieder huschte eine vereinzelte Gestalt unter dem Schutze eines Schirmes über die Straße. Strachwitz trat zu ihm. „Was gibt's denn da so Interessantes zu sehen? Nun kommen Sie mal her und stehen Sie mir Rede!" Damit zog er ihn mit sich und drückte ihn auf den Divan, vor ihm stehen bleibend: „Also, Sie haben das kleine Mädel gern?"
„Ja, ja," rief da Wolf, — „fragen Sie doch nicht weiter — ich weiß ja selbst nicht, was daraus werden soll; dies süße Gesicht verfolgt mich Tag und Nacht!"
„Das ist doch sehr einfach — sagte ich ihnen nicht — i l
„Nein, Strachwitz, bleiben Sie mir mit Ihren Ratschlägen fern. Wenn ich mich ihr nähere, will ich auch genau wissen, warum ich es tue, was ich will — andersl niemals —!"
„Also umschrieben für Heiraten! Nun, ich will Ihren Ansichten durchaus nicht entgegentrcten, gebe Ihnen aber zu bedenken, daß Sie doch erst das Mädchen prüfen müssen, ob sie auch würdig ist, Frau von Wolfsburg zu werden, denn mir scheint, als ob Sie sich stark mit Heiratsgedanken; tragen! Ein hübsches Gesicht genügt aber nicht dazu — Sie wissen ja gar nicht, ob die Kleine überhaupt richtig schreiben kann. Eine ungebildete Frau ist stets ein Hemmnis für einen gebildeten Mann und besonders für einen, ivie Sie sind! — Haben Sie auch daran gedacht, daß Sie Ihre Karriere aufgeben müßten?"
„An alles," versetzte er gepreßt, „Strachwitz. Sie haben recht! Vielleicht werde ich von dieser törichten Liebe geheilt, wenn ich das Mädchen erst näher keirne. Begreifen Sie eS denn nicht, daß man ihr gut sein inuß, wenn nian sie nun sieht?"
Strachwitz stieß einen leisen Pfiff aus und lächelte seltsam.
„Sie sind doch ein großes Kind, Wölfchen — gerade diese madonnenhaften Erscheinungen sind oft die raffiniertesten Koketten. — Na, ich will Ihnen wünschen, daß Sie nicht reinsallen — es wäre schade! Also kurz entschlossen
— schreiben Sie, damit Sie aus diesem Hangen und Bangen herauslommen! Sie sagen mir dann auch, wie die Sache verläuft; meiner Verschwiegenheit sind Sie selbstverständlich sicher! — Ich muß Ihnen jetzt gestehen, daß auch ich mich für die Kleine interessiert hatte; sollte sie mal von mir sprechen, denken Sie nicht schlecht von mir!"
Es kam so zögernd von seinen Lippen, daß Wvlfsburg ihn befremdet ansah. „Was ist denn, Strachwitz?"
„Bis jetzt habe ich Ihnen verschwiegen, daß mir dasselbe wie Hartleben passiert ist Auch ich war von ihr entzückt und versuchte es, ihr das auch zu sagen. Aber sie war sehr wenig entgegenkommend — kurz, sie hat mrch ganz gehörig abfallen lassen, und dieser Augenblick ivar einer der wenigen unangenehmen in meinem Leben! Sie hatte so eine Art, mich mit ihren großen Augen anzusehen, und einen Tonfall in der Stimme, daß ich nur wie ein gemaßregelter Schuljunge vorkam!" Das Bekenntnis wurde ihm sichtlich schwer; er stockte öfters in der Rede und zupfte unbarmherzig an dem schönen Bärtchen, dem er sonst seine sorgsamste Pflege angedeihen ließ. Aber auch in Wvlfsburgs Gesicht spiegelte sich bei jenem Bekenntnis eine unangenehme Betroffenheit wider, und unmutig sagte er:
„Daß Ihr doch so wenig Achtung vor einem alleinstehenden Mädchen habt, ihr Eure Galanterien aufzudrängen!"
„Na, die Kleine ist vielleicht die eine von den hundert, denen man das nicht bieten darf; darin habe ich Erfahrung!
— Um nochmals aus die kleine Winters zurückzukommen, was würden Ihre Angehörigen sagen, wenn Sie ihnen das süße Ding als Verwandte zusührten?"
(Fortsexung solgt)
Auf dem Markte in Genua.
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